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Bundesministerium für Gesundheit
Corona-Schutzimpfung
15:39 · 15. April 2021

Impfung für Risikopatientinnen und -patienten: Wer wird wann geschützt?

Immunerkrankung, Depression, Krebs – viele chronisch erkrankte Menschen hoffen auf eine schnelle Corona-Schutzimpfung. Hier finden Sie einen Überblick, wer in welcher Priorisierungsgruppe geimpft wird.

Impfung für Risikopatientinnen und -patienten.

Die Impfung gegen SARS-CoV-2 ebnet den Weg aus der Pandemie. Zurzeit steht allerdings nur ein begrenztes Kontingent an Impfstoffen zur Verfügung, so dass die Immunisierung noch nicht sofort allen Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht werden kann. Bis das soweit ist, muss der Impfstoff mit dem bestmöglichen Effekt verteilt werden.

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Die Priorisierungsgruppen bei der Impfung

Ziel der Impfung ist es unter anderem, die Anzahl schwerer Krankheitsverläufe und Todesfälle durch das Coronavirus in der Bevölkerung zu reduzieren, um das Gesundheitswesen nicht zu überlasten. Die Ständige Impfkommission (STIKO) beim Robert Koch-Institut (RKI) hat daher wissenschaftlich analysiert, welche Personengruppen am stärksten gefährdet sind, einen schweren, schwersten oder gar tödlichen Krankheitsverlauf zu erleiden, und hat eine dementsprechende Reihenfolge für deren Impfung empfohlen. Darüber hinaus sollen Personen vorrangig geimpft werden, die beruflich entweder einem besonderen Infektionsrisiko ausgesetzt sind oder engen Kontakt zu Risikopatientinnen und -patienten haben. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) ist dem mit der Coronavirus-Impfverordnung auf Grundlage des Dritten Bevölkerungsschutzgesetzes und des Gesetzes zur Fortgeltung der die epidemische Lage von nationaler Tragweite betreffenden Regelungen gefolgt: Das BMG hat Menschen mit erhöhtem Krankheits- und Sterberisiko in drei Gruppen zusammengefasst und die Impfreihenfolge festgelegt.

Grafik Anspruchsgruppen der Corona-Schutzimpfung

Die Neuesten Studienergebnisse

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat seit Ausbruch der Pandemie systematisch analysiert, welche Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf mit sich bringen. Zusammenfassend lässt sich sagen: Das Risiko für einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf ist bei den meisten Vorerkrankungen moderat. Zwar ist das Risiko, aufgrund der Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden zu müssen, oftmals erhöht, aber nicht verdoppelt im Vergleich zu Personen gleichen Alters ohne die entsprechende Vorerkrankung. Für Menschen unter 60 Jahren ist die Gefahr, aufgrund einer COVID-19-Erkrankung ins Krankenhaus zu müssen, selbst bei einer gesundheitlichen Vorbelastung gering – vor allem immer noch deutlich geringer als das Risiko für ältere Menschen. Nur einzelne Krankheitsbilder scheinen zu einem deutlich erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf zu führen, wie die Analyse des RKI ergeben hat. Das gilt unter anderem für Personen mit Trisomie 21, Menschen mit einer schweren psychiatrischen Erkrankung sowie für Krebserkrankte und Patientinnen und Patienten mit einer interstitiellen Lungenerkrankung oder COPD. Stärker gefährdet sind auch Menschen mit einer ausgeprägten Adipositas (Fettleibigkeit), mit einem schweren Diabetes mellitus oder einer chronischen Leber- oder Nierenerkrankung. Die STIKO hat ihre Impfempfehlung auf der Grundlage dieser neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse aktualisiert. Diese Erkenntnisse sind nun auch in der aktuellen Coronavirus-Impfverordnung abgebildet. Patientinnen und Patienten mit diesen chronischen Krankheiten gehören nun zur zweiten Priorisierungsgruppe, so dass sie vorrangig geimpft werden dürfen.

Besonders gefährdete Gruppen im Überblick

Erste Priorisierungsgruppe („Höchste Priorität“)

In der ersten Priorisierungsgruppe befinden sich Personen beziehungsweise Personengruppen, die aufgrund ihres Alters oder vorbelasteten Gesundheitszustandes ein stark erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf haben. Das gilt besonders für diejenigen, die etwa in Pflegeheimen und anderen Einrichtungen der Langzeitpflege leben. Um sie besser zu schützen wird auch Menschen, die mit diesen Personen tagtäglich durch ihre Arbeit Kontakt haben, eine Impfung angeboten.

Risikofaktor Alter

Der größte Risikofaktor für einen schweren oder gar tödlichen Krankheitsverlauf ist das Alter. Studien zeigen: Vor allem Seniorinnen und Senioren ab 80 Jahren sind gefährdet. Deshalb wurden sie als Erstes geimpft. Neben ihnen sind generell Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen in der ersten Priorisierungsgruppe, da unter diesen besonders viele Todesfälle seit Beginn der Pandemie aufgetreten sind.

Risikofaktor Beruf

Medizinisches und pflegerisches Personal in medizinischen Einrichtungen und mit Kontakt zu vulnerablen Gruppen ist dem Risiko einer Corona-Infektion besonders stark ausgesetzt. Medizinisches Personal, Pflegepersonal in der ambulanten und stationären Altenpflege und andere Tätige in Senioren- und Altenpflegeheimen mit Kontakt zu Bewohnerinnen und Bewohnern werden daher mit höchster Priorität durch eine Impfung geschützt.

Zweite Priorisierungsgruppe („Hohe Priorität“)

In der zweiten Priorisierungsgruppe befinden sich neben Personen über 70 Jahren und Menschen, die wegen ihres Berufs einem erhöhten Infektionsrisiko ausgesetzt sind (Personal in Kitas und Grundschulen), auch Patientinnen und Patienten, die aufgrund einer bestimmten Vorerkrankung oder Behinderung ein sehr hohes oder hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 haben.

Risikofaktor Vorerkrankung

Neben dem Alter und Beruf gibt es weitere Risikofaktoren. Auch eine Vorerkrankung kann den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung erschweren. Deshalb haben auch viele chronisch kranke Menschen einen Impfanspruch mit hoher Priorität. Organtransplantierte, Menschen mit Trisomie 21, Patienten und Patientinnen mit Demenz oder mit einer geistigen Behinderung sind in der zweiten Priorisierungsgruppe eingestuft. Der Kreis dieser Anspruchsberechtigten wurde aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse – auch die STIKO-Empfehlung wird insoweit fortlaufend aktualisiert – zuletzt mit der neuen Coronavirus-Impfverordnung im März 2021 erweitert.

Zu den Anspruchsberechtigten gehören:

  • Personen mit Trisomie 21

Das Mortalitätsrisiko dieser Personen ist höher als das von Menschen mit anderen Vorerkrankungen. Es ist in etwa mit dem von Personen im Alter zwischen 75 und 79 Jahren zu vergleichen. Das liegt auch daran, dass Menschen mit Trisomie 21 häufig mehrere risikobehaftete Vorerkrankungen haben, wie beispielsweise schwere angeborene Herzfehler oder Störungen der Immun- und Lungenfunktion. In einer Kohortenstudie aus England wurde geschätzt, dass das Risiko für einen Corona bedingten Tod für Menschen mit Trisomie 21 im Vergleich zur übrigen Bevölkerung 10-fach erhöht ist, das Risiko für einen COVID-19-bedingten Klinikaufenthalt fünffach.

  • Personen mit einer Conterganschädigung
  • Personen nach Organtransplantation

Nach einer Organtransplantation wird das Immunsystem der Organempfängerin beziehungsweise des Organempfängers mit Medikamenten stark unterdrückt, um Abstoßungsreaktionen gegen das neue Organ zu vermeiden. Dadurch sind diese Patientinnen und Patienten grundsätzlich infektanfälliger. Auch die Gefahr einer schwerwiegenderen COVID-19-Erkrankung ist dadurch erhöht.

  • Personen mit Demenz

Das Risiko von Demenzkranken ist erhöht, weil die Patientinnen und Patienten in aller Regel hochbetagt sind und schon dadurch einer Corona-Risikogruppe angehören. Darüber hinaus leiden viele von ihnen an weiteren Erkrankungen. Da viele Demenzerkrankte nicht in der Lage sind, die Hygieneregeln (AHA+A+L-Regeln) einzuhalten, ist auch das Risiko einer Ansteckung erhöht.

  • Personen mit mit geistiger Behinderung oder schweren psychiatrischen Erkrankungen (insbesondere schwere Depression, Schizophrenie, bipolare Störung)

Menschen mit geistiger Behinderung oder schweren psychiatrischen Erkrankungen infizieren sich häufiger mit dem Coronavirus, da sie oft pflegebedürftig sind und es ihnen oftmals schwerfällt, die komplexen Hygieneregeln (AHA+A+L-Regeln) einzuhalten. Sie zeigen auch einen schwereren COVID-19-Verlauf und haben ein höheres Sterberisiko. Erkrankungen werden bei ihnen oftmals schlechter erkannt und später behandelt. Sie haben statistisch betrachtet bereits ohne COVID-19 eine um 10-20 Jahre geringere Lebenserwartung als gesunde Menschen.

  • Personen mit behandlungsbedürftigen Krebserkrankungen

Menschen mit einer behandlungsbedürftigen Krebserkrankung haben ein hohes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf. Außerdem besteht die Gefahr, dass die notwendige Krebsbehandlung durch eine Infektion mit dem Corona-Virus beeinträchtigt wird. Personen mit behandlungsfreien, in Remission befindlichen Krebserkrankungen sind weniger gefährdet und werden daher in die dritte Priorisierungsgruppe eingeordnet.

  • Personen mit interstitiellen Lungenerkrankungen, COPD, Mukoviszidose oder einer anderen, ähnlich schweren chronischen Lungenerkrankungen

Diese Krankheitsbilder erhöhen das Risiko eines schweren Verlaufs:

  • Personen mit Muskeldystrophien oder vergleichbaren neuromuskulären Erkrankungen
  • Personen mit Diabetes mellitus mit Komplikationen

Bei Diabetikerinnen und Diabetikern wird hinsichtlich des Corona-Erkrankungsrisikos nach der Schwere der Vorerkrankung unterschieden: In der Prioritätsgruppe 2 befinden sich Diabetikerinnen und Diabetiker mellitus Typ 1 und 2 mit Komplikationen wie einem diabetischen Fußsyndrom, Nierenschäden, Augenschäden oder anderen Folgeerscheinungen des Diabetes mellitus. Solche Komplikationen können entstehen, wenn der Blutzucker schlecht eingestellt ist. Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen haben besonders solche Diabetikerinnen und Diabetiker ein besonders hohes Risiko eines schweren Verlaufs, wenn sie einen schlecht eingestellten Blutzucker haben. Diabetikerinnen und Diabetiker ohne Komplikationen gelten hingegen als weniger gefährdet. Sie befinden sich in der dritten Priorisierungsgruppe.

  • Personen mit Leberzirrhose oder einer anderen chronischen Lebererkrankung

Diese Krankheitsbilder erhöhen das Risiko eines schweren Verlaufs:

  • Personen mit chronischer Nierenerkrankung

Diese Krankheitsbilder erhöhen das Risiko eines schweren Verlaufs:

  • Personen mit Adipositas (Body-Mass-Index über 40)

Stark übergewichtige Menschen sind durch eine COVID-19-Erkrankung besonders gefährdet, weil auf ihrem Lungengewebe ein erheblich höherer Druck lastet. Sie müssen deshalb mehr Kraft aufwenden, um den Körper mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Zudem belastet das starke Übergewicht das Herz-Kreislauf-System. Adipöse Menschen leiden häufig auch an Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Asthma bronchiale, was ihr Risiko zusätzlich erhöht.

Dritte Priorisierungsgruppe („Erhöhte Priorität“) 

In der dritten Prioritätsgruppe befinden sich unter anderem Patientinnen und Patienten, die aufgrund ihrer Vorerkrankung ein erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 haben. Dazu zählen folgende Gruppen:

  • Personen mit behandlungsfreien in Remission befindlichen Krebserkrankungen

Sie haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf. Diese Gruppe ist allerdings weniger gefährdet als Personen mit behandlungsbedürftigen Krebserkrankungen, welche in die zweite Priorisierungsgruppe eingeordnet werden.

  • Personen mit Immundefizienz oder HIV-Infektion, Autoimmunerkrankungen oder rheumatologischen Erkrankungen
  • Personen mit einer Herzinsuffizienz, Arrhythmie, einem Vorhofflimmern, einer koronaren Herzkrankheit oder arteriellen Hypertonie
  • Personen mit zerebrovaskulären Erkrankungen, Apoplex oder anderen chronischen neurologischen Erkrankungen
  • Personen mit Asthma bronchiale
  • Personen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
  • Personen mit Diabetes mellitus ohne Komplikationen
  • Personen mit Adipositas (Body-Mass-Index über 30)

Impfberechtigung nachweisen

Menschen, die aufgrund ihrer Vorerkrankung zu den Priorisierungsgruppen gehören, werden in einigen Bundesländern, jedoch nicht in allen, durch die Krankenkassen über ihren bevorzugten Impfanspruch informiert. Um im Impfzentrum nachzuweisen, dass Sie priorisiert geimpft werden dürfen, sollten Sie sich von Ihrer behandelnden Ärztin oder Ihrem behandelnden Arzt ein sogenanntes ärztliches Zeugnis ausstellen lassen. Dieses können Sie auch telefonisch bei Ihrer Ärztin/Ihrem Arzt anfordern und zuschicken lassen, sofern Ihre Krankheitsgeschichte dort bekannt ist. Auf den Websites der Bundesländer finden Sie weitere wichtige Informationen zu den Terminen in den Impfzentren.

Ab dem 7. April 2021 startet zusätzlich das Impfen in den Arztpraxen. Dann können Risikopatientinnen und -patienten sich auch direkt bei der Ärztin/dem Arzt ihres Vertrauens impfen lassen. Wichtig: Auch in den Arztpraxen gilt die Impfreihenfolge. Dort prüfen die Mediziner die Impfberechtigung direkt vor der Schutzimpfung in der Praxis. Dann muss ein ärztliches Zeugnis über das Vorliegen einer Vorerkrankung nicht ausgestellt werden.

Einzelfallentscheidung nach ärztlicher Beurteilung aufgrund besonderer Umstände

Die STIKO hat in ihrer Empfehlung betont, dass nicht alle Krankheitsbilder, die zu einer erhöhten COVID-19-Gefährdung führen können, genannt werden konnten. Für besonders seltene schwere Vorerkrankungen gibt es keine ausreichende wissenschaftliche Datengrundlage, aus der Erkenntnisse über einen typischen COVID-19-Verlauf abzuleiten wären. Personen, bei denen nach ärztlicher Beurteilung aufgrund besonderer Umstände ein sehr hohes, hohes oder erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Corona-Infektion besteht, haben im Einzelfall einen prioritären Anspruch auf eine Corona-Schutzimpfung, Voraussetzung ist ein entsprechendes ärztliches Zeugnis. Wer berechtigt ist, ein solches ärztliches Zeugnis auszustellen, regeln jeweils die einzelnen Länder. Personen, bei denen nach ärztlicher Beurteilung ein sehr hohes oder hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht, haben im Einzelfall einen Anspruch auf Schutzimpfung in der Priorisierungsgruppe 2. Personen, die ein erhöhtes Risiko haben, können in der Priorisierungsgruppe 3 geimpft werden. Entscheidend dafür ist das Vorliegen eines ärztlichen Zeugnisses.

Kontaktpersonen

Um das Risiko für Patientinnen und Patienten mit einer Vorerkrankung in der zweiten und dritten Priorisierungsgruppe weiter zu reduzieren, können diese bis zu zwei enge Kontaktpersonen benennen, die sich ebenfalls vorrangig impfen lassen können. Dies gilt in der Priorisierungsgruppe 2 auch für schwangere Personen. Alles, was Sie zur Corona-Schutzimpfung wissen müssen, lesen Sie hier.

Die Verordnung zum Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 finden Sie hier.

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