GebärdenspracheLeichte SpracheAudioinhalteDownloads

Sprache wählen

Deutsch

Eine Seite des Bundesministeriums f. Gesundheit

Bundesministerium für Gesundheit
Erfahrungsberichte
10:59 Uhr · 18. Januar 2021

Hans-Jürgen, 61, aus Köln

Ausgiebig feierte der Ingenieur im Februar Karneval. Danach plagten ihn Husten und Fieber. Er ging trotzdem weiter zur Arbeit. Denn damals war noch nicht allgemein bekannt, wie gefährlich COVID-19 sein kann.

“Corona war für mich da noch eine weit entfernte Krankheit”

Meine Frau als Nixe, ich als Neptun, wir beide mit blauen Haaren: So zogen wir in den Kölner Karneval, wie jedes Jahr. Am Samstagabend gab es einen großen Ball im Brauhaus. Der Gewölbekeller war brechend voll, die Luft zum Schneiden dick, aber die Stimmung war großartig. Bis nachts um zwei waren wir dabei, haben Kölsch getrunken, die Lieder von Bläck Fööss mitgesungen, geschunkelt und gelacht.

Als ich am Montag darauf ein Kratzen im Hals spürte und etwas zu husten anfing, dachte ich mir nichts dabei. Eine Erkältung zieht man sich in der „fünften Jahreszeit“ schnell mal zu. Corona war für mich im Februar noch eine weit entfernte, exotische Krankheit. Ich ging deshalb auch wieder ganz normal zur Arbeit.

“Aus heutiger Sicht war das natürlich völlig unverantwortlich”

Selbst als mir am Mittwochmorgen so langsam der Kopf schwer wurde und ich mich ein wenig fiebrig fühlte, riss ich mich zusammen und schleppte mich während der Arbeit in eine wichtige Besprechung. Acht Leute in einem kleinen Konferenzzimmer. Und auch den 50. Geburtstag von meiner Schwester am folgenden Wochenende wollte ich nicht auslassen. Ich nahm ein paar Aspirin und ging auf ihre Feier, das war mir wichtig. 

Auch dort kamen wieder vierzig, fünfzig Menschen auf engstem Raum in einer Gaststätte zusammen. Aus heutiger Sicht war das natürlich völlig unverantwortlich.

In den folgenden Tagen wurde das Fieber höher und der Husten immer heftiger. Bald hatte ich Tag und Nacht lange Hustenanfälle, die mich erschöpften. Allmählich kam mir der Verdacht, dass es doch etwas anderes als ein grippaler Infekt sein könnte. Doch mein Hausarzt diagnostizierte eine Bronchitis. Ein Corona-Test war für ihn kein Thema. 

“Ich war frustriert, ja richtig wütend”

Daraufhin bat ich bei der Corona-Hotline unter der Nummer 116117 um einen Test. Doch da ich nicht aus einem Risikogebiet wie Ischgl oder Heinsberg kam, keine Vorerkrankungen hatte und auch niemanden mit Corona kannte, erfüllte ich die damaligen Kriterien nicht. Ich war frustriert, ja richtig wütend. 

Denn jetzt ließ auch noch mein Geschmackssinn nach. Außer „widerlich süß“ oder „ekelhaft salzig“ konnte ich nichts mehr schmecken. Damals war noch nicht bekannt, dass dies ein wesentliches Merkmal von Corona sein würde. Zum Glück klang ein paar Tage später das Fieber endlich wieder ab, und im Laufe der Zeit wurde es auch mit dem Husten besser. 

Erst nachdem es im Juni einen verlässlichen Antikörpertest gab, konnte ich mich im Nachhinein testen lassen. Und erst hiermit war für mich klar, dass ich tatsächlich Corona gehabt hatte. Mittlerweile fühle ich mich wieder ganz normal. Nur manchmal beschleicht mich die Sorge, was da noch kommen mag. Was, wenn ich Spätschäden davongetragen habe, die erst in ein, zwei Jahren zur Belastung werden? 

Das Robert Koch-Institut zu diesem Fall:

Hans-Jürgen infizierte sich im Kölner Karneval im Frühjahr 2020 und gehört damit zu den ersten Corona-Infizierten in Deutschland. Die AHA + L Regeln, Abstand halten, Hygiene-Maßnahmen beachten, Alltagsmaske tragen und Lüften, waren noch kein Allgemeinwissen. Wer getestet wird, legt die Nationale Teststrategie fest, die laufend aktualisiert wird. Gerade wenn PCR-Testkapazitäten knapp sind, können nicht alle auf COVID-19 getestet werden, die mit Erkältungssymptomen in eine Praxis kommen. Tests werden nur bei einem begründeten Verdacht durchgeführt, die AHA+L Regel gilt natürlich trotzdem.

Robert Koch-Institut

Das könnte Sie auch interessieren

Sigmar und Gabriele, beide 79, Berlin

Das Ehepaar erkrankt im Frühjahr an COVID-19. Sie erleben, wie unterschiedlich die Krankheit verlaufen kann.

Mehr erfahren

Eren, 18, aus Meerbusch

Der Schüler infizierte sich und seine Familie mit dem neuartigen Coronavirus. Angst hatte er aber nicht um sich - sondern um seinen chronisch kranken Vater.

Mehr erfahren

Revan, 29, aus Düsseldorf

Vor drei Jahren floh der angehende Informatiker aus dem Irak nach Deutschland. Im Herbst 2020 infizierte er sich mit dem Coronavirus.

Mehr erfahren