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Bundesministerium für Gesundheit
Corona-Wissen
09:46 · 19. Mai 2021

Die Videosprechstunde in der Praxis

Die Coronavirus-Pandemie hat die Digitalisierung in vielen Bereichen stark beschleunigt, auch in der Medizin. In ärztlichen und psychotherapeutischen Praxen werden verstärkt Videosprechstunden eingesetzt. Digitale Kommunikation kann den gewohnten beruflichen und medizinischen Austausch ergänzen – und die Videosprechstunde besonders Menschen, die zu einer Risikogruppe zählen, schützen.

Nutzen Sie die Videosprechstunde online

Die digitale Sprechstunde

Immer mehr Patientinnen und Patienten nutzen bereits die Möglichkeiten der digitalen Sprechstunde. Denn die ist nicht nur bequem, sondern auch sicherer, da Patientinnen und Patienten dafür nicht das Haus verlassen müssen und so potenzielle Ansteckungsrisiken in der Coronavirus-Pandemie vermeiden. Insbesondere für Menschen, die aufgrund von Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf von COVID-19 haben, hat sich die Videosprechstunde bei alltäglichen Erkrankungen bewährt. Aber auch für Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten rücken telemedizinische Leistungen wie die Videosprechstunde vermehrt in den Fokus, etwa wenn sie Behandlungen am Bildschirm erläutern, Heilungsprozesse begutachten oder psychotherapeutische Gespräche führen möchten.

Flexibel einsetzbar

Die Videosprechstunde kann flexibel eingesetzt werden, wann immer dies als sinnvoll erachtet wird. Die Praxis wählt einen zertifizierten Videodienstanbieter aus, der für den reibungslosen und sicheren technischen Ablauf sorgt. Praxis und Patientin/Patient benötigen eine gängige Computer-Ausrüstung samt Bildschirm, Kamera, Mikrofon und Lautsprecher sowie eine Internetverbindung. Eine zusätzliche Software ist nicht erforderlich. Die technischen Anforderungen sind in der Anlage 31b zum Bundesmantelvertrag-Ärzte geregelt. Weitere Informationen erhalten Interessierte von der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV).

Voraussetzungen für die Videosprechstunde

Folgende Voraussetzungen müssen erfüllt sein: Die Videosprechstunde findet wie eine normale Sprechstunde vertraulich und störungsfrei in Räumen statt, die Privatsphäre bieten. Die eingesetzte Technik und die elektronische Datenübertragung gewährleisten eine angemessene Kommunikation. Die Patientin oder der Patient geben eine Einwilligung ab. Ihr bzw. sein Klarname ist für die Praxis erkennbar. Die Videosprechstunde ist frei von Werbung.

Beschränkung für Videosprechstunden aufgehoben

Aufgrund der Coronavirus-Pandemie haben die KBV und die Krankenkassen die Begrenzung der maximalen Anzahl an Patientinnen und Patienten, die eine Ärztin oder ein Arzt per Videosprechstunde behandeln darf, vorübergehend aufgehoben. Das Angebot ist also unabhängig von Fallzahl und Leistungsmenge möglich. Die digitale Sprechstunde ist auch dann möglich, wenn die Patientin oder der Patient zuvor noch nicht in der Praxis in Behandlung war. Im Gegensatz dazu ist bei Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten ein persönlicher Erstkontakt für die Eingangsdiagnostik, Indikationsstellung und Aufklärung notwendig.

Akzeptanz der digitalen Sprechstunde steigt

Das ausgeweitete Angebot von Videosprechstunden wird in der Coronavirus-Pandemie gut angenommen: Das health innovation hub (hih) des Bundesgesundheitsministeriums (BMG) und die Stiftung Gesundheit haben in einer bundesweiten, repräsentativen Befragung ambulant tätiger Ärztinnen und Ärzte ermittelt, dass sich die Videosprechstunde als Ergänzung zum Arzt-Patienten-Kontakt etabliert hat. Befragt wurden 2.240 niedergelassene Ärztinnen und Ärzte sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten. Die Akzeptanz der Videosprechstunde ist demnach gestiegen: 2017 lehnten von ihnen noch fast 60 Prozent die Videosprechstunde ab. Im April 2020 hingegen gaben bereits mehr als die Hälfte der Befragten an, die Videosprechstunde zu nutzen.

Viele Patientinnen und Patienten bitten um eine Videosprechstunde

„Die Videosprechstunde scheint ein Lösungsmodul über die akute Situation hinaus und über alle Fachgebiete hinweg zu sein“, erläutert Dr. med. Philipp Stachwitz, Schmerztherapeut und Director Medical Care beim hih. „Die Zustimmung war bei der sprechenden Medizin mit über 80 Prozent besonders hoch. In dieser Gruppe gab eine große Mehrheit an, diesen Kommunikationskanal auch nach der Pandemie weiter nutzen zu wollen.“ Rund 60 Prozent der ärztlichen Videosprechstunden-Nutzer gaben in der Befragung an, ihre Patientinnen und Patienten aufgrund der Coronavirus-Pandemie auf die Video-Option hingewiesen zu haben. 30 Prozent wurden sogar aktiv von Patientinnen und Patienten nach dieser Möglichkeit gefragt. 

Von Fall zu Fall

Viele Praxen haben bestimmte Videosprechzeiten eingerichtet und informieren darüber auf ihrer Webseite. Natürlich ist eine Videosprechstunde nicht in allen Fällen ein vollwertiger Ersatz für eine klassische Sprechstunde. Ob dies der Fall ist, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Online-Konsultation bei Verdacht auf COVID-19-Erkrankung

Einige Kliniken und andere Testeinrichtungen bieten ebenfalls Videosprechstunden für Menschen an, bei denen der Verdacht auf eine Infektion mit dem Coronavirus vorliegt. Dieses Angebot richtet sich insbesondere an Menschen, die befürchten, sich angesteckt zu haben, aber keine oder nur leichte Symptome wahrnehmen. Beispielsweise bieten die Berliner Charité sowie die Helios-Kliniken eine solche Videosprechstunde an. Beides hilft den Betroffen bei der Entscheidung, ob sie eine Untersuchungsstelle aufsuchen sollten und ob ein Corona-Test sinnvoll für sie ist. 

Weitere Informationen

Weitere Informationen über den Ablauf einer Videosprechstunde aus Sicht der Praxis finden Sie bei der Kassenärztlichen Bundesvereinigung.

Ergebnisse der Befragung zur Videosprechstunde von hih und Stiftung Gesundheit finden Sie hier.

Beispiel einer Videosprechstunde vom Bundesverband Informationswirtschaft, Telekommunikation und neue Medien (BITKOM).

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