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Corona-Wissen
12:14 · 27. August 2021

Corona-Datenspende-App: Ihre Daten helfen bei der Eindämmung der Pandemie

Das Robert Koch-Institut ruft Bürgerinnen und Bürger dazu auf, freiwillig Daten von Fitness-Trackern und Smartwatches zur Verfügung zu stellen. Mit einer Datenspende helfen Sie, wichtige Erkenntnisse über die Ausbreitung des Coronavirus zu gewinnen.

Fitness-Apps können der Datenspende-App helfen

Weltweit arbeiten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an Methoden, um die Coronavirus-Pandemie weiter einzudämmen. Zugelassene und wirksame Impfstoffe sind dabei der wichtigste Baustein zur Bekämpfung der Pandemie. Deswegen ist es wichtig, dass wir uns jetzt alle impfen lassen. Zehn gute Gründe, sich für die Corona-Schutzimpfung zu entscheiden, finden Sie hier. Zusätzlich kann jede und jeder Einzelne durch die Bereitstellung gesundheitsspezifischer Daten einen wichtigen Beitrag leisten, um den allgemeinen Gesundheitsschutz während der Pandemie nachhaltig zu verbessern. Das Robert Koch-Institut (RKI) ruft daher Bürgerinnen und Bürger dazu auf, ihre Daten freiwillig zur Verfügung zu stellen, um die Ausbreitung des Virus besser nachvollziehen und verhindern zu können. 

Daten gegen Corona mithilfe der Corona-Datenspende-App

„Digitale Anwendungen können die bisherigen Maßnahmen zur Eindämmung von COVID-19 sinnvoll ergänzen“, erklärt Professor Lothar Wieler, Präsident des RKI. „Wir wünschen uns, dass sich viele Menschen beteiligen. Denn je mehr Menschen ihre Daten für eine Auswertung zur Verfügung stellen, desto genauer werden unsere Erkenntnisse zur Verbreitung des Coronavirus.“

So funktioniert die Corona-Datenspende-App

Nutzerinnen und Nutzer senden über die App bestimmte Daten, die durch Tracking-Anwendungen, wie beispielsweise eine Fitness-App, gesammelt wurden (zum Beispiel Aktivitätsdaten und Angaben zur Herzfrequenz), an das RKI. Zusätzlich wird die Postleitzahl abgefragt. Algorithmen können mit Hilfe dieser Gesundheitsdaten Symptome erkennen, die unter anderem mit einer Coronavirus-Infektion in Verbindung gebracht werden. Denn bei einer akuten Atemwegserkrankung ändern sich die Vitalzeichen in den meisten Fällen deutlich. Daher können auch typische COVID-19-Symptome durch die App erkannt und Nutzerinnen und Nutzer gewarnt werden.

Die Verbreitung des Coronavirus nachvollziehen

Aus der Verbindung der Gesundheitsdaten mit dem geografischen Standort will das Robert Koch-Institut Erkenntnisse über die Verbreitung des Coronavirus gewinnen. In einem ähnlichen Projekt wurden in den USA bei einer Grippewelle die Gesundheitsdaten von Fitnessarmbändern ausgewertet. Dabei wurde nachgewiesen, dass Daten von Tracking-Geräten die Verbreitung der Grippe sehr genau beschreiben. Im Falle von COVID-19 wären Infektionsketten so leichter nachzuverfolgen und schneller zu durchbrechen.

Die Forschung unterstützen und mithelfen

Um die Verbreitung von COVID-19 besser erfassen zu können, ist eine breite Datenbasis – das heißt eine Datengewinnung aus vielen verschiedenen Quellen – notwendig. Das betont auch Professor Dirk Brockmann von der Berliner Humboldt-Universität, der zur Modellierung komplexer Systeme forscht und das Projekt unterstützt: „Ihre Datenspende ermöglicht uns, die Ausbreitung des Coronavirus besser zu erfassen und die Dunkelziffer der Infizierten drastisch zu verringern. Diese Informationen sind für Epidemiologinnen und Epidemiologen unglaublich wertvoll und helfen, bessere Maßnahmen daraus abzuleiten.“ Professor Oliver Amft vom Lehrstuhl Digital Health der Universität Erlangen-Nürnberg ergänzt: „Indikatoren für eine Virusinfektion aus Sensordaten sind dabei zuverlässiger als die manuelle Eingabe von Krankheitssymptomen ins Smartphone.“ 

Die erhobenen Daten sind durch ein Pseudonym geschützt

Die Corona-Datenspende-App wird vom Robert Koch-Institut herausgegeben. Die App wurde in Zusammenarbeit mit Thryve (mHealth Pioneers GmbH) entwickelt, einem auf Digital Health spezialisierten Berliner Start-up. Dieses Unternehmen ist der technologische Dienstleister. Weder Thryve noch das RKI erhalten durch die Nutzung der App Kenntnis von persönlichen Informationen wie Name oder Anschrift. Jede Nutzerin und jeder Nutzer erhält eine individuelle ID, das sogenannte Pseudonym. Nur so können Daten auch über längere Zeiträume richtig zugeordnet und interpretiert werden. Die App ist damit nicht anonym, sondern pseudonym. 

Was die Corona-Datenspende-App registriert und wo es sie gibt

Die Corona-Datenspende-App registriert sportliche Aktivitäten, Ruhepausen und Schlafzeiten. Zu den erhobenen Vitaldaten zählen Puls, Stress, Temperatur und Blutdruck. Zusätzlich wird die Postleitzahl für die Erfassung der räumlichen Ausbreitung benötigt. Die Corona-Datenspende-App gibt es kostenlos bei Google Play und im App-Store und ist in wenigen Minuten auf einem Smartphone eingerichtet. Weitere Informationen über die App und darüber, welche Fitness-Tracker und Smartwatches genutzt werden können, finden Sie hier

Zwischenergebnisse und Auswertung der gespendeten Daten

Seit April 2020 haben sich über eine halbe Million Menschen dafür entschieden, ihre Daten für dieses wissenschaftliche Projekt zu spenden. Und es kommen immer noch Freiwillige hinzu. Auf der Website des Projekts werden regelmäßig Reports und Zwischenergebnisse veröffentlicht.

Aktuelle Fieberkurve für Deutschland

Der Datenspende-Algorithmus verwendet die Daten des Ruhepulses und der täglichen Schrittanzahl, um Muster zu erkennen, die für Fiebersymptome charakteristisch sind. Wenn der Ruhepuls einer Person erhöht ist und gleichzeitig die körperliche Bewegung abnimmt, kann das auf Fieber hinweisen. Da Fieber eines der typischen COVID-19 Symptome ist, kann von der Fieberhäufigkeit in der Bevölkerung ein Schluss auf die COVID-19-Fallzahlen gezogen werden. Grafisch veranschaulicht wird dieser Zusammenhang in der aktuellen Fieberkurve für Deutschland.

Fieberkarte soll neue COVID-19-Hotspots sichtbar machen

Eines der angestrebten Ziele ist es, mit Hilfe der Datenspende eine Fieberkarte für Deutschland zu berechnen. Mithilfe dieser Karte soll man auf Landkreisebene und täglich aktualisiert abschätzen können, ob in einer Region überdurchschnittlich viele Menschen Fieber haben. Daraus ließe sich ablesen, ob eine erhöhte Zahl an COVID-19-Fällen zu erwarten ist und wo neue Hotspots entstehen.

Nowcasting auf Basis der Fieberkurve

Die Inzidenz ist seit Beginn der Pandemie eine Standardgröße in der Erfassung und Beschreibung des Infektionsgeschehens und wird dies, neben dem Einbezug anderer relevanter Faktoren, auch bleiben. Sie ist aber aufgrund von Verzögerungen bei der Meldung von Fallzahlen erst nach einigen Tagen wirklich zuverlässig und bietet keine Möglichkeit auf Echtzeitüberwachung. Bei der Fieberkurve, die sich aus den gespendeten Daten ermitteln lässt, gibt es dagegen keine Meldeverzögerungen. Zudem erfasst diese auch andere Signale, die nicht unbedingt mit COVID-19 zusammenhängen, wie etwa akute Atemwegsinfekte, einschließlich grippeähnlicher Erkrankungen, oder sogar Veränderungen der Wetterbedingungen. Beide Informationsquellen zusammen ermöglichen einzigartige Vorteile für eine zuverlässige Ergänzung der bestehenden Nowcasting-Methoden von COVID-19-Inzidenzen. Mit den gespendeten Vitaldaten in Verbindung mit den aktuellen Inzidenzen und Fieberdetektionen lassen sich Beginn und Wendepunkte eines besonders hohen Infektionsgeschehens abschätzen und Trends besser einordnen. Die Methodik könnte in Zukunft bereits zu Beginn einer Pandemie eingesetzt werden. 

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