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Bundesministerium für Gesundheit
Corona-Schutzimpfung
14:42 Uhr · 19. Februar 2021

Impfung für Risikopatientinnen und -patienten: Wer wird wann geschützt?

Immunerkrankung, Depression, Krebs – viele chronisch erkrankte Menschen hoffen auf eine schnelle Corona-Schutzimpfung. Hier finden Sie einen Überblick, wer in welcher Priorisierungsgruppe geimpft wird.

Impfung für Risikopatientinnen und -patienten
Shutterstock / Halfpoint

Die Impfung gegen SARS-CoV-2 ebnet den Weg aus der Pandemie. Zurzeit steht allerdings nur ein begrenztes Kontingent an Impfstoffen zur Verfügung, so dass die Immunisierung noch nicht sofort allen Bürgerinnen und Bürgern ermöglicht werden kann. Bis das soweit ist, muss der Impfstoff mit dem bestmöglichen Effekt verteilt werden.

Die Priorisierungsgruppen bei der Impfung

Ziel der Impfung ist es unter anderem, die Anzahl schwerer Krankheitsverläufe und Todesfälle durch das Coronavirus in der Bevölkerung zu reduzieren. Die Ständige Impfkommission beim Robert Koch-Institut (STIKO) hat daher wissenschaftlich analysiert, welche Personengruppen am stärksten gefährdet sind und eine Reihenfolge für deren Impfung empfohlen. Darüber hinaus sollen Personen vorrangig geimpft werden, die beruflich entweder einem besonderen Infektionsrisiko ausgesetzt sind oder engen Kontakt zu Risikopatientinnen und -patienten haben. Das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) ist dem auf Grundlage des Dritten Bevölkerungsschutzgesetzes gefolgt: Das BMG hat Menschen mit erhöhtem Krankheits- und Sterberisiko in drei Gruppen zusammengefasst und in der Coronavirus-Impfverordnung die Impfreihenfolge festgelegt.

Wer wird 2021 wann geimpft?
Bundesministerium für Gesundheit

Neueste Studienergebnisse

Das Robert-Koch-Institut (RKI) hat seit Ausbruch der Pandemie vor einem Jahr systematisch analysiert, welche Vorerkrankungen ein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf mit sich bringen. Zusammenfassend lässt sich sagen: Das Risiko für einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf ist bei den meisten Vorerkrankungen moderat. Das Risiko, aufgrund der Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden zu müssen, ist oftmals erhöht, aber nicht verdoppelt  im Vergleich zu Personen gleichen alters ohne die entsprechende Vorerkrankung. Für Menschen im Alter von unter 60 Jahren ist die Gefahr, aufgrund einer COVID-19-Erkrankung im Krankenhaus behandelt werden zu müssen, selbst bei einer gesundheitlichen Vorbelastung gering – vor allem immer noch deutlich geringer als das Risiko für ältere Menschen. Nur einzelne Krankheitsbilder scheinen zu einem deutlich erhöhten Risiko für einen schweren Verlauf zu führen, wie die Analyse des RKI ergeben hat. Das gilt unter anderem für Personen mit Trisomie 21, mit einer schweren psychiatrischen Erkrankung sowie für an Krebs Erkrankte sowie Patientinnen und Patienten mit einer interstitiellen Lungenerkrankung oder COPD. Stärker gefährdet sind auch Menschen mit einer ausgeprägten Adipositas (Fettleibigkeit), mit einem schweren Diabetes mellitus oder einer chronischen Leber- oder Nierenerkrankung.

Die STIKO hat ihre Impfempfehlung auf der Grundlage dieser neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse aktualisiert. Diese Erkenntnisse sind nun auch in der aktuellen Impfverordnung abgebildet. Patientinnen und Patienten mit diesen chronischen Krankheiten gehören nun zur zweiten Priorisierungsgruppe, so dass sie vorrangig geimpft werden dürfen.

Erste Priorisierungsgruppe

In der ersten Priorisierungsgruppe befinden sich Personen beziehungsweise Personengruppen, die aufgrund ihres Alters oder vorbelasteten Gesundheitszustandes ein stark erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf haben. Das gilt besonders für diejenigen, die etwa in Pflegeheimen und anderen Einrichtungen der Langzeitpflege leben. Um sie besser zu schützen wird auch Menschen, die mit diesen Personen tagtäglich durch ihre Arbeit Kontakt haben, eine Impfung angeboten.

Risikofaktor Alter

Der größte Risikofaktor für einen schweren oder gar tödlichen Krankheitsverlauf ist das Alter. Studien zeigen: Vor allem Seniorinnen und Senioren ab 80 Jahren sind gefährdet. Deshalb werden sie als Erstes geimpft. Neben ihnen sind generell Bewohnerinnen und Bewohner von Pflegeheimen in der ersten Priorisierungsgruppe, da unter diesen besonders viele Todesfälle seit Beginn der Pandemie aufgetreten sind.

Risikofaktor Beruf

Berufsgruppen, wie Personal in medizinischen Einrichtungen und in Kontakt zu vulnerablen Gruppen, sind dem Coronavirus besonders stark ausgesetzt. Medizinisches Personal, Pflegepersonal in der ambulanten und stationären Altenpflege und andere Tätige in Senioren- und Altenpflegeheimen mit Kontakt zu Bewohnerinnen und Bewohnern müssen daher durch eine Impfung geschützt werden.

Risikofaktor Vorerkrankung

Neben dem Alter und Beruf gibt es weitere Risikofaktoren. Auch eine Vorerkrankung der Patientin oder des Patienten kann den Verlauf einer COVID-19-Erkrankung erschweren. Deshalb sind auch viele chronisch kranke Menschen hoch priorisiert. Schon in der ersten Coronavirus-Impfverordnung vom Dezember 2020 waren Organtransplantierte, Menschen mit Trisomie 21, mit Demenz oder mit einer geistigen Behinderung in der zweiten Priorisierungsgruppe eingestuft. Der Kreis dieser Anspruchsberechtigten wurde aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse mit der neuen Coronavirus-Impfverordnung vom 8. Februar 2021 erweitert.

Zweite Priorisierungsgruppe

In der zweiten Priorisierungsgruppe befinden sich neben Personen über 70 auch Patientinnen und Patienten, die aufgrund ihrer Vorerkrankung oder Behinderung ein sehr hohes oder hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 haben.

  • Personen mit Trisomie 21 Das Mortalitätsrisiko dieser Personen ist höher als das von Menschen mit anderen Vorerkrankungen. Es ist in etwa mit dem von Personen im Alter zwischen 75 und 79 Jahren zu vergleichen. Das liegt auch daran, dass Menschen mit Trisomie 21 häufig mehrere risikobehaftete Vorerkrankungen haben, wie beispielsweise schwere angeborene Herzfehler oder Störungen der Immun- und Lungenfunktion. In einer Kohortenstudie aus England wurde geschätzt, dass das Risiko für einen Corona bedingten Tod für Menschen mit Trisomie 21 im Vergleich zur übrigen Bevölkerung 10-fach erhöht ist, das Risiko für einen COVID-19-bedingten Klinikaufenthalt 5-fach.
  • Personen nach OrgantransplantationNach einer Organtransplantation wird das Immunsystem der Organempfängerin bzw. des Organempfängers mit Medikamenten unterdrückt, um Abstoßungsreaktionen gegen das neue Organ zu vermeiden. Dadurch sind diese Patientinnen und Patienten grundsätzlich infektanfälliger. Auch die Gefahr einer schwerwiegenderen COVID-19-Erkrankung ist dadurch erhöht.
  • Personen mit DemenzDas Risiko von Demenzkranken ist erhöht, weil die Patientinnen und Patienten in aller Regel hochbetagt sind und schon dadurch einer Corona-Risikogruppe angehören. Darüber hinaus leiden viele von ihnen an weiteren Erkrankungen. Da viele Demenzerkrankte nicht in der Lage sind, die Hygieneregeln (AHA-A-L Regeln) einzuhalten ist auch das Risiko einer Ansteckung erhöht.
  • Personen mit mit geistiger Behinderung oder schweren psychiatrischen Erkrankungen (schwere Depression, Schizophrenie, bipolare Störung)Menschen mit geistiger Behinderung oder schweren psychiatrischen Erkrankungen infizieren sich häufiger mit dem Coronavirus, da sie oft pflegebedürftig sind und es ihnen oftmals schwerfällt, die komplexen Hygieneregeln (AHA A-L Regeln) einzuhalten. Sie zeigen auch einen schwereren COVID-19-Verlauf und haben ein höheres Sterberisiko. Erkrankungen werden bei ihnen oftmals schlechter erkannt und später behandelt. Sie haben statistisch betrachtet bereits ohne COVID-19 eine um 10-20 Jahre geringere Lebenserwartung als gesunde Menschen.
  • Personen mit malignen hämatologischen Erkrankungen oder behandlungsbedürftigen soliden Tumorerkrankungen, die nicht in Remission sind oder deren Remissionsdauer weniger als fünf Jahre beträgt Diese Krankheitsbilder erhöhen das Risiko eines schweren Verlaufs.
  • Personen mit interstitiellen Lungenerkrankungen, COPD, Mukoviszidose oder einer anderen, ähnlich schweren chronischen Lungenerkrankungen Diese Krankheitsbilder erhöhen das Risiko eines schweren Verlaufs.
  • Personen mit Diabetes mellitus (mit HbA1c ≥ 58 mmol/mol oder ≥ 7,5%)Bei Diabetikerinnen und Diabetikern wird hinsichtlich des Corona-Erkrankungsrisikos unterschieden: In der Prioritätsgruppe 2 befinden sich Diabetikerinnen und Diabetiker mellitus Typ 1 und 2 mit einem Langzeitblutzuckerwert von über 7,5 Prozent. Diese können von der Corona-Impfung wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge besonders profitieren. Diabetikerinnen und Diabetiker mit einem geringeren Langzeitblutzuckerwert gelten hingegen als weniger gefährdet. Sie befinden sich in der dritten Priorisierungsgruppe.
  • Personen mit Leberzirrhose oder einer anderen chronischen LebererkrankungDiese Krankheitsbilder erhöhen das Risiko eines schweren Verlaufs.
  • Personen mit chronischer NierenerkrankungDiese Krankheitsbilder erhöhen das Risiko eines schweren Verlaufs.
  • Personen mit Adipositas (Body-Mass-Index über 40)Stark übergewichtige Menschen sind durch eine COVID-19-Erkrankung besonders gefährdet, weil auf ihrem Lungengewebe ein erheblich höherer Druck lastet. Sie müssen deshalb mehr Kraft aufwenden, um den Körper mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Zudem belastet das starke Übergewicht das Herz-Kreislauf-System. Adipöse Menschen leiden häufig auch an Folgeerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Asthma bronchiale, was ihr Risiko zusätzlich erhöht.

Dritte Priorisierungsgruppe

In der dritten Prioritätsgruppe befinden sich Patientinnen und Patienten, die aufgrund ihrer Vorerkrankung ein erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 haben. Dazu zählen folgende Gruppen:

  • Personen mit behandlungsfreien in Remission befindlichen Krebserkrankungen, wenn die Remissionsdauer mehr als fünf Jahre beträgt
  • Personen mit Immundefizienz oder HIV-Infektion, Autoimmunerkrankungen oder rheumatologischen Erkrankungen
  • Personen mit einer Herzinsuffizienz, Arrhythmie, einem Vorhofflimmern, einer koronaren Herzkrankheit oder arteriellen Hypertonie
  • Personen mit zerebrovaskulären Erkrankungen, Apoplex oder anderen chronischen neurologischen Erkrankungen
  • Personen mit Asthma bronchiale
  • Personen mit chronisch entzündlichen Darmerkrankungen
  • Personen mit Diabetes mellitus (mit HbA1c unter 58 mmol/mol bzw. unter 7,5 Prozent)
  • Personen mit Adipositas (Body-Mass-Index über 30)

Die Verordnung zum Anspruch auf Schutzimpfung gegen das Coronavirus SARS-CoV-2 Finden Sie hier.

Hier erfahren Sie alles zu Impfgruppen und zur Terminvergabe in den Bundesländern.

Grafik Anspruchsgruppen der Corona-Schutzimpfung

Einzelfallentscheidung nach ärztlicher Beurteilung aufgrund besonderer Umstände

Die STIKO hat in ihrer Empfehlung betont, dass nicht alle Krankheitsbilder, die zu einer erhöhten COVID-19-Gefährdung führen können, genannt werden konnten. Für besonders seltene schwere Vorerkrankungen gibt es keine ausreichende wissenschaftliche Datengrundlage, aus der Erkenntnisse über einen typischen COVID-19-Verlauf abzuleiten wären. Personen, bei denen nach ärztlicher Beurteilung aufgrund besonderer Umstände ein sehr hohes, hohes oder erhöhtes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Corona-Infektion besteht, haben im Einzelfall einen prioritären Anspruch auf eine Corona-Schutzimpfung, Voraussetzung ist ein entsprechendes ärztliches Zeugnis. Wer berechtigt ist, ein solches ärztliches Zeugnis auszustellen, regeln jeweils die einzelnen Länder. Personen, bei denen nach ärztlicher Beurteilung ein sehr hohes oder hohes Risiko für einen schweren oder tödlichen Krankheitsverlauf nach einer Infektion mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 besteht, haben im Einzelfall einen Anspruch auf Schutzimpfung in der Priorisierungsgruppe 2. Personen, die ein erhöhtes Risiko haben, können in der Priorisierungsgruppe 3 geimpft werden. Entscheidend dafür ist das Vorliegen eines ärztlichen Zeugnisses.

Kontaktpersonen

Um das Risiko für Patientinnen und Patienten mit einer Vorerkrankung in der zweiten und dritten Priorisierungsgruppe weiter zu reduzieren, können diese bis zu zwei enge Kontaktpersonen benennen, die sich ebenfalls vorrangig impfen lassen können. Dies gilt in der Priorisierungsgruppe 2 auch für schwangere Personen.

Was ändert sich durch den COVID-19 Impfstoff von AstraZeneca?

Sobald allen Personen in der ersten Priorisierungsgruppe ein Impfangebot gemacht werden konnte, kann die Impfung der Priorisierungsgruppe 2 beginnen – also der Gruppe, in der auch Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen eine Schutzimpfung bekommen. Durch die Zulassung des Impfstoffes von AstraZeneca ist davon auszugehen, dass das schneller sein wird als ursprünglich prognostiziert. Der Grund dafür ist, dass der Impfstoff von AstraZeneca – anders als die von BioNTech/Pfizer und Moderna – nur für Erwachsene im Alter von 18 bis 64 Jahren empfohlen ist. Dieser Impfstoff steht also jüngeren Menschen zur Verfügung, die nun schon parallel zu den über 80-Jährigen und später in Priorisierungsgruppe 2 zu den 70-80-Jährigen geimpft werden können. Davon werden vor allem Menschen mit Vorerkrankungen profitieren.

Alles, was Sie zur Corona-Schutzimpfung wissen müssen, lesen Sie hier.

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