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Erfahrungsberichte
10:31 · 18. Januar 2021

Revan, 29, aus Düsseldorf

Vor drei Jahren floh der angehende Informatiker aus dem Irak nach Deutschland. Im Herbst 2020 infizierte er sich mit dem Coronavirus.

“Auf einmal wurde mir sehr warm”

Ich konnte nicht einschlafen, machte mir Sorgen um meine Zukunft. Es ist nicht leicht als Flüchtling in Deutschland. Auf einmal wurde mir sehr warm. Als hätte ich einen Fieberschub, einfach so, aus dem Nichts. Es war 3.30 Uhr, eine Nacht Ende Oktober. Ich weiß das noch ganz genau: Ich stand auf und öffnete das Fenster. Frische Luft! Ich atmete tief ein und aus. 

Dann ging ich ins Bad. Wasser ins Gesicht! Ich sah mich im Spiegel an – meine Augen waren rot. Geschlafen habe ich in der Nacht nicht mehr. Am Morgen ging ich wie jeden Tag in die Sprachschule, in der ich Deutsch lerne. Als meine Lehrerin mich sah, schickte sie mich sofort nach Hause. Erst jetzt ahnte ich, was ich hatte: Corona. Und eine Sorge mehr. 

Ein paar Tage zuvor war ich tagsüber mit einem Freund unterwegs gewesen. Er hustete und hustete. Ich sagte ihm: „Das ist nicht gut. Vielleicht hast du Corona.“ Er ließ sich dann testen und hatte tatsächlich das Coronavirus. Vermutlich habe ich mich also bei ihm angesteckt. Ich ging zu meinem Hausarzt, dort wurde ein Corona-Abstrich gemacht. Kurz darauf hatte auch ich das Ergebnis.

“Das Virus bremste mich aus”

Ich ärgerte mich über das positive Testergebnis, weil ich jetzt ja zuhause bleiben musste. Dabei stand doch eine wichtige Deutsch-Prüfung an: für das Sprachzertifikat B1. Ich hatte mich seit Wochen darauf vorbereitet. Und ich brauche den Nachweis so dringend. Vor drei Jahren bin ich aus dem Irak nach Deutschland geflohen. Ich will mein Studium der Informatik fortsetzen. 

Voraussetzung für das Studium ist das Sprachniveau C1. Deshalb pauke ich Deutsch, jeden Tag. Die Prüfung hätte mich meinem Ziel näher gebracht. Aber das Virus bremste mich aus. Mir blieb nichts anderes übrig, als mich zurückzuziehen. Am Anfang hatte ich viele Symptome, zum Beispiel Halsschmerzen, Muskelkrämpfe in den Beinen, ein Stechen in der Brust.

“Zwei Bekannte sind schon am Virus gestorben”

Mir hat das alles keine Angst gemacht. Ich fühlte mich sicher, mir würde nichts passieren, dachte ich. Ich war ja in Deutschland. Hier gibt es eine gute medizinische Versorgung. Ich fühle mich hier, trotz der dramatischen Entwicklung, gut aufgehoben. Ganz anders als in meinem Heimatland Irak. Dort sind schon zwei Bekannte von mir am Coronavirus gestorben. 

Glücklicherweise hatte ich nur einen leichten Verlauf. Ich ruhte mich ein paar Tage aus, trank Ingwertee und atmete Wasserdampf ein, wie bei einer Erkältung. Nach einigen Tagen konnte ich sogar etwas Sport zu Hause machen. Nur das Stechen in der Brust blieb. Aber auch das verschwand später.

Vor ein paar Tagen habe ich endlich meine Deutschprüfung nachholen können. Das Ergebnis habe ich noch nicht – aber ich habe ein sehr gutes Gefühl.

Das Robert Koch-Institut zu diesem Fall:

Revan hatte einen leichten Verlauf. Die COVID-19-Erkrankung traf ihn in einer wichtigen Lebensphase, kurz vor seiner Deutschprüfung. Das zeigt die gesellschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie. Revan entschied sich richtig, ließ sich nach den ersten Symptomen schnell testen und begab sich in Isolation. So schützte er sein Umfeld und die anderen Schüler*innen in seinem Deutschkurs.

Robert Koch-Institut
Logo - Rober Koch Institut

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