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Medizinisches und pflegerisches Personal
14:39 Uhr · 28. April 2020

Angst davor, andere oder sich selbst anzustecken

Viele Berufstätige in der medizinischen Versorgung und in der Pflege sind sicherlich besorgt, an COVID-19 zu erkranken. Wie Sie mit Gefühlen von Verunsicherung und Hilflosigkeit umgehen können.

Bild: Getty Images / clu

Zahlreiche Berufstätige in der medizinischen Versorgung oder in der Pflege sind sicherlich in besonderem Maße hinsichtlich einer Covid-19-Erkrankung besorgt. 

Viele beschreiben die Sorge vor Ansteckung und eine damit einhergehende Anspannung, die sie oft begleitet. Dabei steht nicht nur die eigene Gefährdung und die nahestehender Bezugspersonen im privaten Umfeld im Mittelpunkt. In den Pflegeeinrichtungen und -diensten geht es insbesondere stark darum, zu verhindern, dass sich ein pflegebedürftiger Mensch infizieren könnte, der einem über die Zeit ans Herz gewachsen ist und dessen Gesundheit man schützen möchte. Man kann nicht sicher sein, ob sich das neuartige Coronavirus nicht schon unbemerkt im Haus verbreitet hat. Das kann im Arbeitsalltag stark verunsichern oder gar dazu führen, dass man sich hilflos fühlt. 

Die Konsequenzen, die aus der Coronavirus-Pandemie in Medizin und Pflege resultieren, sind notwendig. Sie führen jedoch zu Umstellungen im Arbeitsalltag. Dazu gehört es, Schutzkleidung zu tragen und zu wechseln, die Bewegungsfreiheit der Bewohner und Bewohnerinnen phasenweise einzuschränken oder Besuche von Angehörigen in besonderem Maße zu regulieren. Das ist mit sehr viel Verantwortung verbunden, die auf den eigenen Schultern lastet.

Anregungen zur Beruhigung und Entlastung 

Zur Entlastung und Beruhigung können einige Gedanken beitragen. Es kann beispielsweise helfen, sich zu vergegenwärtigen, welchen natürlichen Sinn Sorgen haben: 

  • Meine Sorgen zeigen mir, dass mir die mir anvertrauten Menschen sehr am Herzen liegen, sie zu schützen bedeutet mir viel.
  • Die Gedanken machen mir deutlich, dass ich gesund bleiben möchte. Sich um sich selbst zu sorgen ist natürlich und wichtig, denn es unterstützt die Achtsamkeit und Fürsorge für mich selbst und gleichzeitig auch für mein mir nahestehendes Umfeld.
  • Es ist ein natürliches Bedürfnis, in Sicherheit zu sein. Das Wissen darum, dass das neuartige Coronavirus seinen Lauf nimmt und man nicht genau weiß, wen es trifft, ist mit Unsicherheiten verbunden. Es ist normal, dass sich dies in meinen Gedanken und Gefühlen bemerkbar macht.

Weiterhin kann hilfreich sein, sich z. B. Folgendes bewusst zu machen:

  • Ich handle ständig achtsam und verantwortungsbewusst und gebe mein Bestes, um mich selbst und damit auch die mir anvertrauten und mir nahestehenden Menschen zu schützen. Mehr kann ich im Moment nicht tun.
  • Ich bin nicht allein verantwortlich, wir tragen die Sorgen und die Verantwortung im Team gemeinsam. Wir tun gemeinsam stets alles, um unsere Patientinnen und Patienten oder Bewohner und Bewohnerinnen bestmöglich zu versorgen und zu schützen. 
  • Wenn ich erkranken sollte, werde ich Unterstützung erhalten; dann wird für mich das Beste getan.

Austausch mit anderen, Aufmerksamkeit auf anderes lenken

Nicht nur Gedanken können hilfreich im Umgang mit Ihren Sorgen vor Ansteckung sein. Versuchen Sie aktiv darüber hinaus folgendes:

  • Teilen Sie Ihre Ängste und Sorgen wenn möglich mit Ihren Kolleginnen und Kollegen. Austausch trägt zur Entlastung bei und verbindet. Sie erfahren, wie andere mit ihren Sorgen umgehen und es entstehen vielleicht neue Lösungswege. 
  • Teilen Sie sich hierzu ebenfalls Ihren nahestehenden Bezugspersonen mit. Es tut immer gut, Verständnis und Ermutigung zu erfahren. So bleiben Sie nicht allein mit Ihren Gedanken.
  • Seien Sie freundlich und verständnisvoll mit sich selbst. Haben Sie eine Idee für einen verständnisvollen und selbstberuhigenden Satz, den Sie zu sich selbst sagen können? Z. B. „Ich bin in Sorge, ich kann mich verstehen! Anderen geht es auch so!“ oder „Es ist einfach nicht leicht gerade, ich wünsche mir Sicherheit für die Menschen, die ich versorge und auch für mich selbst.“ oder „Im Falle einer eigenen Ansteckung werde ich Unterstützung erhalten und gemeinsam mit anderen Wege finden.“ …
  • Lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf Anderes. Lenken Sie sich mit Tätigkeiten von zu viel Grübeln ab. Überlegen Sie sich, was Sie tun können, um auf andere Gedanken zu kommen. Was verbinden Sie mit Ihren Stärken und Ihrer Sicherheit? Ist es der Kontakt zu anderen Menschen? Ein Lied, das Mut und Zuversicht auslöst? Die Vorstellung, dass die Sorgen in einem Fluss an Ihnen vorbei schwimmen und dass sie für den Moment einfach davongetragen werden?

Unterstützungsangebote und weitere Informationen finden Sie unter dem folgenden Link:

Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) in Kooperation mit unith e. V.:

https://psychologische-coronahilfe.de/beitrag/covid-19-eine-ausnahme-belastung-fuer-personen-in-medizinischen-berufen-und-in-der-pflege/#toggle-id-9-closed