Bundesministerium für Gesundheit
Corona-Schutzimpfung
11:50 · 3. November 2021

Impfreaktionen und Nebenwirkungen nach einer Corona-Schutzimpfung

Wie alle Arzneimittel können auch Impfstoffe nach der Verabreichung mit unangenehmen Reaktionen verbunden sein. Impfreaktionen sind allerdings nicht ungewöhnlich und klingen meist schnell wieder ab. Schwere Nebenwirkungen, Impfkomplikationen oder Impfschäden kommen nur sehr selten vor. Was Sie im Falle eines Verdachts auf Nebenwirkungen tun können, erfahren Sie hier.

Impfreaktionen und Nebenwirkungen nach der Impfung

Um ihre Wirksamkeit zu entfalten, lösen Schutzimpfungen bestimmte Reaktionen im Körper aus: Der Impfstoff zeigt dem Immunsystem sozusagen, wie es eine Infektion mit dem Coronavirus bekämpfen kann. Mitunter können dabei moderate Reaktionen wie Schmerzen an der Einstichstelle, Müdigkeit, Kopf- oder Muskelschmerzen auftreten. Diese Reaktionen treten bei den COVID-19-Impfungen häufiger und zum Teil auch stärker auf als beispielsweise nach einer Grippe-Impfung. Sie klingen in der Regel nach wenigen Tagen komplett ab und sind ein Zeichen dafür, dass das Immunsystem auf die Impfung reagiert und Antikörper bildet. Wichtig: Das bedeutet im Umkehrschluss nicht, dass die Corona-Schutzimpfung weniger wirksam ist oder man schlechter geschützt ist, wenn keine oder nur milde Impfreaktionen auftreten. Studien zeigen: Auch bei Menschen, die keine Beschwerden nach der Corona-Schutzimpfung haben, liegt die Wirksamkeit der Impfstoffe bei bis zu 95 Prozent.

Impfungen können mit Beschwerden verbunden sein

Der Unterschied zwischen Impfreaktionen und Nebenwirkungen 

Laut Arzneimittelgesetz gelten bei Arzneimitteln, die zur Anwendung bei Menschen bestimmt sind, schädliche und unbeabsichtigte Reaktionen bei bestimmungsgemäßem Gebrauch als sogenannte Nebenwirkungen. Zu schwerwiegenden Nebenwirkungen zählen Nebenwirkungen, die tödlich oder lebensbedrohend sind, eine stationäre Behandlung oder Verlängerung einer stationären Behandlung erforderlich machen, zu bleibender oder schwerwiegender Behinderung, Invalidität, angeborenen Anomalien oder Geburtsfehlern führen. 

Das Robert Koch-Institut unterscheidet zwischen üblichen Impfreaktionen und sehr seltenen Impfkomplikationen. Impfreaktionen (zum Beispiel grippeähnliche Symptome) sind für Impfungen typische Beschwerden, treten meist kurz nach der Schutzimpfung auf und halten nur wenige Tage an. Impfkomplikationen hingegen, die über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehen, sind unerwünschte, schwere Nebenwirkungen, die meldepflichtig sind und dokumentiert werden müssen. Mehr dazu lesen Sie hier.

Alle Impfstoffe werden vor der Zulassung umfassend klinisch geprüft. Die häufigsten Nebenwirkungen (Impfreaktionen und eventuelle Impfkomplikationen) sind in den Aufklärungsmerkblättern des Robert Koch-Instituts festgehalten und dokumentiert. In den Übersichtsartikeln zu den bisher bundesweit zugelassenen Impfstoffen finden Sie außerdem wichtige Hinweise zu den bekannten Impfreaktionen und Nebenwirkungen:

Impfkomplikationen sind sehr selten 

Schwerwiegende Nebenwirkungen bezeichnen Fachleute wie zum Beispiel die STIKO-Mitglieder auch als Impfkomplikationen. Das Risiko einer schwerwiegenden unerwünschten Arzneimittelwirkung nach einer COVID-19-Impfung ist sehr gering und liegt bei gerade einmal 0,02 Prozent – betrifft also durchschnittlich nur eine von 5.000 Personen. Auch Spätfolgen beziehungsweise Langzeit-Nebenwirkungen sind Expertinnen und Experten zufolge sehr unwahrscheinlich, denn die meisten Nebenwirkungen treten in der Regel innerhalb weniger Stunden oder Tage nach der Impfung auf. Langzeitfolgen, die sich erst Jahre später zeigen, sind bei bisherigen Impfungen nicht bekannt und auch bei den Corona-Impfstoffen nicht zu erwarten.

So melden Sie Verdachtsfälle

Mit der Meldung von Verdachtsfällen können Sie bei der Überwachung der Arzneimittel beziehungsweise der Impfstoffe helfen. Dies ist ein wichtiger Beitrag zu sichereren Anwendung von Arzneimitteln und Impfstoffen.

Sie können einen Verdacht auf Nebenwirkungen auch dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI) über die Website www.nebenwirkungen.bund.de melden. Im Rahmen einer Beobachtungsstudie zur Verträglichkeit der Corona-Impfstoffe können Geimpfte unerwünschte Reaktionen nach der Impfung zudem über die Smartphone-App „SafeVac 2.0“ erfassen und an das PEI übermitteln. Die App können Sie kostenfrei im Apple App Store und im Google Play Store herunterladen.

Der Verdacht einer über das übliche Maß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung ist meldepflichtig. In der Regel erfolgt diese Meldung durch Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Kontinuierliche Sicherheitsprüfung 

Um die Sicherheit bei der Corona-Schutzimpfung zu gewährleisten, beobachtet das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) in Deutschland seit Beginn der Impfkampagne fortlaufend alle gemeldeten Verdachtsfälle von Nebenwirkungen beziehungsweise Impfkomplikationen und berichtet über die Ergebnisse der im zeitlichen Zusammenhang mit der Impfung gemeldeten Nebenwirkungen in seinen Sicherheitsberichten. Werden unbekannte Risiken identifiziert, reagieren die Expertinnen und Experten umgehend und empfehlen Maßnahmen, die, wenn nötig, bis zum Aussetzen des Impfstoffs reichen können. Falls erforderlich, können zudem Anpassungen der Zulassungen erfolgen, zum Beispiel durch Änderungen in den genehmigten Produktinformationstexten. Aufklärungsmaterialien müssten dann entsprechend angepasst werden. 

Auch der Personenkreis, für den der Impfstoff als geeignet empfohlen wurde, kann durch die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut vorsorglich eingeschränkt werden. Während der Anwendung prüfen und dokumentieren das PEI, die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) und die pharmazeutischen Hersteller akribisch und fortlaufend die Daten zur Wirksamkeit, Sicherheit und Schutzdauer der Corona-Impfstoffe, um sicherzustellen, dass der Nutzen der Impfung mit dem jeweiligen Impfstoff weiter besteht. So kann bei Hinweisen auf mögliche schwere Nebenwirkungen schnell gehandelt werden, wie etwa Im Frühjahr 2021 bei dem Impfstoff von AstraZeneca.

Dieser Fall hat gezeigt, dass nach der Empfehlung eines vorrübergehenden Aussetzens der Impfung durch das PEI auch die STIKO schnell und zugleich sorgfältig reagieren kann. Sie kann ihre Empfehlung, für welche Personengruppen welcher Impfstoff geeignet beziehungsweise nicht geeignet ist, entsprechend anpassen.

In den sozialen Medien kursieren Behauptungen, Fälle von aufgrund von Impfungen verstorbener Menschen seien verschwiegen worden. Dabei handelte es sich um Desinformation. Zwar können in äußerst seltenen Fällen auch Todesfälle im zeitlichen Zusammenhang mit der Corona-Schutzimpfung auftreten, dies bedeutet jedoch nicht, dass die Impfung für den Tod ursächlich war. Todesfälle werden seitens der zuständigen Behörden ebenfalls dem PEI gemeldet, dort dokumentiert und auf einen möglichen Zusammenhang mit der Impfung bewertet. Ergebnisse werden in den Sicherheitsberichten des PEI veröffentlicht. Dies ist wichtig, um sowohl Fachleute als auch die Öffentlichkeit transparent über die Ergebnisse der fortlaufenden Auswertung von Nebenwirkungsmeldungen zu informieren, die im Zusammenhang mit der Corona-Schutzimpfung auftreten. Die Sicherheitsberichte des Instituts können auf der Website des PEI eingesehen werden.

Hohe Sicherheitsstandards bei Impfstoffzulassung

Für eine Zulassung in der EU und damit in Deutschland durchlaufen alle Impfstoffe einen mehrstufigen Prüfprozess. So wird sichergestellt, dass nur unbedenkliche, sichere und wirksame Impfstoffe von geeigneter Qualität zum Einsatz kommen, bei denen der nachgewiesene Nutzen mögliche Risiken deutlich übersteigt. Mehr zur Nutzen-Risiko-Abwägung einer COVID-19-Schutzimpfung erfahren Sie hier. Dieses Verfahren greift auch im Falle der COVID-19-Impfstoffe: Ihre Zulassungsprozesse werden beschleunigt, indem die Daten aus den klinischen Studien bereits vor der Antragstellung von der Europäischen Arzneimittel-Agentur schrittweise bewertet werden („Rolling-Review-Verfahren“). Auch nach der bedingten Zulassung durch die Europäische Kommission werden diese Impfstoffe permanent überwacht – in Deutschland von den Expertinnen und Experten des PEI: Dies ist eine wichtige Kontrollfunktion, die die Sicherheit der Schutzimpfungen gewährleistet.

Hilfe bei Verdacht auf Impfschaden

Schwerwiegende Nebenwirkungen bei Impfstoffen sind sehr selten, aber nie ganz auszuschließen. Liegt ein Verdacht auf einen Impfschaden vor, besteht die Möglichkeit, beim zuständigen Versorgungsamt einen Antrag auf Anerkennung eines Impfschadens zu stellen. Das Infektionsschutzgesetz definiert diesen als „gesundheitliche und wirtschaftliche Folge einer über das übliche Ausmaß einer Impfreaktion hinausgehenden gesundheitlichen Schädigung durch die Schutzimpfung". Das Gesetz regelt auch, wann jemand Anspruch auf Versorgung nach dem Bundesversorgungsgesetz hat.

Je nach Fallgestaltung kommt unter anderem eine Haftung des Pharmaunternehmens aufgrund verschiedener gesetzlicher Grundlagen in Betracht. Welche Haftungsregelungen im Einzelfall greifen, kann sich aus dem Arzneimittelrecht, dem Produkthaftungsgesetz sowie den allgemeinen Haftungsregelungen des Bürgerlichen Gesetzbuchs ergeben. Wer einen Impfschaden vermutet, sollte eine notwendige Untersuchung zur Klärung des Falls einleiten. Hilfestellung erhalten Betroffene dabei durch das Gesundheitsamt. Für die Anerkennung eines Impfschadens sind die Versorgungsämter der Bundesländer zuständig.

Weitere Antworten auf rechtliche Fragen zur Corona-Schutzimpfung finden Sie hier.

Prof. Kremsner vom Universitätsklinikum Tübingen spricht über die Sicherheit der Corona-Schutzimpfung.

Wie wahrscheinlich ist es, dass in Langzeitstudien noch Nebenwirkungen auftreten, die bisher völlig unbekannt sind?

„Es ist sehr unwahrscheinlich, dass Langzeitfolgen auftreten. Auszuschließen ist es nicht, aber in der Regel sehen wir Nebenwirkungen, die im zeitlichen engen Zusammenhang mit der Impfung sind. Die können wir gut erfassen, die sieht man schon in den Zulassungsstudien, in den Phase-3 Prüfungen und dann kurz darauf, wenn der Impfstoff breit eingesetzt wird. Bisher sehen wir da gar nichts beunruhigendes und die ersten sind jetzt schon seit 6 Monaten in Nachbeobachtung. Also das sieht alles ziemlich gut aus! Die Zulassungen sind jetzt auch nicht übereilt gemacht worden, wie vielleicht in manchen Ländern – Russland oder China, aber durchaus auch USA und Großbritannien, wo das noch schneller geschehen ist. In der Europäischen Union, in der europäischen Zulassungsbehörde (EMA) hat man sich Zeit genommen, um sich das sehr genau anzuschauen und zu prüfen. Ich denke, darauf können wir uns verlassen.“

Das ganze Interview sehen Sie hier.

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