Bundesministerium für Gesundheit
Erfahrungsberichte
14:16 · 11. Dezember 2020

Eine Familie aus Baden-Württemberg

Als sich Claudia und Andy aus Nagold-Hochdorf mit Corona infizieren, müssen sie sich von ihren eigenen Kindern isolieren: Eine Tochter ist Risikopatientin.

Eine Familie aus Baden-Württemberg /

“Ich habe uns einen Corona-Kalender gebastelt”

Mutter Claudia: Kurz nachdem wir die Testergebnisse bekamen, habe ich uns einen Corona-Kalender gebastelt: ein Blatt mit 14 Kästchen darauf, für jeden Tag ein Kästchen. Ich wollte den Kindern damit vorsichtig die lange Zeit vor Augen führen, die wir nun gemeinsam meistern müssten.

Tochter Ella, 12 Jahre: Da sollte jeder jeden Tag eintragen, wie er sich fühlt. Am ersten Tag habe ich einen Heuli gemalt. Es war so komisch, zusammen und doch getrennt zu sein. Mama und Papa in der oberen Etage, wir drei unten.

Mutter Claudia: Mein Mann und ich hatten zum Glück nur leichte Beschwerden. Viel belastender waren die Sorgen um die Kinder. Würden sie allein klarkommen? Wir mussten unbedingt auf Abstand gehen, uns im Haus nur noch mit Maske bewegen. Denn unsere Neunjährige, Carla, ist Risikopatientin. Sie leidet an PCD, Primärer Zillen-Dyskinesie, einer Atemwegserkrankung. Die Kinder nicht umarmen zu können, fiel mir als Mama besonders schwer.

Tochter Ella: Ich war so ein bisschen Carlas Ersatzmama. Carla und ich haben zusammen im Gästezimmer geschlafen. Ich habe aufgepasst, dass sie inhaliert. Fürs Homeschooling haben wir zwei Tische nebeneinander gestellt. So konnte ich ihr immer helfen, wenn sie zum Beispiel in Mathe Fragen hatte.

„Aber ich spürte auch so viel Dankbarkeit“

Sohn Luis, 14 Jahre: Cool war, dass dreimal ein Quarantäne-Paket von unserer Nachbarin vor der Tür stand. Sie belieferte uns mit Lebensmitteln, die wir bei ihr bestellten. Oft waren auch Süßigkeiten für uns drin und für Mama und Papa Sachen, mit denen sie ihren Geruchssinn testen konnten.

Tochter Carla, 9 Jahre: Mama und Papa haben für uns das Essen vorbereitet, essen mussten wir ohne sie. Richtig lecker war es nicht immer, weil sie ja nicht so richtig schmecken konnten. Wir haben darum manchmal auch selbst gekocht, Wraps gemacht und Plätzchen gebacken. Das war toll.

Mutter Claudia: Schon nach ein paar Tagen habe auch ich meinen ersten Smiley in unseren Kalender gemalt. Klar war es seltsam, eingesperrt zu sein. Aber ich spürte auch so viel Dankbarkeit. Dafür, dass die Kinder gesund blieben und alles so gut hinkriegten. Für die tollen Nachbarn, die frisch gebackenes Brot vor die Tür stellten.

Vater Andy: Wir hatten keine Existenzängste, wir hatten Platz. Das hat die ganze Situation schon sehr erträglich gemacht.

Sohn Luis: Stimmt! ich habe unseren Garten total schätzen gelernt in der Quarantäne. Papa und ich haben dort ewige Tischtennis-Partien gespielt. Es war ja draußen und Abstand halten konnten wir durch die Platte ganz gut.

Modelle zur Infektionsübertragung

 “Die Zeit hat uns noch enger zusammengebracht”

Tochter Ella: Ich war einfach froh, dass ich Geschwister und einen Kater habe. So war ich nie allein, immer konnte ich mit jemandem quatschen, Spiele spielen, zusammen essen.

Tochter Carla: Mir fehlte abends oft das Kuscheln mit Mama oder Papa. Aber mir halfen da auch die Geschwister und Mats, der Kater. Ansonsten war eigentlich alles okay.

Vater Andy: Vor einer guten Woche endete die Quarantäne. Die milden Symptome sind zum Glück auch ganz weg. Es ist schön, wieder einfach durchs Haus zu laufen, ins Auto springen zu können, wenn etwas fehlt.

Mutter Claudia: Wir werden die vergangenen Wochen nie vergessen. Die Zeit hat uns noch enger zusammengebracht – obwohl wir uns distanzieren mussten. 

Das Robert Koch-Institut zu diesem Fall:

Obwohl sich die Eltern mit dem Virus ansteckten, konnte die Familie gemeinsam verhindern, dass sich auch die Kinder ansteckten. Aufgrund der Atemwegserkrankung der jüngsten Tochter waren alle besonders vorsichtig und hielten Abstand. Gerade zu Hause kann die Isolierung von infizierten Personen schwerfallen. Die Quarantäne von Kontaktpersonen, in diesem Falle den Kindern, dauert 14 Tage. Sie kann jedoch abgekürzt werden, wenn frühestens am 10. Tag ein Test gemacht wird und dieser negativ ausfällt. Quarantäne und Isolierung sind wichtig und wirksam.

Robert Koch-Institut
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