Corona-Schutzimpfung
11:51 · 9. Juni 2022

Corona-Schutzimpfung für Kinder: Warum sich auch Kinder zwischen 5 und 11 Jahren impfen lassen sollten

Seit November 2021 ist der COVID-19-Impfstoff von BioNTech/Pfizer in geringerer Dosierung für Kinder zwischen 5 und 11 Jahren EU-weit zugelassen. Zunächst wurde der Kinderimpfstoff vor allem vorerkrankten Kindern empfohlen, jetzt empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) allen Kindern ab 5 Jahren, sich impfen zu lassen. Welche neuen Erkenntnisse es gibt und was Eltern noch wissen sollten, erfahren Sie in diesem Artikel.

Corona-Schutzimpfung für Kinder ab 5 Jahren

Seit Mitte Dezember 2021 ist der für Kinder zwischen 5 und 11 Jahren hergestellte Impfstoff Comirnaty® von BioNTech/Pfizer in niedrigerer Dosierung in Deutschland erhältlich. Damit können sich auch jüngere Kinder vor dem Coronavirus schützen. Das ist vor allem für Kinder mit Vorerkrankungen wichtig, denn sie haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf. Dazu gehören zum Beispiel Kinder mit einer Herzschwäche, Trisomie 21 oder starkem Übergewicht. Mehr als eine Millionen Kinder in Deutschland zwischen 5 und 11 Jahren haben die Möglichkeit bereits genutzt und sind geimpft (siehe Impfdashboard). Doch die Kinderimpfung ist auch mit Fragen verbunden: Wie sicher ist der Kinderimpfstoff? Sollten sich alle 5- bis 11-Jährigen damit impfen lassen? Hier finden Sie Antworten auf wichtige Fragen.

Erhalten Kinder zwischen 5 und 11 Jahren den gleichen Impfstoff wie Erwachsene?

Nein, der Impfstoff von BioNtech/Pfizer wurde für 5- bis 11-Jährige angepasst: Im Gegensatz zum Impfstoff für Jugendliche und Erwachsene enthält der neue Kinderimpfstoff mit nur zehn Mikrogramm (μg) mRNA pro Dosis eine geringere Dosierung als der Erwachsenenimpfstoff (30 μg pro Dosis). Am 2. März 2022 hat die Europäische Kommission außerdem den COVID-19-Impfstoff Spikevax® von Moderna in halber Dosierung (50 Mikrogramm mRNA) zur Anwendung bei Kindern ab 6 Jahren zugelassen.

Was empfiehlt die STIKO für Kinder zwischen 5 und 11 Jahren? 

In Abwägung aller Daten, die aktuell zur Verfügung stehen, empfiehlt die STIKO seit Mai 2022:

  • Alle Kinder zwischen 5 und 11 Jahren sollten sich zunächst einmalig mit einem mRNA-Impfstoff impfen lassen – vorzugsweise mit dem angepassten Impfstoff Comirnaty® 10 μg. Die Verwendung von Spikevax (50 μg) ist für 6- bis 11-jährige Kinder ebenfalls möglich.
  • Kinder mit Vorerkrankungen sollten eine Grundimmunisierung (zwei Impfdosen im Abstand von drei bis sechs Wochen) sowie eine Auffrischungsimpfung nach sechs Monaten erhalten.
  • Kinder (ohne Vorerkrankungen) mit engem Kontakt zu gefährdeten Personen, die ein hohes Risiko für einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf haben und die selbst nicht sicher durch eine eigene Impfung geschützt werden können (zum Beispiel Menschen mit einem geschwächten Immunsystem) empfiehlt die STIKO zwei Impfdosen im Abstand von drei bis sechs Wochen.
  • Kinder zwischen 5 und 11 Jahren mit einer Immundefizienz sollen – je nach Art und Ausprägung der Immunschwäche – mindestens drei Impfdosen zur Grundimmunisierung erhalten. Diese sollten im Mindestabstand von vier Wochen zur vorangegangenen Impfstoffdosis erfolgen. Außerdem empfiehlt die STIKO immungeschwächten Kindern zwei Auffrischungsimpfungen im Abstand von mindestens drei Monaten zur vorangegangenen Impfdosis.
  • Genesene Kinder sollten sich drei Monate nach der Infektion einmalig impfen lassen.
  • Gesunde Kinder, die bereits zweimal geimpft wurden, sollen zunächst keine weitere Impfung erhalten.

Bitte lassen Sie sich in jedem Fall ärztlich beraten, um persönliche Fragen zu klären. Eine gute Orientierung, wer wie geimpft werden sollte, bietet auch der Impf-Guide.

Wie wirksam und sicher ist der Kinderimpfstoff?

In den Zulassungsstudien konnten beide Kinderimpfstoffe das Risiko einer COVID-19-Erkrankung wirksam reduzieren und ein positives Nutzen-Risiko-Profil zeigen: Demnach reduzierte der Impfstoff Comirnaty® (10 μg) bei Kindern im Alter von 5 bis 11 Jahren das Risiko einer COVID-19-Erkrankung um rund 90 Prozent. Auch Spikevax® (50 μg) von Moderna erzielte in klinischen Studien bei 6- bis 11-Jährigen mit rund 76 Prozent eine hohe Wirksamkeit zur Verhinderung von Infektionen mit dem Coronavirus.

Wie gut schützt der Kinderimpfstoff vor Virusvarianten?

Neue Beobachtungsdaten zum für Kinder angepassten Impfstoff von BioNtech/Pfizer zeigen eine deutliche Reduktion der Schutzwirkung gegen Infektionen mit der aktuell vorherrschenden Omikron-Variante. Aber: Es wird auch deutlich, dass die Impfung weiterhin gut gegen schwere Erkrankungen schützt. Die Schutzwirkung fällt bei 5- bis 11-Jährigen vermutlich wegen der reduzierten Dosierung insgesamt geringer aus und lässt schneller nach als bei 12- bis 17-Jährigen. Durch das hohe Infektionsgeschehen in der Altersgruppe der 5- bis 11-Jährigen kann jedoch bei einem Großteil der Kinder durch eine Impfung eine sogenannte hybride Immunität aufgebaut werden, also eine Kombination aus einem natürlich erworbenen Schutz durch eine Coronavirus-Infektion und einem durch den Impfstoff vermittelten Schutz. Expertinnen und Experten gehen davon aus, dass diese Kombination besser vor Infektionen mit bisher bekannten Virusvarianten schützt als eine alleinige Infektion oder eine alleinige Impfung. Durch die breitere Immunantwort bestehe möglicherweise auch ein besserer Schutz gegen neue Virusvarianten, so die STIKO.

Warum sollen gesunde Kinder zwischen 5 und 11 Jahren zunächst nur einmal geimpft werden?

Mit der einmaligen Corona-Schutzimpfung können Kinder eine sogenannte Basisimmunität gegen das Coronavirus aufbauen, mit der sie das Virus schneller erkennen und dann erfolgreich bekämpfen können. Durch die Impfung kommt es zu einer ersten Immunantwort gegen das Spike-Protein, die im Falle einer späteren Notwendigkeit (z. B. bei indizierter Krankheitsschwere durch neu oder erneut zirkulierende Virusvarianten), zeitnah durch eine spätere weitere Impfung verstärkt werden kann.

Daten von Erwachsenen legen zudem nahe, dass ein längerer Abstand zwischen den beiden Impfdosen zur Grundimmunisierung eine höhere Wirksamkeit erzielen kann. Deshalb und mit Blick auf eine mögliche neue Infektionswelle (zum Beispiel im kommenden Herbst/Winter) empfiehlt die STIKO, allen 5- bis 11-jährigen Kinder in den Sommermonaten zunächst eine einmalige Impfung. So lässt sich ein möglichst langer Impfabstand erreichen, falls sich aufgrund der epidemischen Lage oder neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse die Notwendigkeit einer weiteren Impfung zur Optimierung des Immunschutzes zum Ende des Jahres ergibt.

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Die bisher beobachteten Impfreaktionen waren in der Regel mild und vergleichbar mit denen von Personen ab 12 Jahren und Erwachsenen. Berichtet wird etwa von Schmerzen sowie Rötung und Schwellung an der Einstichstelle, Müdigkeit und Kopfschmerzen. 

Konkret heißt dies: Die häufigsten Nebenwirkungen in der Zulassungsstudie von Comirnaty® 10 µg waren Schmerzen an der Einstichstelle (80 Prozent), Müdigkeit /Abgeschlagenheit (50 Prozent), Kopfschmerzen (30 Prozent), Rötung und Schwellung an der Einstichstelle (20 Prozent), Gliederschmerzen (10 Prozent).

Die Beschwerden sind meist leicht bis mäßig ausgeprägt und klingen innerhalb weniger Tage nach der Impfung ab. Auch das Risiko für sehr seltene Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) nach einer Impfung mit Corminaty® ist laut STIKO bei 5- bis 11-jährigen Kindern deutlich geringer als bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. In der Zulassungsstudie trat kein Fall einer Myokarditis auf. Daten aus dem Anwendungsbereich weisen auf Einzelfälle hin. In Deutschland wurde bislang kein bestätigter Myokarditisfall berichtet (zwei Verdachtsfälle befinden sich noch in Abklärung; Datenstand: 31.03.2022). In den USA wurden nach Verabreichung von ca. 8,7 Millionen Impfstoffdosen elf verifizierte Myokarditisfälle berichtet.

Daten zu Herzmuskelentzündungen nach Anwendung von Spikevax (50 μg) bei 6- bis 11-Jährigen liegen laut STIKO bislang nur aus der Zulassungsstudie vor. Auch hier wurde kein Fall berichtet. Neue Gefahrensignale oder Sicherheitsbedenken gebe es bislang weder bei der Kinderimpfung mit Comirnaty® (10 μg) noch bei Spikevax® (50 μg), heißt es in der Empfehlung.

Gut zu wissen:

In anderen Ländern kommt der Kinderimpfstoff schon länger zum Einsatz, zum Beispiel in den USA: Millionen Kinder zwischen 5 und 11 Jahren sind dort bereits gegen COVID-19 geimpft worden und täglich kommen mehr dazu. Expertinnen und Experten können dadurch jeden Tag zusätzliche Daten und Erfahrungswerte zur Kinderimpfung sammeln, die die Erkenntnisse zum Sicherheitsprofil des Impfstoffs weiter erhöhen. Die Impfstoffe werden also auch nach ihrer Zulassung permanent überwacht und die Impfempfehlungen bei neuen Erkenntnissen, Gefahrensignalen oder steigenden Infektionszahlen entsprechend angepasst.

Weitere Informationen zu den Nebenwirkungen finden Sie im aktuellen mRNA-Aufklärungsmerkblatt und in den elektronisch zugänglichen Produktinformationstexten, die über das Paul-Ehrlich-Institut zugänglich sind.

Aufklärungsmerkblatt zur Corona-Schutzimpfung (mRNA-Impfstoff)

 

Wo kann ich mein Kind impfen lassen?

Vor allem Vertragsärztinnen und -ärzte, wie Kinder- und Jugendärztinnen und -ärzte führen die Impfungen durch. Auch Krankenhäuser mit Kinderkliniken beziehungsweise pädiatrischen Abteilungen und Impfzentren mit entsprechend Beratungskonzepten können den Kinderimpfstoff verabreichen. Am besten erkundigen Sie sich bei Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt nach der Corona-Schutzimpfung für Kinder ab 5 Jahren. Auch auf den Webseiten der Bundesländer finden Sie Informationen zu Impfangeboten in Ihrer Nähe.

 

 

Wie sinnvoll ist die Corona-Schutzimpfung für 5- bis 11-jährige?

Die Entscheidung für oder gegen die Corona-Schutzimpfung liegt bei den Sorgeberechtigten. Sprechen Sie mit Ihrem Kind über das Thema und treffen Sie die Entscheidung gemeinsam. Fest steht: Die STIKO (ein unabhängiges Expertengremium) hat alle derzeit verfügbaren wissenschaftlichen Daten sorgfältig geprüft und spricht sich eindeutig für die COVID-19-Impfung bei Kindern aus. Denn mit der Impfung ab 5 Jahren können auch kleinere Kinder besser vor dem Coronavirus geschützt werden – das ist vor allem für Kinder wichtig, die aufgrund einer Vorerkrankung ein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-19-Krankheitsverlauf oder viel Kontakt zu Menschen mit einem erhöhten Risiko haben (beispielsweise Geschwister mit Vorerkrankungen oder Großeltern). So können Sie Ihr Kind selbst und besonders gefährdete Personen in Ihrer Familie, Ihrem Haushalt oder Ihrem Arbeitsumfeld schützen.

Außerdem ist das Infektionsgeschehen in den Grundschulen aufgrund der ansteckenden Omikron-Variante zurzeit sehr dynamisch und die Inzidenzen bei jüngeren Kindern sind sehr hoch. Mit der COVID-19-Impfung baut Ihr Kind eine Basisimmunität gegen das Coronavirus auf und kann das Virus im Fall einer Infektion besser bekämpfen.

Wichtig bleibt: Kinder zwischen 5 und 11 Jahren, die sich mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 infizieren, erkranken weniger schwer als Erwachsene. Die meisten Infektionen verlaufen mild oder ohne Symptome, nur sehr wenige Kinder erkranken schwer an COVID-19 und müssen im Krankenhaus behandelt werden. Mehr zu COVID-19 bei Kindern finden Sie hier.  

Nutzen Sie die Chance und sprechen Sie mit Ihrer Kinderärztin oder Ihrem Kinderarzt über die Corona-Schutzimpfung und lassen Sie sich individuell beraten. Ebenfalls wichtig: Vor allem Erwachsene, die sich gegen COVID-19 impfen lassen können und dies noch nicht getan haben, sollten sich jetzt mit der Corona-Schutzimpfung vor einer schweren Erkrankung schützen oder ihren Impfschutz boostern lassen – um sich und andere vor dem Coronavirus zu schützen.

Weitere Informationen zur Corona-Schutzimpfung für Kinder und Jugendliche sowie eine Entscheidungshilfe für Eltern und Sorgeberechtigte finden Sie auf unserer Informationsseite für Familien.

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