Corona-Schutzimpfung
11:50 · 8. April 2022

Tot- und Lebendimpfstoffe: Wie sicher sind die unterschiedlichen Impfstoffarten?

Impfungen sind wichtig, um sich und andere vor schweren Krankheiten zu schützen. Welche Impfstoffarten es gibt und wie sicher die verschiedenen Impfstofftechnologien sind, erfahren Sie hier.

Derzeit sind verschiedene Impfstoffe verfügbar

Soll ich mich gegen das Coronavirus (erneut) impfen lassen oder nicht? Diese Frage stellen sich immer noch viele Menschen. Einige zweifeln an der Sicherheit der Impfstoffe und befürchten Langzeitfolgen – obwohl Qualitätsstandards sicherstellen, dass alle zugelassenen Impfstoffe sicher und wirksam sind. Wie wichtig sind Langzeitstudien für die Sicherheit von Impfstoffen? Welche Impfstoffarten gibt es und sind Totimpfstoffe sicherer als die modernen Impfstofftechnologien? Hier finden Sie Antworten auf wichtige Fragen.

Welche Impfstoffarten gibt es grundsätzlich?

Klassische Impfstoffe

Lebendimpfstoffe enthalten abgeschwächte Erreger, die zwar noch lebensfähig sind und sich vermehren können, aber nicht krank machen. Gelangen sie über die Impfung in den Körper, wird eine Infektion nachgeahmt und das Immunsystem bildet Antikörper gegen den Erreger. Der Impfschutz hält meist lange an – bei einigen Impfstoffen sogar lebenslang: So geht man nach einer zweifachen Impfung gegen Masern z. B. von einem lebenslangen Immunschutz aus. Ein weiteres Beispiel neben den Impfstoffen gegen Masern, Mumps, Röteln sind die Impfstoffe gegen Windpocken.

Totimpfstoffe enthalten abgetötete Krankheitserreger (oder deren Bestandteile), die sich nicht mehr vermehren können. Sie werden vom Körper als fremd erkannt und regen das Immunsystem zur Antikörperbildung an. Damit die abgetöteten Viren(-Bestandteile) das Immunsystem ausreichend aktivieren können, enthalten manche Totimpfstoffe Wirkverstärker (sogenannte Adjuvanzien) und müssen in gewissen Abständen aufgefrischt werden. Dazu gehören beispielsweise Impfstoffe gegen Kinderlähmung (Polio), Keuchhusten und Tetanus.

Neuere Impfstofftechnologien

mRNA-Impfstoffe enthalten keine abgeschwächten Krankheitserreger, sondern nur die Information beziehungsweise den Bauplan eines typischen Merkmals des Coronavirus, für das Spike-Protein. Durch die Impfung gelangt dieser Bauplan (mRNA) über kleinste Fettpartikel (Nanolipidpartikel) in die Körperzellen und bringt diesen bei, das Spike-Protein (Antigen) selbst herzustellen. Das Immunsystem erkennt dieses Antigen als fremd und bildet schützende Antikörper dagegen. Diese schützen dann gegen das echte Virus. Beispiele für diese Impfstofftechnologie sind die COVID-19-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer und Moderna.

Vektorimpfstoffe nutzen ein ähnliches Wirkprinzip, allerdings nutzen sie anstelle kleinster Fettpartikel ein harmloses, nicht vermehrungsfähiges Vektorvirus, um den Bauplan des Spike-Proteins in die Zellen zu transportieren. Beispiele sind die Corona-Impfstoffe von Johnson & Johnson und AstraZeneca.

Gut zu wissen:

mRNA- und Vektorimpfstoffe verändern nicht die DNA und haben keinen Einfluss auf das menschliche Erbgut. Das Spike-Protein allein kann keine SARS-CoV-2-Infektion auslösen. Auch baut der Körper das Vektorvirus bzw. die mRNA nach kurzer Zeit wieder ab und stellt kein Viruseiweiß mehr her.

Sind Totimpfstoffe sicherer als andere Impfstoffarten?

Alle in Deutschland zugelassenen Impfstoffe sind umfassend geprüft und sicher – das gilt unabhängig von der Impfstoffart. Das Wirkprinzip der Totimpfstoffe ist schon seit Jahrzehnten bekannt, etwa von Grippe-, Polio- oder Tollwutimpfungen. Darum verbinden einige Menschen mehr Sicherheit damit. Doch auch neuere Impfstofftechnologien, wie die mRNA-Impfstoffe, wurden in Studien umfassend erprobt und intensiv auf ihre Sicherheit und Wirksamkeit geprüft. Zudem wurden sie inzwischen weltweit milliardenfach erfolgreich eingesetzt und das Risiko für schwere Nebenwirkungen oder Impfkomplikationen genauestens untersucht.

Wichtig: Der Begriff „Totimpfstoff“  stammt noch aus einer Zeit, in der es nur die klassischen Lebend- oder Totimpfstoffe gab. Wie oben beschrieben, enthalten COVID-19-Impfstoffe keine vermehrungsfähigen Viren. Insofern können sie mit Totimpfstoffen gleichgesetzt werden. Solche Totimpfstoffe sind inaktiviert, das heißt, sie enthalten abgetötete Erreger oder Erreger-Bestandteile, die sich weder vermehren noch eine Erkrankung auslösen können. Dies gilt sowohl für die mRNA- als auch für die
Vektorimpfstoffe.

Wann sind COVID-19-Totimpfstoffe in Deutschland verfügbar?

Am 20. Dezember 2021 hat mit Nuvaxovid®, hergestellt vom US-Unternehmen Novavax, der erste proteinbasierte Corona-Impfstoff eine EU-weite Zulassung erhalten, der im weiteren Sinne ein Totimpfstoff ist. Er enthält winzige Partikel einer im Labor hergestellten Version des Spike-Proteins des Coronavirus. Das körpereigene Abwehrsystem reagiert darauf und baut einen Immunschutz auf. In der Phase-3-Studie mit 30.000 Patienten zeigte das Vakzin eine Gesamtwirksamkeit von rund 90 Prozent. Die EU hat sich bereits 200 Millionen Dosen von Nuvaxovid® gesichert. Am 24. Februar 2022 trafen die ersten Impfstoffdosen in Deutschland ein. Mehr zum Impfstoff von Novavax lesen Sie hier.

Die EU-Kommission und die EMA haben den Valneva Impfstoff am 24. Juni 2022 in der EU für Personen zwischen 18 und 50 Jahren zugelassen. Es werden zwei Impfungen im Abstand von mindestens vier Wochen empfohlen. Der Valneva® Impfstoff ist im April 2021 in die Phase-III-Studie gestartet und ist momentan der einzige europäische Ganzvirusimpfstoff. Er enthält inaktivierte Sars-CoV-2-Viren, also abgetötete Krankheitserreger, die sich nicht mehr vermehren können. Bei einer Infektion mit SARS-CoV 2 wird der Körper die Viren wieder erkennen und mit den schon vorhandenen Antikörpern bekämpfen. Weltweit wird weiterhin an verschiedenen Impfstoffarten gegen COVID-19 geforscht. Inaktivierte Ganzvirusimpfstoffe sind u.a. bereits in China und Indien im Einsatz. Welche Impfstoffe in der EU zugelassen werden wird von der EMA entschieden. In Deutschland empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) Valneva® bisher nicht.

Wie wichtig sind Langzeitstudien für die Sicherheit von Impfstoffen?

Wird ein neuer Impfstoff oder ein neues Medikament zugelassen, wird der Prozess  mit Beobachtungsstudien begleitet. In diesen wird untersucht, ob bei der Anwendung womöglich neue, sehr seltene Nebenwirkungen auftreten können, die vor der Zulassung nicht erkannt werden können (weil sie weniger als einen von 10.000 Menschen betreffen). Auch Langzeitdaten liegen zu diesem Zeitpunkt noch nicht vor. Das ist normal und auch bei den zugelassenen COVID-19-Impfstoffen der Fall.

Anders als herkömmliche Impfstoffe und Arzneimittel haben die Corona-Impfstoffe jedoch den Vorteil, dass sie weltweit milliardenfach eingesetzt werden – dadurch lassen sich so viele Daten zur Sicherheit und Wirksamkeit sammeln wie nie zuvor. Spät auftretende Nebenwirkungen infolge der Corona-Schutzimpfung sind Expertinnen und Experten zufolge nicht zu erwarten, denn Impfnebenwirkungen treten in der Regel wenige Tage oder Wochen nach der Impfung auf. In der Vergangenheit gab es wenige Fälle, bei denen eine seltene Nebenwirkung erst spät mit einer Impfung in Zusammenhang gebracht wurde. Auch in diesen Fällen ist die Nebenwirkung bereits kurze Zeit nach der Impfung aufgetreten – es hat nur länger gedauert, sie dem jeweiligen Impfstoff zuzuordnen. Wichtig: Die modernen mRNA-Impfstoffe wurden weltweit mehr als zehn Milliarden Mal verimpft – und haben sich als äußert sicher und wirksam im Hinblick auf den Schutz vor schweren Verläufen erwiesen.

Spät auftretende Nebenwirkungen sind sehr unwahrscheinlich

Im Fall der Corona-Schutzimpfung ist es daher sehr unwahrscheinlich, dass sich mögliche Nebenwirkungen erst Monate oder Jahre nach der Impfung zeigen – denn noch nie wurden so viele Menschen zeitgleich geimpft und dahingehend so genau beobachtet wie in der Corona-Pandemie. Außerdem werden mögliche Nebenwirkungen fortlaufend sorgfältig erfasst und gegebenenfalls zeitnah auf die Impfung zurückgeführt. So können die zuständigen Behörden und Institutionen im Bedarfsfall schnell reagieren und beispielsweise die Impfempfehlung entsprechend anpassen oder Warnhinweise ergänzen.

Mehr zum Thema Impfstofftypen erfahren Sie hier. Wichtige Informationen zu Falschaussagen, die im Zusammenhang mit der Corona-Schutzimpfung kursieren, erhalten Sie in unseren Impfmythen und im Artikel „Fake-News rund um das Coronavirus“.

Welche COVID-19-Impfstoffe aktuell in Europa zugelassen sind, lesen Sie in diesem Artikel. Für welche aussichtsreichen Impfstoffkandidaten im Rahmen des Zulassungsverfahrens Unterlagen eingereicht wurden oder einen Antrag auf Zulassung gestellt ist, können Sie auf der Website der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) einsehen.

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