Bundesministerium für Gesundheit
Corona-Wissen
09:36 · 21. Dezember 2021

COVID-19: Therapiemöglichkeiten und Arzneimittelentwicklungen

Im folgenden Artikel erfahren Sie, welche Therapiemöglichkeiten – mit und ohne den Einsatz von Medikamenten – es bei einer COVID-19-Erkrankung mit einem schweren Verlauf gibt und welche Arzneimittel gegen COVID-19 aktuell entwickelt werden.

Unterstützende Maßnahmen gegen COVID-19

Die Infektionskrankheit COVID-19 wird durch den Erreger SARS-CoV-2 (die Abkürzung steht für: severe acute respiratory syndrome coronavirus type 2, übersetzt: schweres akutes respiratorisches Syndrom Coronavirus-2) verursacht. Coronaviren sind unter Säugetieren und Vögeln weit verbreitet. Sie verursachen beim Menschen vorwiegend milde Erkältungskrankheiten, können aber in einigen Fällen auch schwere Lungenentzündungen hervorrufen. COVID-19 kann sich in vielfältiger Weise – nicht nur in der Lunge, sondern auch in anderen Organen – manifestieren. 

Die meisten Infektionen mit SARS-CoV-2 (rund 80 Prozent) verlaufen mild bis mittelschwer. Die Patientinnen und Patienten müssen sich dabei in gesetzlich vorgeschriebene häusliche Isolierung begeben. Dort sollten sie ihr Immunsystem nach Möglichkeit mit viel Ruhe und Schlaf sowie einer ausgewogenen Ernährung unterstützen. Hilfreich ist auch, viel zu trinken, da der Körper bei Infektionen eher mehr Flüssigkeit als im gesunden Zustand benötigt. 

Etwa zehn Prozent der in Deutschland erkannten Infizierten und Erkrankten werden aufgrund eines schweren Verlaufs ins Krankenhaus eingewiesen. Der Erreger SARS-CoV-2 befällt vor allem die Atemwege und kann zu einer Lungenentzündung (Pneumonie) führen. Dabei sammelt sich Flüssigkeit in der Lunge und es kommt zu einer Schädigung der kleinen Blutgefäße. Die Lunge kann dadurch das Blut nur noch unzureichend mit Sauerstoff versorgen. In vielen Fällen wird eine Sauerstoffzugabe notwendig, etwa über eine Beatmungsmaske oder -haube. Darüber hinaus können auch andere Organe – zum Beispiel Herz oder Nieren sowie das Nervensystem – befallen werden

Unterstützende Maßnahmen im Krankenhaus

Im Zentrum der Behandlung der Infektion stehen die optimalen unterstützenden Maßnahmen entsprechend der Schwere des Krankheitsbildes, wie zum Beispiel Sauerstoffgabe, kreislaufunterstützende Arzneimittel oder Antibiotikagabe zur Therapie von bakteriellen Alternativ- oder Begleitinfektionen. Ferner werden relevante Grunderkrankungen behandelt. Die Maßnahmen dienen dazu, den Körper der oder des Erkrankten im Kampf gegen das Virus zu unterstützen und schwere Verläufe möglichst zu mildern. 

Zugelassene Arzneimittel

Verschiedene Arzneimittel können bei einer COVID-19-Erkrankung eingesetzt werden. Dabei kommen auch Arzneimittel, die nicht spezifisch für die Behandlung von COVID-19 entwickelt wurden, zum Einsatz. Dazu gehören zum Beispiel: 

Remdesivir

Im Juli 2020 erhielt das Arzneimittel Veklury® (Wirkstoff Remdesivir) eine bedingte Zulassung in der Europäischen Union (EU) für die Therapie von COVID-19 bei Erwachsenen und Jugendlichen (ab 12 Jahren) mit einer Lungenentzündung, die eine zusätzliche Sauerstoffzufuhr, aber keine invasive Beatmung benötigen. Seitdem kommt der antivirale Wirkstoff, der ursprünglich zur Behandlung der Viruserkrankung Ebola entwickelt wurde, bei speziellen Fällen in frühen Krankheitsphasen zum Einsatz. Da die aktuelle Datenlage einen unsicheren Nutzen zeigt, wird der Einsatz des Wirkstoffs in der medizinischen Leitlinie „Empfehlungen zur stationären Therapie von Patienten mit COVID-19“ allerdings nicht generell empfohlen.

Dexamethason

Dexamethason ist in einer Vielzahl von zugelassenen Arzneimitteln als Wirkstoff enthalten, die unspezifisch entzündungshemmend, antiallergisch und immunsuppressiv wirken. Die auf dem Portal für wissenschaftliche Medizin (AWMF) veröffentlichte medizinische Leitlinie zur stationären Therapie von Patienten mit COVID-19 empfiehlt den Einsatz des Kortisonpräparats auch zur Therapie von schwer erkrankten COVID-19-Patientinnen und -Patienten. 

Monoklonale Antikörper

Monoklonale Antikörper (MAK) sind gegen das Virus gerichtet. Die biotechnologisch hergestellten Antikörper sollen das Andocken der Viren an Zellen verhindern und so die Infektion eindämmen. Sie können zur frühzeitigen Therapie bei mit SARS-CoV-2 infizierten Personen eingesetzt werden, die ein erhöhtes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf haben (z. B. mit Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems). In Deutschland können verschiedene monoklonale Antikörper zur Behandlung von COVID-19 eingesetzt werden. Dazu zählt die Antikörperkombination Casivirimab/Imdevimab, die bisher in Deutschland vom Bundesgesundheitsministerium (BMG) bereitgestellt wird und dem seit dem 12.11.2021 in der EU zugelassenen Arzneimittel Ronapreve® entspricht. Darüber hinaus hat die Europäische Kommission am 07.12.2021 das Anwendungsgebiet des monoklonalen Antikörpers RoActemra® (Tocilizumab) zur Behandlung von Erwachsenen mit schwerem COVID-19 erweitert.

Ärztinnen und Ärzte können die Arzneimittel nach individueller Nutzen-Risiko-Abwägung im Rahmen ihrer Therapiefreiheit anwenden. Die COVID-19-Patientinnen und -Patienten erhalten ein MAK-haltiges Arzneimittel in Form einer einmaligen intravenösen Infusion oder als subkutane Injektion. Die Behandlung sollte unter Bedingungen erfolgen, die eine schnelle Behandlung einer Infusionsreaktion/allergischen Reaktion ermöglichen, da die monoklonalen Antikörper diese auslösen können. Die MAK-haltigen Arzneimittel werden über bestimmte Krankenhausapotheken zur Verfügung gestellt, die Liste können Sie hier einsehen. Weitere Informationen zu monoklonalen Antikörpern erhalten Sie auf der Website des Paul-Ehrlich-Instituts. Eine Zulassung von der Europäischen Kommission haben auch die monoklonalen Antikörper „Regkiron®“ von Celltrion und „Xevudy®“ von GSK erhalten. Diese monoklonalen Antikörper sind noch nicht in Deutschland verfügbar.

Kontinuierliche Sicherheitschecks bei Arzneimitteln

Gut zu wissen: Wie auch bei den COVID-19-Impfstoffen werden der Nutzen und die Risiken aller zugelassenen Arzneimittel, die zur Behandlung von COVID-19 eingesetzt werden, fortlaufend und umfassend überprüft. Das gewährleistet unter anderem die Sicherheit und Wirksamkeit der Therapieoptionen. Dabei kann es vorkommen, dass die zuständigen Behörden den Einsatz einzelner Arzneimittel nicht mehr bzw. nur eingeschränkt empfehlen oder den Personenkreis eingrenzen, für den sie infrage kommen. Mitunter werden in der Öffentlichkeit auch Behandlungsmöglichkeiten diskutiert, die in der Europäischen Union (EU) – und damit auch in Deutschland – noch gar nicht zugelassen sind. Das bedeutet, dass die notwendigen Bewertungsverfahren entweder erst noch eingeleitet werden müssen oder noch nicht abgeschlossen sind, die eine Voraussetzung für die Erteilung einer Zulassung darstellen. Eine Übersicht, welche COVID-19-Arzneimittel derzeit in der EU zugelassen sind bzw. sich im Prüfverfahren befinden, finden Sie auf der Website der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA). Welche COVID-19-Arzneimittel bereits in Deutschland angewendet werden, erfahren Sie auf der Website des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI).

In der Entwicklung: Arzneimittel zur Therapie von COVID-19

Verschiedene Arzneimittel befinden sich in der klinischen Prüfung zur Therapie gegen COVID-19. Zurzeit laufen laut Robert Koch-Institut (RKI) über 4.500 Studien mit mehr als 400 Wirkstoffen. Dazu gehören beispielsweise:

Antikörper von Genesenen (Rekonvaleszentenplasma, RKP)

RKP ist Blutplasma von Personen, die eine Corona-Infektion erfolgreich überstanden und eine Immunität durch die Bildung von Antikörpern entwickelt haben – das RKP enthält somit Antikörper gegen diesen Erreger. Erkrankten Personen werden das RKP oder daraus gereinigte Antikörper verabreicht. Die Antikörper binden und neutralisieren das Virus und unterstützen dadurch das Immunsystem bei der Infektionsbekämpfung. Die Untersuchungen des Wirksamkeitsnachweises dieses Ansatzes durch kontrollierte klinische Studien sind hierfür noch nicht abgeschlossen. Die Betrachtung bisher verfügbarer Ergebnisse zeigt, dass der hochdosierte Einsatz von RKP bei sehr früher Gabe wirksam sein kann, um bei vulnerablen Personen mit hohem Risiko die Entwicklung eines schweren COVID-19-Verlaufs zu verhindern.

Mesenchymale Stammzellen

Diese Zellen sind Vorstufen verschiedener Zelltypen und im menschlichen Körper für den Erhalt und die Regeneration unter anderem von Bindegewebe, Knochen und Muskeln zuständig. Sie sollen bei schwer an COVID-19-Erkrankten anti-entzündlich wirken und so Lungengewebe schützen sowie beschädigtes Lungengewebe regenerieren. Ihre Herstellung für die Anwendung am Menschen muss in Deutschland immer unter höchsten Qualitätsstandards (Gute Herstellungspraxis – GMP) erfolgen. Auch hier sind klinische Prüfungen noch ausstehend.

Parasitenmedikament Ivermectin: Keine Evidenz für Wirksamkeit gegen COVID-19

Anders als vorgenannte und weitere mitunter vielversprechende Entwicklungen kann das Parasitenmittel Ivermectin eine Corona-Infektion weder verhindern noch die Heilung beschleunigen. Das Medikament, das vor allem gegen Wurmbefall eingesetzt wird, kann sogar gesundheitsschädlich sein. Laut Robert Koch-Institut besteht bei unkontrollierter Anwendung das Risiko der schwerwiegenden Toxizität.

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