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Erfahrungsberichte
14:07 Uhr · 3. Dezember 2020

Monika, 54, aus Oberbayern

Sie liebte Bewegung. Doch nach COVID-19 muss die Beamtin aus Oberbayern das Gehen neu üben.

Monika, 54, aus Oberbayern
Illustration: Neele Jacobi, tactile.news

“Meine Füße gehorchten mir nicht mehr”

Fieber und Atemnot hatte Monika, 54, aus Oberbayern irgendwann überstanden. Doch ein Post-Covid-Syndrom mit Störungen der Koordination belastet die Beamtin sehr.

Mein Mann schaute, ob ich noch lebe

In der akuten Phase im März hatte ich vor dem Einschlafen immer Angst, dass ich nicht mehr aufwache. Ich hatte Fieber, fühlte mich sehr schwach und litt an entsetzlicher Atemnot. Ich konnte nur mühsam sprechen, weil jedes Luftholen schwerfiel. Mein Mann schaute dann nachts alle zwei Stunden nach, ob ich noch lebe. 

Es dauerte zwei Wochen, bis es wieder bergauf ging. Einige Jahre zuvor hatte ich mit einer schweren Influenza-Grippe flach gelegen – das war im Vergleich harmlos. Jetzt fühlte sich jeder Gang ins Bad wie die Besteigung eines Dreitausenders an. Ich war so erleichtert, als die akuten Symptome endlich abklangen. Doch die Enttäuschung folgte bald. 

Dann überfiel mich bleierne Müdigkeit

Obwohl das Virus in meinem Körper nicht mehr nachweisbar war und ich als genesen galt, fühlte ich mich auch im Sommer alles andere als gesund. Eigentlich bin ich ein sehr aktiver Mensch, aber ich quälte mich Morgen für Morgen aus dem Bett, ganz gleich, wie lange ich geschlafen hatte. War ich dann bei der Arbeit angekommen, schien es für zwei, drei Stunden besser zu gehen. Bis mich wieder eine bleierne Müdigkeit überfiel. 

Eines Tages fragte mich ein Kollege, warum ich beim Gehen ein Bein so seltsam nachziehen würde, und auf dem Nachhauseweg sprach mich ein Passant an, ob er mir helfen könne. Da merkte ich erst, dass mir das Gehen nicht nur aus Erschöpfung schwer fiel, sondern weil ich Koordinationsprobleme hatte. Meine Füße wollten mir nicht mehr recht gehorchen. Außerdem leide ich bis heute an Herzrasen. Das überkommt mich mehrmals täglich, selbst wenn ich mich nicht bewege und nur sitze. Meine Ärzte haben mich von Kopf bis Fuß durchleuchtet.

“Die Ärzte bezeichneten meine Beschwerden als ‘Post-Covid-Syndrom’.”

Leider konnten sie keine Ursachen ausmachen. Die Ärzte bezeichneten meine Beschwerden als „Post-Covid-Syndrom“. Im September ging ich in Reha und übte: Treppen gehen, geradeaus Laufen, dreimal täglich auf die Rüttelplatte. Auf der bekam ich 26 Stöße pro Sekunde, um den Gleichgewichtssinn zu trainieren. Nach zwei Minuten war ich völlig k.o.

Das Robert Koch-Institut zu diesem Fall:

Monika erkrankte im Frühjahr an COVID-19. Sie musste nicht im Krankenhaus behandelt werden, hat aber seit Monaten starke Symptome. Sie kann noch nicht wieder Vollzeit arbeiten. Monika hat Recht, wenn sie sagt, dass COVID-19 keine Grippe ist. Das Coronavirus ist viel ansteckender. Von 1.000 Menschen ihres Alters, die mit einem Corona-Infizierten Kontakt hatten, stecken sich bis zu 220 Personen an und zeigen ebenfalls Symptome. Von 1.000 Menschen, die mit einem Grippe-Infizierten Kontakt hatten, stecken sich dagegen nur höchstens 70 Personen an und zeigen Grippe-Symptome.

Robert Koch-Institut

Aber es half. Jetzt kann ich an guten Tagen wieder eine Stunde lang Spazieren gehen. Aber wenn ich müde bin, fange ich schon nach einer halben Stunde an zu staksen und zu schlurfen. Dann kommen einfach keine Befehle mehr in meinen Füßen an, ein furchtbares Gefühl. Auch die Fatigue, diese Müdigkeit und geringe Belastbarkeit, dauert an.

Ob und wann es besser wird, kann mir keiner sagen. Die Krankheit ist einfach noch zu neuartig. Aber die bisherigen Fortschritte machen mir Hoffnung, auch wenn jede Tätigkeit ein Kampf ist, weil mein Körper einfach nur seine Ruhe will. Mein Verstand sagt mir deutlich, dass ich trainieren muss, wenn ich mein altes Leben wieder haben will. 

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