Bundesministerium für Gesundheit
Corona-Schutzimpfung
12:00 · 14. November 2021

Nutzen und Risiken der Corona-Schutzimpfung abwägen

In der Corona-Pandemie werden Entscheidungen durch unzählige, mitunter widersprüchliche Meldungen und Meinungen oft erschwert. Dieser Beitrag erläutert Fragen zur Corona-Schutzimpfung und bietet Unterstützung beim Abwägen von Nutzen und Risiken der Impfung.

Lernen Sie, Risiken richtig einzuschätzen

Worum es geht

Fehleinschätzungen vermeiden

Im Leben ist nichts ohne Risiko, sagt man lapidar. Tatsächlich begleitet uns das Abwägen von Risiken ein Leben lang. Mitunter machen wir uns das Leben dabei aber selbst schwer – zum Beispiel, wenn uns manche Risiken viel größer erscheinen, als sie tatsächlich sind. Zahlreiche Menschen leiden etwa unter Flugangst, kaum jemand unter Angst vor dem Autofahren. Dabei ist das Auto das mit Abstand risikoreichste Verkehrsmittel überhaupt. Im Falle der Corona-Schutzimpfung kann eine solche Fehleinschätzung besonders gefährlich werden, etwa, wenn man das Risiko einer Impfung im Vergleich zum Risiko einer Erkrankung an COVID-19 zu hoch einschätzt.

 

Risiken rund um COVID-19 und die Corona-Schutzimpfung richtig einschätzen

Das Risiko einer schwerwiegenden Nebenwirkung infolge einer Impfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 liegt bei gerade einmal 0,02 %, betrifft also durchschnittlich nur eine von 5.000 Personen. Ungleich größer ist die Gefahr, dem Virus ungeimpft zu begegnen: Jede zehnte Person, die sich infiziert, muss mit der sehr viel höheren Wahrscheinlichkeit eines schweren Verlaufs von COVID-19 rechnen (10 %). Und nicht nur das: Infizierte tragen zudem das Risiko, nach überstandener Infektion vom sogenannten „Long-COVID“ betroffen zu sein – einer Schätzung der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin zufolge leidet jede zehnte erkrankte Person unter den noch weitgehend unerforschten COVID-19-Spätfolgen wie schwerer Erschöpfung, anhaltender Atemnot oder neurologischen Störungen. Auch vor diesem Risiko schützt die Corona-Impfung: Jeder der in Europa zugelassenen Corona-Impfstoffe weist eine gute Schutzquote gegen eine Ansteckung mit dem Coronavirus und den bislang bekannten Varianten und vor allem gegen schwere Krankheitsverläufe auf.

 

Typische Impfreaktionen

Auch nach einer COVID-19-Schutzimpfung kann es zu typischen Impfreaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle, Kopf- und Gliederschmerzen oder Müdigkeit kommen. Das ist ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem den Körper darauf vorbereitet, die Krankheit zu bekämpfen. Mit anderen Worten: Der Impfstoff wirkt. In den meisten Fällen klingen die Reaktionen nach wenigen Tagen wieder ab. Wenn eine geimpfte Person keine Impfreaktion zeigt, bedeutet das allerdings nicht, dass ihr Immunsystem keinen Schutz aufgebaut hat.

 

Gut zu wissen

Impfen: Spezial-Training fürs Immunsystem

Pocken, Polio, Tollwut: In der Geschichte der Menschheit hat die Entdeckung des Impfens vielen lebensbedrohlichen Krankheiten ihren Schrecken genommen. Und zwar durch einen im Grunde ganz natürlichen Prozess: das Hervorrufen einer Immunantwort unseres Körpers gegenüber einem Erreger. Impfen ist eine Art Spezial-Training für unser Immunsystem. Und der Impfstoff dessen Sparringspartner: Er trainiert das Immunsystem, sodass es bei Kontakt mit dem echten Virus schon Abwehrkräfte gebildet hat und schneller reagieren kann. So gerüstet kann der Körper dann, wenn das Virus tatsächlich angreift, die Attacke abwehren oder ihre Folgen zumindest begrenzen. 

 

Corona-Schutzimpfung: Immunsystem auf Coronavirus trainieren

Bei der Corona-Impfung lernt das Immunsystem, einen kleinen Bestandteil der Hülle des Coronavirus zu erkennen: das Spike-Protein. Gegen dieses Protein bildet das Immunsystem fortan Antikörper und Abwehrkräfte aus. Kommt es nach Ausbildung des vollen Immunschutzes zu einer Infektion, weiß das Immunsystem schneller, was zu tun ist: Es bekämpft das Virus auf ganzer Linie, bevor dieses sich stark vermehren und Schaden anrichten kann. Mehr zur Wirksamkeit der in Europa zugelassenen Corona-Impfstoffe erfahren Sie hier

 

Gemeinschaftsschutz: COVID-19-Risiko gemeinsam minimieren

Durch Impfungen schützt man sich vor ansteckenden Krankheiten wie COVID-19. Doch man schützt auch die Gemeinschaft. Denn in einer Pandemie tragen Menschen nicht nur das Risiko, sich zu infizieren – sie stellen selbst auch ein Risiko für andere dar. Wer sich impfen lässt, minimiert das Risiko einer Coronavirusinfektion also gleich doppelt: für sich selbst genauso wie für andere. Und je mehr Menschen sich insgesamt impfen lassen, desto besser lässt sich das Coronavirus kontrollieren. Der Gemeinschaftsschutz setzt sich aus der Impfquote und der Herdenimmunität zusammen. Für die Impfquote gilt: Die Menschen werden durch die Corona-Schutzimpfung immunisiert. Bei der Herdenimmunität spielen auch die Genesenen eine Rolle. Es gilt: Je höher die Impfquote, desto ausgeprägter ist auch der Gemeinschaftsschutz. In diesem Rahmen hat das Robert Koch-Institut (RKI) eine Zielimpfquote modelliert. Diese liegt aktuell bei einer vollständigen Impfung von mindestens 85% der 12- bis 59-Jährigen bzw. 90% der über 60-Jährigen. 

Impfen schützt zudem auch Menschen, die sich zum Beispiel aufgrund von Vorerkrankungen nicht impfen lassen können – und natürlich Kinder unter 12 Jahren, solange für diese noch keine Impfstoffe zugelassen sind. Aus diesem Grund sollte Sie sich unbedingt über die Corona-Impfung informieren und nach Möglichkeit impfen lassen.

 

Immer richtig

Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt

Sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt an. Sie oder er kann Sie individuell beraten und bei einer informierten Entscheidung und fundierten Nutzen-Risiko-Abwägung zur Impfung unterstützen.

Prof. Kremsner vom Universitätsklinikum Tübingen spricht über die Sicherheit der Corona-Schutzimpfung.

Wie wahrscheinlich ist es, dass in Langzeitstudien noch Nebenwirkungen auftreten, die bisher völlig unbekannt sind?

„Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Langzeitfolgen auftreten. Auszuschließen ist es nicht, aber in der Regel sehen wir Nebenwirkungen, die im zeitlichen engen Zusammenhang mit der Impfung sind. Die können wir gut erfassen, die sieht man schon in den Zulassungsstudien, in den Phase-3 Prüfungen und dann kurz darauf, wenn der Impfstoff breit eingesetzt wird. Bisher sehen wir da gar nichts beunruhigendes und die ersten sind jetzt schon seit 6 Monaten in Nachbeobachtung. Also das sieht alles ziemlich gut aus! Die Zulassungen sind jetzt auch nicht übereilt gemacht worden, wie vielleicht in manchen Ländern – Russland oder China, aber durchaus auch USA und Großbritannien, wo das noch schneller geschehen ist. In der Europäischen Union, in der europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat man sich Zeit genommen, um sich das sehr genau anzuschauen und zu prüfen. Ich denke, darauf können wir uns verlassen.“

Das ganze Interview sehen Sie hier.

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