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Erfahrungsberichte
12:18 Uhr · 2. Februar 2021

Daniela, 52, aus Stuttgart

Ich kenne mich aus, dachte die Apothekerin. Und doch infizierte sie sich mit dem neuartigen Coronavirus - und versucht nun, auch andere aufzuklären.

Illustration: Neele Jacobi, tactile.news

“Ich beachtete von Anfang an die Hygieneregeln”

Es ärgert mich, wenn Menschen behaupten, es gäbe das Coronavirus nicht. Oder es sei kaum schlimmer als eine Grippe. Ich weiß, dass das nicht stimmt! Ich war selbst krank. Dass ich offen von meiner Infektion erzähle, auf meinem Instagram-Kanal und in meinem Podcast, hat aber noch einen anderen Grund: Ich möchte denen helfen, die zu wenig über das Virus wissen. Ich gehörte einmal zu Euch!

Als Apothekerin beschäftigte ich mich viel mit Krankheiten. Daher beachtete ich von Anfang an die Hygieneregeln: Hände waschen, Abstand halten, Maske tragen,  all das schützt vor einer Infektion mit dem Coronavirus. Und trotzdem wurde ich krank! 

Zunächst glaubte ich, ich sei nur erkältet. Und wie man das am besten in den Griff kriegt, weiß ich ja: Ich versuchte, mich mit Ingwer und Vitamin C aufzupäppeln, nahm ein Medikament gegen Halsschmerzen. Das half natürlich nicht gegen Corona. Als ich mich bald kaum mehr in den Verkaufsraum schleppen konnte und jeder Schritt viel Kraft kostete, bekam ich Angst. Hatte ich mich etwa doch infiziert?

„Jeder Schritt fühlte sich an wie ein halber Marathon“

Meine Symptome sprechen nicht dafür, dachte ich. Ich hatte kein Fieber, keinen Husten, sogar die Halsschmerzen verschwanden nach nur einem Tag. Das ist nicht typisch für Corona, beruhigte ich mich selbst. Aber mir war übel, ich fühlte mich erschöpft, wie gelähmt. Als ich mich kaum mehr auf den Beinen hielt, brachten mich meine Söhne zum Arzt. 

Ein Test schaffte schließlich Klarheit: Ich hatte Corona. Meine Gedanken begannen zu rasen: Wo habe ich mich bloß angesteckt? Wann habe ich die Hygieneregeln missachtet? Wen habe ich möglicherweise infiziert? Und wie schlimm wird es noch werden? Ich konnte das Gedankenkarussell nicht stoppen.

Mir ging es so schlecht wie nie zuvor. Ich konnte kaum einige Minuten aufrecht sitzen oder eine richtige Mahlzeit essen. Jeder Schritt fühlte sich an wie ein halber Marathon. Ich verlor Gewicht und bekam Angst, dass alles schneller zu Ende gehen könnte, als ich je gedacht hatte. Mit meinem Mann sprach ich über eine Patientenverfügung. 

Grafik: Visual Driven / tactile.news

“Ohne Test ist diese Krankheit wirklich schwierig zu erkennen”

Zum Glück ging es nach einiger Zeit langsam aufwärts. Als ich mich besser fühlte, überlegte ich, wie ich mit meiner Infektion umgehe: Sollte ich meinen Kunden davon erzählen? Meinen Followern auf Instagram? Oder sollte ich es lieber für mich behalten? Dann dachte ich daran, wie ich mich selbst getäuscht hatte. 

Und mir wurde klar: Wenn sogar mir als Apothekerin das passiert, wird es vielen anderen ähnlich gehen. Vielleicht kann ich einige Menschen davor bewahren, sich anzustecken oder Symptome auf die leicht Schulter zu nehmen. Ich habe gelernt: Ohne Test ist diese Krankheit wirklich schwierig zu erkennen.

Das sagt das Robert Koch-Institut zu diesem Fall:

Daniela will sich impfen lassen. Denn ob und wie lange eine durchgemachte SARS-CoV-2-Infektion eine erneute Infektion mit dem Coronavirus verhindert, wird gerade erst von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern untersucht. Dabei können sie sich auf Erfahrungen aus den SARS- und MERS-Epidemien stützen. Die Impfstoffe konnten so schnell entwickelt werden, weil die nötigen Studien teilweise parallel und ohne Zeitverzögerung durchgeführt wurden. Zudem wird bei der Impfung gegen SARS-CoV-2 der Bauplan von Virusproteinen direkt als mRNA in den Körper der geimpften Person eingebracht und der Körper baut daraus selbst ein Virusprotein, auf welches das körpereigene Immunsystem mit einer Bildung von Antikörpern reagiert. Bei herkömmlichen Impfstoffen geschieht der langwierige Aufbau der Virusproteine (Antigene) außerhalb des Körpers. Daniela muss sich noch gedulden. Zunächst sollen Personen, die eine labordiagnostisch gesicherte Infektion mit SARS-CoV-2 durchgemacht haben, aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit der Impfstoffe nicht geimpft werden.

Robert Koch-Institut

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