Corona-Schutzimpfung
15:15 · 1. Juni 2022

Corona-Schutzimpfung in der Stillzeit: Das müssen Sie wissen

Die Stillzeit ist wie die Schwangerschaft eine besondere Lebensphase, in der Mütter nicht nur für sich, sondern auch für das Neugeborene Verantwortung tragen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt stillenden Frauen, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen. Warum die Corona-Schutzimpfung unbedenklich für Stillende ist, erfahren Sie hier.

Die COVID-19-Impfung schützt stillende Mütter.

Die aktuellen Daten zeigen eine sehr gute Schutzwirkung bei Stillenden und geben keine Hinweise darauf, dass die Corona-Impfung der Mutter in der Stillzeit ungünstige Auswirkungen auf das Kind hat. Die Ständige Impfkommission (STIKO) hat nach Prüfung dieser Studien am 23. September 2021 eine offizielle Impfempfehlung für stillende Frauen ausgesprochen. Frauenärztin und STIKO-Mitglied Dr. Röbl-Mathieu erklärt:

„Es gibt keine Hinweise, dass die Impfung ein Risiko für die Mutter oder den Säugling darstellt.“

Mit welchen Impfstoffen können stillende Frauen gegen COVID-19 geimpft werden?

Stillenden Frauen wird die Impfung gegen COVID-19 mit einem der beiden mRNA-Impfstoffe Comirnaty®
von BioNTech/Pfizer
und Spikevax® (Vaccine Moderna) von Moderna) empfohlen, wobei Spikevax® (Vaccine Moderna) nicht bei Stillenden unter 30 Jahren angewendet werden sollte. Grund hierfür ist der Hinweis aus Datenerhebungen, dass das Risiko für Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen nach der Impfung mit dem Impfstoff Spikevax® bei Jüngeren höher ist als nach der Impfung mit Comirnaty® von BioNTech/Pfizer. Auch Schwangere – unabhängig vom Alter – sollen nach dieser Impf-Empfehlung ausschließlich mit Comirnaty® von BioNTech/Pfizer geimpft werden.

Der Impfstoff Comirnaty® von BioNtech/Pfizer sollte in einem Abstand von drei bis sechs, der Impfstoff Spikevax® (Vaccine Moderna) von Moderna mit einem Impfabstand von vier bis sechs Wochen verimpft werden. Gut zu wissen: Eine COVID-19-Impfung von Stillenden ist nach einem unkomplizierten Verlauf der Geburt auch im Wochenbett möglich.

Für die Auffrischungsimpfungen gelten diese Ausführungen entsprechend ab dem 2. Schwangerschaftsdrittel.

Erfordert die Impfung eine Pause der Stillzeit?

Einiges von dem, was die Mutter in ihren Körper aufnimmt, geht in die Muttermilch über und erreicht so auch den Säugling. Deshalb machen sich stillende Frauen oft Gedanken darüber, ob die mRNA des COVID-19-Impfstoffs nach der Impfung in die Muttermilch übertragen wird und das zu einem Risiko für das Kind führt. Aktuelle Studienergebnisse zeigen, dass kein, beziehungsweise wenn überhaupt, nur eine minimale Menge der mRNA des Impfstoffs in die Muttermilch übertragen wird. In der Muttermilch und im Magen-Darm-Trakt des Babys gibt es Enzyme, sogenannte Ribonukleasen, die die RNA-Moleküle abbauen. Deshalb ist davon auszugehen, dass mögliche Impfstoff-mRNA bereits in der Muttermilch oder spätestens im Magen-Darm-Trakt des Kindes sehr schnell abgebaut wird. Das heißt, stillende Frauen müssen nach der COVID-19-Impfung keinesfalls auf das Stillen verzichten oder eine Stillpause einlegen.

Was ist mRNA? Und wird sie im Körper gespeichert?

RNA (ribonucleic acid, auf deutsch Ribonukleinsäure) überbringt Informationen in den menschlichen Zellen und bildet sozusagen eine Vorlage für die Herstellung von Eiweißen im Körper. Die mRNA (messenger RNA, auf deutsch Boten-RNA) ist darauf spezialisiert, Informationen zu transportieren. Das ist ihre einzige Funktion. Sie kann Informationen nur übertragen, nicht speichern. Die mRNA-Impfstoffe stoßen in den Zellen die Bildung eines Eiweißes an, dass auf der Oberfläche des Coronavirus sitzt. Dieses Eiweiß regt das Immunsystem an, sich zu wehren und unter anderem Antikörper zu bilden. Diese Antikörper können bei Kontakt mit dem Coronavirus schnell reagieren und den Erreger abwehren. Die mRNA des Impfstoffes wird nach kurzer Zeit vom Körper abgebaut.

Wird durch die COVID-19-Impfung der Mutter auch das Baby geschützt?

Muttermilch enthält viele gesundheitsfördernde Stoffe, wie zum Beispiel Vitamine, Mineralstoffe und Antikörper, die durch das Stillen übertragen werden. Wenn Neugeborene einen Immunschutz gegen Infektionen aufbauen, weil sie Antikörper der Mutter über die Muttermilch aufgenommen haben, spricht man von Nestimmunität oder Nestschutz.

Aktuell ist noch nicht bekannt, ob die Antikörper der Mutter auch das Kind vor einer COVID-19-Erkrankung schützen können, aber einige Studien deuten darauf hin, dass Babys von der COVID-19-Impfung der Mütter profitieren.

Haben stillende Frauen ein höheres Risiko für Nebenwirkungen nach der Impfung?

Die COVID-19-Impfung von Stillenden mit mRNA-basierten Impfstoffen weist eine gleichwertige Antikörperbildung und ähnlich (geringe) Impfreaktionen und Nebenwirkungen wie in der Schwangerschaft und bei nicht schwangeren Frauen auf. In den bisherigen Studien traten keine schweren unerwünschten Nebenwirkungen bei stillenden Frauen in der Stillzeit oder deren Kindern nach der Corona-Schutzimpfung auf.

Ein kleiner Anteil stillender Mütter, die an einer US-amerikanischen Studie mit den Impfstoffen Comirnaty® von BioNTech/Pfizer und Spikevax® von Moderna teilnahmen, berichtete nach der Vergabe der ersten Dosis über eine Verringerung der Milchmenge. In allen Fällen kehrte die Milchproduktion aber innerhalb von 72 Stunden auf die zuvor beobachtete Menge zurück. In Hinblick auf die Säuglinge wurde nur von wenigen milden Reaktionen wie Reizbarkeit und Schlafstörungen berichtet. 

Die Sicherheit der COVID-19-Impfung für Stillende wird kontinuierlich überprüft

Weitere Studien zur Sicherheit der Corona-Schutzimpfung in der Schwangerschaft sind in Planung oder haben bereits begonnen. Darüber hinaus bewertet das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) kontinuierlich die vorliegenden Daten zur Sicherheit. Auch die Ständige Impfkommission (STIKO) wird in Zukunft weiter fortlaufend die Nutzen-Risiko-Bilanz einer COVID-19-Impfung in der Schwangerschaft und für Stillende bewerten und gegebenenfalls ihre Empfehlung entsprechend anpassen. Gut zu wissen: Ein Verdacht auf Nebenwirkungen kann dem PEI über die Website www.nebenwirkungen.bund.de gemeldet werden. Im Rahmen einer Beobachtungsstudie zur Verträglichkeit der COVID-19-Impfstoffe können Geimpfte körperliche Reaktionen auf die Impfung zudem über die Smartphone-App „SafeVac 2.0“ des PEI erfassen und an das Institut übermitteln. Die App können Sie kostenfrei im Apple App Store und im Google Play Store herunterladen.

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