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12:42 Uhr · 15. Oktober 2020

COVID-19 bekämpfen: Therapie-Optionen, Impfstoffe und Immunität

Weltweit arbeiten Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen unter Hochdruck an einem Impfstoff und Arzneimitteln gegen die Erkrankung COVID-19.

Ein Impfstoff muss vor Zulassung geprüft werden /
Bild: Getty Images / Alexandru Pavalache / EyeEm

Die Coronavirus-Pandemie stellt die Wissenschaft vor bedeutende Herausforderungen. Mit großem Engagement und Ressourceneinsatz forschen Unternehmen und Institute an einem Impfstoff gegen COVID-19, der eine weitere Verbreitung der Krankheit unterbinden würde. Parallel wird nach Arzneimitteln gesucht, mit denen sich die Krankheit gezielt behandeln ließe. Forscher und Forscherinnen wollen zudem herausfinden, ob einmal mit COVID-19 erkrankte Menschen eine Immunität entwickeln und wie lange diese gegebenenfalls anhält.  

Wichtig zu wissen ist, dass derzeit viele Falschmeldungen über angeblich wirksame Arzneimittel gegen das neuartige Coronavirus kursieren. Trotz intensiver Forschung gibt es bislang weder einen Impfstoff noch Therapieoptionen, deren Wirksamkeit nachgewiesen sind. Derzeit lassen sich auch keine verlässlichen Aussagen darüber machen, wann es diese geben wird. Daher ist es vor allem für Menschen, die einen schweren Verlauf der Krankheit befürchten müssen, so wichtig, sich an die geltenden Verhaltensregeln zu halten, um sich möglichst gar nicht erst zu infizieren. 

So werden Impfstoffe entwickelt

Eine Impfstoffentwicklung durchläuft verschiedene Phasen. Zunächst müssen die Viren analysiert werden, dann wird ein Impfstoffdesign entwickelt: Welche Bestandteile des Virus und welche Zusatzstoffe sollen im Impfstoff enthalten sein? Dann wird der Impfstoff zunächst an Tieren und anschließend in einem mehrstufigen Verfahren an freiwilligen Probanden im Rahmen von klinischen Prüfungen getestet. Verlaufen diese Prüfungen erfolgreich, kann ein Zulassungsverfahren beginnen. Ist dieses erfolgreich abgeschlossen, kann der Impfstoff in die Massenproduktion gehen und vermarktet werden. 

Bis vor wenigen Jahren hätte man für das Durchlaufen aller Etappen 10 bis 20 Jahre angesetzt. Doch neue Technologien, Vorerfahrung mit Impfstoffprojekten gegen verwandte Viren und eine intensive Zusammenarbeit mit den verantwortlichen Behörden machen eine enorme Beschleunigung möglich. Obwohl das neuartige Coronavirus (der Erreger Sars-CoV-2) erst im Dezember 2019 entdeckt wurde, sind einige Impfstoffprojekte bereits weit fortgeschritten. Dennoch gilt es als unwahrscheinlich, dass bereits dieses Jahr ein einsatzfähiger Impfstoff vorliegt und zugelassen werden kann.

Unternehmen schaffen bereits Produktionskapazitäten 

Von keinem Projekt lässt sich sagen, wann ein universell einsetzbarer Impfstoff gegen das neuartige Coronavirus vorliegen wird. Allerdings haben schon mehrere Unternehmen bekannt gegeben, dass sie Produktionskapazitäten für einen etwaigen Impfstoff bereithalten, um diesen möglichst schnell in großen Mengen herstellen zu können. 

Forschungsinstitute und Unternehmen beschreiten bei der Impfstoffsuche gegen das neuartige Coronavirus verschiedene Pfade und verfolgen dabei vor allem drei Ansätze. Eine Option ist ein Lebendimpfstoff, den wir beispielsweise von der Impfung gegen Masern kennen oder sogenannte virale Vektor-Impfstoffe, die bestimmte abgeschwächte Viren nutzen, um gegen Zielstrukturen des neuartigen Coronavirus zu schützen. Eine weitere Option sind nicht-replizierende virale Vektorimpfstoffe. Als dritte Option kommt ein Totimpfstoff in Frage, der auf Virusproteinen basiert. Ein Impfstoff dieser Art kommt zum Beispiel bei manchen Grippe-Impfstoffen oder der Tetanus-Impfung zum Einsatz. Auch an innovativen, sog. RNA- und DNA- Impfstoffen auf Nukleinsäure-Basis wird geforscht. Allerdings ist es mit dieser neuartigen Methode bislang noch nicht gelungen, einen marktreifen Impfstoff zu produzieren. 

Spezifische Arzneimittel gegen COVID-19 fehlen noch 

In rund 80 Prozent der Fälle verläuft eine Erkrankung nach einer Infektion mit dem neuartigen Coronavirus mild bis moderat und muss nicht behandelt werden. Viele Infizierte haben gar keine Symptome. Bei schweren Verläufen treten Symptome einer Lungenentzündung auf. Betroffene müssen dann gegebenenfalls intensivmedizinisch im Krankenhaus behandelt werden. Für die Behandlung von COVID-19 gibt es noch keine spezifischen Arzneimittel. Im Zentrum der Behandlung stehen daher unterstützende Maßnahmen. Je nach Bedarf können Ärztinnen und Ärzte eine Sauerstoffgabe oder kreislaufunterstützende Arzneimittel einsetzen oder auch Antibiotika zur Behandlung von bakteriellen Begleitinfektionen. Im äußersten Notfall werden Betroffene künstlich beatmet. 

Welche Therapien zur Behandlung von COVID-19 in Frage kommen

Bei der weltweiten Suche nach spezifischen Arzneimitteln gegen COVID-19 gibt es drei Hauptrichtungen. Antivirale Arzneimittel sollen die Vermehrung der Viren blockieren oder verhindern, dass diese in Lungenzellen eindringen. Immunmodulatoren kommen ebenfalls zum Einsatz – Stoffe, die das körpereigene Abwehrsystem beeinflussen. Sie sollen bei schweren Symptomen die Abwehrreaktionen des Körpers so begrenzen, dass diese nicht noch mehr Schaden anrichten als die Viren selbst. Arzneimittel zur Behandlung von Lungenerkrankungen sollen verhindern, dass die Lunge der Patientinnen und Patienten das Blut nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgen kann. Pharmazeutische Unternehmen in aller Welt arbeiten an wirksamen Therapie-Optionen aller Richtungen. 

Eine weitere Möglichkeit zur Bekämpfung von COVID-19 ist es, Infizierte mit Antikörper-haltigen Arzneimitteln zu behandeln. Diese, so die Hoffnung der Forscher, könnten u.a. aus Blutbestandteilen von Genesenen gewonnen werden. 

Erforscht wird darüber hinaus, ob bereits existierende Arzneimittel, die für andere Krankheiten entwickelt wurden, gegen COVID-19 wirksam sein könnten. Dazu gehören z.B. Remdesivir-, Hydroxychloroquin- und Chloroquin-, Lopinavir/Ritonavir-, Favipiravir- und Camostat-haltige Arzneimittel. In kontrollierten klinischen Prüfungen wird derzeit untersucht, ob sie erfolgreich eingesetzt werden können. 

Immunität gegen das neuartige Coronavirus

Oft entsteht nach einer überstandenen Vireninfektion eine Immunität, die vor einer erneuten Erkrankung schützt. Das ist auch beim neuartigen Coronavirus wahrscheinlich und wird in Studien derzeit untersucht. Experten gehen davon aus, dass von der Krankheit COVID-19 Genesene ein sehr geringes Risiko haben, sich kurzfristig erneut zu infizieren. Unklar ist allerdings, ob dieser Immunstatus bei allen Menschen ähnlich robust ist und wie lange er anhält. Die Erfahrungen mit anderen Coronaviren-Infektionen (SARS und MERS) deuten darauf hin, dass die Immunität bis zu drei Jahre anhalten könnte. 

Mit der Testung auf Antikörper gegen Sars-CoV-2 kann nachgewiesen werden, ob die untersuchte Person die Infektion bereits durchgemacht hat. Dazu ist eine Blutprobe erforderlich. Zuverlässige Antikörpertests wären insbesondere für Menschen, die in der Gesundheitsversorgung arbeiten und sich um Infizierte kümmern, eine große Hilfe. Denn wenn ihr Antikörper-Test positiv ausfällt, könnten sie davon ausgehen, dass die körpereigenen Abwehrkräfte gegen das neuartige Coronavirus gewappnet sind. Vom Einsatz sogenannter Antikörper-Schnelltests in der Arztpraxis wird derzeit noch abgeraten, da die Verlässlichkeit solcher Testungen noch nicht ausreichend belegt ist. 

Antikörper-Labortests sind erst seit sehr kurzer Zeit verfügbar. Das Robert Koch-Institut (RKI) hat im April mehrere bundesweite Antikörper-Studien gestartet, um mehr darüber zu erfahren, wie viele Menschen womöglich schon gegen COVID-19 immun sind. „Die Ergebnisse der Antikörper-Studien sind von großer Bedeutung, um Verlauf und Schwere der Pandemie genauer abschätzen und die Wirksamkeit der getroffenen Maßnahmen besser bewerten zu können“, sagte RKI-Präsident Prof. Lothar Wieler. Das RKI startet in Kürze Untersuchungen an Blutspenden und Menschen in einigen Ausbruchsgebieten von COVID-19. Längerfristig ist eine bundesweite repräsentative Studie geplant (mehr über die geplanten Studien lesen Sie hier).

Quellen: 

Fragen und Antworten des Robert Koch-Instituts zum Coronavirus: https://www.rki.de/SharedDocs/FAQ/NCOV2019/FAQ_Liste.html

Fragen und Antworten der Weltgesundheitsorganisation zum Coronavirus (auf Englisch): https://www.who.int/news-room/q-a-detail/q-a-coronaviruses

Informationen zur Forschung an Impfstoffen und Medikamenten, u.a. vom Verband der forschenden Pharma-Unternehmen:  https://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/woran-wir-forschen/impfstoffe-zum-schutz-vor-coronavirus-2019-ncov

https://www.vfa.de/de/arzneimittel-forschung/woran-wir-forschen/therapeutische-medikamente-gegen-die-coronavirusinfektion-covid-19

https://www.pharmazeutische-zeitung.de/bfarm-chef-erwartet-zulassung-noch-in-diesem-jahr

https://www.general-anzeiger-bonn.de/news/politik/deutschland/haben-wir-bald-ein-medikament-gegen-covid-19_aid-50011905

Informationen der Zeitschrift „Medizinische Klinik - Intensivmedizin und Notfallmedizin“:  https://link.springer.com/article/10.1007/s00063-020-00674-3

Informationen zu Antikörper-Studien:  https://www.rki.de/DE/Content/Service/Presse/Pressemitteilungen/2020/05_2020.html

https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Steckbrief.html#doc13776792bodyText23