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Einfach erklärt
08:44 Uhr · 13. Mai 2020

Darf ich meine Enkelkinder jetzt wieder treffen?

Die Kontaktbeschränkungen in der Coronavirus-Pandemie wurden gelockert. Dennoch sollten gerade ältere Menschen sehr genau abwägen, wen sie zu sich einladen.

Bild: Getty Images / RyanJLane

Am 6. Mai haben Bund und Länder viele der Beschränkungen, die gegen die Coronavirus-Pandemie erlassen wurden, abgemildert oder aufgehoben. So dürfen sich Menschen aus einem Haushalt mit Personen aus einem anderen Haushalt treffen. Dennoch gelten allgemeine Kontaktbeschränkungen weiter. Viele Familien haben sich mit der Situation arrangiert. Sie halten mit regelmäßigen Telefonaten oder Videogesprächen Kontakt und schicken vielleicht auch mal wieder einen Brief oder eine Postkarte. 

Dennoch taucht bei vielen älteren Menschen jetzt die Frage auf: Darf ich Freunde, Freundinnen, meine Kinder, meine Enkel wieder persönlich treffen? Wie stark muss ich meine persönlichen Kontakte in der jetzigen Situation noch begrenzen? Diese Fragen lassen sich nicht pauschal beantworten. Hier erklären wir, worauf Familien, Freunde und Freundinnen bei einer Entscheidung über gemeinsame Treffen achten sollten. 

Ältere Menschen gehören zur Risikogruppe

Alle Menschen können sich mit dem neuartigen Coronavirus infizieren. Einige Bevölkerungsgruppen haben aber ein erhöhtes Risiko auf einen schweren Verlauf der Krankheit COVID-19. Schon seit Beginn der Pandemie in Deutschland ist bekannt, dass grundsätzlich alle Menschen einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, deren Abwehrkräfte geschwächt sind. Dazu zählen ältere Menschen, denn das Immunsystem ist im Alter nicht mehr so stark wie in jüngeren Jahren. Das Risiko einer schweren Erkrankung steigt ab 50 bis 60 Jahren stetig mit dem Alter an. Rund 87 Prozent der Menschen, die an COVID-19 gestorben sind, waren 70 Jahre oder älter, hat das Robert Koch-Institut errechnet. 

Hinzu kommt, dass ein gesundes Immunsystem mit Symptomen wie Fieber auf eine Infektion reagiert. In höherem Alter können diese Symptome schwächer oder gar nicht auftreten, wodurch Erkrankte in einigen Fällen erst spät zum Arzt gehen. Auch eine späte Diagnosestellung kann zu einem schweren Verlauf der Krankheit beitragen. Seit Beginn der Pandemie wird älteren Menschen daher geraten, ihre Kontakte möglichst auf ein Minimum zu reduzieren und sich nicht mit Kindern oder Enkeln zu treffen. Grundsätzlich gilt noch immer: Je weniger Menschen man begegnet, desto geringer ist das Infektionsrisiko. 

Vorerkrankungen und andere Risikofaktoren

Das Risiko einer schweren Erkrankung ist nicht nur bei älteren Menschen erhöht, sondern auch in den folgenden Fällen

  • Vorerkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems (z. B. koronare Herzerkrankung und Bluthochdruck),
  • Vorerkrankungen der Lunge (z. B. Asthma, COPD), 
  • Lebererkrankungen, Zuckerkrankheit oder Krebs, 
  • ein durch Medikamente (z. B. Cortison) geschwächtes Immunsystem, 
  • starkes Übergewicht, 
  • durch Rauchen belastete Lungen. 

 Da das neuartige Coronavirus erst vor ein paar Monaten aufgetreten ist, sind viele Aspekte der Erkrankung noch nicht ausreichend erforscht. Dennoch muss davon ausgegangen werden, dass sich verschiedene Risikofaktoren gegenseitig verstärken. Das heißt, dass ältere Personen mit Vorerkrankungen und anderen Risikofaktoren ein besonders hohes Risiko auf einen schweren Verlauf haben. Diese Menschen sollten ganz besonders darauf achten, dass sie sich nicht mit dem neuartigen Coronavirus infizieren. 

AHA-Formel gilt auch für Ältere

Alle Menschen, aber insbesondere diejenigen, die zu einer Risikogruppe gehören, sollten die AHA‑Formel beachten, die sich aus den Begriffen Abstand, Hygiene und Alltagsmaske zusammensetzt: 

  • Abstand halten: Unterwegs, beim Einkaufen oder beim Spaziergang im Park achten wir auf 1,5 Meter Mindestabstand zu unseren Mitmenschen.
  • Hygiene beachten: Wir befolgen die Hygieneregeln in Bezug auf Niesen, Husten und Händewaschen.
  • Alltagsmasken tragen: Dringend empfohlen wird das Tragen von Alltagsmasken an Orten, an denen es schwer werden kann, den Mindestabstand zu anderen immer einzuhalten. Zum Schutz von umstehenden Personen haben die Bundesländer Vorschriften für das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes im öffentlichen Personennahverkehr und beim Einkauf erlassen. Bitte beachten Sie die Regelungen an Ihrem Ort. Wer eine Maske trägt sollte dennoch darauf achten, Abstand zu anderen Menschen zu halten. 

Unnötige Wege vermeiden

Um das Risiko einer Infektion möglichst gering zu halten, empfiehlt es sich, möglichst wenig unter Menschen zu gehen. Nehmen Sie für den Einkauf von Lebensmitteln Bring- und Lieferangebote von Supermärkten, Familie und/oder Nachbarn in Anspruch. Auch den Gang zur Apotheke kann man sich häufig sparen, da Apotheken einen für Kunden und Kundinnen kostenlosen Lieferservice anbieten. Arztbesuche sollte man aber nicht unterlassen, wenn man Krankheitszeichen an sich bemerkt. Denn auch wenn COVID-19 derzeit überall präsent ist – es gibt auch andere Gefahren für die Gesundheit und die können sich verschlimmern, wenn man die Symptome zunächst ignoriert

Was man für seine Gesundheit generell tun kann

Gesundheitsexperten und -expertinnen empfehlen auch in der Zeit der Coronavirus-Pandemie grundsätzlich all das, von dem wir schon immer wussten, dass es gut für uns ist. Besonders jetzt ist die Zeit, sich wirklich daran zu halten: nicht Rauchen, Alkohol nur in Maßen trinken, Sport und Fitness im Rahmen der Möglichkeiten und auf eine gesunde Ernährung achten. Auch soziale Kontakte tragen zum Wohlbefinden bei. 

Wie Besuche in Heimen geregelt sind

In Pflegeheimen mussten viele ältere Menschen über Wochen auf Besuch verzichten. Durch die Beschlüsse vom 6. Mai kann in allen Krankenhäusern, Pflegeheimen, Senioren- und Behinderteneinrichtungen, in denen es keine aktiven COVID-19-Fälle gibt, wieder Besuch empfangen werden. Allerdings ist dies auf eine Kontaktperson beschränkt, die regelmäßig wiederkehren darf. Um das Ansteckungsrisiko so gering wie möglich zu halten, wird in den Heimen darauf geachtet, dass zwischen Bewohnern und Bewohnerinnen einerseits und Besuchern und Besucherinnen andererseits genug Abstand besteht oder Barrieren errichtet werden. 

So wurden z. B. in vielen Heimen an den Tischen der Besuchszimmer Plexiglasscheiben installiert, um eine Tröpfcheninfektion zu unterbinden. Auch Spaziergänge sind in vielen Fällen erlaubt, da das Ansteckungsrisiko unter freiem Himmel geringer ist als in geschlossenen Räumen. Doch auch hier muss auf einen Mindestabstand von 1,5 Metern geachtet werden. Zudem gilt in vielen Heimen bei Besuchen eine generelle Maskenpflicht für beide Seiten. Das sind Vorsichtsmaßnahmen, an denen sich grundsätzlich auch orientieren kann, wer über private Treffen nachdenkt. 

Wie schützen wir Oma und Opa?

Seit dem 6. Mai sind auch Treffen von Menschen aus verschiedenen Haushalten nicht mehr untersagt. Grundsätzlich können sich auch Familien mit den Großeltern verabreden. Doch je mehr Besucher und Besucherinnen empfangen werden, desto größer das Risiko einer Ansteckung. Auch wenn man an sich selbst keine Symptome bemerkt, kann man sich unwissentlich infiziert haben. Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen über mögliche Risiken, wenn Sie über ein Treffen nachdenken. 

Es wird weiterhin davon abgeraten, dass Kinder zum Familienbesuch bei den Großeltern mitgenommen werden, die noch nicht alt genug sind, um Abstandsregeln einzuhalten.