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Erwachsene
12:33 Uhr · 14. Juli 2020

Mit psychischen Belastungen einen Weg finden

Fühlen Sie sich durch die Coronavirus-Pandemie psychisch belastet? Viele Menschen erfahren derzeit eine Verschlechterung ihres psychischen Wohlbefindens. Tipps, wie Sie damit umgehen können und Anlaufstellen für Hilfsangebote finden Sie hier.

Die Coronavirus-Pandemie stellt uns vor die Aufgabe, viele Veränderungen zu bewältigen, die unseren Alltag und auch unsere nähere Zukunft betreffen. Seit einigen Monaten stehen wir immer wieder vor Herausforderungen und müssen uns an die aktuellen Möglichkeiten und Grenzen anpassen. Das ist für viele nicht immer leicht. Für Menschen, die sich durch die Coronavirus-Pandemie psychisch stark belastet fühlen oder vielleicht auch schon zuvor durch psychische Symptome belastet waren, kann dies sogar eine besonders herausfordernde Aufgabe sein. Es ist möglich, dass sich Symptome einer bestehenden Erkrankung, wie zum Beispiel einer Depression, Angst- oder Zwangserkrankung verstärken oder neue Beschwerden hinzukommen. Ebenso kann es sein, dass eine bereits geheilte oder abgeklungene Erkrankung erneut auftritt. Auch kann eine erhöhte psychische Belastung bei Menschen mit Abhängigkeitserkrankungen zu erhöhtem Suchtmittelkonsum führen.

Hilfreiche Strategien zur Bewältigung einer psychischen Erkrankung während der Coronavirus-Pandemie aufrechtzuhalten oder sogar auszubauen, ist sicher nicht einfach. Wir möchten Sie ermutigen und unterstützen, diese besonders herausfordernde Zeit zu bewältigen. 

Haben Sie Verständnis für sich selbst, denn eine etwaige Verschlechterung Ihres psychischen Befindens ist vor dem Hintergrund der aktuellen Lage sehr nachvollziehbar. Es braucht Ihr Verständnis und Mitgefühl für sich selbst, denn Kritik an sich selbst raubt Kraft. Es ist jetzt wichtig, sein eigener Freund oder seine eigene Freundin zu sein, um diese so herausfordernde Phase gut bewältigen zu können. 

Behalten Sie im Blick, was Sie bereits bewältigt haben

Auch wenn die derzeitigen Bedingungen die positiven Dinge manchmal in den Hintergrund drängen, ist es hilfreich, sich darauf zu besinnen, was weiterhin gut funktioniert und was Sie bereits erreicht haben. Welche Hürden haben Sie bereits erfolgreich genommen und welche Erfahrungen sind damit verbunden? Greifen Sie auf das zurück, was Sie bereits gewonnen haben und denken Sie immer wieder an Ihre Stärken und Ressourcen.

Bleiben Sie zuversichtlich...

..., denn ein Anstieg von Ängsten und Panik oder die Verschlechterung von Stimmung und Energie sind keine Anzeichen dafür, dass Ihre psychische Erkrankung nicht bewältigbar ist. Hürden wie die Coronavirus-Pandemie können Herausforderungen und gleichzeitig Chancen auf dem Weg der Bewältigung psychischer Belastungen und Erkrankungen sein. Erfahrungen und Kompetenzen, die Sie aus dieser Phase mitnehmen werden, werden ein starker Boden für den Umgang mit Krisensituationen in der Zukunft sein. 

Halten Sie so gut es geht aufrecht, was Sie stärkt

Erhalten Sie sich Ihre Tagesstruktur, bleiben Sie so gut es geht aktiv und im Kontakt mit anderen Menschen. Nutzen Sie alle Strategien, die Sie sich bisher schon für die Verbesserung Ihres Befindens erarbeitet haben und die auch unter bestehenden Einschränkungen möglich sind. Versuchen Sie, ergänzende Hilfsmittel zu finden, die Sie entlasten und stärken. Gewinnen Sie Stärkendes zurück! 

Sprechen Sie mit vertrauten Menschen über Ihre Situation

Es tut gut, sich mitteilen zu können und Verständnis und Unterstützung zu erfahren. Teilen Sie nahestehenden Menschen mit, wie sie Sie in schwierigen Momenten am besten unterstützen können, damit Sie die Situation leichter bewältigen können. 

Verzichten Sie auf den Konsum von Alkohol oder anderen Substanzen.

Versuchen Sie, so gut es geht über andere Wege zur Ruhe zu kommen. Greifen Sie auf Ihre individuellen Hilfsmittel abseits von Alkohol oder anderen Substanzen zurück, die Sie bereits erfolgreich nutzen konnten. Wenden Sie sich an unterstützende Menschen, die Ihre Situation kennen und sprechen Sie über Ihr aktuelles Befinden, ehe Sie zu Alkohol oder zu anderen Substanzen greifen. Trauen Sie sich zu, diese schwierigen Momente über andere Wege zu bewältigen.

Nutzen Sie auch die Hinweise der Deutschen Gesellschaft für Psychologie (DGPs), die Sie unter folgendem Link finden: https://psychologische-coronahilfe.de/hilfen-fuer-erwachsene/.

Nutzen Sie professionelle Unterstützungs- und Beratungsangebote

Wenn Sie nicht auf Unterstützung im persönlichen Umfeld zurückgreifen möchten oder können oder diese nicht ausreicht, um eine ernsthafte psychische Krise zu bewältigen, sollten Sie sich professionelle Hilfe und Unterstützung holen. Dafür steht Ihnen ein breites Unterstützungsangebot zur Verfügung:

  • Anlaufstellen im Falle einer psychischen Krise können unter anderem die Sozialpsychiatrischen Dienste sein, die bei den örtlichen Gesundheitsämtern angesiedelt sind sowie örtliche psychosoziale Kontakt- und Beratungsstellen oder psychiatrische Institutsambulanzen. Die Kontaktdaten sind zum Beispiel im örtlichen Telefonbuch oder im Internet zu finden.
  • Wenn Sie vermuten, dass Sie längerfristige Unterstützung in Form einer Psychotherapie benötigen: Anlaufstellen sind Ihr Hausarzt/Ihre Hausärztin, Fachärzte/Fachärztinnen für Psychiatrie und Psychotherapie sowie Psychotherapeuten/Psychotherapeutinnen. Sie können über die Arztsuche der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gezielt Ärzte/Ärztinnen und Psychotherapeuten/Psychotherapeutinnen mit bestimmten Eigenschaften (zum Beispiel Fremdsprachenkenntnisse) suchen: https://www.kbv.de/html/arztsuche.php. Eine weitere Anlaufstelle sind psychotherapeutische Institutsambulanzen der Universitäten. Es kann Überwindung kosten, sich erstmalig oder erneut in Behandlung zu begeben. Machen Sie sich jedoch bewusst, dass die Bewältigung einer psychischen Erkrankung besonders in dieser Zeit keine Aufgabe ist, die Sie allein schaffen müssen. 

Wenn eine akute psychische Krise oder ein psychischer Notfall sofortige Hilfe erforderlich macht, können folgende Anlaufstellen weiterhelfen:

  • Der ärztliche Bereitschaftsdienst der Kassenärztlichen Vereinigungen ist außerhalb der üblichen Praxissprechzeiten (zum Beispiel nachts, an Wochenenden und an Feiertagen) bundesweit erreichbar über die Rufnummer 116117. Weitere Informationen finden Sie unter:  https://www.kbv.de/html/aerztlicher_bereitschaftsdienst.php.
  • Als Sofortmaßnahme kann gegebenenfalls eine Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie aufgesucht werden. Adressen sind dem ärztlichen Bereitschaftsdienst (116117) bekannt.
  • Die Telefonberatung der BZgA steht Ihnen kostenlos und anonym unter 08002322783 zur Verfügung.
  • Die TelefonSeelsorge ist anonym, kostenlos und rund um die Uhr erreichbar unter folgenden Rufnummern: 0800 111 0 1110800 111 0 222 oder 116123. Darüber hinaus steht ein Beratungsangebot per Mail oder Chat zur Verfügung; Webseite: www.telefonseelsorge.de
  • Das Info-Telefon Depression steht kostenfrei unter der Rufnummer 0800 33 44 533 zur Verfügung; Sprechzeiten: Mo, Di, Do – 13.00 bis 17.00 Uhr; Mi und Fr – 08.30 bis 12.30 Uhr, Webseite: www.deutsche-depressionshilfe.de.
  • Beim „SeeleFon für Flüchtlinge“ in den Sprachen Deutsch, Englisch, Französisch und Arabisch können sich Geflüchtete - oder ihre Angehörigen - melden, wenn es um konkrete Möglichkeiten der gesundheitlichen psychologischen Versorgung in Deutschland geht - kultursensibel und möglichst in der Sprache der Betroffenen. Erreichbar montags, dienstags und mittwochs jeweils von 10:00 bis 12:00 Uhr sowie von 14:00 bis 15:00 Uhr, Tel.: 0228 71002425, Webseite: www.bapk.de/angebote/seelefon.

Im Fall einer akuten, potentiell sogar lebensbedrohlichen Notlage,beispielsweise bei akuter Suizidgefahr, sollte die Notrufnummer 112 für Feuerwehr und Rettungsdienst gewählt werden. Die 112 sollte auch angerufen werden, wenn die Situation unklar ist, aber lebensbedrohlich sein könnte.