Corona-Schutzimpfung
12:57 · 25. Februar 2022

Erster „Totimpfstoff“ gegen COVID-19: Alles Wichtige zu Nuvaxovid® von Novavax

Am 20. Dezember 2021 hat die Europäische Arzneimittelbehörde (EMA) die Zulassung des ersten proteinbasierten COVID-19-Impfstoffes Nuvaxovid des US- Pharmaunternehmens Novavax empfohlen. Damit steht bald auch in Deutschland ein rekombinanter Proteinimpfstoff zum Schutz vor COVID-19 zur Verfügung, der im weiteren Sinne ein Totimpfstoff ist. Alles Wissenswerte zum neuen Impfstoff lesen Sie hier.

Der Impfstoff von Novavax schützt vor COVID-19.

Rund ein Jahr nachdem der erste schützende mRNA-Impfstoff in der Europäischen Union zugelassen wurde, hat mit Nuvaxovid® von Novavax nun auch der erste proteinbasierte Corona-Impfstoff eine bedingte Zulassung von der Europäischen Kommission erhalten. Der Impfstoff basiert auf dem klassischen Wirkprinzip der Totimpfstoffe. Hier erfahren Sie mehr über den neuen COVID-19-Impfstoff, seine Wirksamkeit und mögliche Impfreaktionen.

Nuvaxovid® – Der Impfstoff auf einen Blick

  • Name: Nuvaxovid® (NVX-CoV2373)
  • Zulassungsinhaber: das US-amerikanische Pharmaunternehmen Novavax
  • Impfstofftyp + Wirkweise: proteinbasierter Impfstoff, der virusähnliche Partikel in den Körper schleust, damit dieser gezielt Antikörper gegen das Virus SARS-CoV-2 bilden kann
  • Wirksamkeit: Laut Zulassungsstudie sank die Wahrscheinlichkeit, an COVID-19 zu erkranken, nach zwei Impfdosen Nuvaxovid® von Novavax um etwa 90 Prozent.
  • Impfempfehlung: Die STIKO empfiehlt den Impfstoff zur Grundimmunisierung von Personen ab 18 Jahren. Schwangeren und Stillenden wird die Impfung mit Nuvaxovid® derzeit nicht empfohlen.
  • Typische Impfreaktionen: Schmerzen, Rötung oder Schwellung an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen
  • Verabreichung: per Spritze in den Oberarmmuskel (intramuskulär)
  • Empfohlenes Impfschema: zwei Dosen im Abstand von drei Wochen

So wirkt der Impfstoff Nuvaxovid® von Novavax

Wie andere COVID-19-Impfstoffe soll auch der Impfstoff Nuvaxovid® von Novavax den Körper darauf vorbereiten, eine Infektion mit dem Coronavirus abzuwehren. Dafür enthält der Impfstoff winzige im Labor hergestellte Partikel des Coronavirus, die sogenannten Spike-Proteine. Gelangen diese durch die Impfung in den Körper, werden sie als fremd erkannt und regen das Immunsystem zur Antikörperbildung an. So entsteht eine schützende Immunantwort. Im Gegensatz zu mRNA-und Vektor-Impfstoffen, die den Körper dazu anregen, selbst ungefährliche Kopien des Spike-Proteins herzustellen, wird bei Nuvaxovid® direkt mit in Zellkulturen gezüchteten Bestandteilen der Hülle des Virusproteins geimpft. Um die Immunreaktion zu verstärken, enthält der Proteinimpfstoff zudem ein sogenanntes Adjuvans (Wirkverstärker). Weitere Produktinformationen erhalten Sie hier.

Ist der Corona-Impfstoff von Novavax ein Totimpfstoff?

Der Impfstoff von Novavax ist ein proteinbasierter Impfstoff, der einem klassischen Totimpfstoff sehr ähnelt – denn er enthält nicht vermehrungsfähige Erregerbestandteile (winzige im Labor hergestellte Spike-Proteine), die das Immunsystem zur Antikörperbildung anregen. Im Unterschied zu Totimpfstoffen im herkömmlichen Sinne enthält der Impfstoff von Novavax keine „echten“ abgeschwächten Virenpartikel, sondern künstlich im Labor hergestellte Virus-Proteine. Er ist demnach im weiteren Sinne ein Totimpfstoff. Auch viele Grippeimpfstoffe funktionieren nach diesem Prinzip – hier rufen Eiweißpartikel von Influenzaviren die Immunreaktion hervor. Das Wirkprinzip proteinbasierter Impfstoffe ist also nicht neu und hat sich vor allem bei der Herstellung von Grippeimpfstoffen über viele Jahre hinweg bewährt.

Gut zu wissen: Proteinbasierte Impfstoffe wie Nuvaxovid® von Novavax enthalten keine Erreger oder Erreger-Bestandteile, die sich selbst vermehren oder eine Erkrankung auslösen können. Auch mRNA- und Vektor-Impfstoffe enthalten keine vermehrungsfähigen Viren und können so gesehen mit Totimpfstoffen gleichgesetzt werden.

Studie belegt hohe Wirksamkeit von Nuvaxovid® von Novavax

In der Zulassungsstudie mit rund 30.000 Teilnehmenden zeigte sich, dass Nuvaxovid® von Novavax die Wahrscheinlichkeit, an COVID-19 zu erkranken, um rund 90 Prozent verringern kann. Auch das Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf reduzierte sich – zu berücksichtigen ist allerdings, dass in der Studie insgesamt zu wenige Krankheitsfälle auftraten, um verlässlich beurteilen zu können, wie gut der Impfstoff schwere Verläufe verhindern kann. Deshalb werden fortlaufend weitere Daten zum Impfstoff Nuvaxovid® gesammelt und geprüft, um weitere Erkenntnisse zur Wirksamkeit und zu Nebenwirkungen zu gewinnen. Laut Pharmaunternehmen Novavax ist der Schutz vor Virusvarianten ebenfalls hoch; auch die Schutzwirkung vor der Virusvariante Omikron werde derzeit geprüft und der Impfstoff gegebenenfalls angepasst. 


Die in der Europäischen Union zugelassenen COVID-19-Impfstoffe sind sicher und wirksam und bieten den bestmöglichen Schutz gegen einen schweren Krankheitsverlauf. Was es mit sogenannten Totimpfstoffen auf sich hat und warum man nicht darauf warten sollte, erklärt Prof. Dr. Addo.

#KurzundSchmerzlos: Prof. Dr. Addo über Totimpstoffe

STIKO-Empfehlung zu Nuvaxovid® von Novavax

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt den Impfstoff Nuvaxovid® von Novavax zur Grundimmunisierung von Personen ab 18 Jahren. Verimpft werden zwei Impfstoffdosen im Abstand von mindestens drei Wochen. Ausgenommen von der Empfehlung sind Schwangere und Stillende, weil zum jetzigen Zeitpunkt noch entsprechende Sicherheitsdaten fehlen. Eine Impfung mit Nuvaxovid® in der Schwangerschaft und Stillzeit ist jedoch im Einzelfall möglich, wenn medizinische oder produktspezifische Gründe gegen eine Impfung mit einem mRNA-Impfstoff sprechen (z. B. eine Allergie gegen Inhaltsstoffe eines mRNA-Impfstoffs). Fachleute sprechen in diesem Fall von einer medizinischen, produktspezifischen Kontraindikation.

Auch Ungeimpfte, die bereits eine Corona-Infektion durchgemacht haben, können zur Grundimmunisierung eine Impfstoffdosis Nuvaxovid® erhalten; ebenso kann eine begonnene Impfserie mit dem Impfstoff von Novavax vervollständigt werden. Bislang ist der Protein-Impfstoff nicht als Auffrischungsimpfung zugelassen, kann laut STIKO jedoch z. B. bei einer medizinischen, produktspezifischen Kontraindikation nach ärztlicher Aufklärung und Einwilligung der zu impfenden Person zum Boostern verwendet werden. Es ist zu erwarten, dass der Hersteller für Nuvaxovid auch eine Zulassung für eine Anwendung als Auffrischungsimpfung beantragen wird. Die STIKO wird die Daten dann evaluieren und die Empfehlungen zu den möglichen Impfstoffen für die Booster-Impfung ggf. anpassen.

Was gilt bei den Auffrischungsimpfungen?

Die STIKO empfiehlt die Booster-Impfung für Personen, deren Grundimmunisierung ca. drei Monate zurückliegt. Das heißt, eine Auffrischungsimpfung ist auch für Personen empfohlen, die mit zwei Impfstoffdosen Nuvaxovid® grundimmunisiert wurden. Zurzeit ist die Verwendung des Novavax-Impfstoffs von den Zulassungsbehörden aber nur zur Grundimmunisierung zugelassen. Es ist zu erwarten, dass der Hersteller für Nuvaxovid® auch eine Zulassung für eine Anwendung als Booster-Impfung beantragen wird. Die STIKO wird die Daten dann evaluieren und die Empfehlungen gegebenenfalls anpassen.

Die Verwendung des COVID-19-Impfstoffs Nuvaxovid® zur Auffrischungsimpfung ist derzeit in Ausnahmefällen bereits möglich. Dazu gehört das Vorliegen von produktspezifischen medizinischen Kontraindikationen gegen die Verwendung von Comirnaty® bzw. Spikevax®.

Mehr Informationen zu den Auffrischungsimpfungen finden Sie hier und in diesem Artikel.

Mit welchen Impfreaktionen zu rechnen ist

Impfreaktionen und Nebenwirkungen können grundsätzlich bei allen Impfungen, wie auch COVID19-Impfungen, unabhängig vom Krankheitserreger oder Impfstoff auftreten. Auch bei dem Impfstoff Nuvaxovid® von Novavax können nach der Impfung sogenannte Impfreaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle, Kopf- sowie Muskel- und Gelenkschmerzen oder Müdigkeit auftreten. Diese Impfreaktionen klingen in der Regel nach wenigen Tagen wieder ab und stellen in der Regel keinen Anlass zur Sorge dar.

Auch gab es in der Zulassungsstudie keine Hinweise darauf, dass es durch die Impfung mit Nuvaxovid® von Novavax zu schweren Nebenwirkungen kommen kann. An der Studie nahmen allerdings insgesamt zu wenig Menschen teil, um seltene schwere Nebenwirkungen feststellen zu können. Deshalb wird er Impfstoff auch nach der Zulassung weiter genauestens von den internationalen Sicherheitsbehörden überwacht; Hinweise auf bislang unbekannte, sehr seltene mögliche Nebenwirkungen werden fortlaufend beobachtet und ausgewertet, um im Bedarfsfall sofort reagieren zu können. Das Paul-Ehrlich-Institut veröffentlicht dazu regelmäßig Sicherheitsberichte, die Sie hier einsehen können.

Bei bekannten Unverträglichkeiten bzw. Allergien gegen Inhaltsstoffe des Novavax- Impfstoffes Nuvaxovid® oder einer schweren allergischen Reaktion auf die erste Impfung sollte auf eine (weitere) Impfung mit dem gleichen Impfstoff verzichtet werden. 

Weitere Informationen zur Sicherheit der Corona-Schutzimpfung erhalten Sie hier

Adjuvanzien: Was bedeutet der Wirkverstärker im Novavax-Impfstoff?

Um die Immunantwort des Körpers auf die Schutzimpfung zu verstärken, ist im Novavax-Impfstoff ein sogenanntes Adjuvans (Matrix M™) enthalten. Solche Wirkverstärker sind in vielen inaktivierten Impfstoffen enthalten („Totimpfstoffe“), damit diese eine ausreichende Immunreaktion auslösen können. Adjuvanzien helfen dem Immunsystem also dabei, einen wirksamen Schutz aufzubauen. Das macht auch die Herkunft des Wortes deutlich: Der Begriff stammt aus dem Lateinischen („adjuvans“) und bedeutet „unterstützend“.

Es gibt verschiedene Arten von Wirkverstärkern, zum Bespiel Aluminiumsalze oder – wie im Fall des Novavax-Impfstoffs – saponin-basierte Adjuvanzien. Letztere werden aus einem Extrakt des chilenischen Seifenrindenbaums hergestellt und bei der Impfstoffproduktion so aufbereitet, dass sie für Menschen nicht gesundheitsschädlich sind. Gut zu wissen: Adjuvanzien werden schon seit langer Zeit erforscht und Fachleute halten bleibende Gesundheitsschäden durch Wirkverstärker für sehr unwahrscheinlich – auch wenn sie (wie bei jedem anderen Arzneimittel) nie vollständig auszuschließen sind.

Das könnte Sie auch interessieren