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Corona-Wissen
13:24 · 20. September 2021

Kontakte mit älteren Menschen in der Coronavirus-Pandemie gestalten

Um die Ausbreitung der Coronavirus-Varianten zu verringern, ist weiterhin Vorsicht und Rücksichtnahme geboten. In diesem Artikel erfahren Sie, worauf Sie beim Kontakt mit älteren Mitmenschen achten sollten.

Schützen Sie sich und andere durch die Impfung

Eine Infektion mit dem Coronavirus sollte man immer ernst nehmen. Dennoch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Verlauf von COVID-19 gerade bei sogenannten Risikogruppen. Insbesondere ältere Menschen können, bedingt durch das weniger gut reagierende Immunsystem, nach einer Infektion schwer erkranken. Sie und ihre Angehörigen mussten daher zu Beginn der Pandemie, als noch kein COVID-19-Impfstoff und später nur eine begrenzte Menge davon zur Verfügung stand, starke Einschränkungen in Kauf nehmen und die sozialen Kontakte auf ein absolutes Minimum reduzieren. Eine herausfordernde Zeit, die viele Familien mit regelmäßigen Telefonaten oder Videogesprächen überbrückt oder sich Briefe oder eine Postkarte geschickt haben. Inwiefern Ältere und ihre Angehörigen auch jetzt noch vorsichtig sein sollten, selbst wenn sie und viele Mitmenschen bereits gegen das Coronavirus geimpft sind, erfahren Sie in diesem Artikel.

Ältere Menschen gehören zur Corona-Risikogruppe

Alle Menschen können sich mit dem Coronavirus infizieren. Einige Bevölkerungsgruppen haben aber ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der Krankheit COVID-19. Schon seit Beginn der Coronavirus-Pandemie in Deutschland ist bekannt, dass grundsätzlich alle Menschen einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, deren Abwehrkräfte geschwächt sind. Dazu zählen neben Menschen mit Vorerkrankungen vor allem ältere Menschen, denn das Immunsystem ist im Alter nicht mehr so stark wie in jüngeren Jahren. Das Risiko einer schweren Erkrankung steigt ab 50 bis 60 Jahren stetig mit dem Alter an. 

Hinzu kommt, dass ein gesundes Immunsystem mit Symptomen wie Fieber auf eine Infektion reagiert. In höherem Alter können diese Symptome schwächer oder gar nicht auftreten, wodurch Erkrankte die Infektion in einigen Fällen nicht sofort bemerken und erst spät zum Arzt gehen. Auch eine späte Diagnosestellung kann zu einem schweren Verlauf der Krankheit beitragen. Um das Infektionsrisiko zu minimieren wurde älteren Menschen daher zu Beginn der Pandemie geraten, ihre Kontakte möglichst auf ein Minimum zu reduzieren und sich nicht mit Kindern oder Enkeln zu treffen. Grundsätzlich gilt noch immer: Je weniger Menschen man begegnet, desto geringer ist das Infektionsrisiko. 

Schutz für Ältere durch die Corona-Schutzimpfung

Die beste Möglichkeit, sich vor einem schweren, schwersten oder sogar tödlichen COVID-19-Verlauf zu schützen, ist die Corona-Schutzimpfung. Da Seniorinnen und Senioren – insbesondere Personen über 80 und Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen – ein besonders hohes Risiko haben, schwer zu erkranken, wurden sie zum Impfstart im Dezember 2020 mit höchster Priorität geimpft. Dank des Impffortschritts konnten allen Menschen über 80 Jahren und allen Pflegeheimbewohnerinnern und –bewohnern ein Impfangebot gemacht werden. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass so sehr viele schwere Krankheitsverläufe sowie Todesfälle verhindert werden konnten. 

Schwächere Immunantwort nach COVID-19-Impfung bei Älteren

Dennoch sind deutschlandweit vereinzelt Corona-Ausbrüche in Pflegeheimen trotz vollständiger Impfung der Bewohnerinnen und Bewohner aufgetreten. Ein Forschungsteam der Charité hat dieses Phänomen näher untersucht und herausgefunden, dass das Immunsystem von alten Menschen offenbar nicht ganz so effizient auf die Impfung reagiert wie das von jüngeren. Bei Älteren falle die Immunantwort nach der Impfung etwas schwächer aus, die hohe Wirksamkeit der Impfung komme daher bei alten Menschen manchmal nicht voll zum Tragen, so die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Deshalb könne es nach der Impfung in Einzelfällen noch zu Infektionen kommen, wobei die Krankheitsverläufe deutlich milder seien. 

Aufgrund einer reduzierten oder schnell nachlassenden Immunantwort nach einer vollständigen COVID-19-Impfung bei immungeschwächten Patientinnen und Patienten, Höchstbetagten und Pflegebedürftigen soll seit September 2021 im Sinne einer gesundheitlichen Vorsorge in Pflegeeinrichtungen, Einrichtungen der Eingliederungshilfe und weiteren Einrichtungen mit vulnerablen Gruppen eine Auffrischungsimpfung mit einem mRNA-Impfstoff angeboten werden. Dies gilt auch für Personen mit Immunschwäche oder Immunsuppression sowie Pflegebedürftige in ihrer eigenen Häuslichkeit und Höchstbetagte (ab 80 Jahre). Die Impfungen können von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten oder von (mobilen) Teams der Impfstellen vorgenommen werden und sollten in der Regel sechs Monate nach Abschluss der ersten Impfserie erfolgen.

Zudem ist auch der Impfschutz der Kontaktpersonen besonders wichtig, um diese besonders gefährdete Risikogruppe besser zu schützen, betonen die Forschenden. Außerdem sollten Pflegepersonal und Besucherinnen und Besucher stets die Hygienemaßnahmen einhalten und sich testen lassen, bevor sie Kontakt mit Älteren haben. 

AHA-Formel gilt weiterhin – auch für Geimpfte 

Auch wenn das Risiko, sich oder andere Menschen mit dem Coronavirus zu infizieren, bei Geimpften und Genesenen deutlich reduziert ist, besteht das Restrisiko einer Erkrankung. Deshalb sollten alle Menschen weiterhin die AHA-Formel beachten, die sich aus Abstand, Hygiene und Alltag mit Maske zusammensetzt: 

  • Abstand halten: Unterwegs, beim Einkaufen oder beim Spaziergang im Park auf 1,5 Meter Mindestabstand zu unseren Mitmenschen achten.

  • Hygiene beachten: Die Hygieneregeln in Bezug auf Niesen, Husten und Händewaschen befolgen.

  • Alltag mit Maske: Dringend empfohlen wird das Tragen von Masken an Orten, an denen es schwer werden kann, den Mindestabstand zu anderen immer einzuhalten. Zum Schutz von umstehenden Personen haben die Bundesländer Vorschriften für das Tragen sogenannter OP-Masken oder auch Masken der Standards FFP2 oder KN95/N95 im öffentlichen Personennahverkehr und beim Einkauf erlassen. Bitte beachten Sie die Regelungen an Ihrem Ort. Wer eine Maske trägt sollte dennoch darauf achten, Abstand zu anderen Menschen zu halten. 

Da sich Coronaviren auch über Aerosole (also Gemischen aus Gasen und feinsten flüssigen und festen Schwebstoffen, die beim Sprechen entstehen und beim Ausatmen in die Umwelt gelangen) verbreiten können, sollte auch auf eine gute Belüftung in Innenräumen geachtet werden. Der Luftaustausch verringert das Risiko einer Ansteckung. So ergibt sich die AHA+L-Formel, wobei das L für Lüften steht. Eine sinnvolle digitale Ergänzung ist zudem die Corona-Warn-App.

Wie Besuche in Heimen geregelt sind

In Pflegeheimen sind Besuche möglich.In Heimen gilt in der Regel eine Test- und Maskenpflicht. Seit dem 23. August 2021 gilt zudem eine bundesweite verbindliche Testpflicht im Rahmen der 3G-Regel als Voraussetzung für einen Besuch in Krankenhäusern, Alten- und Pflegeheimen. Alle Personen, die weder vollständig Geimpfte noch Genesene sind, sind dann zur Vorlage eines negativen Antigen-Schnell- oder PCR-Tests verpflichtet. Ein Schnelltest darf nicht älter als 24 Stunden sein, ein PCR-Test nicht älter als 48 Stunden. Ausgenommen sind Kinder bis zum 6. Lebensjahr sowie Schülerinnen und Schüler, welche bereits im Rahmen des verbindlichen Schulkonzepts regelmäßig getestet werden. Welche Regelungen darüber hinaus gelten – z. B. möglicherweise beschränkte Besuchszeiten – können Sie in den einzelnen Einrichtungen erfragen. Für das Personal in Alten- und Pflegeeinrichtungen ist beim Kontakt mit den Bewohnerinnen und Bewohnern eine FFP2-Maskenpflicht sowie eine verpflichtende Testung mehrmals pro Woche vorgesehen. Regelmäßige Corona-Tests sind ebenso für das Personal in mobilen Pflegediensten wichtig.

Ansteckungsrisiken minimieren

Um eine Tröpfcheninfektion zu unterbinden, wurden in vielen Heimen z. B. an den Tischen der Besuchszimmer Plexiglasscheiben installiert. Auch Spaziergänge sind wieder erlaubt, da das Ansteckungsrisiko unter freiem Himmel geringer ist als in geschlossenen Räumen. Doch auch hier sollte sicherheitshalber auf einen Mindestabstand von 1,5 Metern geachtet werden. Zudem gilt in vielen Heimen bei Besuchen eine generelle Maskenpflicht für beide Seiten. Empfohlen werden auch hier sogenannte OP-Masken oder auch Masken der Standards FFP2 oder KN95/N95. Das sind Vorsichtsmaßnahmen, an denen sich grundsätzlich auch orientieren kann, wer über private Treffen nachdenkt. 

Private Besuche bei Oma und Opa 

Grundsätzlich können sich Familien wieder mit den Großeltern verabreden, sofern entsprechende Schutzmaßnahmen beachtet werden. Doch je mehr Besucherinnen und Besucher empfangen werden, desto größer ist das Risiko, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Bei der sogenannten Delta-Variante ist die Gefahr andere zu infizieren noch höher, weil sie ansteckender und leichter übertragbar ist als die Variante Alpha. Auch wenn man an sich selbst keine Symptome bemerkt und geimpft oder genesen ist, kann man sich unwissentlich infiziert haben. Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen über mögliche Risiken, wenn Sie über ein Treffen nachdenken.

Corona-Schnelltest und beschränkte Personenzahl bei privaten Zusammenkünften

Schnelltests können zusätzliche Sicherheit geben und helfen, die Risiken einer Infektion zu senken. Lassen Sie sich daher am besten unmittelbar vor einem anstehenden Treffen testen. Bis zum 10. Oktober übernimmt der Bund die Kosten für ein regelmäßiges kostenloses Testangebot. Beachten Sie trotzdem, dass das Ergebnis keine vollständige Sicherheit bietet und nur eine Momentaufnahme darstellt. Beachten Sie auch die geltenden Corona-Regelungen. Eine Übersicht finden Sie hier.

Was man für seine Gesundheit generell tun kann

Gesundheitsexpertinnen und -experten empfehlen auch in der Zeit der Coronavirus-Pandemie grundsätzlich all das, von dem wir schon immer wussten, dass es gut für uns ist. Besonders jetzt ist die Zeit, sich wirklich daran zu halten: nicht Rauchen, Alkohol nur in Maßen trinken, Sport und Fitness im Rahmen der Möglichkeiten und auf eine gesunde Ernährung achten. Auch soziale Kontakte, im Rahmen der Möglichkeiten, tragen zum Wohlbefinden bei. 

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