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Erfahrungsberichte
14:06 · 11. Dezember 2020

Laura, 38, aus Hamburg

Anfang März lädt die Flugbegleiterin einige Freunde nach Hause ein. Danach sind alle mit dem Coronavirus infiziert.

Laura, 38, aus Hamburg

„Das Virus hatte einen Volltreffer gelandet“

Nachher habe ich mich oft gefragt, wann es wohl passiert ist: Gleich am Anfang, bei der Begrüßung, als wir uns umarmten? Oder später, im Gespräch? Verbreitete sich das Virus einfach mit der Atemluft? 

Ich war am Morgen aus Washington gelandet. Nur wenige Stunden, nachdem der Flieger, in dem ich als Purserette arbeitete, die USA verlassen hatte, schloss Trump die Grenzen. Auch hierzulande stiegen die Infektionszahlen an. Aber es gab noch kein Abstandsgebot, keine Maskenpflicht, keine Kontaktbeschränkungen. Dann hätten wir uns bestimmt nicht mehr getroffen. Keiner von uns ahnte damals, welche Folgen dieser eigentlich doch so schöne Abend haben würde. 

Nur wenige Tage danach erhielt ich einen Anruf vom Gesundheitsamt: Ein Freund, der zu Gast gewesen war, sei positiv getestet worden. Da fühlte ich mich selbst schon matt, hatte heftige Gliederschmerzen. Mein Partner hatte ähnliche Beschwerden. Auch von den beiden anderen Gästen erreichten uns bald Krankmeldungen. Bei allen: Schmerzen. Es hatte schon auch etwas Komisches: Das Virus hatte einen Volltreffer gelandet.

„Man trifft sich nicht mehr einfach so.“

Am unangenehmsten war für mich, nicht mehr riechen und schmecken zu können. Ich wollte es anfangs gar nicht glauben, kochte extra scharf, besprühte mich mit Parfüm: nichts. Einmal biss ich schnell nacheinander in eine Zwiebel und in eine Grapefruit. Wieder: nichts. Bei meinem Partner sind Geruchs- und Geschmackssinn noch heute beeinträchtigt. 

Wir Freunde hielten uns damals per Messenger auf dem Laufenden, informierten uns über unser Befinden, trösteten einander. Die Quarantäne war gegen Ende wirklich zehrend. Als Flugbegleiterin bin ich ständig in der Welt unterwegs. Und nun waren wir zu zweit in unserer Wohnung eingesperrt, mussten Bekannte bitten, für uns einzukaufen. 

“Einfach mal wieder jemanden drücken”

Hinzu kam immer stärker die Sorge um den Job. Meine Freunde wussten in dem Moment genau, wie seltsam sich das alles anfühlt. Uns fünf hat die Zeit darum enger zusammengeschweißt. Gesehen aber haben wir uns seit dem „Tatabend“, so nennen wir die späten Stunden des 12. März mittlerweile, nicht mehr. 

Vielleicht ist das die gravierendste Langzeitfolge. Man trifft sich nicht mehr einfach so. Selbst im Sommer, als die Situation entspannter war als heute, habe ich mich bei Verabredungen stets gefragt: Ist das jetzt okay? Mir kann ja – eigentlich – nichts mehr passieren. Aber ich habe Sorge, das Virus selbst noch einmal weiterzutragen, an meine Eltern zum Beispiel. 

Und natürlich habe ich seit März bei Treffen auf Umarmungen verzichtet. Ich bin vorsichtig. Doch diese Nähe fehlt mir sehr. Erst neulich, als ich eine gute Freundin verabschiedete, dachte ich: Wie schön wäre es, sie jetzt einfach wieder mal in den Arm nehmen zu können. 

Das Robert Koch-Institut zu diesem Fall:

Laura hat sich im persönlichen Umfeld angesteckt: bei Freunden, die sie besucht haben. Ob es an der Umarmung oder einfach am Zusammensitzen am Tisch lag, weiss sie nicht. Lauras Geschichte illustriert, wie wichtig die AHA+L Regeln auch im privaten Bereich sind. Regelmäßiges Lüften kann Ansteckungen verhindern, wenn man sich länger (mehr als 30 Minuten) mit einer infizierten Person im gleichen Raum aufhält. Dies gilt auch, wenn die infizierte Person den Raum bereits verlassen hat.

Robert Koch-Institut
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