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Erfahrungsberichte
13:29 · 4. Dezember 2020

Mateo, 24, aus Durmersheim

Feiern, tanzen! Darauf hatte der Krankenpfleger im Urlaub Lust. Der Preis dafür war hoch.

Mateo, 24, Krankenpfleger aus Durmersheim /

“Es schmeckt, als hätte ich Kleingeld im Mund”

Krankenpfleger Mateo, 24, aus Durmersheim wollte im Urlaub feiern. Zurück kam er mit dem Virus – und kann seither kaum etwas riechen oder schmecken.

Wir hatten Spaß

Bei einem Kaffee habe ich gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Ich erinnere mich noch genau: Es war gegen 7 Uhr, ein Mittwoch im August. Wie jeden Morgen machte ich mir eine Tasse Kaffee, etwas Milch dazu. Aber: Ich schmeckte plötzlich nichts mehr. Gar nichts. Auch riechen konnte ich null, obwohl meine Nase nicht verstopft war. Ich googelte. Und ahnte, was los war. 

Zuvor war ich mit meinem Bruder und einem Freund im Urlaub gewesen. Tagsüber waren wir am Strand, in der Nacht machten wir Party in den Clubs. Dort gab es nur wenige Sicherheitsvorkehrungen. Das Personal hat zwar Fieber gemessen und am Eingang musste man sich die Hände desinfizieren, aber drinnen war es sehr voll. Kein Abstand, keine Maske. Aber wir hatten Spaß. 

Ich fand die Maßnahmen übertrieben

Es lief Techno. Natürlich wusste ich, dass man sich hier mit dem Virus anstecken könnte. Aber ich dachte mir: Ich will entspannen und nicht die ganze Zeit an Corona denken. Außerdem habe ich damals skeptisch auf die Maßnahmen in Deutschland geblickt. Beim ambulanten Pflegedienst, wo ich arbeite, mussten wir vieles beachten, Schutzkleidung und Masken tragen. Das hat die Arbeit ziemlich behindert. Übertrieben, dachte ich, so wie viele meiner Kollegen. 

Kurz nach unserer Rückkehr aus dem Urlaub rief mich mein Kumpel an. Er sagte: Du, pass auf, wir waren im Urlaub mit einer Person in Kontakt, die positiv getestet wurde. Ich habe darauf gelassen reagiert, hatte ja keine Symptome. Erst ein paar Tage später, am Mittwochmorgen, als ich dann plötzlich nichts mehr schmeckte und nichts mehr roch, habe ich mich testen lassen. Das Ergebnis: positiv. 

Das Robert Koch-Institut zu diesem Fall:

Mateo hatte nur wenige Symptome, wie viele Menschen, die sich mit dem Coronavirus infizieren. Er war aufmerksam: Die Störung seines Geschmacks- und Geruchssinns ist ein typisches Corona-Symptom. Bei seiner Arbeit muss er besonders vorsichtig sein, damit er ältere Menschen nicht ansteckt. Ab einem Alter von 60 Jahren steigt die Wahrscheinlichkeit, dass die Krankheit einen schweren Verlauf nimmt und die Erkrankten sterben. Durch den engen körperlichen Kontakt sind Pflegekräfte selbst besonders gefährdet, sich anzustecken. Für das Gesundheitssystem als Ganzes ist es wichtig, dass Pflegekräfte gesund bleiben. Sie sind systemrelevant. 

Robert Koch-Institut
Projektgruppe Wissenschaftskommunikation
Logo - Rober Koch Institut

Nach einigen Minuten ist der eklige Geruch weg. Und ich rieche wieder – nichts.

Sorgen machte ich mir noch nicht. Im Gegenteil. Ich dachte: Gut, jetzt kann ich den Leuten erzählen, dass die Krankheit nicht so schlimm ist. Doch dann waren zwei Wochen vorbei, drei, vier. Ich wartete, aber Geschmack und Geruch kamen einfach nicht wieder. Erst nach etwa zweieinhalb Monaten konnte ich wieder etwas wahrnehmen. Aber nicht wie früher: Betrete ich einen neuen Raum, riecht er für mich wie eine volle Raucherkneipe. Nach einigen Minuten ist der eklige Geruch weg. Und ich rieche wieder – nichts. 

Und wenn ich etwas esse, schmeckt es nach Metall. Ungefähr so, als hätte ich Kleingeld im Mund. Ich sehne mich so sehr nach gutem Essen, mittlerweile habe ich einige Kilo abgenommen und sogar schon von leckerer Lasagne geträumt. Wenn ich heute jemanden treffe, erzähle ich von meiner Erkrankung und den Folgen. Ich will, dass die Leute sich besser schützen. 

Aber viele verstehen das Problem nicht. Sie verstehen nicht wie es ist, ohne Duft und Geschmack zu leben. 

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