Bundesministerium für Gesundheit

Eine Seite des Bundesministeriums f. Gesundheit

Erfahrungsberichte
08:56 · 24. März 2021

Iris, 54, aus Lüneburg

Auch Wochen danach kann die Flötenlehrerin nicht frei spielen. Zu schwer fällt das tiefe Atmen.

Iris, 54, aus Lüneburg /

“Als hätte mir jemand den Stecker gezogen”

Iris, 54, wollte mit ihren Schüler:innen weihnachtliche Musik aufnehmen. Daraus wurde nichts: Ende Oktober erkrankte die Blockflötenpädagogin aus Lüneburg an Corona. Wo sie sich angesteckt haben könnte, weiß sie nicht. Sie kennt niemanden sonst der Corona hat.

Alles musste abgesagt werden

Hätte ich nicht wenigstens ein Wochenende später krank werden können? Die Corona-Infektion kam zu einem wirklich ungelegenen Zeitpunkt. Es war Freitag, der 30. Oktober, als ich das positive Testergebnis bekam. Dabei wollte ich am Samstag mit meinen Schülern eine Weihnachts-CD für die Alten- und Pflegeheime in Lüneburg aufnehmen. Als Ersatz für ein Adventskonzert. Ich hatte wahnsinnig viel Arbeit in die Planung gesteckt, alles musste abgesagt werden. 

Mehr als 40 Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen habe ich Bescheid gegeben, dass sie in meinem Unterricht womöglich doch einem Risiko ausgesetzt waren, sich anzustecken. Und dabei war ich so vorsichtig gewesen. Die Schüler kamen mit Maske und gewaschenen Händen zur Stunde, sie blieben an ihren Plätzen, wir haben Abstand gehalten, regelmäßig gelüftet. Als ich nach und nach erfuhr, dass kein Schüler krank wurde, war ich sehr erleichtert.

„Je schwächer ich mich fühlte, desto größer wurde die Angst.“

Meine eigene Infektion habe ich in den ersten Tagen kaum bemerkt. Ich schrieb meinen Schülern: “Keine Sorge, mir geht’s gut, nur etwas erkältet. Ab nächster Woche gehen wir in den Online-Unterricht.”  Doch plötzlich wurde es schlimmer. Ich bekam Fieber, hatte Hustenattacken, konnte nur noch flach atmen. Ich fühlte mich, als hätte mir jemand den Energie-Stecker gezogen.

Eigentlich bin ich ein sehr agiler Mensch, aber da ging gar nichts mehr. Bei den ersten kleinen Spaziergängen war ich nach kurzer Zeit so unglaublich erschöpft – ich kam mir vor wie eine Oma. 

Je schwächer ich mich fühlte, desto größer wurde die Angst. Es gab Nächte, in denen lag ich wach: Bekomme ich eine Lungenentzündung? Muss ich ins Krankenhaus? Ich fragte mehrere Ärzte um Rat, aber die sagten, man könnte nichts machen. Ich müsse abwarten. Das hat mich sehr verunsichert. Ich fühlte mich ohnmächtig. 

Das Robert Koch-Institut zu diesem Fall:

Iris hatte schwerwiegende Symptome, musste aber nicht im Krankenhaus behandelt werden. Als Flötistin ist die Lunge ihr tägliches Arbeitsinstrument. Deshalb fürchtete sie sich besonders davor, eine Lungenentzündung zu bekommen. Bisher haben 8.710 der in Deutschland gemeldeten Corona-Patient*innen eine Lungenentzündung entwickelt (Stand 24.11.2020). Das entspricht etwa 1 von 100 Corona-Erkrankten. Die Symptome, die Iris beschreibt, sind typisch: Vier von zehn Patienten klagen über Husten und drei von zehn über Fieber.

Robert Koch-Institut
Logo - Rober Koch Institut

Warum gerade ich?

Ich habe mich oft gefragt: Warum gerade ich? Was habe ich falsch gemacht? Ich habe keine Antwort darauf. Bis heute weiß ich nicht genau, bei wem ich mich angesteckt habe. Und zum Glück habe ich das Virus nicht weiter getragen, soweit ich weiß. 

Ich bin immer noch krankgeschrieben, aber mir geht es besser. Ich arbeite daran, dass ich wieder richtig Blockflöte spielen kann. Das ist mir sehr wichtig, schließlich ist das mein Beruf und das Instrument ist mein Werkzeug. Noch fällt es mir schwer, tief und geformt zu atmen, wie es fürs Blockflötespielen nötig ist. Aber ich bin zuversichtlich, dass ich bald wieder mit meinen Schülern spielen kann.

Das könnte Sie auch interessieren