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Gesundheitswesen
09:59 Uhr · 1. Juli 2020

So funktioniert die Videosprechstunde

Die Arztpraxen unternehmen alles, damit Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus ausgeschlossen werden können. Videosprechstunden können besonders Menschen, die zu einer Risikogruppe zählen, schützen.

Bild: Getty Images / Luis Alvarez

Die Coronavirus-Epidemie hat viele Bereiche unseres Alltags verändert. Viele Menschen haben sich längst auf Homeoffice und Online-Schule eingestellt, in ärztlichen und psychotherapeutischen Praxen wurden verstärkt Videosprechstunden eingesetzt. Digitale Kommunikation kann den gewohnten beruflichen und medizinischen Austausch ergänzen. 

Gerade in der Gesundheitsversorgung haben die vergangenen Monate zu einem Umdenken geführt; mehr Patienten und Patientinnen haben die Möglichkeiten der Videosprechstunde genutzt. Ein Vorteil der Videosprechstunde in der Coronavirus-Epidemie ist, dass Patienten und Patientinnen dafür nicht das Haus verlassen müssen und so potenzielle Ansteckungsrisiken vermeiden. Insbesondere für Menschen, die aufgrund von Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von Covid-19 haben, hat sich die Videosprechstunde bei alltäglichen Erkrankungen bewährt. Zudem sparen Patienten und Patientinnen Wartezeiten und Anfahrtswege – was vor allem für Personen mit eingeschränkter Mobilität vorteilhaft ist. 

Akzeptanz der Videosprechstunde gestiegen 

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie wurde die Begrenzung der maximalen Anzahl an Patienten und Patientinnen, die einen Arzt oder eine Ärztin per Videosprechstunde behandeln darf, aufgehoben. Die zunächst auf das zweite Quartal befristete Regelung wird nun mindestens bis zum 30. September 2020 weitergeführt. Die digitale Sprechstunde ist auch dann möglich, wenn der Patient oder die Patientin zuvor noch nicht in der Praxis in Behandlung war. Offenbar wird das ausgeweitete Angebot in der Coronavirus-Epidemie auch gut angenommen: Das health innovation hub (hih) des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) und die Stiftung Gesundheit haben in einer bundesweiten, repräsentativen Befragung ambulant tätiger Ärztinnen und Ärzte ermittelt, dass sich die Videosprechstunde als Ergänzung zum Arzt-Patienten-Kontakt etabliert hat. Befragt wurden 2.240 niedergelassene Ärzte und Ärztinnen sowie Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen. Die Akzeptanz der Videosprechstunde ist demnach gestiegen: 2017 lehnten von ihnen noch fast 60 Prozent die Videosprechstunde ab. Hingegen gaben im April 2020 mehr als die Hälfte der Befragten an, die Videosprechstunde zu nutzen. 

Viele Patienten und Patientinnen bitten um eine Videosprechstunde

„Die Videosprechstunde scheint ein Lösungsmodul über die akute Situation hinaus und über alle Fachgebiete hinweg zu sein“, erläutert Dr. med Philipp Stachwitz, Schmerztherapeut und Director Medical Care beim hih. „Die Zustimmung war bei der sprechenden Medizin mit über 80 Prozent besonders hoch. In dieser Gruppe gab eine große Mehrheit an, diesen Kommunikationskanal auch nach der Pandemie weiter nutzen zu wollen.“ Rund 60 Prozent der ärztlichen Videosprechstunden-Nutzer gaben in der Befragung an, ihre Patienten aufgrund der Coronavirus-Epidemie auf die Video-Option hingewiesen zu haben. 30 Prozent wurden sogar aktiv von Patienten und Patientinnen nach dieser Möglichkeit gefragt. 

Fragen Sie in Ihrer Praxis nach 

Natürlich ist eine Videosprechstunde nicht in allen Fällen ein vollwertiger Ersatz für eine klassische Sprechstunde. Deshalb sollten Sie im Vorfeld klären, ob sie in Ihrem konkreten Fall in Frage kommt. Rufen Sie zunächst in der Praxis an und fragen Sie nach, ob eine Videosprechstunde möglich ist und vereinbaren Sie gegebenenfalls einen Termin. Viele Praxen haben bestimmte Videosprechzeiten eingerichtet und informieren darüber auf ihrer Webseite. Eine Videosprechstunde können Sie übrigens auch bei Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen in Anspruch nehmen. Im Gegensatz zur allgemeinen ärztlichen Sprechstunde müssen Sie in diesem Fall zunächst Ihren Therapeut oder Ihre Therapeutin aufgesucht haben. Der Arzt-Patienten-Kontakt ist für die Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung notwendig. 

Voraussetzungen und Ablauf einer Videosprechstunde

Sie benötigen keine besondere Technik. Allerdings müssen Sie Zugang zu einem Computer, Laptop, Tablet oder Smartphone mit Kamera und Mikrofon haben. Zusätzlich benötigen Sie eine Internetverbindung. Die Videosprechstunde wird über einen zertifizierten Videoanbieter durchgeführt. Dafür gibt es verschiedene Anbieter, die technische Sicherheitsanforderungen und die datenschutzrechtlichen Vorgaben erfüllen müssen, um für eine Videosprechstunde zertifiziert zu werden. Damit wird sichergestellt, dass eine Videosprechstunde genauso vertraulich ist wie ein Gespräch in der Arztpraxis. Wenn Sie mit Ihrer Praxis einen Termin für eine Videosprechstunde ausmachen, erhalten Sie im Anschluss die Internetadresse des Anbieters und den Einwahlcode für Ihre Sprechstunde. Es ist ratsam, dass Sie sich etwa zehn Minuten vor dem Termin auf der Internetseite einwählen. Üblicherweise müssen Sie hierfür keinen eigenen Account anlegen. Für die Einwahl müssen Sie Ihren Namen eingeben, nur so kann Sie Ihr Arzt oder Ihre Ärztin zuordnen. Nach einer kurzen Wartezeit im Online-Wartezimmer wird Ihr Arzt oder Ihre Ärztin Sie aufrufen. Im Rahmen der Behandlung werden weitere Daten wie etwa die Krankenversicherungsnummer erfragt. Diese benötigt die Ärztin oder der Arzt für die Abrechnung der Leistungen gegenüber der Krankenkasse. Sobald Ihre Sprechstunde beendet ist, können Sie sich wieder von der Internetseite abmelden. 

Online-Konsultation bei Verdacht auf Covid-19-Erkrankung

Einige Kliniken und andere Testeinrichtungen bieten ebenfalls Videosprechstunden für Menschen an, bei denen der Verdacht auf eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus vorliegt. Dieses Angebot richtet sich insbesondere an Menschen, die befürchten, sich angesteckt zu haben, aber keine oder nur leichte Symptome wahrnehmen. Beispielsweise bietet eine Klinik in Berlin eine solche Videosprechstunde in Kombination mit einer eigenen App an. Beides hilft den Betroffen bei der Entscheidung, ob sie eine Untersuchungsstelle aufsuchen sollten und ob ein Corona-Test sinnvoll für sie ist. 

Arztpraxen sind sicher 

So nützlich Videosprechstunden auch sein mögen, zögern Sie nicht, bei akuten Beschwerden zur Ärztin, zum Arzt oder ins Krankenhaus zu gehen. Kliniken und Arztpraxen haben sich gut auf die Epidemie eingestellt und behandeln Covid-19-Erkrankte getrennt von anderen Patientinnen und Patienten. „Deshalb gilt natürlich: Wenn Sie krank sind, gehen Sie zum Arzt oder ins Krankenhaus“, betont Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (mehr darüber erfahren Sie hier).

Weitere Informationen

Weitere Informationen über den Ablauf einer Videosprechstunde finden Sie bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung:  (https://www.kbv.de/media/sp/Patienteninformation_Videosprechstunde.pdf).

Ergebnisse der Befragung zur Videosprechstunde von hih und Stiftung Gesundheit: 

https://hih-2025.de/besser-als-gedacht-videosprechstunde-etabliert-sich-bei-aerztinnen-und-psychotherapeutinnen/

Beispiel einer Videosprechstunde vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM):  https://www.youtube.com/watch?v=hefBlU1W1Ts