Bundesministerium für Gesundheit

Eine Seite des Bundesministeriums f. Gesundheit

Corona-Schutzimpfung
09:43 · 21. September 2021

Was niedergelassene Ärztinnen und Ärzte zur Corona-Schutzimpfung in Arztpraxen wissen sollten

Auch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte unterstützen aktiv die Impfkampagne und führen die Corona-Schutzimpfung durch. Auch im Rahmen der geplanten Auffrischungsimpfungen spielen Sie eine wichtige Rolle. Antworten auf wichtige Fragen zur Corona-Schutzimpfung in Praxen beantworten wir hier.

Arztpraxen haben eine wichtige Rolle beim Impfen /

Seit Dezember 2020 ist bundesweit gegen das Coronavirus geimpft worden. Ein Blick auf das Impfdashboard, das den Fortschritt der Impfkampagne in Deutschland abbildet, zeigt, dass bereits über 100 Millionen Impfungen in Deutschland durchgeführt worden sind und über 50 Millionen Menschen vollständig geimpft und somit vor einem schweren Krankheitsverlauf durch COVID-19 geschützt sind. 

Neben den Impfzentren, die lange Zeit täglich über zehntausende Menschen geimpft haben, und den mobilen Impfteams, die vor allem in Pflegeeinrichtungen im Einsatz sind, haben im April 2021 auch Vertragsärztinnen und Vertragsärzte mit den Schutzimpfungen gegen SARS-CoV-2 begonnen. Im nächsten Schritt wurden dann ab dem 7. Juni 2021 weitere Arztgruppen (niedergelassene Privatärztinnen und -ärzte sowie Betriebsärztinnen und Betriebsärzte) einbezogen. Damit leisten auch sie einen wichtigen Beitrag, um möglichst schnell viele Menschen vor schweren Krankheitsverläufen zu schützen und das deutsche Gesundheitssystem zu entlasten. Wie und wo Medizinerinnen und Mediziner den Impfstoff und entsprechendes Zubehör erhalten und wie die Praxen das Impfen am besten organisatorisch umsetzen können – wir geben einen Überblick:

Impfstoffe und Zubehör über Apotheken bestellen

Die Belieferung der Arztpraxen erfolgt – wie bei anderen Schutzimpfungen auch – über die Apotheken und den pharmazeutischen Großhandel. Bestellt werden kann der Impfstoff immer wöchentlich bis Dienstag, 12 Uhr bei der Apotheke, mit der die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte üblicherweise zusammenarbeiten. Auch das benötigte Impfzubehör (Spritzen, Kanülen und gegebenenfalls NaCl-Lösung) wird in entsprechender Anzahl von der Apotheke mitgeliefert. Wichtig ist zudem, dass die Praxen die COVID-19-Impfstoffe korrekt nach Vorgabe der Impfstoffhersteller lagern und zum Beispiel eine entsprechende Kühlung gewährleistet ist. Mehr zur Lagerung und Haltbarkeit finden Sie hier.

Impfen in Arztpraxen

Terminvergabe und -organisation selbst managen

Wie und in welchem Umfang COVID-19-Schutzimpfungen in den Praxisablauf integriert werden können, legt jede Ärztin und jeder Arzt individuell fest. So können wichtige Faktoren wie die Größe der Praxis, die personellen und räumlichen Gegebenheiten sowie der Umfang, der für die Praxis zur Verfügung stehenden Impfstoffe am besten berücksichtigt werden.

Ärztinnen und Ärzte haben auch nach der Aufhebung der Impfpriorisierung noch die Flexibilität, auf Basis der Coronavirus-Impfverordnung vor Ort zu entscheiden, wer wann geimpft wird, wenn dies für eine effiziente Organisation der Schutzimpfungen oder eine zeitnahe Verwendung vorhandener Impfstoffe notwendig ist. Dies ist vor allem wichtig, um einen möglichen Verwurf von Impfstoffen zu vermeiden.

Bei der Auffrischungsimpfung handelt es sich um eine erneute Verabreichung einer Dosis eines zugelassenen mRNA-Impfstoffs. Ziel der Auffrischungsimpfung ist, bei Personengruppen, bei denen es zu einer reduzierten oder nachlassenden Immunantwort nach einer COVID-19-Impfserie kommen kann, den Impfschutz zu erhöhen. Der Einsatz von Auffrischungsimpfungen bei bestimmten Personengruppen wurde am 2. und 9. August 2021 und am 6. September 2021 von der Gesundheitsministerinnen- und Gesundheitsministerkonferenz (GMK) beschlossen. Folgenden Personengruppen wird ab Herbst eine Auffrischungsimpfung angeboten:

  • Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeeinrichtungen,
  • Bewohnerinnen und Bewohner von Einrichtungen der Eingliederungshilfe und
  • Bewohnerinnen und Bewohner von weiteren Einrichtungen mit vulnerablen Gruppen
  • Pflegekräften und weiteren Beschäftigten in den genannten Einrichtungen
  • immungeschwächten Personen,
  • Höchstbetagten (ab 80 Jahren) und
  • Pflegebedürftige in ihrer eigenen Häuslichkeit

Zudem wird allen Personen eine Auffrischungsimpfung angeboten, die eine komplette Impfserie mit Vektorimpfstoffen (zweimal Vaxzevria® von AstraZeneca oder einmal Janssen® von Johnson & Johnson) abgeschlossen beziehungsweise nach einer Genesung von COVID-19 eine einmalige Impfung mit einem Vektorimpfstoff erhalten haben. Auch hier haben Daten gezeigt, dass ein heterologes Impfschema (sogenannte Kreuzimpfung) – erst Vektor-Impfstoff, anschließend mRNA-Impfstoff – zu einer deutlich höheren Antikörperbildung führt. In diesen Fällen sollte der Abschluss der ersten Impfserie ebenfalls mindestens sechs Monate zurückliegen.

Zudem kann aufgrund des GMK-Beschlusses vom 6. September 2021 eine Auffrischungsimpfung bei denjenigen sofort in Erwägung gezogen werden, die beruflich in regelmäßigem Kontakt mit infektiösen Menschen stehen (z.B. medizinisches Personal ambulant und stationär, Personal des Rettungsdienstes, mobile Impfteams), sofern die vollständige Impfung mindestens sechs Monate zurückliegt.

Und eine Auffrischungsimpfung kann aufgrund des GMK-Beschlusses vom 6. September 2021 nach individueller Abwägung, ärztlicher Beratung und Entscheidung wahrgenommen werden durch die Personengruppe der Menschen ab 60 Jahren, bei denen eine vollständige Impfung mindestens sechs Monate zurückliegt.

Mehr Informationen zu den Auffrischungsimpfungen finden Sie hier.

Impfdosen für Zweitimpfung bestellen

Von Beginn an war nicht vorgesehen, dass Ärztinnen und Ärzte Impfstoff für Zweitimpfungen zurückhalten. Sie sollten die Termine aber entsprechend planen und die benötigten Dosen für die Zweitimpfungen bestellen, wenn diese fällig sind. Um die vorgegebenen Impfintervalle einhalten zu können und Engpässe zu verhindern, sollen Bestellungen für Zweitimpfungen bei der Verteilung auf die Arztpraxen bevorzugt berücksichtigt werden.

Auswahl der Impfstoffe

Zu Beginn der Impfkampagne waren Impfstoffdosen nur begrenzt verfügbar – dies ist mittlerweilenicht mehr der Fall, was es Ärztinnen und Ärzten ermöglicht, bestimmte Impfstoffe zu bestellen und die Bestellung auch darauf abzustimmen, welche Personengruppen in der kommenden Woche geimpft werden. Für wen welcher Impfstoff empfohlen wird, lesen Sie hier. Wichtig zu erwähnen ist hierbei, dass jede Schutzimpfung gegen SARS-CoV-2 nur mit Einwilligung der zu impfenden Person nach sorgfältiger ärztlicher Aufklärung erfolgen darf. Insbesondere eine Impfung von Personen zwischen 18 und 60 Jahren mit den Impfstoffen von AstraZeneca und Johnson & Johnson ist nach sorgfältiger Aufklärung bei individueller Risikoakzeptanz der zu impfenden Person möglich.

STIKO-Empfehlung zum heterologen Impfschema nach einer Erstimpfung mit Vaxzevria®

Für Personen, die Vaxzevria® von AstraZeneca als erste Impfstoffdosis erhalten haben, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) einen mRNA-Impfstoff (Spikevax® von Moderna oder Comirnaty® von BioNTech/Pfizer) als zweite Impfstoffdosis mit mindestens vierwöchigem Impfabstand zur ersten Impfgabe. Diese Empfehlung gilt unabhängig vom Alter der geimpften Person. Hintergrund für diese Empfehlung sind aktuelle Studienergebnisse, die zeigen, dass die Immunantwort nach einem heterologen Impfschema (Vaxzevria® von AstraZeneca /mRNA-Impfstoff) besser ist als die Immunantwort nach einer homologen Impfserie mit zwei Impfstoffdosen von Vaxzevria® von AstraZeneca. Auch die gebildeten Antikörperkonzentrationen waren in den Studien nach heterologem Impfschema deutlich höher. Dadurch hält der Impfschutz vermutlich länger an als nach einer homologen Impfserie (Vaxzevria®/ Vaxzevria®). Die Immunantwort des heterologen Impfschemas ist zu vergleichen mit der Immunantwort nach zwei Impfungen mit einem mRNA-Impfstoff. Ein weiterer Vorteil des heterologen Impfschemas ist, dass die vollständige Immunisierung in einem kürzeren Zeitraum erreicht werden kann (≥ vier Wochen vs. neun – zwölf Wochen).

Die Kombination dieser zwei unterschiedlichen Impfstoffe für Erst- und Zweitimpfung ist möglich, da sich die T-Zellen-basierte Immunantwort bei allen in Deutschland zugelassenen COVID-19-Impfstoffen (mRNA- und Vektor-Impfstoffe) gegen das gleiche Antigen des Virus, das sogenannte Spike-Protein, richtet. Die Anwendung eines heterologen Impfschemas wird auch bereits in anderen Ländern wie beispielsweise den USA empfohlen, zum Beispiel, wenn der Impfstoff der ersten Impfstoffdosis nicht vorrätig oder unbekannt ist.

Leitfaden für Ärztinnen und Ärzte

Ärztinnen und Ärzte stehen ihren Patientinnen und Patienten als Vertrauenspersonen bei allen Fragen rund zur COVID-19-Impfung bei. Wie Sie auf mögliche Sorgen eingehen können, finden Sie im Gesprächsleitfaden. Der Leitfaden bietet außerdem eine Übersicht wichtiger Anlaufstellen für Ärztinnen und Ärzte. Die Informationen finden Sie zum kostenfreien Download in elf verschiedenen Sprachen.

Leitfaden für Ärzt:innen im Patient:innengespräch zur Corona-Schutzimpfung

Guide to COVID-19 vaccination for doctors

Informationen für Ärzte und Ärztinnen: Corona-Schutzimpfung in Arztpraxen (Leichte Sprache)

Jeden Tag werden Ihre Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichsten Meldungen und Meinungen, mit Statistiken, Zahlen und Bildern konfrontiert. Manche Menschen sind verunsichert – auch im Hinblick auf die Corona-Schutzimpfung. Oftmals erscheinen Risiken viel größer, als sie tatsächlich sind. Als Ärztin oder Arzt können Sie kompetent auf die Bedenken Ihrer Patientinnen und Patienten eingehen: Ein vertrauensvolles ärztliches Beratungsgespräch bildet eine fundierte Grundlage für eine informierte und sichere Entscheidung. In diesem Artikel erfahren Sie mehr zum Thema Risikoabwägung bei der Corona-Schutzimpfung mit und für Patientinnen und Patienten.

Vergütung nach Coronavirus-Impfverordnung

Für die Impfberatung erhalten Ärztinnen und Ärzte 10 Euro. Je Impfung können sie zudem 20 Euro abrechnen, für Erst- und Abschlussimpfung also insgesamt 40 Euro. Zu beachten ist, dass die Vergütung nach der Coronavirus-Impfverordnung die Meldung der erforderlichen Impfdaten an das Robert Koch-Institut voraussetzt.

Weitere Fragen zu Ablauf und Aufklärung beantworten wir Ihnen hier.

Weitere, laufend aktualisierte Antworten auf häufige Fragen rund um die COVID-19-Schutzimpfung in Arztpraxen finden Ärztinnen und Ärzte sowie medizinisches Personal zudem auf der Website der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Das könnte Sie auch interessieren

Impfen in Arztpraxen – das sollten Sie wissen

Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte unterstützen aktiv die Impfkampagne und führen Corona-Schutzimpfungen durch. Auch im Rahmen der Auffrischungsimpfungen spielen Sie eine wichtige Rolle. Hier erfahren Sie alles, was Sie zur Impfung in Arztpraxen wissen müssen.

Mehr erfahren

Wer wird wann geimpft?

Die Personen mit einem hohen Erkrankungs-Risiko wurden zuerst geimpft. Seit dem 7. Juni können alle Personen, die eine Impfung wollen, einen Impf-Termin vereinbaren.

Mehr erfahren

COVID-19 –Therapiemöglichkeiten und Arzneimittelentwicklungen

Im folgenden Artikel erfahren Sie, welche Therapiemöglichkeiten – mit und ohne den Einsatz von Medikamenten – es bei einer COVID-19-Erkrankung mit einem schweren Verlauf gibt und welche Arzneimittel gegen COVID-19 aktuell entwickelt werden.

Mehr erfahren