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Corona-Schutzimpfung
10:53 · 3. September 2021

Corona-Schutzimpfung ab 12 Jahren: Das sollten Kinder und Jugendliche wissen

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Corona-Schutzimpfung für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren. Wie sicher und wirksam sind die Impfstoffe? Antworten auf wichtige Fragen.

Welche Kinder sich impfen lassen sollten

Die Europäische Kommission hat am 28. Mai 2021 den Impfstoff Comirnaty® von Biontech/Pfizer auch für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren zugelassen. Am 23. Juli 2021 wurde auch der Impfstoff Spikevax® (Vaccine Moderna) von Moderna für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren von der Europäischen Kommission zugelassen. Am 19. August 2021 hat die Ständige Impfkommission (STIKO) ihre aktualisierte Impfempfehlung für beide mRNA-Impfstoffe für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren veröffentlicht. Wie sicher und wirksam die Corona-Schutzimpfung in dieser Altersgruppe ist, erfahren Sie hier:

Wie schwer erkranken Kinder an COVID-19? 

COVID-19 ist eine Erkrankung, die potenziell lebensbedrohlich verlaufen kann. Kinder und Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren, die keine Vorerkrankungen aufweisen, erkranken allerdings nur selten schwer. Sie infizieren sich Studien zufolge seltener als Erwachsene mit dem Coronavirus und scheinen auch weniger ansteckend zu sein. Nur etwa ein Prozent der Kinder und Jugendlichen von 12 bis 17 Jahren, die an COVID-19 erkranken, muss ins Krankenhaus. Auch Todesfälle traten bisher vereinzelt und nur bei Kindern und Jugendlichen mit schweren Vorerkrankungen auf. 

Das Auftreten von Langzeitfolgen nach einer Corona-Infektion bei Kindern und Jugendlichen ist bisher nicht quantifizierbar. Bei zunehmenden Fallzahlen ist jedoch auch damit zu rechnen, dass Langzeitfolgen zunehmen. Zudem sind die psychosozialen Folgen der Pandemie, insbesondere Maßnahmen der Isolation, in dieser Altersgruppe auch unabhängig von individuellen COVID-19-Infektionen erheblich – auch wenn sie sich nur schwer erfassen lassen.

Welche COVID-19-Impfstoffe sind für Kinder und Jugendliche zugelassen?

Der Impfstoff Comirnaty® von BioNTech/Pfizer war der erste, der weltweit gegen COVID-19 zugelassen wurde. Von Beginn an war er für Personen ab 16 Jahren zugelassen. Er war ebenfalls der erste, der auch für Kinder und Jugendliche im Alter von 12 bis 15 Jahren eine bedingte Zulassung von der Europäischen Union erhalten hat. Am 23. Juli hat die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) auch die Erweiterung der Zulassung der Impfung von Kindern und Jugendlichen ab 12 Jahren mit Spikevax® (Vaccine Moderna) von Moderna empfohlen. Die Europäische Kommission hat die Zulassung dieses Impfstoffs für diesen Personenkreis entsprechend erweitert. 

Welchen Kindern empfiehlt die STIKO die Corona-Schutzimpfung?

Wegen einer aus ihrer Sicht nicht ausreichenden Datenlage empfahl die STIKO zunächst die Corona-Schutzimpfung nur Kindern und Jugendlichen mit bestimmten Vorerkrankungen, einem erhöhten Ansteckungsrisiko oder mit engem Kontakt zu Personen, die sich nicht selbst schützen können.

Mittlerweile liegen ausreichend Daten zur Sicherheit des Impfstoffes und zur Krankheitslast bei 12- bis 17-Jährigen vor. Auf Basis dieser Erkenntnisse und einer gründlichen Risiko-Nutzen-Abwägung empfiehlt die STIKO) seit dem 19. August 2021 die COVID-19-Impfung mit zwei Dosen eines mRNA-Impfstoffs (Comirnaty® oder Spikevax®) für alle Kinder und Jugendlichen ab 12 Jahren. Die Begründung der STIKO: Nach aktuellem Wissensstand überwiegen die Vorteile der Impfung gegenüber dem Risiko von sehr seltenen Impfnebenwirkungen.

Vor der Impfung sind eine ärztliche Aufklärung sowie gegebenenfalls die Einverständniserklärung der Sorgeberechtigten notwendig.

Wie wirksam ist die Corona-Schutzimpfung für Kinder?

Grundsätzlich sind beide mRNA-Impfstoffe sehr wirksam und sicher. Da der Impfstoff Comirnaty® von BioNTech/Pfizer weltweit wesentlich häufiger verimpft wurde, gibt es für diesen Impfstoff aktuell mehr Daten als für den Impfstoff Spikevax® (Vaccine Moderna) von Moderna.

Die Ergebnisse einer Studie mit rund 2.000 Kindern und Jugendlichen im Alter von 12 bis 15 Jahren zeigen: Der Impfstoff Comirnaty® von BioNTech/Pfizer ist auch in dieser Altersgruppe sicher und die Wirksamkeit vergleichbar oder sogar besser als bei den 16- bis 25-Jährigen. Keines bzw. keiner der rund 1.000 geimpften Kinder und Jugendlichen ist demnach an COVID-19 erkrankt. Alle anderen Studienteilnehmenden erhielten ein Placebo in Form von Kochsalzlösung verabreicht – von ihnen sind 16 erkrankt. Demzufolge bietet der Impfstoff rechnerisch einen hundertprozentigen Schutz vor einer COVID-19-Erkrankung und soll auch Folgeerkrankungen wie Long Covid oder das sogenannte Pediatric Inflammatory Multisystem Syndrome (PIMS) verhindern. Mehr über den Impfstoff von BioNTech/Pfizer und seine Wirkweise erfahren Sie hier.

Die Ergebnisse der Wirksamkeitsstudie des Impfstoffs Spikevax® (Vaccine Moderna) von Moderna mit insgesamt 3.732 Kindern und Jugendlichen zeigen: Der Impfstoff ist sicher und wirksam. Keines der 2.139 geimpften Kinder ist nach der Impfung an COVID-19 erkrankt. Die 1.042 Kinder und Jugendlichen der Placebogruppe erhielten eine Kochsalzlösung – von ihnen sind vier erkrankt. Wie der Impfstoff von Biontech/Pfizer bietet auch Spikevax® demnach einen hundertprozentigen Schutz vor eine COVID-19-Erkrankung. Mehr über den Impfstoff von Moderna und seine Wirkweise erfahren Sie hier.  

Hohe Sicherheitsstandards bei Impfstoffzulassung

Impfstoffe und Arzneimittel müssen in allen Altersgruppen sicher und wirksam sein. Für eine bedingte Zulassung in Deutschland hat die Europäische Arzneimittel-Agentur EMA daher noch einmal ganz genau geprüft, ob die Studiendaten für den Impfstoff ab 12 Jahren ausreichend sind und eine sichere Dosierung für Kinder angemessen erforscht wurde. Das Ergebnis: Insgesamt ist der mRNA-Impfstoff nach allem, was bisher bekannt ist, ein sicherer und wirksamer Impfstoff. Mehr über die hohen Sicherstandards bei der Zulassung von Impfstoffen in Deutschland können Sie in diesem Artikel nachlesen.

Welche Impfreaktionen gibt es bei Kindern? 

Auch bei geimpften Kindern traten in der Studie typische Impfreaktionen auf, die nach ein bis drei Tagen folgenlos wieder abgeklungen sind. Dazu gehörten beispielsweise Schmerzen an der Einstichstelle, Fieber, Schüttelfrost und Kopfschmerzen. Insgesamt sind die Beschwerden bei 12- bis 15-Jährigen (Comirnaty) bzw. bis 17-Jährigen (Spikevax) ähnlich häufig ausgeprägt wie bei 16- bis 25-Jährigen (Comirnaty) bzw. 18- bis 25-Jährigen (Spikevax). Diese Impfreaktionen sind auch aus anderen klinischen Untersuchungen mit Erwachsenen bekannt und stellen in der Regel keinen Anlass zur Sorge dar. Zur Linderung möglicher Beschwerden kann nach Rücksprache mit der Ärztin oder dem Arzt ein schmerzlinderndes/fiebersenkendes Medikament in der empfohlenen Dosierung eingenommen werden.

Im zeitlichen Zusammenhang mit einer Impfung mit den mRNA-Impfstoffen wurden sehr seltene Fälle von Herzmuskelentzündungen beobachtet. Diese Fälle traten hauptsächlich innerhalb von 14 Tagen nach der Impfung, häufiger nach der zweiten Dosis und häufiger bei Jungen als bei Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren auf (circa 1:16.000 bei Jungen beziehungsweise 1:110.000 bei Mädchen nach der zweiten Impfung). Der akute Verlauf der Herzmuskelentzündungen ist unter stationärer Behandlung meist mild. Es gibt noch keine Erkenntnisse zu möglichen Langzeitfolgen. Umgekehrt weisen neuere Untersuchungen aus dem Ausland darauf hin, dass Herzmuskelentzündungen auch bei COVID-19-Erkrankungen auftreten. Bei Brustschmerzen, Kurzatmigkeit, beschleunigtem Puls oder Herzpochen nach einer Corona-Schutzimpfung sollten Sie sofort medizinische Beratung und Hilfe einholen.

Andere schwerwiegende Nebenwirkungen sind bei 12- bis 17-Jährigen nach einer COVID-19 Impfung nicht bekannt, obwohl alleine in den USA und in Kanada in dieser Altersgruppe bereits mehr als 12 Millionen Impfstoffdosen verabreicht wurden. Was im Fall einer möglichen Impfkomplikation zu tun ist, erfahren Sie in diesem Artikel.

Warum sollte mein Kind gegen COVID-19 geimpft werden?  

Die Corona-Schutzimpfung bietet Kindern ab 12 Jahren sicheren und wirksamen Schutz vor einer schweren COVID-19-Erkrankung, die im Krankenhaus behandelt werden muss. Zudem können durch die Impfung auch indirekte Folgen einer COVID-19-Infektion, wie Einschränkungen der Teilhabe am sozialen und kulturellen Leben von Kindern und Jugendlichen abgemildert werden. Und: Durch die Impfung schützt man nicht nur die Gesundheit des Kindes, sondern auch die seiner Mitmenschen. Denn je mehr jüngere Altersgruppen, die viele soziale Kontakte haben, geimpft sind, desto schlechter kann sich das Virus ausbreiten. Und das wiederum schützt auch Menschen, die sich nicht impfen lassen können – zum Beispiel Babys und Kleinkinder, für die es noch keinen zugelassenen Impfstoff gibt.

Keine Impfpflicht für Kinder

Wichtig zu wissen: Wie auch bei Erwachsenen gibt es für COVID-19-Impfungen bei Kindern und Jugendlichen keine Impfpflicht und Eltern können gemeinsam mit ihrem Kind frei entscheiden, ob sie geimpft werden oder nicht. Nutzen Sie die Gelegenheit und sprechen Sie auch mit der behandelnden (Kinder-)Ärztin oder dem (Kinder-)Arzt über den Nutzen und mögliche Risiken der Corona-Schutzimpfung.

Wo kann ich mich beraten lassen? 

Vor der Impfung sollten Sie sich über das Impfangebot informieren und ein persönliches Beratungs- und Aufklärungsgespräch mit der behandelnden Kinder- und Jugendärztin oder dem Kinder- und Jugendarzt führen. Falls Ihr Kind schon älter ist und nicht mehr in die Kinderarztpraxis geht, können Sie sich auch bei der Hausärztin oder dem Hausarzt Ihres Vertrauens beraten lassen. Auch im Aufklärungsmerkblatt und im Einwilligungsbogen finden Sie weitere wichtige Informationen rund um die Corona-Schutzimpfung.

Aufklärungsmerkblatt: Corona-Schutzimpfung mit mRNA-Impfstoffen

Einwilligungsbogen zur Corona-Schutzimpfung (mRNA-Impfstoff)

Wo können sich Kinder und Jugendliche gegen COVID-19 impfen lassen?

Die Corona-Schutzimpfung erhalten sie bei Kinder-, Jugend- und Hausärztinnen oder -ärzten. Zudem können sie sich bundesweit in Impfzentren oder bei lokalen Impfaktionen impfen lassen. Als Angehörige von Beschäftigten kann eine Impfung gegen COVID-19 auch durch Betriebsärztinnen oder -ärzte vorgenommen werden.

Wie kann ich einen Impftermin vereinbaren?

Im Rahmen der Gesundheitsministerkonferenz vom 2. August 2021 wurde beschlossen, dass alle Kinder und Jugendlichen ab 12 Jahren in sämtlichen Bundesländern möglichst niedrigschwellige Angebote für die Corona-Schutzimpfung mit den Impfstoffen Comirnaty® von BioNTech/Pfizer und Spikevax® von Moderna erhalten sollen. Am besten informieren Sie sich unmittelbar bei Ihrem Impfzentrum vor Ort, Ihrer behandelnden Kinder- und Jugend- beziehungsweise Hausärztin oder Ihrem Kinder- und Jugend- beziehungsweise Hausarzt, ob deren Praxis Schutzimpfungen gegen COVID-19 durchführt und wie das Impfen dort abläuft. Einige Praxen bieten eine Extra-Impfsprechstunde an, andere vergeben freie Termine.

Folgende Dokumente sollten Sie beim Impftermin dabeihaben: 

  • Personalausweis des Kindes 
  • Impfpass des Kindes (wenn nicht vorhanden, erhalten Sie eine Ersatzbescheinigung)
  • Schutzmaske zur Einhaltung der Hygienemaßnahmen

Machen Sie sich möglichst vorab schon Gedanken zur Krankheitsgeschichte Ihres Kindes (z. B. Allergien, Ohnmachtsanfälle), um diese mit der Impfärztin oder dem Impfarzt besprechen und mögliche Risiken abwägen zu können. Planen Sie zudem etwas Zeit für die Nachbeobachtung ein (etwa 15 Minuten, bei bestimmten Vorerkrankungen kann es auch etwas länger sein).

Der Impfstoff Comirnaty® von BioNTech/Pfizer wird zweimal im Abstand von drei bis sechs Wochen per Spritze in den Oberarmmuskel verabreicht. Bei Spikevax® von Moderna liegt der empfohlene Impfabstand zwischen Erst- und Zweitimpfung bei vier bis sechs Wochen. Den vollständigen Schutz entwickelt der Impfstoff circa 14 Tage nach der zweiten Impfung. Die Corona-Schutzimpfung ist freiwillig und kostenfrei.

Wie Sie eine Infektion mit dem Coronavirus bei Kindern erkennen können und was zu tun ist, wenn Ihr Kind an COVID-19 erkrankt, können Sie in diesem Artikel nachlesen.

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