COVID-19
13:22 · 14. April 2022

Was die verschiedenen Indikatoren über die Pandemielage sagen

Fallzahlen, Inzidenzen, Intensivbetten: Hier wird erklärt, was die unterschiedlichen Indikatoren über das Pandemiegeschehen aussagen.

Fallzahlen

Die Anzahl der COVID-19-Fälle lässt Rückschlüsse darauf zu, wie viele Krankenhaus- und Intensivpatientinnen und -patienten zu erwarten sind: Derzeit werden circa vier bis fünf Prozent der in Deutschland übermittelten Fälle wegen eines schweren COVID-19-Verlaufs im Krankenhaus behandelt. Studien haben ergeben, dass von den im Krankenhaus behandelten Personen etwa 14 Prozent intensivmedizinisch betreut werden müssen.

Das täglich aktualisierte COVID-19-Dashboard des Robert Koch-Instituts (RKI), das unter anderem auch die Anzahl der COVID-19-Fälle abbildet, können Sie hier einsehen. Den wochentäglich aktualisierten Situationsbericht des RKI finden Sie hier.

Die veröffentlichten Fallzahlen können allerdings nicht das tagesaktuelle Infektionsgeschehen widerspiegeln. Von der Ansteckung bis zu den ersten Symptomen vergehen meist fünf oder sechs Tage. Nicht in allen Fällen wird dann umgehend ein Test durchgeführt. Bis ein Ergebnis vorliegt, dieses an das Gesundheitsamt vor Ort und von dort über die Landesbehörden weiter an das RKI übermittelt wird, welches die Zahlen zusammenführt und veröffentlicht, vergehen mitunter Tage. Dennoch helfen die Fallzahlen, neben weiteren Indikatoren, grundlegende Entwicklungen der Pandemie zu verdeutlichen und frühzeitig auf bevorstehende Engpässe, etwa in der Versorgung COVID-19-Erkrankter, hinzuweisen.

Inzidenz

Auf Basis der Fallzahlen wird die Inzidenz berechnet. Sie zeigt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner einer Region oder eines Landes innerhalb eines bestimmten Zeitraums an. Wenn sich beispielsweise binnen einer Woche 100 Menschen einer Stadt mit 200.000 Einwohnern neu infizieren, steigt die Inzidenz dieser Stadt auf 50. Man spricht bei Betrachtung eines Zeitraums von sieben Tagen auch von der Sieben-Tage-Inzidenz. Die Inzidenz ist neben der Hospitalisierungsrate ein wesentliches Instrument, das Infektionsrisiko für die Bevölkerung während einer Pandemie zu bewerten. Mit ihrer Hilfe lässt sich frühzeitig messen, wie sich das Infektionsgeschehen und damit die Übertragbarkeit entwickelt. Der Begriff stammt vom englischen „incidence“ (Auftreten, Vorkommen, Ereignis) ab. Wie hoch die Inzidenzen aktuell deutschlandweit liegen, können Sie hier einsehen:

Hospitalisierungsrate

Die Hospitalisierungsrate ermöglicht, das Auftreten schwerer COVID-19-Erkrankungen zu bewerten. Je mehr Menschen geimpft sind, desto höher ist die Immunität in der Bevölkerung – schwere Krankheitsfälle werden seltener. Um die Hospitalisierungsrate zu ermitteln, hat das Bundesministerium für Gesundheit im Sommer 2021 eine Meldepflicht eingeführt: Krankenhäuser müssen seitdem die Anzahl COVID-19-Erkrankter übermitteln. Die Hospitalisierungsrate stellt dar, wie viele COVID-19-Fälle pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner einer bestimmten Region im Krankenhaus behandelt werden müssen. In der Regel wird die Rate ebenso wie die Inzidenz über einen Zeitraum von sieben Tagen ermittelt. 

Fallzahlen in intensivmedizinischer Behandlung

Bereits seit April 2020 müssen alle Krankenhäuser mit Intensivbetten täglich unter anderem die Anzahl der COVID-19-Fälle in intensivmedizinischer Behandlung melden. Das Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und des RKI stellt dies tagesaktuell in einem Report dar. Darüber hinaus zeigt das Intensivregister, wie viele dieser Patientinnen und Patienten invasiv beatmet werden, bei wie vielen die Behandlung abgeschlossen wurde und wie viele verstorben sind. Es erfasst zudem die freien betreibbaren und die belegten Behandlungskapazitäten in der Intensivmedizin von etwa 1.300 täglich meldenden Krankenhaus-Standorten in Deutschland. Damit kann das Intensivregister Hinweise auf Engpässe in der intensivmedizinischen Versorgung im regionalen und zeitlichen Vergleich geben.

Todesfälle

Hierbei handelt es sich um die Anzahl von Menschen, bei denen das Coronavirus SARS-CoV-2 nachgewiesen wurde und die im Zusammenhang mit oder an ihrer COVID-19-Erkrankung verstorben sind. Vorerkrankungen stellen dabei teilweise Risikofaktoren für das Auftreten eines schweren Verlaufs dar. Sowohl Menschen, die unmittelbar an der COVID-19-Erkrankung verstorben sind, als auch Personen mit Vorerkrankungen, die mit SARS-CoV-2 infiziert waren und bei denen sich nicht abschließend nachweisen lässt, was die Todesursache war, werden derzeit erfasst. Bei einem Großteil der an das RKI übermittelten COVID-19-Todesfälle wird angegeben, dass sie an COVID-19 verstorben sind. Eine Studie des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf zeigt, dass die meisten der im Rahmen der Studie untersuchten Todesfälle tatsächlich direkt auf das Virus zurückgehen.

Die Hotspot-Regelung

Das Infektionsgeschehen in Deutschland unterscheidet sich regional sehr stark. Durch das Infektionsschutzgesetz haben die Bundesländer die Möglichkeit, regionale Schutzmaßnahmen zu beschließen, wenn eine Überlastung des Gesundheitssystems dort – in sogenannten Hotspots ­– droht.

Zum Hotspot kann ein Gebiet erklärt werden, wenn:   

  • in dem Gebiet die Ausbreitung einer Virusvariante des Coronavirus SARS-CoV-2 festgestellt wird, die eine signifikant höhere Pathogenität als die bisher verbreitete Variante aufweist,
  • Krankenhäuser aufgrund einer besonders hohen Anzahl von Neuinfektionen oder eines besonders starken Anstiegs an Neuinfektionen 
    • Eingriffe verschieben müssen
    • Patientinnen und Patienten verlegen müssen
    • sich von der Notfallversorgung abmelden müssen.

Weitere Parameter, die zur Bewertung des Pandemiegeschehens herangezogen werden können

Impfquote

Aktuelle Daten zum Impfstatus der Bevölkerung sind unter anderem dafür wichtig, den Pandemieverlauf besser einschätzen und künftige Maßnahmen gezielter abwägen zu können – zum Beispiel in Form von Modellierungen wie sie das RKI erstellt. Angaben zu durchgeführten COVID-19-Impfungen werden mithilfe des Digitalen Impfquoten-Monitorings (DIM) an das RKI gemeldet. Die Impfquote sowie weitere DIM-Meldedaten werden täglich im Impfdashboard dargestellt und aktualisiert. Sie sind grundsätzlich als Mindestimpfquoten zu verstehen, da eine hundertprozentige Erfassung durch Meldesysteme nicht erreicht werden kann. Mehr Informationen zum aktuellen Stand der COVID-19-Impfungen finden Sie im Impfdashboard. Um einen Überblick über die Impfbereitschaft und -akzeptanz verschiedener Bevölkerungsgruppen in Deutschland zu erhalten, führt das RKI ergänzend regelmäßig ein telefonisches COVID-19-Impfquoten-Monitoring (COVIMO) durch. Bei dieser COVIMO-Befragung wurden anhand der Angaben der Befragten höhere Durchimpfungsraten ermittelt. Unter Berücksichtigung der ausgegebenen Impfstoffdosen an Betriebsärztinnen und Betriebsärzte und niedergelassene Ärztinnen und Ärzte geht das RKI davon aus, dass die tatsächliche Impfquote bis zu fünf Prozentpunkte höher liegt als auf dem Impfdashboard angegeben. Die Erkenntnisse aus der Umfrage geben zudem Hinweise zur Impfakzeptanz der Bevölkerung sowie zu bestehenden Impflücken. Anhand zielgruppenspezifischer Impfdaten lassen sich Trends, regionale Unterschiede und soziodemografische Besonderheiten beim Impfschutz erkennen und in die Impfstrategie einbeziehen. 

Anzahl bestätigter Infektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2

Diese Zahl zeigt die Gesamtzahl an Menschen, bei denen eine laborbestätigte SARS-CoV-2-Infektion nachgewiesen und gemeldet wurde. Allerdings gilt: Wer zum Beispiel wegen Symptomfreiheit nicht getestet wurde, taucht in der Statistik nicht auf. Wie hoch die Untererfassung dieser Zahl aufgrund der unentdeckten Infektionen tatsächlich ist, wird in Studien wie „Leben in Deutschland – Corona-Monitoring“ des RKI und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung untersucht.

Genesene und aktive Infektionen

Bei der Gesamtzahl der genesenen Personen handelt es sich um einen Schätzwert des RKI auf Grundlage verschiedener Daten, zum Beispiel der von den Gesundheitsämtern übermittelten Detailinformationen zum Erkrankungsbeginn beziehungsweise zur Hospitalisierung. Zieht man den geschätzten Wert der Genesenen und den Wert der COVID-19-Todesfälle von jenem der bestätigten Infektionen ab, ergibt sich die geschätzte Zahl der aktiven Infektionen – jener Menschen, die akut eine SARS-CoV-2-Infektion durchmachen.

Fazit

Die erhobenen Fallzahlen sind eine wichtige Grundlage, um die pandemische Lage zu verstehen und Maßnahmen gegen die weitere Ausbreitung des Coronavirus zu ergreifen. Darüber hinaus sind die oben aufgeführten Indikatoren Impfquote, Hospitalisierungsrate sowie die Fallzahlen in intensivmedizinischer Behandlung wichtige Aspekte zur Einschätzung des Pandemiegeschehens sowie zur Kontrolle des Infektionsgeschehens. Allgemein gilt: Je mehr Bürgerinnen und Bürger sich impfen lassen, desto weniger COVID-19-Fälle mit schweren Verläufen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. Das wiederum bedeutet, dass das Gesundheitssystem weniger belastet wird. Darum ist die COVID-19-Schutzimpfung neben der AHA+A+L-Regel eine wichtige Säule im Kampf gegen die Pandemie.

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