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Erfahrungsberichte
10:16 · 22. Dezember 2020

Markus, 49, aus Bad Harzburg

Joggen, Klettern, Skifahren ‒ der Betriebsingenieur liebte Sport. Doch jetzt reicht dafür die Kraft nicht mehr.

Markus, 49, aus Bad Harzburg /

“Ich dachte, das wird schon”

Es war ein Samstag im März und ich wollte meine übliche Runde laufen. Ein schöne Strecke zwischen Feldern, zehn Kilometer. Normalerweise kein Problem. Doch jetzt merkte ich: Mir fehlt die Power, ich bin mega angestrengt. Ich überprüfte meinen Puls: mehr als 150 Schläge die Minute, viel zu viel für mich. Ich musste abbrechen. 

Als ich in den nächsten Tagen Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber und eine leichte Übelkeit spürte, ahnte ich, dass ich mich im Skiurlaub zuvor mit Corona infiziert haben könnte. Ich hatte von Corona in den Medien gehört und gelesen. Ich ließ mich testen. Der Test war positiv, aber ich machte mir keine Sorgen. Ich hatte ja keine Vorerkrankungen und war topfit. 

Von Tag zu Tag ging es mir schlechter.

Mir wird zugute kommen, dass ich so sportlich bin. Das glaubte ich. Ich gehe schon seit zehn Jahren mehrmals die Woche joggen, mache Krafttraining, klettere regelmäßig. Ich dachte, das wird schon. Corona, das stecke ich weg, das wird ein bisschen wie eine Grippe vielleicht. Ungemütlich, aber nach ein paar Tagen bin ich wieder gesund. 

„Ich fühlte mich unendlich schwach“

Doch da lag ich falsch. Von Tag zu Tag ging es mir schlechter. Ich fühlte mich unendlich schwach. Jede Bewegung war wahnsinnig anstrengend. Es fühlte sich an, als würde die doppelte Schwerkraft auf meinen Körper wirken. Ich konnte kaum stehen. Also fuhr ich ins Krankenhaus.

Die Ärzte stellten fest, dass sich sehr wenig Sauerstoff in meinem Blut befand, viel zu wenig. Ich bekam eine Maske, durch die ich Sauerstoff einatmen konnte, und musste bleiben. Ich lag im Bett und informierte mich im Internet. Ich wollte wissen, wie viele Todesfälle es aufgrund von Corona in Goslar, wo ich im Krankenhaus lag,  mittlerweile gab. 

“Mein Körper kriegte gerade noch die Kurve”

Ich selbst hatte keine Todesangst, obwohl sich mein Zustand weiter verschlechterte. Ich entwickelte eine beidseitige Lungenentzündung. Zum Glück schaffte ich es aber, trotzdem einigermaßen zuversichtlich zu bleiben. Und mein Körper hat gerade noch mal die Kurve gekriegt. Mir ging es langsam besser. Nach 18 Tagen konnte ich wieder nach Hause, wo mich meine Familie versorgte.  

Mein Sport war nun: vom Sofa aufstehen, in die Küche gehen, Brot schmieren und zurück aufs Sofa. Ein paar Schritte nur, mehr ging nicht. Und es kamen neue Symptome hinzu. Ich legte eine Tabelle an, um den Überblick zu behalten. Dort trug ich alles ein, zum Beispiel Nachtschweiß, Kopfschmerzen, Tinnitus, Taubheit in den Oberarmen, Kribbeln in den Beinen. Diese Krankheit war für mich immer wieder neu.

Monatelang ging das so. Mit Ehrgeiz und eisernem Willen kann man ja beim Sport viel erreichen. Das war bisher einer meiner stärksten Antriebe. Jetzt half mir das überhaupt nicht mehr. Ich konnte dem Virus nichts entgegensetzen. Ich konnte nur warten. Ich war todtraurig und konnte überhaupt nicht verstehen, wie man nur so krank sein kann.

Heute, fast ein Dreivierteljahr später und nach einer mehrwöchigen Reha, kann ich wieder wenige Kilometer joggen. Nur sehr langsam und unter großer Anstrengung zwar, aber: immerhin laufen! 

 

Das Robert Koch-Institut zu diesem Fall:

Markus war sportlich und gesund. Und doch hat ihn COVID-19 aus der Bahn geworfen. Im Krankenhaus wurde er 16 Tage lang mit Sauerstoff versorgt. Das ist kein typischer Verlauf für einen sportlichen jungen Mann, zeigt aber, wie tückisch das Virus ist und wie lange eine Infektion nachwirken kann. Es gibt Menschen, die sich schon Anfang des Jahres mit SARS-CoV-2 infiziert haben und noch heute berichten, dass sich der Geruchs- oder Geschmackssinn bisher nicht normalisiert hat. Die Langzeitfolgen von COVID-19-Erkrankungen werden auch “Long-COVID” genannt. Im Moment gibt es nur wenige Studienergebnisse zu Long-COVID, doch wird das Phänomen von Experten genau beobachtet.

Robert Koch-Institut
Logo - Rober Koch Institut
Das Wachstum der Fallzahlen auf Intensivstationen

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