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Einfach erklärt
08:46 Uhr · 8. April 2020

Wie Deutschland testet

Wer hat sich mit dem neuartigen Coronavirus infiziert? Wer hat die Infektion vielleicht schon überstanden? Erfahren Sie, welche Testverfahren es gibt, wer vorrangig getestet werden sollte, und was Charité-Virologe Prof. Drosten über Schnelltests aus dem Internet sagt.

Bild: Getty Images / krisanapong detraphiphat

Zu den wichtigsten Werkzeugen bei der Bekämpfung des neuartigen Coronavirus gehören Tests. Zum einen die Labortests zum Nachweis einer Infektion. Zum anderen Antikörpertests, mit denen nachgewiesen werden kann, dass ein Mensch die Infektion bereits überstanden hat. Daher ist es schon seit Beginn der Epidemie ein vorrangiges Anliegen, Testkapazitäten schnell aufzubauen und zu erweitern. Bei Schnelltests, die man im Internet bestellen kann, raten Experten zur Vorsicht. 

Wer vorrangig getestet wird 

Die Testkapazitäten für das neuartige Coronavirus werden immer weiter ausgebaut. Dennoch sollten vorrangig Personen mit Symptomen der Atemwege getestet werden, die außerdem Kontakt zu einer infizierten Person hatten oder in der Pflege, in einer Arztpraxis oder in einem Krankenhaus tätig sind oder zu einer Risikogruppe gehören. Wenn man gesund ist, sich aber noch in der Inkubationszeit befindet (kann bis zu 14 Tage betragen), sagt ein negativer Test nichts darüber aus, ob man doch noch krank werden kann. Wer im Einzelfall getestet wird, entscheiden die Kliniken, Hausärzte und Hausärztinnen.

Wie Sie bei einem Verdacht auf eine Infektion vorgehen sollten 

Haben Sie den Verdacht, mit dem neuartigen Coronavirus infiziert zu sein, begeben Sie sich nicht unangemeldet zu einem Arzt oder einer Ärztin. Dort könnten Sie weitere Menschen anstecken. Besprechen Sie das Vorgehen zunächst telefonisch mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin. Oder wenden Sie sich außerhalb der Sprechstunden an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter der bundesweit geltenden Telefonnummer 116 117. Hausarzt bzw. Hausärztin oder der Bereitschaftsdienst werden Ihnen – sofern ein Test erforderlich ist – mitteilen, wo der Test durchgeführt werden kann. Möglicherweise kann auch ein mobiler Test veranlasst werden, der bei Ihnen zuhause durchgeführt werden kann.

In Notfällen, z.B. bei starker Atemnot, wählen Sie die 112. Falls Sie Kontakt zu einer positiv getesteten Person hatten, wenden Sie sich auch ohne dass Symptome vorliegen an das zuständige Gesundheitsamt, das nach einer individuellen Befragung die weiteren Maßnahmen festlegen wird. 

Wie ein Labortest abläuft 

Zunächst muss bei den Betroffenen ein Abstrich gemacht werden. Die Viren vermehren sich in den Schleimhäuten im Nasen-/Rachenraum. Daher wird mit einem speziellen Tupfer an der Rachenhinterwand abgestrichen. Bei schwereren Verläufen kann auch Sekret aus den tiefen Atemwegen entnommen werden. Die Proben müssen anschließend so schnell als möglich in ein Labor transportiert werden.

Der Nachweis von SARS-CoV-2 erfolgt mittels Polymerase-Kettenreaktion (PCR), einem Standardverfahren in der Diagnostik von Viren, das automatisiert werden kann. Bei der PCR wird das Erbmaterial der Viren so stark vervielfältigt, dass es nachgewiesen werden kann, auch wenn es nur in geringen Mengen vorkommt.

Das Testverfahren nimmt derzeit etwa vier bis fünf Stunden in Anspruch. Hinzu kommt die Transportzeit ins Labor, die Vorbereitungszeit im Labor und gegebenenfalls eine Wartezeit wegen hohen Probeaufkommens. In den meisten Fällen liegt ein Ergebnis innerhalb von 24 Stunden vor.

Bild: Bundesministerium für Gesundheit

Wie sich die Testkapazitäten entwickeln 

Deutschland verfügt im internationalen Vergleich über sehr hohe Testkapazitäten. Diese werden immer weiter ausgebaut. Laut Robert Koch-Institut konnten Anfang März 28 Labore rund 7.000 Tests täglich durchführen. Einen Monat später sind die Testkapazitäten in insgesamt 113 Laboren auf mehr als 100.000 Tests pro Tag gestiegen. Je mehr Menschen getestet werden können, desto genauer wissen wir, wie stark sich das Virus ausbreitet. Wenn festgestellt wird, dass sich die Ausbreitung deutlich verlangsamt hat, könnten die Kontaktbeschränkungen ab einem gewissen Zeitpunkt möglicherweise schrittweise gelockert werden. 

Antikörpertests basieren auf einer Blutprobe 

Bei einem Antikörpertest wird nicht auf Viren getestet, sondern auf im Blut eines Menschen vorhandene Antikörper gegen das Virus. Der ELISA-Labortest (Enzyme-linked Immunosorbent Assay) zum Nachweis von Antikörpern gegen SARS-CoV-2 steht den Forschern und Forscherinnen erst seit kurzem zur Verfügung. Etwa zwei Wochen nach dem Auftreten von Symptomen lassen sich bei Infizierten Antikörper nachweisen. Zum einen kann durch den Test sicher geklärt werden, dass der Patient oder die Patientin an Covid-19 erkrankt war – auch wenn nur milde oder gar keine Symptome zu erkennen waren. Aber er lässt eine weitere Aussage zu, betont Prof. Dr. Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité.  Eine auf Antikörper positiv getestete Person „ist mit großer Wahrscheinlichkeit jetzt immun und wird sich so schnell nicht wieder Infizieren.“ Wie lange die Immunität anhält, müssen allerdings weitere Studien ermitteln. 

Vor allem für Menschen, die in der Gesundheitsversorgung arbeiten und sich um Infizierte kümmern, wäre es eine große Erleichterung, wenn sich Immunität bei ihnen nachweisen ließe. Denn wenn ihr Antikörper-Test positiv ausfällt, wissen sie: Für den Moment sind die körpereigenen Abwehrkräfte gegen das neuartige Coronavirus gewappnet. Und sie können sich ohne Angst vor einer Infektion den Patienten und Patientinnen widmen, gleichzeitig aber auch sicher sein, dass sie das Virus nicht unbemerkt an Patienten und Patientinnen weitergeben. 

Schnelltests aus dem Internet können falsche Ergebnisse liefern

Zugleich arbeiten Unternehmen und Forschungsinstitute in aller Welt an zuverlässigen Schnelltests, die das neuartige Coronavirus in kürzerer Zeit nachweisen können. Einige davon sind bereits auf dem Markt und können im Internet bestellt werden. „Die sind aber von sehr unterschiedlicher Qualität“, warnt Prof. Drosten. „Einige dieser Tests funktionieren sehr gut. Andere sind unnütz und man sollte sie nicht benutzen, denn man hat ein sehr hohes Risiko, dass man die Infektion nicht erkennt.“ 

Im Expertengespräch mit dem Bundesministerium für Gesundheit erklärt der Wissenschaftler, wie Virusnachweis und Antikörpertest ablaufen und wie zuverlässig der Labortest ist:

Prof. Dr. Drosten erklärt: Test auf das Coronavirus

Die gesamte Grafik zum Thema "Testen" finden Sie hier zum Download:

PDF: So wird getestet