Bundesministerium für Gesundheit
Corona-Schutzimpfung
13:30 · 11. November 2021

Corona-Schutzimpfung: Das Gerücht von der Unfruchtbarkeit

Unfruchtbar durch die Corona-Schutzimpfung? Viele Frauen sind aufgrund von Gerüchten und Falschinformationen, die im Internet kursieren, verunsichert. Fakt ist: Auch nach fast einem Jahr weltweiter Impfungen gegen das Coronavirus gibt es keine Hinweise darauf, dass die Corona-Schutzimpfung Unfruchtbarkeit hervorruft – hier erfahren Sie mehr dazu.

Macht die Corona-Schutzimpfung unfruchtbar?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt allen ungeimpften Personen ab 12 Jahren die Impfung gegen COVID-19. Frauen mit einem perspektivischen oder konkreten Kinderwunsch, wird die Impfung ebenfalls dringend empfohlen, damit sie vor dieser Erkrankung bereits vor Eintritt einer Schwangerschaft optimal geschützt sind.

Frau Dr. Röbl-Mathieu, COVID-19-Impfung in der Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kinderwunsch - was gibt es neues?


Doch im Internet und vor allem in den sozialen Medien halten sich hartnäckige Falschmeldungen zu Unfruchtbarkeit nach einer COVID-19-Impfung.

Der Mythos bezieht sich auf die falsche Annahme, der Körper von Geimpften bilde nach der Impfung Antikörper gegen das Spikeprotein des Coronavirus und diese könnten sich aufgrund der Ähnlichkeit auch gegen ein körpereigenes Protein, das Syncytin-1, richten – und so die Bildung der Plazenta beeinträchtigen.

Doch diese Erklärung hat einen entscheidenden Haken: Sie stimmt nicht. Um zu klären, wie verwandt also ähnlich sich zwei Proteine sind, muss man auf die Reihenfolge der Aminosäuren schauen, aus denen sich Proteine zusammensetzen. Das Spike-Protein des Coronavirus SARS-CoV-2 besteht aus rund 1.300 Aminosäuren, das Plazenta-Protein Syncytin-1 aus rund 500. Folgen bei zwei Proteinen acht bis zehn gleiche Aminosäuren aufeinander, steigt die Wahrscheinlichkeit auf eine Kreuzreaktion. Bei Syncytin-1 und dem Spikeprotein von SARS-CoV-2 folgen aber höchstens vier gleiche aufeinander. Das heißt, es gibt zwar tatsächlich eine kleine Überschneidung in den Gensequenzen der Proteine. Diese ist aber viel zu klein, um zu einer Verwechslung der Proteine führen zu können.

Zur Einordnung: Solche Ähnlichkeiten lassen sich auch bei normalen Erkältungsviren finden. Theoretisch müssten sich also alle Frauen, die schon einmal einen Schnupfen hatten, um ihre Fruchtbarkeit sorgen, was aber nicht der Fall ist.

Daten zeigen: Auch Frauen mit Antikörpern werden schwanger

Eine Kreuzreaktion kann also ausgeschlossen werden. Das belegen auch die Daten: Denn gäbe es bei der Corona-Schutzimpfung tatsächlich eine negative Auswirkung auf die Fruchtbarkeit, hätte dies bereits in den klinischen Studien der Impfstoffe zu Komplikationen und Fehlgeburten führen müssen. Beides ist aber nicht der Fall. Zudem: Auch Frauen, die eine Covid-19-Erkrankung überstanden haben, bringen Kinder gesund zur Welt – in den USA zählte eine Studie zwischen März 2020 und März 2021 knapp 14.000 Babys, deren Mütter vorher COVID-19 hatten. Und auch nach den Corona-Schutzimpfungen während der Zulassungsstudie der Impfstoffentwickler BioNTech und Pfizer sind Teilnehmerinnen schwanger geworden.

Aktualisierung der STIKO-Empfehlung zu Moderna

Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat den Impfstoff Spikevax® (Vaccine Moderna) von Moderna am 18. November 2021 auf die Anwendung für die Altersgruppe ab 30 Jahren beschränkt. Dies sieht die STIKO als eine vorsorgliche Maßnahme, da verschiedene Daten darauf hinweisen, dass das Risiko für Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen nach der Impfung mit Spikevax® bei Jüngeren höher ist als nach der Impfung mit Comirnaty® von BioNTech/Pfizer. Zudem soll laut STIKO-Empfehlung auch eine Impfung von Schwangeren (ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel) unabhängig vom Alter vorsorglich nur mit Comirnaty® von BioNTech/Pfizer erfolgen. Wichtig ist dabei, dass der Impfstoff Spikevax® (Vaccine Moderna) von Moderna für Personen ab 30 Jahren ein wichtiges, sicheres und wirksames Element der Impfkampagne bleibt – insbesondere auch für die notwendigen Auffrischungsimpfungen. Die Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung zu diesem Punkt finden Sie hier.

Wirkt sich die Corona-Schutzimpfung auf den weiblichen Zyklus aus?

Einige Frauen berichten nach der Corona-Schutzimpfung von Zwischenblutungen, verstärkter oder ausbleibender Menstruation und Unregelmäßigkeiten beim weiblichen Zyklus. Gut zu wissen: Solche Veränderungen des Zyklus sind auch bei anderen Impfungen oder durch Infektionen bekannt und werden auf die Aktivierung des Immunsystems zurückgeführt. Ein direkter, pathologischer Zusammenhang mit der Impfung gegen COVID 19 ist nicht bekannt, heißt es dazu beim Robert Koch-Institut. Und weiter: Die beobachteten Störungen des Zyklus sind vorübergehend und nicht mit Unfruchtbarkeit verbunden.

Zudem müssen Zyklusstörungen nach einer Impfung nicht zwangsläufig auf den verabreichten Impfstoff zurückzuführen sein. Ein häufiger Auslöser solcher Störungen ist Stress. Und typische Impfreaktionen wie Fieber, Müdigkeit oder Muskelschmerzen bedeuten Stress für den Körper. Die gute Nachricht: Ein gestörter Zyklus pendelt sich meist wieder von selbst ein. Halten die Unregelmäßigkeiten allerdings länger als drei Monate nach der Impfung an, sollte dies ärztlich überprüft werden. Zyklusstörungen können übrigens als mögliche Impfkomplikation unter nebenwirkungen.bund.de gemeldet werden.

Auch bei Männern keine Hinweise auf mögliche Unfruchtbarkeit

Auch für Jungen und Männer gilt: Bisher gibt es keine wissenschaftlichen Hinweise dafür, dass ihre Fruchtbarkeit durch die Corona-Schutzimpfung beeinträchtigt wird. Anders sieht es jedoch bei dem Risiko nach einer Infektion mit COVID-19 aus. Laut Paul-Ehrlich-Institut ist mit der Datenlage im Rahmen der Zulassung der Impfstoffe „die bestmögliche Sicherheit für den Ausschluss von Schäden an Fortpflanzungsorganen und von einer Beeinträchtigung der Fortpflanzung beim Menschen gewährleistet.”

Gut zu wissen: Derzeit gibt es noch wenige wissenschaftlichen Erkenntnisse darüber, ob eine Infektion mit COVID-19 die Fruchtbarkeit einschränkt. Es kann allerdings auch nicht ausgeschlossen werden, denn das Coronavirus kann eine Vielzahl von Organen im menschlichen Körper angreifen und bleibende Schäden verursachen. Internationale Studien verweisen außerdem auf eine teils verminderte SpermienproduktionErektionsstörungen sowie einen starken Testosteronmangel bei Männern, die sich mit dem Coronavirus infiziert haben. Der Mangel an Testosteron könnte in diesem Fall auch mit den neurologischen Langzeitfolgen einer Corona-Infektion zusammenhängen. 

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