Bundesministerium für Gesundheit
Corona-Schutzimpfung
15:59 · 22. Dezember 2021

Impfdurchbrüche: Warum sich auch Geimpfte mit dem Coronavirus infizieren können und die Impfung trotzdem wichtig ist

COVID-19 trotz Impfung: Fachleute sprechen dann von sogenannten „Impfdurchbrüchen“. Was das genau bedeutet und warum es trotzdem sinnvoll ist, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen, erfahren Sie hier.

Auch Geimpfte können sich infizieren

Auch vollständig Geimpfte können sich mit dem Coronavirus infizieren und an COVID-19 erkranken. Das verunsichert viele Menschen und lässt manche an der Wirksamkeit der in Europa zugelassenen Corona-Impfstoffe zweifeln. Dabei sind derartige Durchbruchs-infektionen nichts Außergewöhnliches und können bei allen Impfstoffen auftreten.

Was ist ein Impfdurchbruch?

In einem Fachwörterbuch des Robert Koch-Instituts (RKI) aus dem Jahr 2015 wird der Begriff Impfdurchbruch – oder auch Impfversagen – als „Erkrankung trotz Schutzimpfung" definiert. Ein Impferfolg könne aus verschiedenen Gründen ausbleiben, heißt es dort, so beispielsweise wegen der individuellen "Disposition des Geimpften" – also beispielsweise Krankheit oder Alter, die eine Immunantwort nach Impfung „vollständig verhindert oder nur eingeschränkt ermöglicht", schreibt das RKI.

Dabei wird zwischen einem primären Impfversagen ("Impferfolg bleibt – aus verschiedenen Gründen – von vornherein aus") und einem sekundären Impfversagen ("Ein ursprünglich erreichter Impfschutz nimmt im zeitlichen Verlauf schneller ab, als zu erwarten wäre") unterschieden.

Laut RKI liegt ein Impfdurchbruch im Fall von COVID-19 vor, wenn bei einer vollständig gegen COVID-19 geimpften Person eine PCR-bestätigte SARS-CoV-2-Infektion mit erkennbaren Krankheitssymptomen, wie zum Beispiel Halsschmerzen und Fieber, festgestellt wird. Als vollständig geimpft gilt man zwei Wochen nach einer abgeschlossenen Impfserie

Warum gibt es immer mehr Impfdurchbrüche?

Da sich SARS-CoV-2 in der kälteren Jahreszeit wieder vermehrt ausbreitet, weil sich die Menschen wieder häufiger in geschlossenen Räumen aufhalten, steigt auch das Risiko, dass Menschen mit dem Virus in Kontakt kommen und sich infizieren. Auch vollständig Geimpfte sind davor nicht gänzlich geschützt, denn die Impfstoffe schützen nicht zu 100 Prozent vor einer Infektion und Erkrankung. Sie schützen aber sehr effektiv vor schweren Krankheitsverläufen. 

Sind also immer mehr Menschen geimpft, treten auch Impfdurchbrüche häufiger auf. Denn je höher die Impfquote, desto höher die Wahrscheinlichkeit, dass von allen Personen, die sich infizieren, auch Geimpfte betroffen sind. Kurz gesagt: Je mehr vollständig Geimpfte, desto mehr Impfdurchbrüche.

Deutlich geringere Wahrscheinlichkeit schwerer Verläufe bei Impfdurchbrüchen

Auch nach einer Impfung mit einem sehr gut wirksamen Impfstoff bleibt ein Restrisiko, dass eine Durchbruchsinfektion auftreten kann. Kein Impfstoff kann hundertprozentigen Schutz bieten. Das bedeutet allerdings nicht, dass die Corona-Impfstoffe nicht wirksam sind. 

Ganz im Gegenteil: Die Wahrscheinlichkeit, schwer an COVID-19 zu erkranken, ist bei vollständig geimpften Personen deutlich geringer als bei Nicht-Geimpften. 

Darauf wird auch in den Aufklärungsmaterialien zur Corona-Schutzimpfung hingewiesen. Wer also vollständig gegen das Coronavirus geimpft ist und trotzdem an COVID-19 erkrankt, hat deutlich bessere Chancen, nur einen milden Krankheitsverlauf zu haben – und nicht intensivmedizinisch behandelt werden zu müssen oder zu versterben. 

Weiterentwicklung der Impfstoffe aufgrund von Virusvarianten

Dass der Schutz vor einer Infektion nachlässt, hängt auch mit der inzwischen vorherrschenden Delta-Variante zusammen. Diese ist deutlich ansteckender als die anderen Virusvarianten bzw. der ursprüngliche Wildtyp des Virus. Das Virus hat sich also verändert: Fachleute sprechen auch von einer Mutation. Vor einer Ansteckung mit einer solchen Variante schützen die Impfstoffe nicht mehr ganz so effektiv wie vor einer Ansteckung mit dem SARS-CoV-2-„Wildtyp“ – also anfänglich verbreiteten Variante des Coronavirus – gegen den die Impfstoffe ursprünglich entwickelt wurden. Das Gute an den modernen COVID-19-Impfstoffen: Der Schutz vor schweren Krankheitsverläufen ist bei vollständigem Impfschutz immer noch sehr hoch. Und sollte die Wirksamkeit der Impfstoffe durch weitere Mutationen nachlassen, können die Hersteller ihre Impfstoffe innerhalb kurzer Zeit anpassen. Entsprechend angepasste Impfstoffe sind bereits in der klinischen Entwicklung. 

Wichtig zu wissen:

Die Wirksamkeit der Corona-Schutzimpfung ist nach wie vor sehr gut. Die Impfstoffe können zwar nicht jede Infektion verhindern, sie sorgen aber dafür, dass Corona-Infektionen deutlich seltener vorkommen und COVID-19-Erkrankungen bei vollständig Geimpften nur sehr selten schwer verlaufen. Eine Auffrischungsimpfung („Booster“) nach in der Regel sechs Monaten verstärkt den Immunschutz zusätzlich.

Wie kommt es, dass der Immunschutz bei Geimpften nachlassen kann?

Die Reaktionen des Immunsystems auf Infektionen wie auch nach Impfungen sind komplex, eine Vielzahl verschiedener Zellen und Prozesse sind hier beteiligt. Die Wirkung der Corona-Impfstoffe lässt nach einigen Monaten zunehmend nach. Das ist nicht ungewöhnlich, auch einige andere Schutzimpfungen müssen aufgefrischt werden.

Verantwortlich kann auch ein schwaches Immunsystem sein. Einige Menschen bauen trotz vollständiger Impfung keinen wirksamen Immunschutz auf – weil sie zum Beispiel Medikamente nehmen müssen, die die Reaktionsfähigkeit des Immunsystems einschränken. Dazu gehören beispielsweise Krebserkrankte und Organtransplantierte. Im Alter nimmt die Fähigkeit, eine Immunantwort nach dem Impfen aufzubauen, ebenfalls ab. Deshalb haben auch viele ältere Menschen mitunter keinen stabilen Immunschutz mehr. 

Aber auch mit zunehmendem Zeitabstand zur Grundimmunisierung können sich vollständig Geimpfte mit SARS-CoV-2 infizieren und dann das Virus entweder ohne eigene Symptome oder im Rahmen einer Erkrankung weitergeben. Durch den nachlassenden Impfschutz kommt es vermehrt zu Durchbruchsinfektionen, die vor allem bei alten und vorerkrankten Menschen auch zu schweren Erkrankungen führen können. 

Booster-Impfung stärkt Immunschutz

Der Impfschutz nach der Grundimmunisierung kann mit der Zeit nachlassen. Das Immunsystem „vergisst“ quasi, wie es den Erreger bekämpfen kann und muss durch eine Auffrischungsimpfung wieder daran erinnert werden. Dieses Phänomen kennt man bereits seit Jahrzehnten von anderen Impfungen – zum Beispiel von der Grippeschutzimpfung, die jedes Jahr aufgefrischt werden muss. Da das Wissen über das Coronavirus und die COVID-19-Impfstoffe stetig zunimmt, ist inzwischen bekannt, dass der Impfschutz auch bei den Corona-Impfstoffen aufgefrischt werden sollte – insbesondere bei Älteren und Menschen mit geschwächtem Immunsystem. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Impfstoff allen Personen ab 18 Jahren ab 3 Monaten nach der Grundimmunisierung. Mehr über diese sogenannten Booster-Impfungen erfahren Sie in diesem Artikel.

Wie schwer verlaufen Durchbruchserkrankungen?

Eine Erkrankung von Geimpften verläuft in den meisten Fällen deutlich milder als bei Ungeimpften: Verschiedene große wissenschaftliche Studien zeigen einen deutlich verbesserten Impfschutz gegenüber SARS-CoV-2-Infektionen, schweren COVID-19-Verläufen, Hospitalisierungen und Tod in verschiedenen Altersgruppen mit Auffrischungsimpfung im Vergleich zu Personen mit einer mehr als fünf Monate zurückliegenden Grundimmunisierung ohne Auffrischungsimpfung. 

Wie viele Impfdurchbrüche dem RKI in Deutschland gemeldet wurden und wie viele Menschen mit Durchbruchsinfektionen im Krankenhaus behandelt werden bzw. wurden, können Sie in den aktuellen Situations- und Wochenberichten des RKI einsehen.

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