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Erfahrungsberichte
10:28 Uhr · 22. Dezember 2020

Nora, 23, aus Brand-Erbisdorf

Gerade schöpft die Pferdewirtin aus Sachsen Hoffnung: Ihre Leukämie ist besiegt. Da versagt ihre Lunge ‒ und sie infiziert sich mit dem Coronavirus.

Nora, 23, aus Brand-Erbisdorf /
Illustration: Neele Jacobi, tactile.news

“Plötzlich wurden die Arzthelferinnen nervös”

Es gab da diese eine Situation im Spätsommer, in der ich spürte, dass sich die Schlinge langsam zuzieht. Ich saß bei meinem Hausarzt, um ganz neu gegen Mumps, Masern, Röteln,Tetanus und Hepatitis geimpft zu werden. Nach der Stammzelltransplantation vor zwei Jahren hatte ich keinerlei Impfschutz mehr. Plötzlich wurden die Arzthelferinnen um mich herum nervös. Sie baten mich, nach dem Pieks die Praxis schnell zu verlassen. Gleich käme da ein Patient mit dem Verdacht auf Corona, sagten sie. 

Schnell bin ich nach Hause gefahren. Ein Virus, das es auf die Lunge abgesehen hat, konnte ich wirklich nicht gebrauchen! Denn vor drei Jahren bin ich an Leukämie erkrankt. Ich bekam Chemo und eine Stammzelltransplantation. Alles schien wieder gut zu werden. Ich hatte den Krebs besiegt.

„Das Sauerstoffgerät ist seit Monaten mein engster Begleiter“

Aber dann begannen die Probleme mit der Lunge. Mein Körper stieß das eigene Organ ab, eine seltene Nebenwirkung der Stammzellübertragung. Ich kam ohne zusätzlichen Sauerstoff kaum mehr vom Bett ins Bad. Hören Sie das Blubbern um mich herum? Das ist das Sauerstoffgerät, seit Monaten mein engster Begleiter.

Meine Familie, mit der ich zusammen lebe, war immer besonders vorsichtig. Kein Urlaub, dafür Abstand und Masken. Ende Oktober hatten wir Verwandschaft von der Ostsee zu Besuch. Ist es dabei passiert und ich habe mich angesteckt? Ich weiß es nicht. Jedenfalls bekam ich an einem Freitag so komischen Husten.

Ich hatte Corona. Das Ergebnis traf mich wie ein Schlag mitten ins Gesicht.

„Das Ergebnis traf mich wie ein Schlag mitten ins Gesicht“

Ich rief meine Ärztin an. Sie bat mich, sofort ins Krankenhaus zu kommen. Sie wollte eigentlich nur auf Nummer sicher gehen und Corona ausschließen. Doch der Test war positiv. Ich hatte Corona. Das Ergebnis traf mich wie ein Schlag mitten ins Gesicht. Die nächste fiese Krankheit. Tausend Fragen füllten meinen Kopf: Warum schon wieder ich? Was, wenn es mich schlimm erwischt?

Zum Glück legte sich die Angst. Zum Glück blieb es bei sanften Corona-Symptomen. Meiner Lunge geht es blöderweise trotzdem immer schlechter. Ich brauche eine neue. Jeden Tag kann nun der Anruf kommen. Ich habe keine Angst vor der Transplantation, aber davor, ganz allein im Krankenhaus in Berlin zu sein. Seit drei Jahren begleitet mich meine Mama auf Schritt und Tritt. Die Vorstellung, sie dürfte wegen Corona nicht an meiner Seite sein, ist schlimm für mich.

In manchen Momenten packt mich darum die Wut. Auf die Menschen, die noch immer nicht gescheit Masken tragen, die sie sogar ablehnen. Ich verstehe ihre Probleme nicht. Sie gefährden uns Kranke besonders.

Das Robert Koch-Institut zu diesem Fall:

Nora gehört nach einer Stammzellentransplantation zur COVID-19-Risikogruppe. Ihre Lunge ist vorgeschädigt, weil ihr Immunsystem sie nach der Transplantation angegriffen hat. Viele Menschen mit Vorerkrankungen sind verunsichert und fragen sich, wie sich das Virus auf die Therapie auswirkt und was sie mit einer Vorerkrankung im Alltag beachten müssen. Insbesondere sind Menschen gefährdet, deren Immunsystem geschwächt ist, z.B. wenn die Betroffenen dauerhaft Medikamente zur Unterdrückung des Immunsystems erhalten. Das höchste Risiko an COVID-19 zu erkranken, haben alte Menschen.

Robert-Koch-Institut

Die sieben häufigsten Vorerkrankungen

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