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Einfach erklärt
14:10 Uhr · 5. Mai 2020

Als Familie die Coronavirus-Epidemie gut überstehen

Viele Väter und Mütter, die jetzt im Homeoffice auch ihre Kinder unterrichten müssen, erleben zurzeit eine Ausnahmesituation. Wie Sie mit der Doppelbelastung zuhause besser zurechtkommen.

Bild: Getty Images / Westend61

Dieses Phänomen ist für viele Eltern neu: Die Kinder – sonst nicht immer vom Unterricht begeistert – freuen sich darauf, wieder in die Schule gehen zu können. Hausunterricht mit Papa oder Mama ist eben oft nicht das Wahre. In mehrfacher Hinsicht sind berufstätige Eltern mit Kindern im Kita- oder Schulalter gerade besonders herausgefordert durch die Coronavirus-Epidemie und ihre Folgen. Hier berichten wir darüber, was Experten und Expertinnen empfehlen, um die Belastung, die durch die aktuelle Situation für Familien entsteht, gut zu überstehen. 

Eltern erleben Doppelbelastung als Herausforderung 

Viele Väter und Mütter arbeiten derzeit im Homeoffice, müssen aber gleichzeitig kleine Kinder betreuen und/oder größere Kinder bei den Schulaufgaben unterstützen. Eine Doppelbelastung, die viele Eltern an ihre Grenzen bringt. Für Alleinerziehende, die sich bei der Kinderbetreuung mit niemandem abwechseln können, gilt dies erst recht. Wichtig ist, anzuerkennen, dass das Zuhause-Bleiben mit Homeoffice und Homeschooling eine Ausnahmesituation ist. Diplom-Pädagogin Katia Saalfrank hebt im Expertengespräch mit dem Bundesgesundheitsministerium hervor, dass sich die Eltern das sogenannte Homeschooling nicht freiwillig ausgesucht hätten. Es sei nicht überraschend, dass sie in dieser Situation oft an ihre Grenzen kämen.  

Arbeitsplätze von Erholungszonen abgrenzen

Vor allem bei einer zusätzlichen Belastung durch die Arbeit im Homeoffice könne niemand erwarten, dass man diese Ausnahmesituation ohne Weiteres stemme. Es sei legitim, sich Hilfe zu suchen. Voraussetzung, dass ein Zusammenleben auf engem Raum gelingt sei es, Grenzen zu ziehen und sowohl für Kinder als auch für Erwachsene Rückzugsräume zu schaffen. Die Familie solle bestimmte Bereiche als Arbeitsplätze definieren und andere Räume, die eher für Erholung genutzt werden. „Lagerkoller entstehen dann, wenn ich eigentlich einen Rückzug brauche, aber meine Grenzen nicht beachtet werden“, betont Saalfrank. Die Herausforderung für Familien bestehe darin, achtsam mit den eigenen Grenzen und denen der anderen umzugehen. 

Tagesablauf mit Lern- und Spielphasen organisieren

Generell empfehlen Experten, Strukturen zu schaffen – nicht nur räumliche, sondern auch zeitliche. Ein strukturierter Tagesablauf mit festen Schlaf- und Essenszeiten kann Kindern – aber auch den Eltern – Orientierung und Halt geben. Für Schulkinder sollte Zeit eingeplant werden, zu lernen und Hausaufgaben zu machen, genauso wie zum Spielen und Entspannen. Auch die Eltern sollten sich neben Arbeitszeiten bewusst Phasen einplanen, in denen sie sich mit den Kindern befassen. Mehr Empfehlungen dazu, wie Eltern und Kinder ihren Tag zuhause anregend gestalten können, finden Sie in unserem Bereich über psychische Gesundheit. 

Homeschooling: To-Do-Listen können helfen

Die Herausforderung beim Homeschooling besteht vor allem darin, Kinder darin zu unterstützen, selbständig zu arbeiten. Es ist selbstverständlich nicht Sinn der Sache, dass die Eltern die Aufgaben der Kinder lösen. Kleinere Kinder der Klassen eins bis vier brauchen allerdings in der Regel noch etwas mehr Anleitung. Wichtig ist es, die Kinder nicht zu überfordern. Besprechen Sie mit ihnen am besten täglich, welche Aufgaben sie sich für den Tag vornehmen. Es sollten nur so viele sein, dass sie diese auch gut schaffen können. Planen Sie Pausen ein, in denen die Kinder machen dürfen, worauf sie Lust haben. To-Do-Listen sind auch für Kinder eine gute Sache, da es für sie ein Erfolgserlebnis ist, wenn sie erledigte Aufgaben abhaken können. 

Für Sport und Bewegung auch mal raus gehen 

Auch mangelnde Bewegung kann ein Grund für angespannte Stimmung und Familienkonflikte sein. Trotz ggf. gesperrter Spielplätze und Sportanlagen und unter Berücksichtigung der Abstandsregeln sollten sich Eltern und Kinder regelmäßig nach draußen begeben. „Sorgen Sie dafür, dass Ihr Kind sich körperlich betätigt (Rad fahren, Ball spielen usw.) und auch Zeit an der frischen Luft verbringen kann“, heißt es in einer Empfehlung des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz  und Katastrophenhilfe (BBK). Außerdem bieten viele Sportvereine vom Fußballverein Werder Bremen bis zu den Basketballern von Alba Berlin derzeit Online-Sportstunden an, an denen Kinder von zuhause aus teilnehmen können. Eine willkommene Abwechslung zum Vokabeln lernen. 

Finanzielle Entschädigung für Eltern 

Für den Familienfrieden kann die Politik direkt nicht viel tun. Aber für die finanziellen Rahmenbedingungen. Aufgrund der Coronavirus-Epidemie sind mehrere Ausnahmeregeln geschaffen worden, die Familien unterstützen sollen. Wer wegen Schul- oder Kitaschließung die eigenen Kinder betreuen muss und nicht zur Arbeit kann, soll gegen übermäßige Einkommenseinbußen abgesichert werden. Dafür ist das Infektionsschutzgesetz angepasst worden. Eltern erhalten demnach eine Entschädigung von 67 Prozent des monatlichen Nettoeinkommens (maximal 2.016 Euro) für bis zu sechs Wochen. Die Auszahlung übernimmt der Arbeitgeber, der bei der zuständigen Landesbehörde einen Erstattungsantrag stellen kann. Für wen die Entschädigung in Frage kommt und zu welchen Bedingungen, erklärt das Bundesministerium für Arbeit und Soziales

Besonderer Kinderzuschlag für Familien mit geringem Einkommen 

Einen monatlichen Kinderzuschlag (KiZ) von bis zu 185 Euro können Familien beantragen, die nicht viel verdienen. Ob und in welcher Höhe der KiZ gezahlt wird, hängt von mehreren Faktoren ab – z.B. vom eigenen Einkommen, von den Wohnkosten, der Größe der Familie und dem Alter der Kinder. So kann eine Familie mit zwei Kindern und einer Warmmiete von 1.000 Euro den KiZ erhalten, wenn das gemeinsame Bruttoeinkommen zwischen 1.600 bis 3.300 Euro beträgt. Wer den Kinderzuschlag erhält, ist zudem von den Kita-Gebühren befreit und kann zusätzliche Leistungen für Bildung und Teilhabe beantragen. Informationen über den Zuschlag und andere Sonderleistungen, von denen auch Familien profitieren können, hat das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend zusammengestellt.

Zurück in die Schule – und die AHA-Formel beachten  

Nicht nur viele Kinder, auch die Eltern freuen sich darauf, dass die Schulen nun schrittweise – und je nach Bundesland in unterschiedlichem Tempo – wieder geöffnet werden. Allerdings könnten erneut steigende Infektionszahlen dazu führen, dass situativ oder regional Schulen auch wieder geschlossen werden. Denn die Coronavirus-Epidemie dauert weiter an. Wir alle zusammen können etwas dafür tun, dass die Ansteckungsrate niedrig bleibt. Machen Sie daher auch Kinder mit der AHA-Formel vertraut. Gegen die Epidemie hilft: 

  • Abstand wahren (1,5 Meter),
  • Hygieneregeln beachten (Händewaschen, Nies- und Hustenetikette), 
  • Alltagsmaske tragen (zum Beispiel im Bus auf dem Weg zur Schule). 

Quellen: 

Zusammenfassung von Empfehlungen für funktionierendes zuhause bleiben: 

https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/3_Downloads/C/Coronavirus/Handreichung_COVID-19_Tipps_fuer_Eltern.pdf

Anlaufstellen für Hilfe im Notfall: 

https://www.bmfsfj.de/bmfsfj/themen/corona-pandemie/familiaere-belastungssituationen

Wie organisiert man Betreuung für die Kinder, wenn man selbst ins Krankenhaus muss?

https://www.unicef.de/informieren/aktuelles/blog/coronavirus-tipps-fuer-eltern-die-ins-krankenhaus-muessen/214086