Bundesministerium für Gesundheit
Corona-Wissen
16:02 · 22. Dezember 2021

Kontakte mit älteren Menschen in der Corona-Pandemie gestalten

Um die Ausbreitung des Coronavirus und seiner Varianten zu verringern, ist weiterhin Vorsicht und Rücksichtnahme geboten – gerade bei gefährdeten Personen. In diesem Artikel erfahren Sie, worauf Sie beim Kontakt mit älteren Mitmenschen achten sollten.

Schützen Sie sich und andere durch die Impfung

Eine Infektion mit dem Coronavirus sollte man immer ernst nehmen. Dennoch erhöht sich die Wahrscheinlichkeit für einen schweren Verlauf von COVID-19 gerade bei sogenannten Risikogruppen. Insbesondere ältere Menschen können, bedingt durch das weniger gut reagierende Immunsystem, nach einer Infektion schwer erkranken. Sie und ihre Angehörigen mussten daher zu Beginn der Pandemie, als noch kein COVID-19-Impfstoff zur Verfügung stand, starke Einschränkungen in Kauf nehmen und soziale Kontakte auf ein absolutes Minimum reduzieren. Inwiefern Ältere und ihre Angehörigen auch jetzt noch vorsichtig sein sollten, selbst wenn sie und viele Mitmenschen bereits gegen das Coronavirus geimpft sind, erfahren Sie in diesem Artikel.

Ältere Menschen gehören zur Corona-Risikogruppe

Alle Menschen können sich mit dem Coronavirus infizieren. Einige Bevölkerungsgruppen haben aber ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf der Krankheit COVID-19. Schon seit Beginn der Coronavirus-Pandemie in Deutschland ist bekannt, dass grundsätzlich alle Menschen einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, deren Abwehrkräfte geschwächt sind. Dazu zählen neben Menschen mit Vorerkrankungen vor allem ältere Menschen, denn das Immunsystem ist im Alter nicht mehr so stark wie in jüngeren Jahren. Das Risiko einer schweren Erkrankung steigt ab 50 bis 60 Jahren mit dem Alter stetig an. 

Hinzu kommt, dass ein gesundes Immunsystem mit Symptomen wie Fieber auf eine Infektion reagiert. In höherem Alter können diese Symptome schwächer oder gar nicht auftreten, wodurch Erkrankte die Infektion in einigen Fällen nicht sofort bemerken und erst spät zum Arzt gehen. Auch eine späte Diagnosestellung kann zu einem schweren Verlauf der Krankheit beitragen. Um das Infektionsrisiko zu minimieren wurde älteren Menschen daher zu Beginn der Pandemie geraten, ihre Kontakte möglichst auf ein Minimum zu reduzieren und sich nicht mit Kindern oder Enkeln zu treffen. Grundsätzlich gilt noch immer: Je weniger Kontakte man hat, desto geringer ist das Infektionsrisiko. 

Schutz für Ältere durch die Corona-Schutzimpfung

Die beste Möglichkeit, sich vor einem schweren, schwersten oder sogar tödlichen COVID-19-Verlauf zu schützen, ist die Corona-Schutzimpfung. Da Seniorinnen und Senioren – insbesondere Personen über 80 und Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen – ein besonders hohes Risiko haben, schwer zu erkranken, wurden sie zum Impfstart im Dezember 2020 mit höchster Priorität geimpft. Der größte Teil der Pflegebedürftigen ist vollständig gegen COVID-19 geimpft. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass so sehr viele schwere Krankheitsverläufe sowie Todesfälle verhindert werden konnten. 

Langfristiger Impfschutz mit der Booster-Impfung

Dennoch sind deutschlandweit vereinzelt Corona-Ausbrüche in Pflegeheimen trotz vollständiger Impfung der Bewohnerinnen und Bewohner aufgetreten. Ein Forschungsteam der Charité hat dieses Phänomen näher untersucht und herausgefunden, dass das Immunsystem von alten Menschen offenbar nicht ganz so effizient auf die Impfung reagiert wie das von jüngeren. Bei Älteren falle die Immunantwort nach der Impfung etwas schwächer aus, die hohe Wirksamkeit der Impfung komme daher bei alten Menschen manchmal nicht voll zum Tragen, so die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Bei bestimmten Personengruppen kann es zudem zu einer reduzierten oder schnell nachlassenden Immunantwort nach einer vollständigen COVID-19-Impfung kommen. Man kann sich daher auch nach einer vollständigen Impfserie noch mit Corona infizieren, wobei die Krankheitsverläufe meist deutlich milder verlaufen.  

Um den Impfschutz langfristig aufrecht zu erhalten, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) grundsätzlich allen Personen ab 18 Jahren eine Auffrischungsimpfung, auch Booster-Impfung genannt. Für immungeschwächte Patientinnen und Patienten, Höchstbetagte und Pflegebedürftige ist eine Booster-Impfung besonders wichtig. Die Auffrischungsimpfung soll ab 3 Monaten Abstand zur Zweitimpfung erfolgen. Die Impfungen können von niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten, von (mobilen) Teams der Impfstellen, in den Impfzentren oder auch von Betriebsärztinnen und Betriebsärzten vorgenommen werden. Zusätzlich soll es bald auch Apothekerinnen und Apothekern, Zahnärztinnen und Zahnärzten sowie Tierärztinnen und Tierärzten ermöglicht werden, Corona-Impfungen durchzuführen und das Impftempo so weiter erhöht werden.

Mehr Informationen zu den Auffrischungsimpfungen finden Sie hier und in diesem Artikel.

AHA-Formel gilt weiterhin – auch für Geimpfte und Genesene

Auch wenn das Risiko, sich oder andere Menschen mit dem Coronavirus zu infizieren, bei Geimpften und Genesenen deutlich reduziert ist, besteht das Restrisiko einer Erkrankung. Deshalb sollten alle Menschen weiterhin die AHA-Formel beachten, die sich aus Abstand halten, Hygieneregeln beachten und Alltag mit Maske zusammensetzt: 

  • Abstand halten: Unterwegs, beim Einkaufen oder beim Spaziergang im Park auf 1,5 Meter Mindestabstand zu den Mitmenschen achten.
  • Hygiene beachten: Niesen und Husten in ein Papiertaschentuch oder in die Armbeuge sowie gründliches und regelmäßiges Händewaschen.
  • Alltag mit Maske: Dringend empfohlen wird das Tragen von Masken an Orten, an denen es schwer werden kann, den Mindestabstand zu anderen immer einzuhalten. Zum Schutz von umstehenden Personen haben die Bundesländer Vorschriften für das Tragen sogenannter OP-Masken oder auch Masken der Standards FFP2 oder KN95/N95 im öffentlichen Personennahverkehr und beim Einkauf erlassen. Bitte beachten Sie die Regelungen an Ihrem Ort. Wer eine Maske trägt sollte dennoch darauf achten, Abstand zu anderen Menschen zu halten. 

Da sich Coronaviren auch über Aerosole (Gemischen aus Gasen und feinsten flüssigen und festen Schwebstoffen, die beim Sprechen entstehen und beim Ausatmen in die Umwelt gelangen) verbreiten können, sollte auch auf eine gute Belüftung in Innenräumen geachtet werden – besonders, wenn wir uns in der kalten Jahreszeit dort wieder vermehrt aufhalten. Regelmäßiger Luftaustausch verringert das Risiko einer Ansteckung. So ergibt sich die AHA+L-Formel, wobei das L für Lüften steht. Außerdem sinnvoll: Die Nutzung der Corona-Warn-App, um Kontakte nachverfolgen und Infektionsketten schneller durchbrechen zu können.

Wie Besuche in Pflegeheimen geregelt sind

Auch in Zeiten der Corona-Pandemie ist es für Heimbewohnerinnen und Heimbewohner wichtig, Besuch von ihrer Familie und weiteren Angehörigen zu erhalten. Angehörige dürfen Bewohnerinnen und Bewohner von Pflege- und Altenheimen unter bestimmten Auflagen besuchen. Das gilt auch für Menschen, die in ambulant betreuten Wohngruppen für Menschen mit Behinderung leben. Dennoch müssen diese Menschen auch weiterhin vor möglichen Infektionen geschützt werden. Das heißt, dass ein Besuch, wie er vor der Coronavirus-Pandemie üblich war, noch immer nicht möglich ist. Besucherinnen und Besucher sind verpflichtet, die AHA-Formel einzuhalten und während des Besuchs einen medizinischen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Die Länder geben einen Rahmen für Besuchsregelungen vor. Allgemeine Informationen zu jedem Bundesland finden Sie hier. Zusätzlich gibt es Anordnungen auf Kreis- oder Gemeindeebene. Updates zu den Regelungen für Pflegeheime in den Ländern des Pflegeschutzbundes BIVA finden sie hier.

Testpflicht in Pflegeheimen und Kliniken

Zum Schutz insbesondere der vulnerablen Personengruppen ist es enorm wichtig, dass Infektionen so früh wie möglich erkannt werden. Seit dem 18. November 2021 müssen alle Personen, die Pflegeheime und Kliniken betreten, einen negativen PCR-Test- oder Schnelltest-Nachweis vorzeigen können. Diese Regelung gilt auch für Geimpfte und Genesene. Personen, die geimpft oder genesen sind, erhalten den Test kostenfrei.

Auch geimpfte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen regelmäßig ein negatives Testergebnis vorweisen. Diese Tests können auch als Selbsttest durchgeführt werden.

Besucherinnen und Besucher sollten sich neben der Einhaltung der Testpflicht auch vor Ort über aktuelle Regelungen informieren, sich gegebenenfalls anmelden und mit dem Pflegepersonal abklären, welche Besuchsform zu welchen Zeiten ratsam ist. Durch die Absprache mit dem Personal kann ein höheres Besucheraufkommen zu einem bestimmten Zeitpunkt vermieden werden. In einigen Bundesländern ist der Besuch in Pflegeeinrichtungen zeitlich begrenzt und es gilt die 1-1-1-Regel: Eine Person pro Bewohnerin oder Bewohner am Tag. Ausnahmen gibt es hierbei in der Regel für Besuch von Schwerstkranken oder Sterbenden.

Für das Personal in Alten- und Pflegeeinrichtungen ist beim Kontakt mit den Bewohnerinnen und Bewohnern eine FFP2-Maskenpflicht sowie eine verpflichtende Testung mehrmals pro Woche vorgesehen. Regelmäßige Corona-Tests sind ebenso für das Personal in mobilen Pflegediensten wichtig.

Ansteckungsrisiken minimieren

Um eine Tröpfcheninfektion zu unterbinden, wurden in vielen Heimen zum Beispiel an den Tischen der Besuchszimmer Plexiglasscheiben installiert. Sofern das Heimgelände über einen Garten verfügt, sind auch gemeinsame Spaziergänge an der frischen Luft – unter Wahrung des Mindestabstands von 1,5 Metern – eine gute Möglichkeit, gemeinsam Zeit zu verbringen. Zudem gilt in vielen Heimen bei Besuchen eine generelle Maskenpflicht für beide Seiten. Empfohlen werden auch hier sogenannte OP-Masken oder auch Masken der Standards FFP2 oder KN95/N95. Das sind Vorsichtsmaßnahmen, an denen sich grundsätzlich auch orientieren kann, wer über private Treffen nachdenkt. 

Private Besuche bei Oma und Opa 

Grundsätzlich können sich Familien wieder mit den Großeltern verabreden, sofern entsprechende Schutzmaßnahmen beachtet werden. Doch je mehr Besucherinnen und Besucher empfangen werden, desto größer ist das Risiko, sich mit dem Coronavirus anzustecken. Bei der sogenannten Delta-Variante ist die Gefahr andere zu infizieren noch höher, weil sie ansteckender und leichter übertragbar ist als die Variante Alpha. Auch wenn man an sich selbst keine Symptome bemerkt und geimpft oder genesen ist, kann man sich unwissentlich infiziert haben. Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen über mögliche Risiken, wenn Sie über ein Treffen nachdenken.

Corona-Schnelltest und beschränkte Personenzahl bei privaten Zusammenkünften

Schnelltests oder Selbsttests können zusätzliche Sicherheit geben und helfen, die Risiken einer Infektion zu senken. Lassen Sie sich daher am besten unmittelbar vor einem anstehenden Treffen testen beziehungsweise führen Sie einen Selbsttest durch. Beachten Sie trotzdem, dass das Ergebnis keine vollständige Sicherheit bietet und nur eine Momentaufnahme darstellt. Beachten Sie auch die geltenden Corona-Regelungen. Eine Übersicht finden Sie hier.

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