Corona-Schutzimpfung
10:16 · 8. April 2022

Gemeinschaftsschutz: Warum Solidarität in der Coronavirus-Pandemie so wichtig ist

Die Corona-Schutzimpfung schützt nicht nur Geimpfte vor schweren COVID-19-Erkrankungen. Je mehr Menschen geimpft sind, desto besser werden auch Personen geschützt, die sich nicht impfen lassen können. Wie wichtig dieser Gemeinschaftsschutz ist und wie wir ihn erreichen können, lesen Sie hier.

Mit der Impfung schützt man sich und andere

Einer für alle, alle für einen – dieses solidarische Prinzip spielt auch in der Pandemie-Bekämpfung eine entscheidende Rolle. Denn je mehr Menschen durch eine Impfung vor einer Infektion und einer Erkrankung mit dem Coronavirus geschützt sind, desto häufiger trifft das Virus auf Menschen, die ein deutlich geringeres Risiko tragen, sich anzustecken – und umso schlechter kann es sich ausbreiten. Man spricht dann auch von Gemeinschaftsschutz oder Herdenimmunität.

Das Erreichen der sogenannten Herdenimmunität ist wichtig, um auch Menschen, die sich nicht impfen lassen können, vor schweren COVID-19-Erkrankungen zu schützen. Dazu gehören zum Beispiel Kinder, die für eine Corona-Schutzimpfung zu jung sind, oder Personen, die die Impfung aus gesundheitlichen Gründen nicht erhalten können, trotz Impfung keinen ausreichenden Immunschutz aufbauen können oder Allergien gegen Bestandteile der Impfstoffe haben. Interessante Inhalte zur "Bedeutung von Impfungen" hat das Robert Koch-Institut (RKI) zusammengefasst.

Impfung erhöht Chancen auf Herdenimmunität

Wann ein Gemeinschaftsschutz oder die Herdenimmunität erreicht wird, hängt von mehreren, teilweise veränderbaren Faktoren ab: Ein wesentlicher Wert für die Berechnung ist die sogenannte Basisreproduktionszahl. Diese zeigt, wie viele weitere Menschen eine erkrankte Person in einer gänzlich ungeschützten Bevölkerung anstecken würde. Aber auch weitere Faktoren wie die Bevölkerungsdichte, das Kontaktverhalten der Menschen, das Auftreten von Virusvarianten, die Impfakzeptanz und das Impftempo beeinflussen, wann die Herdenimmunität eintritt.

Die Impfquote beeinflusst den Gemeinschaftsschutz

Um schnell möglichst viele Menschen zu schützen, erhalten jeden Tag immer mehr Bürgerinnen und Bürger in Deutschland die Corona-Schutzimpfung. Wie viele es aktuell sind, können Sie auf dem sogenannten Impfdashboard einsehen, das den Fortschritt der COVID-19-Impfkampagne in Deutschland zeigt. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass dadurch bereits sehr viele schwere Krankheitsverläufe sowie Todesfälle verhindert werden konnten. Mehr zur Wirksamkeit lesen Sie in den Produktinformationen der jeweiligen Impfstoffe oder in den Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO).

In der 27. Ausgabe des Epidemiologischen Bulletins vom 8. Juli 2021, das das RKI veröffentlichte, wurden Ergebnisse mathematischer Modellszenarien und Bevölkerungssurveys vorgestellt, die die Frage untersuchen, welche Impfquote in Deutschland notwendig ist, um die Corona-Pandemie erfolgreich einzudämmen. In den Modellszenarien wird der Einfluss der Impfquote auf die COVID-19-Inzidenz und Intensivbettenbelegung simuliert und der Einfluss verschiedener Faktoren auf den Effekt der Impfquoten geprüft. Das Modell zeigte, dass bereits die Steigerung der Impfquote von 65 auf 75 Prozent einen deutlichen Unterschied für die künftige Entwicklung der Fallzahlen machen kann. Die Modellierungen zeigen außerdem, dass eine Zielimpfquote (Impfschutz durch vollständige Impfung) von mindestens 85 Prozent für 12- bis 59-Jährige sowie von mindestens 90 Prozent für Personen ab dem Alter von 60 Jahren notwendig ist, um eine geringere Belegung der Intensivstationen zu erreichen. Die Intensität des Gemeinschaftsschutzes nimmt dabei mit steigenden Impfquoten zu. Das PDF zum Bulletin finden Sie hier.

Zwar weisen alle in Deutschland zugelassenen COVID-19-Impfstoffe einen wirksamen individuellen Schutz vor einer Erkrankung auf, trotzdem sollten auch Geimpfte weiterhin die AHA+A+L-Formel beachten – insbesondere in Anbetracht der sich ausbreitenden Virusvarianten. Denn auch wer geimpft ist, kann sich mit dem Coronavirus infizieren – wenn auch mit deutlich geringerem Risiko – und zur Übertragung des Virus beitragen.

Auch Geimpfte sollten Schutzmaßnahmen einhalten

Studiendaten zeigen, dass das Risiko einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 und dass eine Person nach einer Corona-Schutzimpfung PCR-positiv getestet wird, stark vermindert ist. Auch nach einer Infektion ist das Risiko einer Virusübertragung bei geimpften Personen geringer. Das Ausmaß, in dem die Virusübertragung reduziert wird, variiert dabei möglicherweise auch nach Virusvariante.

Auch wenn das Risiko, dass Geimpfte sich mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizieren, PCR-positiv getestet werden und das Virus übertragen deutlich vermindert ist, warnt das Robert Koch-Institut, dass ein Restrisiko weiterhin besteht. Geimpfte Personen können nach Kontakt mit dem Erreger auf das Virus mit einer PCR-positiv getestet werden und Viren ausscheiden, auch ohne selbst zu erkranken. In so einem Fall ist eine geimpfte Person also unbemerkt Trägerin oder Träger des Virus.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt daher dringend, dass auch Geimpfte die allgemein empfohlenen Infektionsschutzmaßnahmen (AHA+A+L) einhalten, bis weitere Studiendaten vorliegen. Mehr dazu erfahren Sie in diesen Video: Wie verhalte ich mich nach der vollständigen Impfung gegen COVID-19?

Im Alltag gilt also nach wie vor: Aufeinander Rücksicht nehmen, solidarisch sein und auf Abstands- und Hygieneregeln achten, um sich und andere vor Ansteckung zu schützen. Denn das Virus wird über winzige Tröpfchen (Aerosole) übertragen, die jeder Mensch beim Atmen, Sprechen oder Niesen freisetzt.

AHA+A+L: Diese Schutzmaßnahmen erhöhen die Sicherheit

Abstand halten

Die Wahrscheinlichkeit, mit Aerosolen bzw. Tröpfchen einer anderen, möglicherweise infizierten Person in Kontakt zu kommen, ist im Umkreis von ein bis zwei Metern besonders hoch. Wer jedoch mindestens 1,5 Meter Abstand wahrt, kann das Risiko einer Infektion über Aerosole oder einer Tröpfcheninfektion minimieren.

Hygieneregeln beachten

Krankheitserreger können auch über die Hände übertragen werden. Wer sie regelmäßig und gründlich wäscht, kann die Anzahl der Erreger effektiv senken. Beim Husten und Niesen schießen besonders viele Tröpfchen durch die Luft, die andere Menschen einatmen können. Enthalten sie Krankheitserreger, droht Ansteckung. Wer in die Armbeuge oder in ein Taschentuch hustet oder niest, verringert das Ansteckungsrisiko.

Alltag mit Maske

Ebenso wichtig wie effektiv: das Tragen einer Schutzmaske. Denn durch die Maske wird ein Teil der Tröpfchen zurückgehalten, sie können sich also nicht so stark verbreiten wie ohne den Schutz. Dabei bieten OP-Masken und Masken des Standards FFP2/FFP3 sowie KN95/N95 einen besonders hohen Schutz.

Corona-Warn-App benutzen

Die Corona-Warn-App ermittelt, ob Sie in den letzten 14 Tagen mit Coronavirus-infizierten Personen in Kontakt gekommen sind. Wenn das so ist, bekommen Sie eine Warnung. Die App sagt Ihnen dann auch, was Sie als nächstes tun müssen. Je schneller Coronavirus-positiv getestete Personen und ihre Kontaktpersonen informiert werden, desto weniger kann sich das Virus verbreiten. Die Nutzung der App trägt damit aktiv zur Eindämmung der Pandemie bei.

Regelmäßig lüften

In schlecht belüfteten Innenräumen können sich Aerosole gut ansammeln und im gesamten Raum verteilen. Das Risiko einer Infektion ist daher besonders hoch. Durch regelmäßiges Lüften gelangt wieder Frischluft in den Raum und die Aerosole werden verdünnt – so sinkt auch das Ansteckungsrisiko.

Bei Unsicherheit und Symptomen: Ärztin beziehungsweise Arzt kontaktieren!

Auch wenn das Restrisiko für Geimpfte geringer ist, sich mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 zu infizieren und einen schweren Verlauf zu erleiden, so ist eine Ansteckung mit dem Coronavirus und eine Übertragung an andere möglich. Der Krankheitsverlauf kann dabei so mild ausgeprägt sein, dass er unbemerkt bleibt. Aus diesem Grund sollten auch leichte Symptome ernst genommen werden: Um das Virus nicht unbemerkt zu verbreiten, ist es wichtig, dass sich symptomatische Personen unabhängig vom Impf- oder Genesenenstatus an ihre Ärztin oder ihren Arzt wenden. So sorgen wir für mehr Sicherheit im Alltag für uns und unsere Mitmenschen.

Auf vollständigen Impfschutz achten

Für alle in Deutschland zugelassenen Impfstoffe werden zwei Impfdosen für eine Grundimmunisierung benötigt. Zusätzlich wird eine Booster-Impfung empfohlen. Beachten Sie zusätzlich die aktuellen Regelungen bezüglich Ihres Impfstatus.

Die Impfstoffe gegen COVID-19

Impfstofftyp

mRNA + Lipid-Nanopartikel-Formulierung

Empfohlene Altersgruppe

5+

uneingeschränkt zugelassen für alle Personen ab 12 Jahren (30 µg) sowie für Kinder ab 5 Jahren (10 µg)

Empfohlene Impfstoffdosen

2

Empfohlener Impfabstand

6 Wochen

zugelassener Impfabstand 3-6 Wochen

Verhinderung schwerer Krankheitsverläufe*

etwa 90 %

Impfstofftyp

mRNA + Lipid-Nanopartikel-Formulierung

Empfohlene Altersgruppe

30+

Empfohlene Impfstoffdosen

2

Empfohlener Impfabstand

6 Wochen

zugelassener Impfabstand 4-6 Wochen

Verhinderung schwerer Krankheitsverläufe*

etwa 90 %

Impfstofftyp

proteinbasiert

Empfohlene Altersgruppe

12+

Empfohlene Impfstoffdosen

2

Empfohlener Impfabstand

3 Wochen

zugelassener Impfabstand 3 Wochen

Schutz vor Erkrankung

etwa 90 %

Der Impfstoff Nuvaxovid kann das Risiko für einen schweren Verlauf verringern.

Impfstofftyp

Vektor-basiert, nicht replizierend

Empfohlene Altersgruppe

60+

zugelassen ab 18 Jahren; Die Verwendung unterhalb der empfohlenen Altersgrenze von ab 60 Jahren ist nach ärztlicher Aufklärung und bei individueller Risikoakzeptanz möglich.

Empfohlene Impfstoffdosen

2

Empfohlener Impfabstand

4 Wochen

mit heterologem Impfschema (Janssen®/mRNA-Impfstoff)

Verhinderung schwerer Krankheitsverläufe*

etwa 70 %**

Impfstofftyp

Vektor-basiert, nicht replizierend

Empfohlene Altersgruppe

60+

zugelassen ab 18 Jahren; Die Verwendung unterhalb der empfohlenen Altersgrenze von ab 60 Jahren ist nach ärztlicher Aufklärung und bei individueller Risikoakzeptanz möglich.

Empfohlene Impfstoffdosen

2

Empfohlener Impfabstand

4 Wochen

mit heterologem Impfschema (Vaxzevria®/mRNA-Impfstoff)

Verhinderung schwerer Krankheitsverläufe*

etwa 90 %

Comirnaty® (BNT162b2) von BioNTech/Pfizer wurde als erster Corona-Impfstoff im Dezember 2020 zugelassen.

Spikevax® (COVID-19-Vaccine Moderna)(mRNA-1273) von Moderna wurde im Januar 2021 in der EU zugelassen.

Nuvaxovid® (NVX-CoV2373) von Novavax wurde im Dezember 2021 in der EU zugelassen.

COVID-19 Vaccine Janssen® (Ad26.COV2.S) von Johnson & Johnson wurde im März 2021 in der EU zugelassen.

Vaxzevria® (AZD1222) von AstraZeneca wurde im Januar 2021 in der EU zugelassen. Hinweis: Seit dem 1. Dezember 2021 kommt Vaxzevria® von AstraZeneca in Deutschland nicht mehr zum Einsatz.

© Bundesministerium für Gesundheit, Stand: Juni 2022 Quellen: Europäische Zulassung, Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO), Impfverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit. *Angaben beziehen sich auf Daten nach der ersten abgeschlossenen Impfserie. Wirksamkeit gegen milde Verlaufsformen bei allen Impfstoffen geringer. **Die Daten beziehen sich auf eine einmalige Impfdosis mit dem Impfstoff Janssen® von Johnson & Johnson. Aufgrund der geringeren Schutzwirkung des Impfstoffs gegen die Delta- und Omikron-Variante empfiehlt die STIKO eine zweite Impfung mit einem mRNA-Impfstoff.

Erst wenn nach Gabe der letzten Impfstoffdosis mindestens 14 Tage vergangen sind, gilt man als vollständig geschützt. Auf den Schutz aller Menschen zu achten, ist auch mit Blick auf das dynamische Infektionsgeschehen durch die Virusvarianten wichtig, denn: Je weniger Infektionen es gibt, desto geringer ist auch die Wahrscheinlichkeit, dass neue gefährliche Varianten entstehen, vor denen die Impfstoffe womöglich nicht mehr so gut schützen können. Weitere Informationen zum Thema Virusvarianten und wie die Corona-Schutzimpfung schützt, können Sie unserem Artikel „Wie entstehen Coronavirus-Varianten – und wie gefährlich sind sie?“ entnehmen.

Immunschutz auffrischen und stärken

Epidemiologische Studien zeigen zudem positive Effekte von Auffrischungsimpfungen, da der Impfschutz über die Zeit nachlässt und somit die Wahrscheinlichkeit trotz Impfung PCR-positiv getestet zu werden wieder zunimmt. Die STIKO empfiehlt daher allen Personen ab 12 Jahren, sowie Personen mit Immunschwäche oder Vorerkrankungen ab 5 Jahren, mindestens eine COVID-19-Auffrischungsimpfung sechs Monate nach Abschluss der Grundimmunisierung. Ziel ist es, neben der Aufrechterhaltung des Individualschutzes die Übertragung von SARS-CoV-2 in der Bevölkerung zu reduzieren, um mögliche zukünftige Infektionswellen abzuschwächen und zusätzliche schwere Erkrankungs- und Todesfälle zu verhindern. Da insbesondere bei älteren Personen oder Personen mit Immunschwäche der Impfschutz meist schneller abnimmt, sollten diese Gruppen prioritär die Booster-Impfung erhalten. In unserem Artikel „Auffrischungsimpfung gegen COVID-19: Jetzt boostern lassen!“ können Sie weitere Informationen zum Thema nachlesen.

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