COVID-19
15:15 · 28. April 2022

Wie entstehen Coronavirus-Varianten – und wie gefährlich sind sie?

Viren verändert sich mit der Zeit – so auch das Coronavirus SARS-CoV-2. Wie Virusvarianten des Coronavirus entstehen, erfahren Sie in diesem Artikel.

Virusvarianten stehen unter ständiger Beobachtung.

Wenn Viren in Körperzellen gelangen, vervielfältigen sie sich dort. Dabei wird das ursprüngliche Virus vielfach kopiert. Beim Entstehen der zahlreichen Duplikate kommt es immer wieder zu kleinen Kopierfehlern in der Erbinformation des Virus (Genom). Das durch einen solchen „Fehler“ zufällig entstandene Virus wird Virusvariante genannt – es ist eine ähnliche, aber eben nicht identische Variante des ursprünglichen Virus. Im Volksmund werden Virusvarianten oft vereinfacht auch als Mutationen bezeichnet. Die meisten dieser Varianten haben wenige oder keine Auswirkungen auf das Pandemiegeschehen, manche sind jedoch, beispielsweise, ansteckender. So können sich Virusvarianten dann leichter und schneller ausbreiten – und dabei auf Dauer sogar die ursprüngliche Variante verdrängen.

Als besorgniserregend eingestuft: Die Delta-Variante

Rund 1.500 verschiedene Varianten von SARS-CoV-2 sind derzeit bekannt. Je mehr sich das Coronavirus verbreitet, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich weitere, potenziell gefährliche Virusvarianten entwickeln und durchsetzen. Die Virusvariante Delta ordnet die Weltgesundheitsorganisation (WHO) den „besorgniserregenden Varianten“ (VOC – Variants of Concern) zu. Laboruntersuchungen sowie eine Risikoeinschätzung des Europäischen Zentrums für die Prävention und Kontrolle von Krankheiten (ECDC) haben ergeben, dass sich die Delta-Variante leichter von Mensch zu Mensch überträgt als die zuvor bekannten Varianten und womöglich schwerere Krankheitsverläufe zur Folge hat. Um das Risiko einer Ansteckung mit der Delta-Variante einzudämmen, sollten die bekannten Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung konsequent eingehalten werden. Es gilt also weiterhin: Abstand halten, Hygieneregeln beachten, im Alltag Maske tragen, lüften und die Corona-Warn-App nutzen (AHA+L+A). Und natürlich: impfen und boostern lassen!

Aktuell in Deutschland dominierend: Die Omikron-Variante

Die WHO hat zuletzt – am 26.11.2021 – die Virusvariante Omikron (B.1.1.529) in die Liste der Varianten unter Beobachtung (VOI – Variants of Interest) aufgenommen. Omikron besitzt im Vergleich zum ursprünglichen Virus SARS-CoV-2 eine ungewöhnlich hohe Zahl von ca. 30 Aminosäureänderungen im Spike-Protein, aber auch viele Mutationen, deren Bedeutung unklar ist. Untersuchungen zeigen, dass die Variante unabhängig von der Delta-Variante entstanden ist.

Sollte ich auf den Omikron-Impfstoff warten? Wie gut sind  Genesene geschützt? Diese und weitere Fragen klärt Prof. Dr. Christine Falk in der neuesten Ausgabe von #KurzundSchmerzlos.

#KurzundSchmerzlos: Prof. Dr. Christine Falk über Omikron

RKI ändert Risikobewertung: Aktuell sehr hohe Gefährdung durch COVID-19 aufgrund der Omikron-Variante

Die Omikron-Variante verbreitet sich nach derzeitigem Kenntnisstand deutlich schneller und effektiver als die bisherigen Virusvarianten. Auch wenn die Omikron-Welle in Deutschland noch am Anfang steht, zeigt der Blick ins Ausland, dass durch diese Variante mit einer Infektionswelle von bisher noch nicht beobachteter Dynamik gerechnet werden muss, so das Robert Koch-Institut (RKI). Dadurch kann es zu einer schlagartigen Erhöhung der Infektionsfälle und einer schnellen Überlastung des Gesundheitssystems und ggf. weiterer Versorgungsbereiche kommen. Auch bestehen noch Unsicherheiten hinsichtlich der Effektivität und Dauer des Impfschutzes sowie der Schwere der Erkrankung. Aufgrund des Auftretens und der rasanten Verbreitung der Omikron-Variante hat das RKI seine Risikobewertung am 21. Dezember 2021 geändert und schätzt die Gefährdung durch COVID-19 für die Gesundheit der Bevölkerung in Deutschland jetzt insgesamt als sehr hoch ein. Die Infektionsgefährdung wird für die Gruppe der Ungeimpften als sehr hoch, für die Gruppen der Genesen und Geimpften mit Grundimmunisierung (zweimalige Impfung) als hoch und für die Gruppe der Geimpften mit Auffrischimpfung (dreimalige Impfung) als moderat eingeschätzt.

Wo finde ich weitere Informationen über die Coronavirus-Varianten?

  • Eine Übersicht über SARS-CoV-2-Varianten stellt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Verfügung.
  • Eine Zusammenfassung der aktuellen Situation in Deutschland bietet die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA).
  • Einen Überblick über aktuelle Sequenzen liefert u.a. die größte öffentliche Sequenzdatenbank für Influenzaviren GISAID.
  • Molekularbiologische Details verschiedener Virusvarianten hat das Robert Koch-Institut (RKI) aufbereitet. Sie sind hier abrufbar.

Wirkt die Corona-Schutzimpfung auch gegen die neuen Virusvarianten?

Alle in Deutschland zugelassenen Impfstoffe sind nach aktuellem Stand der Wissenschaft auch gegen neue Virusvarianten wirksam.

Insbesondere die beiden von der Europäischen Kommission zugelassenen mRNA-Impfstoffe Comirnaty® von BioNTech/Pfizer und Spikevax® von Moderna, aber auch der in Deutschland seit Dezember 2021 nicht mehr zum Einsatz kommende Vektor-Impfstoff Vaxzevria® von AstraZeneca bieten laut Expertinnen und Experten gegen die derzeit in Deutschland vorherrschende Delta-Variante ausreichenden Schutz, sofern die Impfserie mit erster und zweiter Dosis vollständig abgeschlossen wurde und mindestens 14 Tage seit der letzten erforderlichen Impfung vergangen sind. Darum empfiehlt das RKI den noch nicht grundimmunisierten Personen dringend, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen und hierbei auf einen vollständigen Impfschutz zu achten. Bereits vollständig Geimpfte sollten gemäß STIKO-Empfehlungen die Möglichkeit der Auffrischungsimpfung (Booster-Impfung) drei Monate nach der Grundimmunisierung nutzen.

Erste Daten bezüglich der Schutzwirkung vor der Omikron-Variante zeigen eine geringere Wirksamkeit im Vergleich zur Delta-Variante. Nach Verabreichung einer Auffrischungsimpfung wurde jedoch eine gute Schutzwirkung gegenüber einer symptomatischen Infektion mit der Omikron-Variante festgestellt.

Aktuelle Studien deuten darauf hin, dass der Impfstoff COVID-19 Vaccine Janssen® von Johnson & Johnson – im Unterschied zu den anderen zugelassenen Impfstoffen – eine vergleichsweise geringere Wirksamkeit gegenüber der Delta-Variante aufweist. Zur Optimierung der Grundimmunisierung und Erhöhung des Schutzes empfiehlt die am Robert Koch-Institut (RKI) ansässige Ständige Impfkommission (STIKO) Personen, die bisher eine Impfstoffdosis der COVID-19 Vaccine Janssen® erhalten haben, eine zusätzliche mRNA-Impfstoffdosis ab vier Wochen nach der Janssen®-Impfung.

Die Wirksamkeit der Impfstoffe und ihre Wirkung gegen Virusvarianten werden kontinuierlich überprüft. Alle Hersteller planen zudem verschiedene Anpassungen ihrer Impfstoffe, die – falls es notwendig sein sollte – auch vor künftig auftretenden Virusvarianten schützen.

#KarlText – Folge 2: Drohen neue Virusvarianten?

#KarlText – Folge 2: Drohen neue Virusvarianten?

Verbreitungsstopp der Coronavirus-Varianten: Welche Maßnahmen ergreift die Bundesregierung?

Um die Ausbreitung von Virusvarianten in Deutschland soweit wie möglich zu verhindern, hat die Bundesregierung folgende präventive Maßnahmen beschlossen:

Einreiseregeln nach Voraufenthalt in einem Virusvariantengebiet

Virusvariantengebiete sind Risikogebiete mit besonderen Merkmalen. Dies können Gebiete sein, in denen eine Variante des Coronavirus verbreitet aufgetreten ist, die nicht zugleich in Deutschland verbreitet auftritt und von der anzunehmen ist, dass von ihr ein besonderes Risiko ausgeht. Solche besonderen Risiken können sich unter anderem daraus ergeben, dass die Virusvariante

  • vermutlich oder nachweislich leichter übertragen wird,
  • aufgrund einer anderen Eigenschaft die Infektionsausbreitung beschleunigt,
  • die Krankheitsschwere verstärkt oder
  • gegen die Wirkung einer durch Impfung oder überstandenen COVID-19-Erkrankung erreichten Immunität abgeschwächt ist.

Neue Virusvariantengebiete

Bevor sich die Virusvariante Delta zur dominierenden Variante in Deutschland entwickelte, wurden Gebiete, in denen Delta bereits stark kursierte, als Virusvariantengebiete eingestuft. Dies brachte verschärfte Einreise- und Quarantäneregeln mit sich. Nachdem die Delta-Variante auch in Deutschland dominierend wurde, galten zwischenzeitlich keine Gebiete als Virusvariantengebiet. Die aktuelle Liste mit Hochrisiko- und Virusvariantengebieten des Robert Koch-Instituts können Sie hier einsehen.

Überblick gewinnen: Bundesweite Sequenzierung der Viren

Um einen besseren Überblick über zirkulierende bekannte Virusvarianten und deren Ausbreitungsmuster zu bekommen und vor allem auch neu entstehende Virusvarianten zuverlässig schnell zu entdecken, fördert die Bundesregierung die bundesweite Sequenzierung der Viren. Dabei wird die Reihenfolge der Erbgutbausteine bestimmt, was entscheidend ist, um das ursprüngliche Coronavirus von seinen Varianten mit Mutationen zu unterscheiden. 

Zu diesem Zweck ist am 19. Januar 2021 die Coronavirus-Surveillanceverordnung des Bundesministeriums für Gesundheit (BMG) in Kraft getreten, welche Maßnahmen für eine bundesweit flächendeckende molekulare Surveillance – also die systematische und kontinuierliche Überwachung der Virus-Evolution in Deutschland – festhält. In dieser Verordnung ist u. a. geregelt, dass alle in Deutschland gewonnenen Genomsequenzdaten von SARS-CoV-2 an das Robert Koch-Institut übermittelt werden, damit sie dort gesammelt ausgewertet werden können.

Virusvarianten im zeitlichen Verlauf

Vereinigtes Königreich, Herbst 2020: Die Virusvariante Alpha

Seit Herbst 2020 verbreitete sich die sogenannte Variante Alpha (B.1.1.7) des SARS-CoV-2-Virus. Sie trat zunächst vorwiegend im Vereinigten Königreich auf und übertrug sich noch leichter von Mensch zu Mensch als die vorangegangenen Formen. Alpha weist eine erhöhte Reproduktionszahl sowie Viruslast auf. Auch in Deutschland lag der Anteil der Alpha-Infektionen zwischenzeitlich bei über 90 Prozent. Nachdem Alpha das europäische Pandemiegeschehen im Frühjahr 2021 dominiert hat, wird die Variante heute nur noch in wenigen Fällen in Europa nachgewiesen.

Südafrika, Dezember 2020: Die Virusvariante Beta

Im Dezember 2020 wurde eine weitere Variante auffällig – die sogenannte Virusvariante Beta aus Südafrika. Infektionen mit Beta wurden zunehmend auch in Europa festgestellt, ihr Anteil lag jedoch meist im einstelligen Prozentbereich. Mehrere Studien wiesen darauf hin, dass Menschen, die mit der ursprünglichen Variante infiziert waren oder einen auf dieser Variante beruhenden Impfstoff erhalten haben, weniger gut vor einer Infektion mit Beta geschützt waren. Das lag daran, dass die neutralisierenden Antikörper, die das Immunsystem gebildet hatte, gegen das veränderte Virus weniger wirksam waren. Auch für diese Variante wurde eine höhere Übertragbarkeit diskutiert.

Indien, Oktober 2020: Die Virusvarianten Delta und Kappa

Die zuerst im Oktober 2020 in Indien im Bundesstaat Maharashtra festgestellte Virusvariante B.1.617 wird in drei Linien unterteilt (B.1.617.1 (Kappa), B.1.617.2 (Delta) und B.1.617.3). Die Variante Kappa wurde außerhalb Indiens bereits in mehreren Ländern Asiens, Europas (insbesondere in Großbritannien), Nordamerika und Ozeanien nachgewiesen. Die Delta-Variante wurde von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Europäischen Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) als besorgniserregende Variante (VOC – Variant of Concern) eingestuft. Delta ist noch ansteckender als Alpha und wird mit einer reduzierten Wirksamkeit der Immunantwort in Verbindung gebracht. Allerdings deuten Studien darauf hin, dass nach vollständiger Impfung ein sehr guter Schutz vor schweren Krankheitsverläufen durch Delta besteht. Bei einer unvollständigen Impfserie (eine von zwei Dosen) ist die Wirksamkeit gegen milde Verläufe jedoch verringert.

Südafrika, November 2021: Die Virusvariante Omikron

Über die Variante Omikron (B.1.1.529) wurde zuerst am 24. November 2021 vom südafrikanischen Gesundheitsministerium berichtet. Am 26. November 2021 hat die WHO sie zur VOC erklärt. Phylogenetische Untersuchungen zeigen, dass Omikron unabhängig von der derzeit dominierenden Delta-Variante entstanden ist. Sie besitzt im Vergleich zum ursprünglichen Virus SARS-CoV-2 eine ungewöhnlich hohe Zahl von ca. 30 Aminosäureänderungen im Spike-Protein, darunter solche mit bekanntem phänotypischem Einfluss (Erhöhung der Transmission, Immunevasion, Übertragbarkeit), aber auch viele Mutationen, deren Bedeutung unklar ist. Omikron ist in verschiedenen Ländern weltweit bereits die dominierende Variante, etwa in Dänemark und in den USA. Analysen des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen, dass Omikron seit Anfang Januar 2022 auch die Mehrzahl der Infektionsfälle in Deutschland ausmacht.

Das könnte Sie auch interessieren