Bundesministerium für Gesundheit
Corona-Schutzimpfung
16:10 · 20. Dezember 2021

Tot- und Lebendimpfstoffe: Wie sicher sind die unterschiedlichen Impfstoffarten?

Impfungen sind wichtig, um sich und andere vor schweren Krankheiten zu schützen. Welche Impfstoffarten es gibt und wie sicher altbewährte und moderne Impfstofftechnologien sind, erfahren Sie hier.

Derzeit sind verschiedene Impfstoffe verfügbar

Soll ich mich gegen das Coronavirus impfen lassen oder nicht? Diese Frage stellen sich immer noch viele Menschen. Gründe, die dafür sprechen sind vielfältig. Doch rund ein Drittel der Nichtgeimpften (34 Prozent) hält die verfügbaren COVID-19-Impfstoffe für nicht ausreichend erprobt, zeigt eine forsa-Umfrage im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums. 18 Prozent geben zudem an, Angst vor Nebenwirkungen zu haben, 15 Prozent befürchten Langzeitfolgen und zweifeln an der Sicherheit der Impfstoffe. Doch wie wichtig sind Langzeitstudien für die Sicherheit von Impfstoffen? Welche Impfstoffarten gibt es und sind Totimpfstoffe sicherer als die modernen Impfstofftechnologien? Hier finden Sie Antworten auf wichtige Fragen.

Welche Impfstoffarten gibt es?

Klassische Impfstoffe

Lebendimpfstoffe enthalten abgeschwächte Erreger, die zwar noch lebensfähig sind und sich vermehren können, aber nicht krank machen. Gelangen sie über die Impfung in den Körper, wird eine Infektion nachgeahmt und das Immunsystem bildet Antikörper gegen den Erreger. Der Impfschutz hält meist lange an – bei einigen Impfstoffen sogar lebenslang: So geht man nach einer zweifachen Impfung gegen Masern z. B. von einem lebenslangen Immunschutz aus. Ein weiteres Beispiel neben den Impfstoffen gegen Masern, Mumps, Röteln sind die Impfstoffe gegen Windpocken.

Totimpfstoffe enthalten abgetötete Krankheitserreger, die sich nicht mehr vermehren können. Sie werden vom Körper als fremd erkannt und regen das Immunsystem zur Antikörperbildung an. Damit die abgetöteten Viren das Immunsystem ausreichend aktivieren können, enthalten manche Totimpfstoffe Wirkverstärker (sogenannte Adjuvantien) und müssen in gewissen Abständen aufgefrischt werden. Dazu gehören beispielsweise Impfstoffe gegen Kinderlähmung (Polio), Keuchhusten und Tetanus.

Moderne Impfstoffe

mRNA-Impfstoffe enthalten keine abgeschwächten Krankheitserreger, sondern nur die Information beziehungsweise den Bauplan eines typischen Merkmals des Coronavirus – das Spike-Protein. Durch die Impfung gelangt dieser Bauplan über kleinste Fettpartikel in die Körperzellen und bringt diesen bei, das Spike-Protein (Antigen) selbst herzustellen. Das Immunsystem erkennt den Erreger und bildet schützende Antikörper dagegen. Beispiele für diese Impfstofftechologie sind die COVID-19-Impfstoffe von BioNTech und Moderna.

Gut zu wissen:

mRNA- und Vektorimpfstoffe gehören zu den genbasierten Impfstoffen, weil sie Genabschnitte des SARS-CoV-2-Virus in Form von messenger-RNA enthalten. Genbasierte Impfstoffe verändern nicht die DNA und haben keinen Einfluss auf das menschliche Erbgut. Das Spike-Protein allein kann keine SARS-CoV-2-Infektion auslösen. Auch baut der Körper das Vektorvirus bzw. die mRNA nach kurzer Zeit wieder ab und stellt kein Viruseiweiß mehr her.

Sind Totimpfstoffe sicherer als andere Impfstoffarten?

Alle in Deutschland zugelassenen Impfstoffe sind umfassend geprüft und sicher – das gilt unabhängig von der Impfstoffart. Das Wirkprinzip der Totimpfstoffe ist schon seit Jahrzehnten bekannt, etwa von Grippe-, Polio- oder Tollwutimpfungen. Darum verbinden einige Menschen mehr Sicherheit damit. Doch auch neuere Impfstofftechnologien wie die mRNA-Impfstoffe wurden in Studien umfassend erprobt und intensiv auf ihre Sicherheit und Wirksamkeit geprüft.

Wichtig: Der Begriff „Totimpftstoff“  stammt noch aus einer Zeit, in der es nur die klassischen Lebend- oder Totimpfstoffe gab. Wie oben beschrieben, enthalten COVID-19-Impfstoffe keine vermehrungsfähigen Viren. Insofern können sie mit Totimpfstoffen gleichgesetzt werden. Solche Totimpfstoffe sind inaktiviert, das heißt, sie enthalten abgetötete Erreger oder Erreger-Bestandteile, die sich weder vermehren noch eine Erkrankung auslösen können. Dies gilt sowohl für die mRNA- als auch für die
Vektor-Impfstoffe.

Wann sind COVID-19-Totimpfstoffe in Deutschland verfügbar?

Es wird voraussichtlich noch eine Weile dauern, bis der erste Totimpfstoff gegen COVID19 hierzulande zum Einsatz kommt. Gute Chancen darauf hat etwa der französisch-österreichische Hersteller Valneva: Dessen Impfstoff VLA2001 hat im April 2021 die Phase-III-Studie gestartet und ist momentan der einzige europäische Totimpfstoff-Kandidat. Ferner werden derzeit außerhalb der Europäischen Union vier Totimpfstoffe von chinesischen (u. a. Sinovac) und indischen Pharmafirmen gegen das Coronavirus verimpft. Weitere befinden sich in klinischen Studien.

Totimpfstoff Nuvaxovid von Novavax erhält EU-Zulassung

Am 20. Dezember 2021 hat mit Nuvaxovid, hergestellt vom US-Unternehmen Novavax, der erste Totimpfstoff eine EU-weite Zulassung erhalten. Die Europäische Arzneimittelbehörde EMA hatte dessen im November 2021 gestellten Zulassungsantrag beschleunigt geprüft. 

Der Totimpfstoff enthält winzige Partikel einer im Labor hergestellten Version des Spike-Proteins des Coronavirus. Das körpereigene Abwehrsystem reagiert darauf und baut einen Immunschutz auf. In der Phase-3-Studie mit 30.000 Patienten zeigte das Vakzin eine Gesamtwirksamkeit von rund 90 Prozent. Die EU hat sich bereits 200 Millionen Dosen von Nuvaxovid gesichert. Mehr zu diesem Impfstoff lesen Sie hier.

Geringere Wirksamkeit gegen Virusvarianten

Totimpfstoffe – insbesondere jene aus China – haben in bisherigen Tests im Vergleich zu
mRNA-Impfstoffen allerdings eine geringere Wirksamkeit aufgewiesen, vor allem in Bezug auf die neuen Virusvarianten. Und es spricht ein weiterer Grund für die mRNA-Impfstoffe: Damit sind inzwischen weltweit mehrere hundert Millionen Menschen geimpft. Die entsprechenden Sicherheitsdaten werden fortlaufend geprüft. Das heißt: Die neueren Impfstoffe sind also genau so gut untersucht wie viele andere klassische Impfstoffarten,
die schon länger eingesetzt werden. Daher gilt aus Sicht von Expertinnen und Experten: Auf die Zulassung eines Totimpfstoffs gegen COVID-19 zu warten, ist nicht empfehlenswert. Es stehen uns sichere und wirksame Impfstoffe zur Verfügung. Gerade mit Blick auf die ernste Lage in der vierten Pandemie-Welle sind zeitnahe COVID-19-Impfungen daher wichtiger denn je.

Wie wichtig sind Langzeitstudien für die Sicherheit von Impfstoffen?

Wird ein neuer Impfstoff oder ein neues Medikament zugelassen, wird der Prozess  mit Beobachtungsstudien begleitet. In diesen wird untersucht, ob bei der Anwendung womöglich neue, sehr seltene Nebenwirkungen auftreten können, die vor der Zulassung nicht erkannt werden können (weil sie weniger als einen von 10.000 Menschen betreffen). Auch Langzeitdaten liegen zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor. Das ist normal und auch bei den zugelassenen COVID-19-Impfstoffen der Fall.

Anders als herkömmliche Impfstoffe und Arzneimittel haben die Corona-Impfstoffe jedoch den Vorteil, dass sie weltweit milliardenfach eingesetzt werden – dadurch lassen sich so viele Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit sammeln wie nie zuvor. Spät auftretende Nebenwirkungen infolge der Corona-Schutzimpfung sind Expertinnen und Experten zufolge nicht zu erwarten, denn Impfnebenwirkungen treten in der Regel wenige Tage oder Wochen nach der Impfung auf. In der Vergangenheit gab es wenige Fälle, bei denen eine seltene Nebenwirkung erst spät mit einer Impfung in Zusammenhang gebracht wurde. Auch in diesen Fällen ist die Nebenwirkung bereits kurze Zeit nach der Impfung aufgetreten – es hat nur länger gedauert, sie dem jeweiligen Impfstoff zuzuordnen. Wichtig: Die modernen mRNA-Impfstoffe wurden weltweit rund 8 Milliarden Mal verimpft – und haben sich als äußert sicher und wirksam im Hinblick auf den Schutz vor schweren Verläufen erwiesen.

Spät auftretende Nebenwirkungen sehr unwahrscheinlich

Im Fall der Corona-Schutzimpfung ist es daher sehr unwahrscheinlich, dass sich mögliche Nebenwirkungen erst Monate oder Jahre nach der Impfung zeigen – denn noch nie wurden so viele Menschen zeitgleich geimpft und dahingehend so genau beobachtet wie in der
Corona-Pandemie. Außerdem werden mögliche Nebenwirkungen fortlaufend sorgfältig erfasst und gegebenenfalls zeitnah auf die Impfung zurückgeführt. So können die zuständigen Behörden und Institutionen im Bedarfsfall schnell reagieren und beispielsweise die Impfempfehlung entsprechend anpassen oder Warnhinweise ergänzen.

Mehr zum Thema Impfstofftypen erfahren Sie hier. Wichtige Informationen zu Falschaussagen, die im Zusammenhang mit der Corona-Schutzimpfung kursieren, erhalten Sie in unseren Impfmythen und im Artikel „Fake-News rund um das Coronavirus“.

Welche COVID-19-Impfstoffe aktuell in Europa zugelassen sind, lesen Sie in diesem Artikel. Für welche aussichtsreichen Impfstoffkandidaten im Rahmen des Zulassungsverfahrens Unterlagen eingereicht wurden oder einen Antrag auf Zulassung gestellt ist, können Sie auf der Website der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) einsehen.

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