Sprache wählen

Deutsch

Eine Seite des Bundesministeriums f. Gesundheit

Bundesministerium für Gesundheit
Erfahrungsberichte
08:38 · 8. Dezember 2020

Peggy, 46, aus Appenweier

Die Krankenschwester infizierte sich bei einer Nachtschicht im Pflegeheim. Ihre Kollegin starb.

Peggy, 46, aus Appenweier /

 „Ich habe Angst vor einer zweiten Infektion“

In einer Nacht im März infizierte sich die Krankenschwester Peggy, 46, aus Appenweier in einem Pflegeheim. Sie überstand die Infektion, doch sie macht ihr Angst: Ihre Kollegin starb.

Die kranke Bewohnerin tat mir leid

Es war der 20. März, ein Freitag. Ich hatte Nachtdienst, aber ich fuhr schon mittags ins Pflegeheim, weil ich noch Bürokram zu erledigen hatte. Normalerweise geht es bei uns recht ruhig zu, aber an diesem Tag herrschte Aufregung: Eine Bewohnerin hatte Corona-Symptome. Ihr Hausarzt hatte sie schon getestet, das Ergebnis stand noch aus. Abends hatten viele andere Bewohner auf der Station schon Fieber. 

Ich sollte eine neue Kollegin einarbeiten. Wir waren zu dritt im Dienst und teilten uns auf: Eine Kollegin kümmerte sich um die Bewohner im ersten Stock, dort hatte noch niemand Symptome. Ich ging mit der Neuen in den zweiten Stock, wo auch die Bewohnerin mit den Symptomen isoliert in einem Bett lag. Schon seit Tagen durfte sie nicht mehr in den Wohnbereich und war total verunsichert. Sie tat mir leid. In dieser Nacht ging ich so oft wie möglich zu ihr. 

Sterberisiko bei Patienten wird erhöht

Ich bekam Fieber und Atemnot

Zwei Tage später, am Sonntag, war das Ergebnis da: Die Frau war positiv. Und auch ich bekam die ersten Beschwerden, trockenen Husten und Kopfschmerzen. Nicht schlimm. Trotzdem rief ich vorsichtshalber meinen Hausarzt an. „Meine Liebe, bleiben Sie daheim!“, sagte mein Arzt. Da hatte ich mittlerweile fast 39 Fieber. Ich ging in Quarantäne und am Donnerstag lag auch mein Testergebnis vor: ebenfalls positiv. 

Einen Tag später ging es mir richtig schlecht. Ich bekam 40 Grad Fieber und Atemnot, immer schlimmer. Irgendwann sagte meine Tochter: „Mama, du stirbst nicht, oder?“ 

In diesem Moment habe ich erst begriffen, wie ernst es war. Tagelang bekam ich kaum Luft, aber ins Krankenhaus wollte ich nicht. Mein Hausarzt gab mir Asthmaspray. Das sollte ich dreimal am Tag nehmen, gefühlt habe ich es 30 Mal am Tag benutzt. Langsam wurde es besser. Auch heute, acht Monate später, merke ich die Erkrankung noch. Manche Aktivitäten im Alltag strengen mich mehr an als vorher, ich bin schneller müde. 

Das Robert Koch-Institut zu diesem Fall:

Peggy arbeitet als Altenpflegerin in einem systemrelevanten Beruf. Pflegerinnen wie sie sind durch den engen Kontakt zu den Heimbewohner*innen gefährdet, sich anzustecken. 35 von 100 gemeldeten COVID-19-Fälle betreffen das Personal. Pflegebedürftige Menschen sind auf ihre Unterstützung angewiesen. Gleichzeitig sind sie jedoch besonders gefährdet von ihnen angesteckt zu werden. Die Fallzahlen unter den betreuten Menschen in Einrichtungen steigt weiter. Als besondere Risikogruppen sind alte Menschen und Pflegende besonders auf die COVID-19-Impfung angewiesen.

Robert Koch-Institut

„Ich finde es furchtbar, wenn Menschen die Maske verweigern oder sie unter der Nase tragen.”

Die Folgen meiner Erkrankung machen mir Angst. Auch deshalb finde ich es furchtbar, wenn Menschen die Maske verweigern oder sie unter der Nase tragen. Angehörige, die so ins Pflegeheim kommen, fordere ich auf, die Regeln einzuhalten. Wenn sich die Leute  gefährden wollen, dann sollen sie das machen. Aber nicht bei uns im Heim, wo die meisten Bewohner geschwächt sind! 

Ich hatte von Anfang an Respekt vor diesem Virus. Zwar verkrieche ich mich deshalb nicht zuhause. Ich gehe raus, treffe Freunde. Aber ich bin viel achtsamer und vorsichtiger geworden. Ich will mich nicht ein zweites Mal infizieren. Denn ich weiß: Ich habe noch Glück gehabt. Meine Kollegin, die mit mir und der neuen Mitarbeiterin im März Dienst hatte, ist im Juni gestorben. 

Sie hatte eine angeborene Herzkrankheit. Trotzdem war sie fit. Sie infizierte sich vermutlich auch in jener Nacht. Sie wurde nur 55 Jahre alt.

Das könnte Sie auch interessieren

Bianca, 34, aus Berlin

Sie hat Multiple Sklerose - und fühlt sich seit ihrer Corona-Infektion oft sehr erschöpft.

Mehr erfahren

Julia, 26, aus Amberg

Die Sozialpädagogin kämpft mit seltenen Corona-Folgen. Das Virus greift ihr Gehirn an.

Mehr erfahren

Mateo, 24, aus Durmersheim

Feiern, tanzen! Darauf hatte der Krankenpfleger im Urlaub Lust. Der Preis dafür war hoch.

Mehr erfahren