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Ältere Menschen
15:19 Uhr · 29. Mai 2020

Entlastung bei der Pflege von Angehörigen finden

Als pflegender Angehöriger ist es notwendig, nicht nur auf die Bedürfnisse und den Hilfebedarf des Familienmitglieds zu blicken, sondern auch Ihre Bedürfnisse und Ihre eigenen Ressourcen im Blick behalten.

Bild: Getty Images / Halfpoint Images

Sie als pflegende Angehörige leisten nicht nur körperlich einen großen Dienst, Sie sind auch seelisch möglicherweise belastet. Die Pflege eines Familienmitglieds wird oft als eine erfüllende Aufgabe wahrgenommen, weil man dem pflegebedürftigen Menschen etwas von dem zurückgeben kann, was man von ihm empfangen hat – und aktuell empfängt. Dennoch kann die Verantwortung für einen pflegebedürftigen Angehörigen insbesondere in Zeiten der Coronavirus-Epidemie belastend sein. Die Sorge darum, wie Sie Ihre Angehörigen am besten vor einer Ansteckung schützen oder wer sich im Fall Ihrer eigenen Erkrankung um Ihre Angehörigen kümmern kann, hat Sie vielleicht in den vergangenen Wochen beschäftigt. Viele Menschen sind derzeit verunsichert und haben Angst, etwas in der Pflege falsch zu machen. Vielleicht stehen Ihnen auch entlastende und unterstützende Angebote wie z.B. ein Pflegedienst oder Tagesangebote für Ihre Angehörigen nicht mehr oder nur eingeschränkt zur Verfügung. Trotzdem möchten Sie Ihre pflegebedürftigen Angehörigen weiterhin so gut wie möglich betreuen und unterstützen. Aber damit das gelingen kann, ist es notwendig, dass Sie angesichts dieser erhöhten Anforderungen nicht nur auf die Bedürfnisse und den Hilfebedarf des Familienmitglieds blicken, sondern auch Ihre Bedürfnisse und Ihre eigenen Ressourcen im Blick behalten.

Verantwortung teilen – Pflegeaufgaben auf mehrere Schultern verteilen

Sie sind die Person, die alles organisiert, von der alles abhängt und die das Risiko trägt. Mit wem können Sie die Verantwortung teilen? Es ist gut, ein Teil der Verantwortung abzugeben und sich zu entlasten. Sie machen es so gut, wie Sie es können. Vielleicht hilft es, zu wissen, dass alle pflegenden Angehörigen auch selber Unterstützung brauchen.

Überlegen Sie, wen Sie um Hilfe und Unterstützung bitten können. Leisten Sie die Pflege nicht alleine, sondern verteilen Sie die Pflegeaufgaben auf mehrere Schultern. Dies kann bedeuten, dass man auf andere Familienangehörige gezielt zugeht, damit sich diese an der Pflege beteiligen,  auch wenn dies bisher nicht üblich gewesen ist. Schon die Übernahme kleinerer Aufgaben durch Familienangehörige wie z.B. ein Spaziergang am Tag kann für Sie eine wirksame Entlastung sein.

Sprechen Sie mit Ihrem ambulanten Pflegedienst und klären Sie, in welcher Form Sie auf unterstützende Angebote zurückgreifen können. Wenn Sie noch nicht mit einem Pflegedienst zusammenarbeiten, erkundigen Sie sich nach deren möglichen Angeboten, die für Sie Entlastung bringen können. Ein Pflegedienst kann die Ressourcen, das heißt die Kräfte, des pflegebedürftigen Menschen differenziert einschätzen und Ihnen Tipps geben, wie Sie durch Ihr eigenes Verhalten zu einer Stärkung seiner Kräfte beitragen und damit auch die Pflege wieder leichter werden kann. Informationen zu lokalen Pflegediensten finden Sie durch Gespräche mit anderen Angehörigen in derselben Situation, Telefonate mit der Gemeinde, den Kirchen, Vereinen und durch eine Online-Suche. Informieren Sie sich regelmäßig, in welcher Form und unter welchen Bedingungen Angebote für pflegebedürftige Menschen (z.B. Therapien oder Tagesgruppen) wieder verfügbar sind. 

Haben Sie den Mut, im Falle guter und stabiler Beziehungen zu Ihren Nachbarn und Bekannten auf diese zuzugehen und um Unterstützung zu bitten. Wenn Sie z.B. für eine Stunde außer Haus sind, kann es hilfreich sein, wenn Nachbarn oder Bekannte nach dem pflegebedürftigen Menschen sehen oder auch nur telefonisch für den Notfall schnell erreichbar sind. In den letzten Wochen haben sich auch viele lokale Initiativen entwickelt, die Unterstützung in der Nachbarschaft anbieten. Vielleicht können Sie hier Hilfe finden?

Eigene Bedürfnisse erkennen und darüber sprechen

Pflegende Angehörige geraten rasch in eine Situation, in der das eigene Leben nur noch ein Randschauplatz ist. Vor allem in Krisenzeiten werden eigene Bedürfnisse nach denen anderer ausgerichtet. Und häufig bleibt – wenn dann Zeit für sich selbst ist – zu wenig Energie, um „gut für sich zu sorgen“. Hier können Sie sich die Frage stellen: „Was ist wichtig für mein eigenes Leben? Wo oder wodurch bekomme ich selber Energie?“

Erkennen Sie Ihre eigenen Bedürfnisse und erklären Sie sie gegenüber dem pflegebedürftigen Menschen und anderen Familienmitgliedern. Ihr Wohlbefinden und Ihre Lebensqualität ist genauso wichtig wie jene des pflegebedürftigen Menschen. Nur wenn Sie offen über Ihre Bedürfnisse und die besonderen Belastungen, die nun durch die Coronavirus-Epidemie entstanden sind, sprechen, können Ihre Angehörigen nachvollziehen, warum bestimmte Änderungen im Tagesablauf und in der Arbeitsteilung erforderlich sind. 

Angst vor dem Ansteckungsrisiko

Viele Menschen haben in diesen Tagen Angst, etwas falsch zu machen. Die Abwägung zwischen Isolierung, Schutz, Risiko, Zuwendung und Kontakt ist schwer. Dies trifft insbesondere auf pflegende Angehörige zu, die nicht nur an ihren eigenen Schutz denken, sondern auch ihre pflegebedürftigen Angehörigen schützen wollen. Informieren Sie sich daher über die notwendigen Schutzmaßnahmen und greifen Sie dabei auf seriöse Quellen (z. B. infektionsschutz.de) zurück, um Sicherheit im Umgang mit schützenden Maßnahmen zu erlangen. 

Für weitere Informationen und Hilfsangebote haben wir Ihnen hier eine Reihe von Links zusammengestellt:

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend stellt aktuelle Informationen auf seiner Internetseitehttps://www.wege-zur-pflege.de/start.html zur Verfügung. Das Pflegetelefon des Bundesfamilienministeriums (030 20179131) erreichen Sie bundesweit von Montag bis Donnerstag zwischen 9.00 und 18.00 Uhr. Eine Internetseite des Bundesministeriums für Gesundheit https://www.bundesgesundheitsministerium.de/pflege-zu-hause.html enthält Informationen zu Hilfen und Leistungen der Pflegeversicherung für die Pflege zuhause. 

Beratungsangebote zur häuslichen Pflege finden Sie unter: https://www.zqp.de/beratung-pflege/, oder www.pflegeberatung.de (compass private Pflegeberatung).

Ein psychologisches Beratungsangebot hat die Deutsche Gesellschaft für Psychologie (DGPs) auf ihrer Internetseite bereitgestellt 

https://psychologische-coronahilfe.de/beitrag/pflegende-angehoerige-und-pflegebeduerftigkeit-in-der-coronakrise/.

Eine psychologische Online-Beratung für pflegende Angehörige finden Sie unter folgendem Link: https://www.pflegen-und-leben.de/online-beratung-pflegen-und-lebende.html