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10:55 · 22. Dezember 2020

Joachim, 56, aus Homburg

Seit 30 Jahren fährt Joachim Ski. Doch das letzte Mal endet abrupt: In Ischgl steckt der Saarländer sich mit COVID-19 an ‒ und könnte sich jetzt schon wieder infizieren.

Joachim, 56, aus Homburg/

„Zunächst war alles gut”

Ich hab Glück gehabt, einfach nur Glück. Das ist mir heute klar. Im März war ich als einer der letzten Skifahrer in Ischgl. Als mein Kumpel und ich dort ankamen, nach einer stundenlangen Autofahrt aus dem Saarland, wurden dort die ersten Coronafälle bekannt. Aber es hieß noch: Keine Panik, alles sei unter Kontrolle. Über das neuartige Coronavirus wusste man ja auch noch nicht so viel. Also sind wir zunächst unbekümmert Ski gefahren. 

Aber abends beim Après-Ski gingen plötzlich die Lichter an. Was haben wir uns erschrocken! Alle Gäste mussten raus. Wir blieben trotzdem in Ischgl. Schließlich fuhren die Ski-Lifte weiter, auch Restaurants hatten noch auf. Langsam wurde es gespenstisch: Auf den Hütten wurden die Regale leer geräumt, immer mehr Menschen reisten ab. Wir hörten Gerüchte, das Tal werde abgeriegelt.

Schwindel, Müdigkeit, Hitzewellen

Jetzt  bekamen wir Angst und packten unsere Koffer. Zu spät. Wir hatten uns schon angesteckt. Kurz nachdem wir den Ort verließen, wurden Straßensperren errichtet, die Reiserückkehrer mussten ihre Personalien abgeben. Uns informierte aber niemand, wir hörten alles im Radio. Mein Kumpel bekam schon auf der Heimfahrt Schüttelfrost. 

Da war mir klar: Wenn er krank ist, bin ich es auch. Ich rief meine Familie an und sagte, sie müssten schnell zu meiner Schwiegermutter ziehen.

Zwei Tage später wurde ich getestet, weil ich bei meinem Arzt darauf bestand. Eigentlich sollten bloß die einen Test bekommen, die zu einer infizierten Person Kontakt hatten. Ischgl war noch nicht als Corona-Hotspot bekannt und mein Kumpel hatte natürlich noch keinen Befund. Er hatte aber inzwischen 40 Grad Fieber – und ich Angst, dass es bei mir auch so käme.

„Schon nach vier Monaten befanden sich keine Antikörper mehr in meinem Blut. Das macht mir Angst.“

Es blieb aber bei Schwindel, Müdigkeit, Hitzewellen und einem Kratzen im Hals. Mein Testergebnis bestätigte schließlich, was ich ahnte: positiv. Später nahm ich an einer Studie teil, für die Forscher jeden Monat das Blutplasma von Genesenen auf neutralisierende Antikörper untersuchen, die womöglich vor einer erneuten Infektion schützen. Zunächst war alles gut. 
Aber im Hochsommer erhielt ich die Nachricht, dass ich nicht mehr spenden müsse. Schon nach vier Monaten befanden sich keine Antikörper mehr in meinem Blut. Das macht mir natürlich Angst. Denn nun weiß ich nicht, ob ich mich noch einmal infizieren könnte. Ski fahren werde ich diesen Winter jedenfalls wohl nicht ‒ zum ersten Mal seit 30 Jahren. 


Zwar geht es mir wieder gut, aber mein Kumpel ist immer noch krank. Ich habe mich einer Sammelklage gegen die Verantwortlichen in Ischgl angeschlossen. Ich wünsche mir, dass deren Versagen aufgedeckt wird. Es war nämlich keineswegs alles unter Kontrolle.

Das Robert Koch-Institut zu diesem Fall:

Joachim wurde im März positiv auf das Coronavirus getestet und hatte bereits im Juli keine SARS-CoV-2-Antikörper mehr im Blut. Allerdings stützt sich die Immunabwehr gegen das Virus nicht nur auf Antikörper, sondern auch auf eine Immunabwehr über T-Zellen. Die Wissenschaft weiß noch nicht, wie lange man nach einer Corona-Infektion vor einer erneuten Ansteckung geschützt bleibt. Bisher gab es weltweit erst wenige Fälle einer erneuten Corona-Infektion. Dennoch bleibt es wichtig, sich auch nach durchgemachter Ansteckung weiter an die AHA+L Regeln zu halten.

Robert Koch-Institut
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