Bundesministerium für Gesundheit
Corona-Schutzimpfung
16:10 · 22. Dezember 2021

Was niedergelassene Ärztinnen und Ärzte zur Corona-Schutzimpfung in Arztpraxen wissen sollten

Auch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte unterstützen aktiv die Impfkampagne und führen die Corona-Schutzimpfung durch. Auch im Rahmen der geplanten Auffrischungsimpfungen spielen Sie eine wichtige Rolle. Antworten auf wichtige Fragen zur Corona-Schutzimpfung in Praxen beantworten wir hier.

Arztpraxen haben eine wichtige Rolle beim Impfen /

Seit Dezember 2020 ist bundesweit gegen das Coronavirus geimpft worden. Ein Blick auf das Impfdashboard, das den Fortschritt der Impfkampagne in Deutschland abbildet, zeigt, dass bereits über 109 Millionen Impfungen in Deutschland durchgeführt worden sind und über 54 Millionen Menschen vollständig geimpft und somit vor einem schweren Krankheitsverlauf durch COVID-19 geschützt sind. 

Neben den Impfzentren, die lange Zeit täglich über zehntausende Menschen geimpft haben, und den mobilen Impfteams, die vor allem in Pflegeeinrichtungen im Einsatz sind, beteiligen sich seit April 2021 maßgeblich auch Vertragsärztinnen und Vertragsärzte an den Schutzimpfungen gegen COVID-19. In einem weiteren Schritt wurden dann ab dem 7. Juni 2021 weitere Ärztinnen- und ärztegruppen (niedergelassene Privatärztinnen und -ärzte sowie Betriebsärztinnen und Betriebsärzte) einbezogen. Da inzwischen jeder und jedem über 12 Jahren in Deutschland ein Impfangebot gemacht werden konnte und die Impfung insbesondere durch Arztpraxen und Betriebsärzte reibungslos funktionierte, haben die Länder die Kapazitäten vieler Impfzentren bis Ende September 2021 erheblich reduziert. Die anderen impfenden Stellen tragen nun mit Schutzimpfungen zur Impfkampagne bei und sorgen dafür, viele Menschen vor schweren Krankheitsverläufen und das deutsche Gesundheitssystem vor Überlastung zu schützen. Einige Impfzentren bleiben außerdem auch über den 30. September 2021 hinaus in Betrieb.

Wie und wo die impfenden Ärztinnen und Ärzte den Impfstoff und entsprechendes Zubehör erhalten und wie sie, insbesondere auch die Arztpraxen, das Impfen am besten organisatorisch umsetzen – wir geben einen Überblick:

Impfstoffe und Zubehör über Apotheken bestellen

Die Belieferung der Arztpraxen erfolgt – wie bei anderen Schutzimpfungen auch – über die Apotheken und den pharmazeutischen Großhandel. Bestellt werden kann der Impfstoff immer wöchentlich bis Dienstag, 12 Uhr bei der Apotheke, mit der die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte üblicherweise zusammenarbeiten. Auch das benötigte Impfzubehör (Spritzen, Kanülen und gegebenenfalls NaCl-Lösung) wird in entsprechender Anzahl von der Apotheke mitgeliefert. Wichtig ist zudem, dass die Praxen die COVID-19-Impfstoffe korrekt nach Vorgabe der Impfstoffhersteller lagern und zum Beispiel eine entsprechende Kühlung gewährleistet ist. Mehr zur Lagerung und Haltbarkeit finden Sie hier.

Logistik: Impfen in Arztpraxen, mit Gabriele Regina Overwiening, Präsidentin der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e.V.

Impfen in Arztpraxen

Terminvergabe und -organisation selbst managen

Wie und in welchem Umfang COVID-19-Schutzimpfungen in den Praxisablauf integriert werden können, legt jede Ärztin und jeder Arzt individuell fest. So können wichtige Faktoren wie die Größe der Praxis, die personellen und räumlichen Gegebenheiten sowie der Umfang, der für die Praxis zur Verfügung stehenden Impfstoffe am besten berücksichtigt werden.

Ärztinnen und Ärzte haben auch nach der Aufhebung der Impfpriorisierung noch die Flexibilität, auf Basis der Coronavirus-Impfverordnung vor Ort zu entscheiden, wer wann geimpft wird, wenn dies für eine effiziente Organisation der Schutzimpfungen oder eine zeitnahe Verwendung vorhandener Impfstoffe notwendig ist. Dies ist vor allem wichtig, um einen möglichen Verwurf von Impfstoffen zu vermeiden.

Auffrischungsimpfungen seit September 2021

Der Einsatz von Booster-Impfungen bei bestimmten Personengruppen wurde im August 2021 von der Gesundheitsministerinnen- und Gesundheitsministerkonferenz (GMK) beschlossen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat ihre Empfehlung für Auffrischungsimpfungen mehrfach aktualisiert. Laut STIKO können und sollten sich alle Personen ab 18 Jahren drei Monate nach der abgeschlossenen Grundimmunisierung boostern lassen. Dies ist vor allem mit Blick auf die höchst ansteckende und sich schnell ausbreitende Omikron-Variante ratsam. 

Die Impfungen können von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, von (mobilen) Impfteams, in den verbliebenen Impfzentren oder auch von Betriebsärztinnen und Betriebsärzten vorgenommen werden.

Gut zu wissen: § 1 Absatz 2 der Coronavirus-Impfverordnung wurde am 17. Dezember 2021 dahingehend angepasst, dass eine von der Zulassung abweichende Verabreichung erfolgen kann, wenn sie nach dem Stand der Wissenschaft medizinisch vertretbar ist oder im Rahmen nichtkommerzieller klinischer Studien erfolgt. Somit können beispielsweise auch Jugendliche eine Auffrischungsimpfung in Einzelfällen bei beruflicher Indikation (zum Beispiel Tätigkeit im Seniorinnen- und Seniorenheimheim oder Krankenhaus) erhalten. Außerdem ist damit die Booster-Impfung in kürzeren Abständen als sechs Monate nach der Grundimmunisierung abgesichert. 

Die arzneimittelrechtliche Gefährdungshaftung bleibt unberührt. Gleiches gilt für die Arzthaftung.

Mehr Informationen zu den Auffrischungsimpfungen finden Sie in diesem Artikel und hier. 

Impfdosen für Zweitimpfung bestellen

Von Beginn an war nicht vorgesehen, dass Ärztinnen und Ärzte Impfstoff für Zweitimpfungen zurückhalten. Sie sollten die Termine aber entsprechend planen und die benötigten Dosen für die Zweitimpfungen bestellen, wenn diese fällig sind. Um die vorgegebenen Impfintervalle einhalten zu können und Engpässe zu verhindern, sollen Bestellungen für Zweitimpfungen bei der Verteilung auf die Arztpraxen bevorzugt berücksichtigt werden.

Auswahl der Impfstoffe

Zu Beginn der Impfkampagne waren Impfstoffdosen nur begrenzt verfügbar – dies ist mittlerweilenicht mehr der Fall, was es Ärztinnen und Ärzten ermöglicht, bestimmte Impfstoffe zu bestellen und die Bestellung auch darauf abzustimmen, welche Personengruppen in der kommenden Woche geimpft werden. Für wen welcher Impfstoff empfohlen wird, lesen Sie hier. Wichtig zu erwähnen ist hierbei, dass jede Schutzimpfung gegen SARS-CoV-2 nur mit Einwilligung der zu impfenden Person nach sorgfältiger ärztlicher Aufklärung erfolgen darf. Insbesondere eine Impfung von Personen zwischen 18 und 60 Jahren mit den Impfstoffen von AstraZeneca und Johnson & Johnson ist nach sorgfältiger Aufklärung bei individueller Risikoakzeptanz der zu impfenden Person möglich.

STIKO-Empfehlung zum heterologen Impfschema

Eine Kreuz- oder Mischimpfung (fachlich auch heterologe Impfung) genannt, bedeutet, dass eine Person unterschiedliche Impfstoffe erhält, sofern mehrere Impfdosen für einen vollständigen Impfschutz erforderlich sind.

Die STIKO empfiehlt zum Beispiel Personen, die mit dem Vektor-Impfstoff Janssen® von Johnson & Johnson geimpft wurden, zur Optimierung der Grundimmunisierung eine heterologe Impfung mit einem mRNA-Impfstoff (Spikevax® (Vaccine Moderna) von Moderna für Personen ab 30 Jahren oder Comirnaty® von BioNTech/Pfizer für Personen ab 18 Jahren) ab vier Wochen nach der Erstimpfung.

Auch Booster-Impfungen werden unabhängig davon, mit welchem Impfstoff die erste Impfserie abgeschlossen wurde, mit einem mRNA-Impfstoff (Spikevax® (Vaccine Moderna) von Moderna (empfohlen ab 30 Jahren) oder Comirnaty® von BioNTech/Pfizer (empfohlen ab 18 Jahren) durchgeführt.

Die Kombination unterschiedlicher Impfstoffe für Erst- und Zweit- beziehungsweise Booster-Impfung ist möglich, da sich die T-Zellen-basierte Immunantwort bei allen in Deutschland zugelassenen COVID-19-Impfstoffen (mRNA- und Vektor-Impfstoffe) gegen das gleiche Antigen des Virus, das sogenannte Spike-Protein, richtet. Studienergebnisse zeigen, dass die Immunantwort nach einem sogenannten heterologen Impfschema deutlich besser ist als die Immunantwort nach einer homologen Vektor-Impfserie. Auch die gebildeten Antikörperkonzentrationen waren in den Studien nach heterologem Impfschema deutlich höher.

Mit einer heterologen Impfung gelten Sie als vollständig geimpft, vorausgesetzt sie wurden mit in der EU zugelassenen Impfstoffen geimpft und die Folge-Impfung liegt mindestens zwei Wochen zurück.

Ärztliche Beratungsgespräche für eine sichere Entscheidung

Ärztinnen und Ärzte stehen ihren Patientinnen und Patienten als Vertrauenspersonen bei allen Fragen rund zur COVID-19-Impfung bei.

Jeden Tag werden Ihre Patientinnen und Patienten mit unterschiedlichsten Meldungen und Meinungen, mit Statistiken, Zahlen und Bildern konfrontiert. Manche Menschen sind verunsichert – auch im Hinblick auf die Corona-Schutzimpfung. Oftmals erscheinen Risiken viel größer, als sie tatsächlich sind. Als Ärztin oder Arzt können Sie kompetent auf die Bedenken Ihrer Patientinnen und Patienten eingehen: Ein vertrauensvolles ärztliches Beratungsgespräch bildet eine fundierte Grundlage für eine informierte und sichere Entscheidung. In diesem Artikel erfahren Sie mehr zum Thema Risikoabwägung bei der Corona-Schutzimpfung mit und für Patientinnen und Patienten.

Vergütung nach Coronavirus-Impfverordnung

Für die Impfberatung erhalten Ärztinnen und Ärzte 10 Euro. Je Impfung können sie zudem 20 Euro abrechnen, für Erst- und Abschlussimpfung also insgesamt 40 Euro. Zu beachten ist, dass die Vergütung nach der Coronavirus-Impfverordnung die Meldung der erforderlichen Impfdaten an das Robert Koch-Institut voraussetzt.

Weitere Fragen zu Ablauf und Aufklärung beantworten wir Ihnen hier.

Weitere, laufend aktualisierte Antworten auf häufige Fragen rund um die COVID-19-Schutzimpfung in Arztpraxen finden Ärztinnen und Ärzte sowie medizinisches Personal zudem auf der Website der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

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