Corona-Schutzimpfung
09:30 · 7. Oktober 2022

Erster Ganzvirusimpfstoff gegen COVID-19: Wichtige Infos zum COVID-19-Impfstoff Valneva®

Im Juni 2022 hat die Europäische Kommission auf Empfehlung der Europäischen Arzneimittel-agentur (EMA) den COVID-19-Impfstoff Valneva® in Europa zugelassen. Valneva® ist ein Totimpfstoff des österreichischen Pharmaunternehmens Valneva. Alles Wissenswerte zum neuen Impfstoff lesen Sie hier.

Mehr zum ersten Ganzvirusimpfstoff gegen COVID-19

Valneva® – Der Impfstoff auf einen Blick

  • Name: Valneva® (VLA2001)
  • Zulassungsinhaber: das österreichische Pharmaunternehmen Valneva Austria GmbH
  • Impfstofftyp + Wirkweise: adjuvantierter, inaktivierter Ganzvirusimpfstoff, der abgetötete ganze Viruspartikel in den Körper schleust und dort eine Immunantwort mit Antikörpern und aktivierten T-Zellen in Gang setzt
  • Wirksamkeit: Der Zulassungsstudie zufolge ist Valneva® (VLA2001) beim Schutz vor COVID-19 voraussichtlich mindestens ebenso wirksam wie der COVID-19-Impfstoff Vaxzevria®.
  • Impfempfehlung: Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt den Impfstoff im Rahmen der Grundimmunisierung Personen zwischen 18 und 50 Jahren.
  • Typische Impfreaktionen: Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und Übelkeit oder Erbrechen
  • Verabreichung: per Spritze in den Oberarmmuskel (intramuskulär)
  • Impfschema: zwei Dosen im Abstand von vier Wochen

So wirkt der COVID-19-Impfstoff Valneva®

Der Impfstoff basiert auf dem klassischen Wirkprinzip der Totimpfstoffe. Diese enthalten entweder abgetötete Erreger oder inaktivierte Bestandteile von Erregern. Valneva® enthält ganze Viruspartikel des Originalstamms von SARS-CoV-2. Gelangt der Impfstoff in den Körper, erkennt das Immunsystem das Virus als fremd. Es bildet daraufhin Antikörper, die die Viruspartikel neutralisieren.

Im Gegensatz zu den mRNA- und Vektorimpfstoffen regt COVID-19-Impfstoff Valneva® aber nicht nur eine Immunantwort gegen einzelne Viruskomponenten, wie zum Beispiel das Spike-Protein, an. Er stimuliert vielmehr eine Immunantwort gegen alle enthaltenen Bestandteile des Virus.

Im Falle einer Corona-Infektion kann der Körper das Virus dann schneller erkennen und gezielter töten. Dadurch wird vor allem das Eindringen in weitere Körperzellen verhindert. Das Virus kann sich dann schlecht oder kaum im Körper ausbreiten. Um die Immunantwort zu verstärken, enthält der Ganzvirusimpfstoff zwei zusätzliche Wirkverstärker. Weitere Informationen erhalten Sie hier: www.ema.europa.eu.

So wirksam ist Valneva®

In der Zulassungsstudie erzeugte Valneva® eine höhere Produktion von Antikörpern gegen den Original-SARS-CoV-2-Stamm als der Vergleichsimpfstoff Vaxzevria®. Zudem wurde bei den mit Valneva® geimpften Personen nach der zweiten Impfung ein höherer Durchschnittswert an neutralisierenden Antikörpern entdeckt. Und: Der Totimpfstoff erzeugte eine hohe Immunantwort der T-Zellen gegen das Spike-Protein des Virus sowie gegen zwei weitere Virusproteine. Die EMA urteilte also: Valneva®schützt voraussichtlich mindestens ebenso wirksam vor COVID-19 wie Vaxzevria®.

Die Daten reichen jedoch nicht aus, um eine Aussage darüber zu treffen, ob Valneva® auch ausreichend vor bedenklichen Varianten einschließlich Omikron schützt.

Für Menschen mit Immunschwäche liegen bisher keine Daten über die Wirksamkeit von Valneva® vor. Obwohl sie wahrscheinlich weniger gut auf den Impfstoff ansprechen, gibt es für immungeschwächte Personen keine besonderen Sicherheitsbedenken. Der EMA zufolge können sie mit COVID-19-Impfstoff Valneva® geimpft werden – sie haben ungeimpft ein hohes Risiko für eine schwere COVID-19-Erkrankung.

Was empfiehlt die STIKO?

Die STIKO empfiehlt Menschen zwischen 18 und 50 Jahren eine Grundimmunisierung mit Valneva®. Es sollen zwei Impfstoffdosen im Abstand von mindestens vier Wochen genutzt werden. Zudem können der STIKO zufolge auch ungeimpfte Personen, die nachweislich an COVID-19 erkrankt waren, eine Impfdosis zur Vervollständigung der Grundimmunisierung erhalten. Für Auffrischungsimpfungen ist der Impfstoff noch nicht zugelassen. Mehr Informationen zu den Booster-Impfungen finden Sie in diesem Artikel.

Wer sollte nicht mit COVID-19-Impfstoff Valneva® geimpft werden?

Die Impfung mit Valneva® während der Schwangerschaft und Stillzeit wird nicht empfohlen, da aktuell noch ausreichende Daten zur Wirksamkeit und Sicherheit des Impfstoffs fehlen. Nicht empfohlen wird der COVID-19-Impfstoff Valneva® außerdem für Menschen, die eine Allergie gegen die in den Produktinformationstextenaufgeführten Bestandteile des Impfstoffes haben. Zudem sollten auch Personen, die allergisch auf Hefebestandteile reagieren, nicht mit Valneva® geimpft werden.

Da es in einigen Fällen nach einer COVID-19-Impfung zu einer schweren allergischen Reaktion kommt, sollte auch Valneva® wie alle Impfstoffe nur unter strenger ärztlicher Aufsicht verabreicht werden. Bei einer schweren allergischen Reaktion auf die erste Impfung sollte auf eine (weitere) Impfung mit dem gleichen Impfstoff verzichtet werden. Mehr Informationen zur Sicherheit der Corona-Schutzimpfung erhalten Sie hier.

Mit welchen Impfreaktionen und Nebenwirkungen ist zu rechnen?

Impfreaktionen und Nebenwirkungen können grundsätzlich bei allen Impfungen unabhängig vom Krankheitserreger oder Impfstoff auftreten. Auch bei Valneva® kann dies der Fall sein. Impfreaktionen klingen in der Regel nach wenigen Tagen wieder ab und stellen keinen Anlass zur Sorge dar.

In der Zulassungsstudie gab es keine Hinweise darauf, dass es durch die Impfung mit Valneva® zu schweren Nebenwirkungen kommt. Zu den häufigsten Impfreaktionen gehören Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Empfindlichkeit und Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Übelkeit und Erbrechen. Mehr als eine von zehn Personen ist davon betroffen.

Bei weniger als einer von zehn Personen führte die Impfung mit Valneva® zu Juckreiz, Verhärtung, Schwellung und Rötung der Haut an der Einstichstelle sowie zu Schmerzen im Mund- und Rachenraum und Fieber.

Zu den gelegentlich auftretenden Nebenwirkungen zählen vergrößerte Lymphknoten, Schwindel, Empfindungen wie Taubheit, Kribbeln und Nadelstiche. Außerdem können Geschmacksstörungen, Ohnmacht, vermindertes Berührungs-, Schmerz- und Temperaturempfinden, Migräne, Durchfall, (Bauch-)Schmerzen, übermäßiges Schwitzen, Hautausschlag, Schmerzen in den Extremitäten, Muskelkrämpfe und Gelenkschmerzen auftreten. Diese Nebenwirkungen betreffen weniger als eine von 100 Personen.

Selten, das heißt bei weniger als einer von 1.000 Personen, wurde nach der Impfung mit Valneva® eine erniedrigte Blutplättchenzahl, erhöhte Lichtempfindlichkeit der Augen, juckender Hautausschlag und/oder eine Gefäßentzündung mit nachfolgendem Blutgerinnsel festgestellt.

Sicherheit wird fortlaufend geprüft

Wie alle anderen Impfstoffe wird auch Valneva® nach der Zulassung weiter genau von den internationalen Sicherheitsbehörden überwacht; Hinweise auf bislang unbekannte, sehr seltene mögliche Nebenwirkungen werden fortlaufend beobachtet und ausgewertet, um im Bedarfsfall sofort reagieren zu können. Das Paul-Ehrlich-Institut veröffentlicht dazu regelmäßig Sicherheitsberichte, die Sie hier einsehen können.

Was ist ein Ganzvirusimpfstoff?

Ganzvirusimpfstoffe sind die Klassiker unter den sogenannten Totimpfstoffen. Sie sind bereits seit langer Zeit ein bewährtes Mittel gegen verschiedene Erkrankungen: Anfang des 20. Jahrhunderts wurden die ersten inaktivierten (Ganzvirus-)Impfstoffe für Menschen gegen Typhus, Pest und Cholera entwickelt. Zuvor wurden nur Lebendimpfstoffe und abgeschwächte Lebendimpfstoffe verimpft. Auch Impfungen gegen Tollwut und die Frühsommer-Mengingoenzephalitis (FSME) basieren auf Ganzvirus-Vakzinen. Da die enthaltenen Erreger abgetötet wurden, können sie die Krankheit nicht auslösen. Zudem können sie sich nicht im Körper vermehren.

Adjuvanzien: Welche Funktion hat der Wirkverstärker im COVID-19-Impfstoff Valneva®?

Um die Immunantwort des Körpers auf die Schutzimpfung zu verstärken, enthalten viele inaktivierte Totimpfstoffe einen oder mehrere sogenannte Adjuvantien. Diese Wirkverstärker helfen dem Immunsystem, einen wirksamen Schutz aufzubauen. Das verdeutlicht auch die Herkunft des Wortes: Der Begriff stammt aus dem Lateinischen („adjuvans“) und bedeutet „unterstützend“. Es gibt verschiedene Arten von Wirkverstärkern. Bei dem COVID-19-Impfstoff Valneva® sind das zum Beispiel Aluminium und Cytosin-Phospho-Guanin. Adjuvantien werden schon seit langer Zeit erforscht.

Das könnte Sie auch interessieren