Bundesministerium für Gesundheit
Corona-Schutzimpfung
11:54 · 19. November 2021

Corona-Schutzimpfung in der Stillzeit: Das müssen Sie wissen

Neben der Schwangerschaft ist auch die Stillzeit eine besondere Lebensphase, in der Mütter nicht nur für sich, sondern auch für das Neugeborene Verantwortung tragen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt stillenden Frauen, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen. Warum die Corona-Schutzimpfung unbedenklich für Stillende ist, erfahren Sie hier.

Die COVID-19-Impfung schützt stillende Mütter.

Seit Dezember 2020 wird in Deutschland gegen COVID-19 geimpft. Dass bis zur generellen Impfempfehlung knapp ein Jahr verstrichen ist, liegt daran, dass stillende Frauen nicht in die Zulassungsstudien der COVID-19-Impfstoffe einbezogen wurden. Die aktuellen Daten zeigen eine sehr gute Schutzwirkung bei Stillenden und geben keine Hinweise darauf, dass die Impfung der Mutter in der Stillzeit ungünstige Auswirkungen auf das Kind hat. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat nach Prüfung dieser Studien am 23. September 2021 eine offizielle Impfempfehlung für stillende Frauen ausgesprochen. Frauenärztin und STIKO-Mitglied Dr. Röbl-Mathieu erklärt:

"Es gibt keine Hinweise, dass die Impfung ein Risiko für die Mutter oder den Säugling darstellt.“

Der Leiter der Autorengruppe für die Impfempfehlungen der Gynäkologischen Fachverbände, Professor Dr. Ekkehard Schleußner, begrüßt die Entscheidung der Ständigen Impfkommission:

„Wenngleich die Impfempfehlung im Vergleich zu anderen Ländern spät ausfällt, begrüßen wir das Ergebnis der STIKO außerordentlich. Die Empfehlung ist komplett in unserem Sinne – die wissenschaftliche Begründung sehr faktengesättigt. Nun können Frauenärztinnen und Frauenärzte ihre Patientinnen über die Vorteile des Impfschutzes beraten und eine Immunisierung gegen COVID-19 vollumfänglich sachlich fundiert empfehlen.“ 


Die Deutsche Gesellschaft für Geburtshilfe e. V. (DGGG) selbst hatte sich bereits im Mai 2021 für die COVID-19 Impfung für stillende Frauen ausgesprochen.

Mit welchen Impfstoffen können stillende Frauen gegen COVID-19 geimpft werden?

Stillenden Frauen wird die Impfung mit einem der beiden mRNA-Impfstoffe ( Comirnaty®
von BioNTech/Pfizer
und Spikevax® (Vaccine Moderna) von Moderna) empfohlen. Die Ständige Impfkommission hat am 18. November 2021 ihre Empfehlung für den Impfstoff
Spikevax®  (Vaccine Moderna) von Moderna auf die Anwendung für die Altersgruppe ab 30 Jahren beschränkt. Dies sieht die STIKO als eine vorsorgliche Maßnahme, da verschiedene Daten darauf hinweisen, dass das Risiko für Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen nach der Impfung mit Spikevax® bei Jüngeren höher ist als nach der Impfung mit Comirnaty® von BioNTech/Pfizer. Auch Schwangere sollen nach dieser Impf-Empfehlung vorsorglich nicht mit Spikevax® (Vaccine Moderna) von Moderna, sondern mit Comirnaty® von BioNTech/Pfizer geimpft werden.

Stillende, die zuvor noch nicht gegen SARS-CoV-2 geimpft wurden, sollen zwei Impfdosen erhalten: Der Impfstoff Comirnaty® von BioNtech/Pfizer sollte in einem Abstand von drei bis sechs, der Impfstoff Spikevax® (Vaccine Moderna) von Moderna mit einem Impfabstand von vier bis sechs Wochen verimpft werden. Gut zu wissen: Eine COVID-19-Impfung von
Stillenden ist nach einem unkomplizierten Verlauf der Geburt auch im Wochenbett möglich.

Für die Auffrischungsimpfungen gelten diese Ausführungen entsprechend ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel.

Erfordert die Impfung eine Stillpause?

Einiges von dem, was die Mutter in ihren Körper aufnimmt, geht in die Muttermilch über und erreicht so auch den Säugling. Die Muttermilch ist voller Nährstoffe, die das Baby versorgen und schützen sollen. Deshalb ist es in der Stillzeit aber zum Beispiel auch besonders wichtig, auf Alkohol und Zigaretten zu verzichten und sich ausgewogen zu ernähren.

Schon vor mehreren Monaten war die STIKO der Auffassung, dass es sehr unwahrscheinlich ist, dass die Impfung der Mutter während der Stillzeit ein Risiko für den Säugling darstellt. In der Zwischenzeit wurde in einigen Studien untersucht, inwieweit die mRNA des COVID-19-Impfstoffs nach der Impfung der Mutter in die Muttermilch übertragen wird. Die Ergebnisse zeigen, dass kein, beziehungsweise wenn überhaupt, nur eine minimale Menge der mRNA des Impfstoffs in die Muttermilch übertragen wird. In der Muttermilch und im Magen-Darm-Trakt des Babys gibt es Enzyme, sogenannte Ribonukleasen, die die RNA-Moleküle abbauen. Deshalb ist davon auszugehen, dass mögliche Impfstoff-mRNA bereits in der Muttermilch oder spätestens im Magen-Darm Trakt des Kindes sehr schnell abgebaut wird. Das heißt, stillende Frauen müssen nach der COVID-19-Impfung keinesfalls auf das Stillen verzichten oder eine Stillpause einlegen.

Was ist mRNA? Und wird sie im Körper gespeichert?

RNA (ribonucleic acid, auf deutsch Ribonukleinsäure) überbringt Informationen in den menschlichen Zellen und bildet sozusagen eine Vorlage für die Herstellung von Eiweißen im Körper. Die mRNA (messenger RNA, auf deutsch Boten-RNA) ist darauf spezialisiert, Informationen zu transportieren. Das ist ihre einzige Funktion. Sie kann Informationen nur übertragen, nicht speichern. Die mRNA-Impfstoffe stoßen in den Zellen die Bildung eines Eiweißes an, dass auf der Oberfläche des Coronavirus sitzt. Dieses Eiweiß regt das Immunsystem an, sich zu wehren und unter anderem Antikörper zu bilden. Diese Antikörper können bei Kontakt zum echten Coronavirus schnell reagieren und den Erreger abwehren. Die mRNA des Impfstoffes wird nach kurzer Zeit vom Körper abgebaut. Mehr Informationen zu mRNA-Impfstoffen finden Sie hier.

Wird durch die COVID-19-Impfung der Mutter auch das Baby geschützt?

Muttermilch enthält viele gesundheitsfördernde Stoffe, wie zum Beispiel Vitamine, Mineralstoffe und Antikörper, die durch das Stillen übertragen werden. Wenn Neugeborene einen Immunschutz gegen Infektionen aufbauen, weil sie Antikörper der Mutter über die Muttermilch aufgenommen haben, spricht man von Nestimmunität oder Nestschutz.

Aktuell ist noch nicht bekannt, ob die Antikörper der Mutter auch das Kind vor einer COVID-19-Erkrankung schützen können.

In Studien konnten nach Impfungen mit einem mRNA-Impfstoff in der Stillperiode erstmals fünf bis sieben Tage nach der ersten Impfdosis Antikörper in der Muttermilch nachgewiesen werden. Die höchsten Antikörperspiegel im Blut und in der Muttermilch wurden ein bis zwei Wochen nach der zweiten Impfdosis gemessen. Je höher der Antikörperspiegel im Blut der Mutter, desto höher der Antikörperspiegel in der Muttermilch. Der Antikörperspiegel der Muttermilch sank in den Studien nachfolgend wieder ab.

In einer Studie aus Israel mit 61 stillenden Frauen, die mit dem Impfstoff Comirnaty® von BioNTech/Pfizer geimpft wurden, konnten zwar Impf-Antikörper in der Mundschleimhaut der Säuglinge gefunden werden, es fanden sich jedoch keine solchen Antikörper im Blut der Säuglinge. Um die schützende Wirkung von Antikörpern gegen COVID-19 bei Säuglingen von geimpften Müttern sowie auch weiterführend die Unterschiede zwischen den Impfstofftypen zu untersuchen, sind weitere Studien erforderlich.

Haben stillende Frauen ein höheres Risiko für Nebenwirkungen nach der Impfung?

Die COVID-19-Impfung von Stillenden mit mRNA-basierten Impfstoffen weist eine gleichwertige Antikörperbildung und ähnlich (geringe) Impfreaktionen und Nebenwirkungen wie in der Schwangerschaft und bei nicht schwangeren Frauen auf. In den bisherigen Studien traten keine schweren unerwünschten Nebenwirkungen bei stillenden Frauen oder deren Kindern nach der Corona-Schutzimpfung auf.

Eine US-amerikanische Studie untersuchte beispielsweise 180 stillende Frauen, von denen rund 71 Prozent den Impfstoff Comirnaty® von BioNTech/Pfizer und 29 Prozent den Impfstoff Spikevax® von Moderna erhalten hatten. Nach der ersten Impfdosis berichteten 89 Prozent (Comirnaty®) beziehungsweise 98 Prozent (Spikevax®) über eine (leichte) Impfreaktion. Nach der zweiten Impfdosis berichteten rund 98 Prozent (Comirnaty®) beziehungsweise 100 Prozent (Spikevax®) von den gängigen Impfreaktionen, wie zum Beispiel Schmerzen an der Einstichstelle oder Kopfschmerzen. Ein kleiner Anteil der Frauen, die die erste Dosis eines der beiden Impfstoffe erhalten hatten, berichtete über eine Verringerung der Milchmenge. In allen Fällen kehrte die Milchproduktion aber innerhalb von 72 Stunden auf die zuvor beobachtete Menge zurück. In Hinblick auf die Säuglinge wurde nur von wenigen milden Reaktionen wie Reizbarkeit und Schlafstörungen berichtet.

Die Sicherheit der COVID-19-Impfung für Stillende wird kontinuierlich überprüft

Weitere Studien zur Sicherheit der Corona-Schutzimpfung in der Schwangerschaft sind in
Planung oder haben bereits begonnen. Darüber hinaus bewertet das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) kontinuierlich die vorliegenden Daten zur Sicherheit. Auch die STIKO wird in Zukunft weiter fortlaufend die Nutzen-Risiko-Bilanz einer COVID-19-Impfung für Schwangere und Stillende bewerten und gegebenfalls ihre Empfehlung entsprechend anpassen. Gut zu wissen: Ein Verdacht auf Nebenwirkungen kann dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) über die Website www.nebenwirkungen.bund.de gemeldet werden. Im Rahmen einer Beobachtungsstudie zur Verträglichkeit der COVID-19-Impfstoffe können Geimpfte unerwünschte Reaktionen nach der Impfung zudem über die Smartphone-App „SafeVac 2.0“ erfassen und an das PEI übermitteln. Die App können Sie kostenfrei im Apple App Store und im Google Play Store herunterladen.

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