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Erfahrungsberichte
13:31 Uhr · 4. Dezember 2020

Peter und Martina, 63 und 62 Jahre alt, aus Brieselang

Während er über Wochen im Koma lag, harrte sie aus - und hilft ihm heute zurück ins Leben.

Peter u. Martina, 63 und 62, aus Brieselang /
Illustration: Neele Jacobi, tactile.news

“Ich bin da, ich lebe noch!”

Peter, 63, aus Brandenburg, weiß nicht genau, wo er sich im Frühjahr mit Corona angesteckt hat. Er kämpfte monatelang ums Überleben. Seine Frau Martina, 62, und die Kinder kämpften mit.

Er schaute durch mich hindurch

MARTINA Kurz vor seinem Geburtstag war Peter erkältet. Dann, am 30. März, seinem Ehrentag, verschwand er irgendwie – geistig. Ich fragte: Hast du Schmerzen? Willst du essen? Er reagierte noch, aber er schaute schon durch mich hindurch. Tags darauf ging es rapide bergab. Er kam ins örtliche Krankenhaus, bald darauf in die Berliner Charité. Lunge, Nieren, Leber, alles versagte.

PETER Der Frühling ist futsch. Wären da jetzt nicht die gesundheitlichen Einschränkungen und die Gespräche mit meiner Frau – ich wüsste nicht, was im April und Mai dieses Jahres geschehen ist. 

MARTINA Ich war wie gelähmt in dieser Zeit. Ich lechzte nur danach, auf der Station anrufen zu dürfen, um Nachrichten über seinen Zustand zu bekommen. Nach etwa fünf Wochen durfte ich Peter endlich sehen. Als ich in sein Zimmer kam, dachte ich: Die erlauben das, damit ich mich verabschieden kann. Durch die Leber- und Nierenprobleme war Peter gelb und grün, wie ein Alien. Überall Schläuche, Maschinen, Monitore. 

“Neun Wochen Koma nehmen dir alle Kraft. Den Mut haben sie mir gelassen."

PETER Als ich zu Bewusstsein kam, konnte ich nicht sprechen wegen des Beatmungsschlauches, konnte nicht einmal meinen Kopf anheben. Neun Wochen Koma nehmen dir alle Kraft. Den Mut haben sie mir zum Glück gelassen. Ich konnte rasch wieder Gesprächen folgen. Da wusste ich: Wenigstens im Kopf ist noch alles okay. Durch einen Zufall bekamen die Pflegerinnen mit, dass wir am 1. Juli Hochzeitstag haben. Sie sagten: An dem Tag müssen sie doch wenigstens auf der Bettkante sitzen! 

MARTINA Als ich an jenem Tag ins Zimmer kam, saß er tatsächlich. Sein Kopf baumelte wie der einer Marionette, ich sah, wie unbequem alles für ihn war. Aber Peter hielt durch, eine Stunde. Er wollte mir und uns diesen Wunsch erfüllen. 

Das Robert Koch-Institut zu diesem Fall:

Peter hatte einen sehr schweren Verlauf. Menschen über 60 tragen ein erhöhtes Risiko, schwer an COVID-19 zu erkranken. Eine Analyse des Harding-Zentrums für Risikokompetenz zeigt: Von 1.000 Menschen zwischen 60 und 79 Jahren, die Kontakt zu einer infizierten Person hatten, erkranken bis zu 220 an COVID-19. Bis zu 60 Personen aus dieser Gruppe müssen im Krankenhaus behandelt werden. Gerade die schweren Verläufe zeigen, wie gefährlich COVID-19 sein kann. Von den Patient*innen, die wie Peter im Krankenhaus behandelt werden müssen, benötigt etwa jeder dritte intensivmedizinische Behandlung. Jeder vierte Corona-Intensivpatient stirbt.

Robert Koch-Institut

Da tat ich keinen Schritt mehr - und lachte

PETER Von der Charité aus bin ich in die Reha-Klinik gekommen. Man kümmerte sich rührend um mich, meine Frau war da. Aber ich wollte nur noch nach Hause, ich wollte wieder leben, anpacken können. Ich habe immer gern als KfZ-Mechaniker gearbeitet, am Haus gewerkelt, den Garten gemacht. Das war mein Leben. Ob das je wieder wird? Das Atmen macht mir noch immer Probleme, ich muss oft husten. Und die Füße schwellen dauernd an, auch eine Folge von COVID-19. Aber da ist kein Groll. Ich bin da, ich lebe noch! Der Rest wird sich zeigen. Neulich sind wir 40 Minuten spazieren gegangen, es tat weh, aber es tat gut. Kneifen hilft nicht!  

MARTINA Es tut auch so gut, wieder als Familie zusammen sein, plaudern, scherzen zu können. 

PETER Oh, ja. Gestern quälte ich mich die Treppe hoch. 18 Stufen, für mich ein Marathon. Unten stand meine Tochter und rief nur: Lauf, Forest, lauf! Da tat ich keinen Schritt mehr – weil ich plötzlich so lachen musste. 

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