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Corona-Wissen
12:54 · 20. September 2021

Abwehr gegen Aerosole: Mit Frischluft durch die Coronavirus-Pandemie

Das Coronavirus wird vor allem über virenbeladene Aerosolpartikel übertragen. Insbesondere in geschlossenen Räumen erhöhen sie das Infektionsrisiko. Warum richtiges Lüften hilft, das Risiko einer SARS-CoV-2-Infektion zu reduzieren, lesen Sie hier.

Das Coronavirus verbreitet sich über Aerosole /

Nach derzeitigen Erkenntnissen erfolgt die Übertragung des Coronavirus in erster Linie über Tröpfchen und Aerosole, die wir beispielsweise beim Sprechen, Husten oder Niesen von uns geben und die längere Zeit in der Luft schweben können. Coronaviren selbst haben einen Durchmesser von circa 0,12-0,16 Mikrometer, werden aber häufig in „Tröpfchen“ (> 5 Mikrometer) oder „Aerosolen“ (< 5 Mikrometer) emittiert. Der Übergang zwischen Tröpfchen und Aerosolen ist fließend. Durch das Einhalten eines Abstands von mindestens 1,5 m zu anderen kann die Exposition gegenüber Tröpfchen sowie in gewissem Umfang auch Aerosolen verringert werden.

Wie SARS-CoV-2 durch Aerosole übertragen wird


Aerosole sind feinste luftgetragene Flüssigkeitspartikel und Tröpfchenkerne. Sie entstehen zum Beispiel beim Sprechen an den Stimmlippen und gelangen beim Ausatmen in die Umwelt. Da sie viel kleiner und leichter als Tröpfchen sind, fallen sie nicht so schnell zu Boden und können über einen längeren Zeitraum im Raum schweben. Dieser Schwebezustand macht sie als Virusträger so gefährlich, vor allem in Innenräumen. Ob Chorproben oder Fitness-Kurse im Sportstudio, ob beim Sprechen mit hoher Lautstärke oder bei körperlicher Aktivität: Wenn sich viele Menschen in nicht ausreichend belüfteten Räumen aufhalten, kommt es verstärkt zur Anreicherung von Aerosolen in der Luft – und diese begünstigt Virusinfektionen. Dadurch kann auch das Einhalten des Mindestabstandes zur Infektionsprävention nicht mehr ausreichen. Das Einhalten eines Abstands von mindestens 1,5 m und die Vermeidung von größeren Menschenansammlungen werden daher auch im Freien empfohlen, um eine direkte Exposition gegenüber Tröpfchen und Aerosolen zu minimieren.

Ansteckung mit COVID-19 durch Tröpfcheninfektion

So geht richtiges Lüften

Richtiges Lüften hat in der Coronavirus-Pandemie eine zentrale Bedeutung. Ein effektiver Luftaustausch kann die Aerosolkonzentration in einem Raum entscheidend vermindern. Darum gilt: Sorgen Sie zuhause und am Arbeitsplatz durch regelmäßiges Fensteröffnen für ausreichend frische Luft. Das gilt natürlich ebenso für andere Innenräume, in denen viele Menschen zusammenkommen.

Möglichst hohe Zufuhr von Frischluft


Die Innenraumlufthygiene-Kommission am Umweltbundesamt empfiehlt, in Innenräumen für eine möglichst hohe Zufuhr von Frischluft zu sorgen. Eine Querlüftung wird besonders empfohlen, bei der durch gegenüberliegende weit geöffnete Fenster Raumluft schnell gegen Frischluft ausgetauscht wird. Besonders effektiv ist eine Stoßlüftung bei weit geöffnetem Fenster über einige Minuten. Wenn eine Person im Raum hustet oder niest, sollte am besten sofort stoßgelüftet werden. Bei Anwesenheit vieler Personen im Raum (z.B. Familienbesuch) empfiehlt es sich, während der Besuchsdauer zu lüften – ein lediglich gekipptes Fenster ist dagegen kaum wirksam, auch wenn dies dauerhaft offensteht.

Lüften in Schulen


Bei 20-30 Kindern pro Klasse sollte in jeder Unterrichtspause intensiv bei weit geöffneten Fenstern gelüftet werden, bei Unterrichtseinheiten von mehr als 45 Minuten Dauer auch während des Unterrichtes. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass es durch die Lüftung nicht zu einer Verbreitung potenziell infektiöser Aerosole in andere Räume kommt. Ist zum Beispiel wegen nicht vorhandener Fenster im Flur keine Querlüftung möglich, sollte die Tür zum Flur geschlossen bleiben. CO2-Sensoren können helfen, die Lüftungsnotwendigkeit rasch zu erkennen. Eventuell vorhandene raumlufttechnische Anlagen sollten in den Schulen durchgehend laufen. Allerdings reicht selbst der Einsatz von mobilen Luftreinigern mit integrierten HEPA-Filtern in Klassenräumen nach Ansicht des Umweltbundesamtes nicht aus, um wirkungsvoll über die gesamte Unterrichtsdauer Schwebepartikel (z. B. Viren) aus der Raumluft zu entfernen. Der Einsatz solcher Geräte kann Lüften nicht ersetzen und sollte allenfalls flankierend erfolgen.

AHA + L beachten


Generell sollte der Einsatz bestimmter Lüftungs-Geräte nicht zu einem Gefühl der „falschen Sicherheit“ führen. Bitte beachten Sie, dass auch regelmäßiges Lüften nur eines von mehreren wichtigen Werkzeugen ist und die anderen Schutzmaßnahmen, die in der AHA-Formel zusammengefasst sind (Abstand, Hygiene, Alltag mit Maske), nicht ersetzen kann. Deswegen lautet die neue Formel für die alle Jahreszeiten AHA + L. L steht dabei für richtiges und regelmäßiges Lüften. Darüber hinaus gilt: Grenzen Sie private Feiern bitte ein und wägen Sie jeden Einzelfall kritisch ab.

AHA+L

Hier gelangen Sie zu den Informationen des RKI.

Lesen Sie hier die Empfehlung der Bundesregierung zum infektionsschutzgerechten Lüften.

Warum selbst raumlufttechnische Anlagen keine 100-prozentige Sicherheit bieten

Zur Reduzierung des Risikos einer Übertragung des Coronavirus empfiehlt das Umweltbundesamt, in Räumen, in denen sich Personen aufhalten, möglichst entweder nur Zuluft von außen (100 Prozent Frischluft) zuzuführen. Oder bei raumlufttechnischen Anlagen (RLT) mit Umluftanteil die Anlagen mit zusätzlicher Filterung (HEPA-Filter) zu versehen. Hintergrund: Viele bestehende Anlagen mit lediglich zwei Filterstufen, wie sie in Büros, Restaurants oder Veranstaltungshallen üblich sind, reichen nicht aus, um infektiöse Partikel wirksam zurückzuhalten. Dazu bedarf es einer dritten Filterstufe mit hochabscheidenden Filtern (HEPA), die zudem regelmäßig zu wechseln sind. Können RLT-Anlagen nicht entsprechend nachgerüstet werden, bleibt kurzfristig nur das zusätzliche Lüften bei Bedarf über die Fenster und mittelfristig der Umbau der Anlagentechnik.

Das Umweltbundesamt gibt darüber hinaus zu bedenken: Durch konsequente Lüftung und sachgerechten Einsatz von Lüftungstechniken in Innenräumen kann das Risiko einer Coronavirus-Infektion deutlich reduziert werden – ein 100-prozentiger Schutz vor Infektionen kann dabei jedoch nach jetzigem Erkenntnisstand nicht erreicht werden.

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