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13:20 Uhr · 27. Mai 2020

Herausforderungen als Paar bewältigen

Die Coronavirus-Epidemie kann eine Paarbeziehung herausfordern. Durch die Arbeit im Homeoffice sind Paare jetzt möglicherweise ständig zusammen, Treffen mit Freunden und Bekannten sind kaum oder nur eingeschränkt möglich. Wir geben Tipps zum Umgang mit Belastungen in Paarbeziehungen.

Bild: Getty Images / Rafael Ben-Ari

Die Coronavirus-Epidemie kann eine Paarbeziehung herausfordern. Durch die Arbeit im Homeoffice sind Paare jetzt möglicherweise ständig zusammen. Treffen mit Freunden und Bekannten sind kaum oder nur eingeschränkt möglich. Zusätzlich ist man mit eigenen Ängsten, Sorgen und Unsicherheiten beschäftigt und geht vielleicht ganz unterschiedlich mit Gefühlen um. Manchen hilft es vielleicht, Nähe zu suchen und sich auszutauschen, während andere unter Umständen ungern über Gefühle sprechen und sich eher zurückziehen. Auch Fernbeziehungen sind zurzeit besonders belastet, wenn es nicht möglich ist, sich gegenseitig zu besuchen. Unter diesen besonderen Herausforderungen kann es leicht zu Konflikten kommen. Wir geben einige Tipps zum Umgang mit Belastungen in Paarbeziehungen. Sollten Sie Kinder haben, finden Sie ergänzende Informationen in der Rubrik „Eltern mit Kindern“.

„Konstruktiv streiten“. Hin und wieder zu streiten ist normal und kann dazu beitragen, Meinungsverschiedenheiten zu klären, Gefühlen Ausdruck zu verleihen und Probleme zu lösen. Damit ein Streit dazu führt, eine Situation zu klären und nicht zu verschlimmern, ist es hilfreich, sich an ein paar Regeln für „konstruktives Streiten“ zu orientieren (https://psychologische-coronahilfe.de/beitrag/ploetzlich-staendig-zusammen-tipps-bei-paarkonflikten/):

  • Sprechen Sie von konkreten Situationen oder Anlässen und vermeiden Sie Verallgemeinerungen (zum Beispiel „Könntest Du bitte Deine Sachen im Wohnzimmer aufräumen“ statt „Du lässt immer alles rumliegen“).
  • Beziehen Sie Ihre Kritik nicht auf die Persönlichkeit des Partners oder der Partnerin (zum Beispiel „Ein Idiot wie du“; „Sei nicht so hysterisch“), sondern bleiben Sie bei dem Verhalten, das Sie stört.
  • Sprechen Sie in einem normalen Tonfall und mit normaler Lautstärke. Vermeiden Sie einen abwertenden, zynischen oder sarkastischen Tonfall.
  • Versuchen Sie, sich nicht sofort zu verteidigen. Hören Sie aufmerksam zu, halten Sie Blickkontakt, versuchen Sie die Argumente und Bedürfnisse des anderen zu verstehen.
  • Streiten Sie auf Augenhöhe: Sie sollten sich nicht unterwerfen oder über den Partner stellen. Beide Partner haben das Recht, ihre Bedürfnisse zu äußern und respektvoll behandelt zu werden.
  • Vermeiden Sie indirekte negative Äußerungen (zum Beispiel Witze über den Partner/die Partnerin, negative oder abwertende Bemerkungen über nahestehende Personen des Partners/der Partnerin).

Nähe und Distanz. Jeder Mensch braucht mal Zeit für sich allein. Manche Menschen benötigen davon mehr, andere weniger. Auf der anderen Seite ist es auch wichtig, bewusst Zeit zu zweit zu verbringen. Versuchen Sie, die Bedürfnisse Ihres Gegenübers zu verstehen und herauszufinden, was Ihnen beiden guttut. Falls Ihr Partner oder Ihre Partnerin mehr Zeit für sich allein braucht als Sie, können Sie zum Beispiel mit Freunden oder Familienmitgliedern telefonieren, um Ihr Bedürfnis nach sozialem Kontakt zu stillen und dem anderen mehr Freiraum zu lassen. Wenn Sie umgekehrt lieber mehr Zeit für sich hätten, sprechen Sie darüber, warum Ihnen das so wichtig ist. Vielleicht hat Ihr Partner oder Ihre Partnerin das Gefühl, von Ihnen zurückgewiesen zu werden, wenn Sie sich distanzieren. In diesem Fall ist es hilfreich zu erklären, dass Ihr Bedürfnis nicht gegen Ihren Partner oder Ihre Partnerin gerichtet ist. Sie können einen Satz festlegen, den Sie sagen, wenn Sie allein sein wollen (zum Beispiel „Ich brauche jetzt Zeit für mich“). Falls Sie keinen Rückzugsort haben, können Sie sich auch eine Zeit lang distanzieren, indem Sie beispielsweise Kopfhörer aufziehen oder allein einen Spaziergang machen.

Raum für Arbeit und Privates. Die Arbeit im Homeoffice kann dazu führen, dass die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen. Das kann Ihre Arbeit und Ihre Beziehung belasten. Versuchen Sie daher, die Arbeit räumlich und zeitlich abzugrenzen. Richten Sie sich Ihren Arbeitsplatz und Ihre Arbeitszeiten so ein, dass Sie sich gegenseitig möglichst wenig stören. Legen Sie fest, wann Sie Feierabend machen und nehmen Sie sich außerhalb Ihrer Arbeitszeiten bewusst Zeit für Ihre Beziehung, zum Beispiel beim gemeinsamen Abendessen. Ein Tipp: Sprechen Sie beim Abendessen nicht über Ihre Arbeit oder Covid-19, sondern genießen Sie soweit möglich die Zeit zu zweit.

Soziale Kontakte. Es ist hilfreich, auch außerhalb der Partnerschaft Kontakte zu pflegen, zum Beispiel telefonisch oder bei gemeinsamen Spaziergängen mit ausreichendem Abstand an der frischen Luft. Sie werden sehen, dass es guttun kann, mit anderen Personen zu reden und nicht alles in Ihrer Partnerschaft zu thematisieren. Durch den Austausch mit Personen außerhalb Ihrer „Vier Wände“ können Sie neue Eindrücke und Anregungen für die Gestaltung Ihres Alltags bekommen.

Fernbeziehungen. Paare, die in einer Fernbeziehung leben, sind unter Umständen besonders von aktuellen Einschränkungen betroffen. Innerhalb von Deutschland sind die Beförderungsbedingungen zwar insgesamt aktuell sichergestellt. Je nach Region kann es jedoch weiterhin zu Einschränkungen kommen. Schwieriger ist es aktuell bei Beziehungen über Grenzen hinweg, da momentan für viele Länder Reisebeschränkungen gelten. Um die Zeit bis zum nächsten Wiedersehen zu überstehen, ist Kreativität gefragt. Wie wäre es mit einem gemeinsamen Abendessen bei einem Videoanruf? Sie können sich auch zur Abwechslung mal Briefe schreiben oder Päckchen mit kleinen Aufmerksamkeiten zusenden. Oder Sie schicken Ihrem Partner oder Ihrer Partnerin jeden Tag ein Foto von etwas, das Sie gerade tun oder das Ihnen Freude bereitet hat. Gemeinsame Rituale geben ein Gefühl von Sicherheit und Nähe.