COVID-19
08:05 · 18. Mai 2022

Warum Lüften das Infektionsrisiko senkt

Das Coronavirus wird vor allem über virenbeladene Aerosolpartikel übertragen. Insbesondere in geschlossenen Räumen erhöhen sie das Infektionsrisiko. Warum richtiges Lüften hilft, das Risiko einer SARS-CoV-2-Infektion zu reduzieren, lesen Sie hier.

Das Coronavirus verbreitet sich über Aerosole /

Nach derzeitigen Erkenntnissen wird das Coronavirus in erster Linie über Tröpfchen und Aerosole übertragen, die wir beispielsweise beim Sprechen, Husten oder Niesen ausstoßen. Diese Partikel können über längere Zeit in der Luft schweben. Wird ein Abstand von mindestens 1,5 Metern zu anderen Personen eingehalten, sinkt das Risiko, den Tröpfchen und – in gewissem Umfang – den Aerosolen ausgesetzt zu sein. 

Wie SARS-CoV-2 durch Aerosole übertragen wird

Aerosole sind feinste luftgetragene Flüssigkeitspartikel und Tröpfchenkerne. Sie entstehen zum Beispiel beim Sprechen an den Stimmlippen und gelangen beim Ausatmen in die Umwelt. Da sie viel kleiner und leichter sind als Tröpfchen, fallen sie nicht so schnell zu Boden und können über längere Zeit im Raum schweben. Dieser Schwebezustand macht sie als Virusträger so gefährlich, vor allem in Innenräumen. Ob Chorproben oder Fitness-Kurse im Sportstudio, ob beim Sprechen mit hoher Lautstärke oder bei körperlicher Aktivität: Wenn sich viele Menschen in nicht ausreichend belüfteten Räumen aufhalten, sammeln sich verstärkt Aerosole in der Luft – eine ideale Voraussetzung für Virusinfektionen. Selbst wenn der Mindestabstand eingehalten wird, lässt sich einer Infektion in diesem Fall unter Umständen nicht mehr vorbeugen. Weitere Informationen zu ansteckenden Aerosolen in Innenräumen finden Sie auf den Seiten des Umweltbundesamtes. Es wird empfohlen, auch im Freien den Mindestabstand zu wahren und größere Menschenansammlungen zu vermeiden, um sich möglichst wenigen Tröpfchen und Aerosolen auszusetzen.

Ansteckung mit COVID-19 durch Tröpfcheninfektion

So geht richtiges Lüften

Richtiges Lüften hat in der Coronavirus-Pandemie eine zentrale Bedeutung. Ein effektiver Luftaustausch kann den Anteil an Aerosolen in einem Raum entscheidend senken. Darum gilt: Sorgen Sie zuhause und am Arbeitsplatz durch regelmäßiges öffnen der Fenster für ausreichend frische Luft. Das gilt ebenso für andere Innenräume, in denen viele Menschen zusammenkommen.

Möglichst hohe Zufuhr von Frischluft


Die Innenraumlufthygiene-Kommission am Umweltbundesamt rät, in Innenräumen für eine möglichst hohe Frischluftzufuhr zu sorgen. Besonders empfohlen wird eine Querlüftung, bei der durch gegenüberliegende weit geöffnete Fenster Raumluft schnell gegen Frischluft ausgetauscht wird. Besonders effektiv ist eine Stoßlüftung bei weit geöffnetem Fenster über einige Minuten. Wenn eine Person im Raum hustet oder niest, sollte am besten sofort stoßgelüftet werden. Sind viele Personen im Raum anwesend (zum Beispiel bei einem Familienbesuch), empfiehlt es sich, während der Verweildauer gründlich zu lüften – ein lediglich gekipptes Fenster ist kaum wirksam, auch wenn es dauerhaft offensteht.

Lüften in Schulen


Bei 20-30 Kindern pro Klasse wird empfohlen, in jeder Unterrichtspause intensiv bei weit geöffneten Fenstern zu lüften – in Unterrichtseinheiten von mehr als 45 Minuten Dauer auch während des Unterrichtes. Dabei sollte darauf geachtet werden, dass möglicherweise ansteckende Aerosole während des Lüftens nicht in andere Räume gelangen. Kann zum Beispiel nicht quergelüftet werden, weil im Flur keine Fenster vorhanden sind, sollte die Tür zum Flur geschlossen bleiben. CO2-Sensoren können helfen, schnell zu erkennen, wann gelüftet werden sollte. Eventuell vorhandene raumlufttechnische Anlagen sollten in den Schulen durchgehend laufen. Allerdings reicht selbst der Einsatz von mobilen Luftreinigern mit integrierten HEPA-Filtern in Klassenräumen nach Ansicht des Umweltbundesamtes nicht aus, um wirkungsvoll über die gesamte Unterrichtsdauer Schwebepartikel (z. B. Viren) aus der Raumluft zu entfernen. Solche Geräte können gründliches Lüften nicht ersetzen und sollten allenfalls ergänzend eingesetzt werden. Hier erfahren Sie mehr zum richtigen Lüften in Schulen

AHA + L beachten

Generell sollte der Einsatz bestimmter Lüftungsgeräte nicht dazu führen, sich in „falscher Sicherheit“ zu wähnen. Auch regelmäßiges Lüften ist nur eines von mehreren wichtigen Werkzeugen und kann die anderen Schutzmaßnahmen, die in der AHA-Formel zusammengefasst sind (Abstand, Hygiene, Alltag mit Maske), nicht ersetzen. Deswegen lautet die Formel für alle Jahreszeiten AHA + L. L steht dabei für richtiges und regelmäßiges Lüften.

AHA+L

Lesen Sie hier die Empfehlung der Bundesregierung zum infektionsschutzgerechten Lüften.

Warum selbst raumlufttechnische Anlagen keine hundertprozentige Sicherheit bieten

Die nachhaltigste Maßnahme, um die Luftqualität in Innenräumen zu verbessern und somit das Infektionsrisiko zu senken, ist laut Umweltbundesamt der Einbau fest installierter raumlufttechnischer (RLT)-Anlagen. Da sich solche Anlagen aber nur mit großem baulichen und technischen Aufwand einbauen lassen empfiehlt das Umweltbundesamt neben der Einhaltung der AHA-Regeln: In Räumen, in denen sich Personen aufhalten, möglichst entweder nur Frischluft von außen zuzuführen – oder bei raumlufttechnischen Anlagen (RLT) mit Umluftanteil die Anlagen mit zusätzlicher Filterung (HEPA-Filter) zu versehen. Viele bestehende Anlagen mit lediglich zwei Filterstufen, wie sie in Büros, Restaurants oder Veranstaltungshallen üblich sind, reichen nicht aus, um infektiöse Partikel wirksam zurückzuhalten. Dazu bedarf es einer dritten Filterstufe mit hochabscheidenden Filtern (HEPA) – das heißt mit Filtern, die bestimmte Partikel besonders effektiv aus der Luft filtern – , die zudem regelmäßig zu wechseln sind. Können RLT-Anlagen nicht entsprechend nachgerüstet werden, bleibt kurzfristig nur das zusätzliche Lüften bei Bedarf über die Fenster und mittelfristig der Umbau der Anlagentechnik.

Das Umweltbundesamt gibt darüber hinaus zu bedenken: Durch konsequentes Lüften und dem sachgerechten Einsatz von Lüftungstechniken in Innenräumen kann das Risiko einer Coronavirus-Infektion deutlich reduziert werden – ein hundertprozentiger Schutz vor Infektionen kann dabei jedoch nach jetzigem Erkenntnisstand nicht erreicht werden.

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