COVID-19
08:30 · 7. Dezember 2022

Was die verschiedenen Indikatoren über die Pandemielage sagen

Fallzahlen, Inzidenzen, Intensivbetten: Hier wird erklärt, was die unterschiedlichen Indikatoren über das Pandemiegeschehen aussagen.

Fallzahlen

Die Anzahl der COVID-19-Fälle lässt Rückschlüsse darauf zu, wie viele Krankenhaus- und Intensivpatientinnen und -patienten zu erwarten sind.
Das täglich aktualisierte COVID-19-Dashboard des Robert Koch-Instituts (RKI), das unter anderem auch die Anzahl der COVID-19-Fälle abbildet, können Sie hier einsehen. Den wochentäglich aktualisierten Situationsbericht des RKI sowie den Pandemieradar finden Sie hier.

Die veröffentlichten Fallzahlen können allerdings nicht das tagesaktuelle Infektionsgeschehen widerspiegeln. Von der Ansteckung bis zu den ersten Symptomen vergehen meist fünf oder sechs Tage. Nicht in allen Fällen wird dann umgehend ein Test durchgeführt. Bis ein Ergebnis vorliegt, dieses an das Gesundheitsamt vor Ort und von dort über die Landesbehörden weiter an das RKI übermittelt wird, das die Zahlen zusammenführt und veröffentlicht, vergehen mitunter Tage. Zudem ist davon auszugehen, dass eine hohe Zahl der Infektionen nicht erfasst wird, weil viele Infizierte keinen PCR-Test zur Bestätigung der Infektion durchführen lassen. Nur positive PCR-Tests werden in die Statistik aufgenommen. Dennoch helfen die Fallzahlen, neben weiteren Indikatoren, grundlegende Entwicklungen der Pandemie zu verdeutlichen und frühzeitig auf bevorstehende Engpässe, etwa in der Versorgung COVID-19-Erkrankter, hinzuweisen.

7-Tage-Inzidenz

Auf Basis der Fallzahlen wird die 7-Tage-Inzidenz berechnet. Sie zeigt die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner einer Region oder eines Landes innerhalb einer Woche an. Wenn sich beispielsweise binnen einer Woche 100 Menschen einer Stadt mit 200.000 Einwohnerinnen und Einwohnern neu infizieren, steigt die Inzidenz dieser Stadt auf 50. Die 7-Tage-Inzidenz ist somit ein wesentliches Instrument zur Bewertung des Infektionsrisikos für die Bevölkerung während einer Pandemie. Mit ihrer Hilfe lässt sich frühzeitig erkennen, wie sich das Infektionsgeschehen und damit die Übertragbarkeit vor Ort entwickelt. Der Begriff stammt vom englischen „incidence“ (Auftreten, Vorkommen, Ereignis) ab. Wie hoch die Inzidenzen aktuell deutschlandweit liegen, können Sie hier einsehen:

Hospitalisierungsrate

Die Hospitalisierungsrate ermöglicht, das Auftreten schwerer COVID-19-Erkrankungen zu bewerten. Um sie zu ermitteln, hat das Bundesministerium für Gesundheit im Sommer 2021 eine Meldepflicht eingeführt: Krankenhäuser müssen seitdem die Anzahl COVID-19-Erkrankter übermitteln. Die Hospitalisierungsrate stellt dar, wie viele COVID-19-Erkrankte pro 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner einer bestimmten Region im Krankenhaus behandelt werden müssen. In der Regel wird die Rate ebenso wie die 7-Tage-Inzidenz über einen Zeitraum von sieben Tagen ermittelt.

Fallzahlen in intensivmedizinischer Behandlung

Bereits seit April 2020 müssen alle Krankenhäuser mit Intensivbetten täglich unter anderem die Anzahl der COVID-19-Fälle in intensivmedizinischer Behandlung melden. Das Intensivregister der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) und des RKI stellen dies tagesaktuell in einem Report dar. Darüber hinaus zeigt das Intensivregister, wie viele dieser Patientinnen und Patienten invasiv beatmet werden, bei wie vielen die Behandlung abgeschlossen wurde und wie viele verstorben sind. Es erfasst zudem die freien betreibbaren und die belegten Behandlungskapazitäten in der Intensivmedizin von etwa 1.300 täglich meldenden Krankenhaus-Standorten in Deutschland. Damit kann das Intensivregister Hinweise auf Engpässe in der intensivmedizinischen Versorgung im regionalen und zeitlichen Vergleich geben.

Todesfälle

Hierbei handelt es sich um die Anzahl von Menschen, bei denen das Coronavirus nachgewiesen wurde und die im Zusammenhang mit oder an ihrer COVID-19-Erkrankung gestorben sind. Vorerkrankungen stellen dabei teilweise Risikofaktoren für das Auftreten eines schweren Verlaufs dar. Erfasst werden dabei sowohl Menschen, die unmittelbar an der COVID-19-Erkrankung gestorben sind, als auch Personen mit Vorerkrankungen, die mit dem Coronavirus infiziert waren und bei denen sich nicht abschließend nachweisen lässt, was die Todesursache war. Bei einem Großteil der an das RKI übermittelten COVID-19-Todesfälle wird angegeben, dass sie an COVID-19 verstorben sind.

Weitere Parameter, die zur Bewertung des Pandemiegeschehens herangezogen werden können

Impfquote

Aktuelle Daten zum Impfstatus der Bevölkerung sind unter anderem wichtig, um den Pandemieverlauf besser einschätzen und künftige Maßnahmen gezielter abwägen zu können – zum Beispiel in Form von Modellierungen, wie sie das RKI erstellt. Angaben zu durchgeführten COVID-19-Impfungen werden mithilfe des Digitalen Impfquoten-Monitorings (DIM) an das RKI gemeldet. Die Impfquote sowie weitere DIM-Meldedaten werden täglich im Impfdashboard dargestellt und aktualisiert. Sie sind grundsätzlich als Mindestimpfquoten zu verstehen, da eine hundertprozentige Erfassung durch Meldesysteme nicht erreicht werden kann. Um einen Überblick über die Impfbereitschaft und -akzeptanz verschiedener Bevölkerungsgruppen in Deutschland zu erhalten, führt das RKI ergänzend regelmäßig ein telefonisches COVID-19-Impfquoten-Monitoring (COVIMO) durch. Bei dieser COVIMO-Befragung deuteten die an Betriebsärztinnen und Betriebsärzte und an niedergelassene Ärztinnen und Ärzte ausgegebenen Impfstoffdosen darauf hin, dass die tatsächliche Impfquote bis zu fünf Prozentpunkte höher liegt als auf dem Impfdashboard angegeben. Anhand zielgruppenspezifischer Impfdaten lassen sich Trends, regionale Unterschiede und soziodemografische Besonderheiten beim Impfschutz erkennen und in die Impfstrategie einbeziehen. 

Entscheidungsgrundlagen für Bundesländer

Das Infektionsgeschehen in Deutschland unterscheidet sich regional sehr stark. Mit dem Pandemieradar erhalten die Länder eine tiefgehende Entscheidungshilfe, ob vor Ort eine konkrete Gefahr für die kritische Infrastruktur oder das Gesundheitssystem besteht oder droht. Im Rahmen der Festlegung von Schutzmaßnahmen können die Länder individuell Schwellenwerte für die Indikatoren des Pandemie-Radars festsetzen und somit u. a. bestimmen, wann eine konkrete Gefahr besteht. Als Indikatoren können unter anderem das Abwassermonitoring, die 7-Tage-Inzidenz der Neuinfektionen und die Anzahl der Hospitalisierungen in Bezug auf COVID-19 dienen. Mehr dazu erfahren Sie hier.

Abwassermonitoring

Das Coronavirus gelangt über Ausscheidungen (Stuhl, Urin oder Speichel) ins Abwasser. Die teilnehmenden Standorte (Kläranlage und Labor) messen die Viruslast im Abwasser der beteiligten Kläranlagen und übermitteln die Daten über die Bundesländer an das Umweltbundesamt. Dort werden die Daten qualitätsgeprüft, normalisiert und wöchentlich dem RKI übermittelt. Das RKI erstellt daraus die auf der Internetseite des Pandemieradars dargestellte Trendanalyse.

Die im Abwasser erhobenen Daten erlauben grundsätzlich Rückschlüsse auf den Trend der Infektionsdynamik, jedoch nicht auf die Krankheitsschwere. Das Abwassermonitoring befindet sich derzeit im Aufbau.

Stationäre Versorgungskapazitäten

Die Krankenhäuser müssen täglich Angaben machen, mit denen ermittelt werden kann, wie viele Behandlungskapazitäten ihnen auf Normalstationen und in der intensivmedizinischen Behandlung aktuell zur Verfügung stehen. Sie melden täglich die Anzahl belegter und betreibbarer Kinder- und Erwachsenenbetten auf Normalstationen für den jeweiligen Vortag. Die Daten werden über das Deutsche Elektronische Melde- und Informationssystem für den Infektionsschutz (DEMIS) übermittelt. Die Daten zu den intensivmedizinischen Behandlungskapazitäten werden von den Krankenhäusern über das DIVI-Register übermittelt (siehe Fallzahlen in intensivmedizinischer Behandlung). Zudem müssen Angaben zu den Beatmungskapazitäten gemacht werden. Die Angaben werden differenziert für Kinder und Erwachsene übermittelt.

Fazit

Die erhobenen Fallzahlen sind eine wichtige Grundlage, um die pandemische Lage zu verstehen und Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus zu ergreifen. Darüber hinaus sind die oben aufgeführten Indikatoren Impfquote, Hospitalisierungsrate sowie die Fallzahlen in intensivmedizinischer Behandlung und die Krankenhauskapazitäten wichtig, um das Pandemiegeschehen und die Funktionsfähigkeit des Gesundheitssystems einzuschätzen. Allgemein gilt: Je mehr Bürgerinnen und Bürger sich impfen lassen, desto weniger COVID-19-Fälle mit schweren Verläufen, die im Krankenhaus behandelt werden müssen. Das wiederum bedeutet, dass das Gesundheitssystem weniger belastet wird.

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