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Gesundheitswesen
15:13 Uhr · 8. Juni 2020

Live-Diskussion „Corona und pflegende Angehörige“

Im Livestream vom 18. Juni sprach Bundesgesundheitsminister Jens Spahn über Häusliche Pflege und die Herausforderungen der Corona-Krise für pflegende Angehörige.

Live Diskussion: „Corona und Pflegende Angehörige“

Im Livestream vom 18. Juni war es Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ein großes Anliegen, die erheblichen Leistungen und Verdienste der pflegenden Angehörigen in Deutschland angesichts der großen Herausforderungen während der Corona-Pandemie anzuerkennen und eine Rückmeldung über erforderliche Hilfen und Unterstützungsbedarfe zu erhalten.

„Wir wollen, dass aus einer noch stärkeren Belastung keine Überforderung wird.”

Prof. Dr. phil. Adelheid Kuhlmey, Direktorin des Instituts für medizinische Soziologie und Rehabilitationswissenschaft des Zentrums für Human- und Gesundheitswissenschaften an der Charité Berlin, war Gesprächspartnerin im Studio. Ihr war es besonders wichtig, dass Politik, Wissenschaft und Gesellschaft die psychische Belastung und Verzweiflung der pflegenden Angehörigen ernst nehmen, denn diese Situation bestand bereits schon vor der Corona-Pandemie. Diese Erkenntnisse würden in einer in Kürze erscheinenden repräsentativen Studie (einer Zusammenarbeit zwischen der Charité und dem Zentrum für Qualität in der Forschung) bestätigt werden. Dementsprechend müssten diese Belastungen durch eine Flexibilisierung von Leistungsangeboten und die Zurverfügungstellung von subspezialisierten Pflegekräften – sowohl in städtischen als auch in ländlichen Regionen – abgemildert werden.

Zusätzlich wurden drei Gäste live per Video zugeschaltet:

Claudia Groth, Mutter einer 17-jährigen pflegebedürftigten Tochter, wünscht sich „von der Politik, dass pflegende Angehörige genauso als systemrelevant angesehen werden, wie die Pflegeberufe.“

Dietmar Kruschel, Leiter des Pflegestützpunktes Berlin Mitte, hat auf die Schließung von Tagespflegeeinrichtungen zu Beginn der Pandemie sowie auf die nötigen, strengeren Besuchsregelungen in der stationären Pflege hingewiesen, die für Familien mit Pflegebedürftigen eine besondere Herausforderung darstellen.

Susanne Hallermann, Sprecherin vom Bundesverband wir pflegen e. V., betonte, dass die aktuellen politischen Maßnahmen und Unterstützungsangebote für pflegende Familien bei Weitem nicht ausreichen. Insbesondere müsse eine Gleichberechtigung von pflegenden Familien und Familien mit Kindern erfolgen, beispielsweise durch einen Anspruch auf Tagespflege und erweiterte Lohnfortzahlung während der Pandemie. „Familie ist Familie“, sagte sie.

In weiteren Zuschaltungen mit Telefongästen wurde sehr deutlich, dass pflegende Angehörige während der Pandemie mit einer Reihe von juristischen und angebotsbedingten Herausforderungen konfrontiert sind. 

„Meine Bitte wäre, dass der Tagespflegesatz, der meinem Mann zur Verfügung steht (wenn er in der Tagesstätte unterkommt) uns auch während der Pandemie zur Verfügung stehen würde. Im Moment verfällt er monatlich, weil die Tagesstätte zu hat.” „Meine Frau ist Beamtin in einer bayerischen Kommune. Ihr Arbeitgeber meinte, sie hat keinen Anspruch auf die verlängerte Freistellung von der Arbeit, da sie keine ‘Beschäftigte’ sei.“ „Meine pflegebedürftige Tochter hat ein Recht auf eine Entlastungsleistung. Das funktioniert aber nicht, weil ich gar keinen Anbieter in unserer Umgebung finde.“ „Ich bin Mutter eines elfjährigen pflegebedürftigen Kindes. Wie kriegen wir das alles zusammen – Home-Schooling, Beruf und alles – für Kinder, die selber zu einer Risikogruppe gehören?”

Minister Spahn hat sich viel Zeit für die Gespräche mit den Gästen und Beantwortung der Fragen genommen. Dabei betonte er, dass die ungefähr drei Millionen pflegenden Angehörigen von der Politik gesehen werden. Es gebührt ihnen Anerkennung und Dank dafür, dass sie mit ihrem Einsatz einen wertvollen Beitrag zur Bewältigung der Krise geleistet haben. Verschiedene Ausnahmevorschriften, die auf den Weg gebracht wurden, sollen die pflegenden Angehörigen in ihrem Engagement unterstützen. Für weitere mögliche Entlastungen hat Minister Spahn zahlreiche Impulse aufgenommen.