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Körperliche Gesundheit
14:48 Uhr · 15. September 2020

Präventionssport – was bringt wie viel?

Da es weiterhin keine Heilung für Demenz gibt, sind neben der frühzeitigen Diagnose und einer Behandlung Maßnahmen wichtig, um das Erkrankungsrisiko zu verringern. Eine gesunde Lebensweise mit regelmäßiger körperlicher Betätigung kann ein wirksames Mittel zur Vorbeugung von Demenz sein. Was genau Sport als Präventionsmaßnahme bringt und wie er sich altersgerecht in den Alltag integrieren lässt, erfahren Sie in diesem Artikel.

Bild: Fabian Stürtz

Demenz geht uns alle an: 1,6 Millionen Menschen in Deutschland sind an Demenz erkrankt – und die Zahl der Erkrankten wird in den nächsten Jahren noch deutlich zunehmen. Die WHO veröffentlichte 2019 Leitlinien zur Verringerung des Risikos eines Abbaus der kognitiven Fähigkeiten und einer Demenzerkrankung. Darin empfiehlt sie regelmäßige Bewegung, Verzicht auf das Rauchen und gesunde Ernährung als wichtige Schutzmaßnahmen. Forscherinnen und Forscher der Columbia-Universität konnten mit einer wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen: Wer sich körperlich fit hält und sich zugleich gesund ernährt, senkt das Risiko, im Alter an Alzheimer zu erkranken, um bis zu 60 Prozent. Doch wie hängen körperliche Fitness und der Erhalt der kognitiven Fähigkeiten zusammen? 

Bewegung als Präventionsmaßnahme gegen Demenz – und noch viel mehr

Bewegung regt die Durchblutung des ganzen Körpers an. Dadurch bekommt auch das Gehirn mehr Sauerstoff und der Stoffwechsel im Gehirn wird angeregt: Die Nervenzellen können sich dichter vernetzen und sind aktiver. Das heißt, sie tauschen Informationen untereinander schneller und besser aus. Bewegung schützt auch vor Gefäßverkalkung – und damit vor vaskulärer Demenz. Diese von Durchblutungsstörungen verursachte Demenz ist nach Alzheimer die häufigste Form der Erkrankung.

Demenz führt zu einem schrittweisen Abbau der intellektuellen Fähigkeiten, dem Verlust des Gedächtnisses und der Orientierung. Damit verlieren Betroffene auch ihre Selbstständigkeit. Wenn sie durch mangelnde Bewegung auch Kraft und Koordination einbüßen, steigt das Unfallrisiko und Stürze werden häufig zur Gefahr. Bewegung ist also nicht nur aufgrund seiner Demenz vorbeugenden Wirkung wichtig, sie trägt zum Erhalt der körperlichen Kraft und der Selbstständigkeit im alltäglichen Handeln bei. 

Darüber hinaus hat regelmäßige Bewegung natürlich viele allgemeine positive körperliche Effekte: Sport und Bewegung im Alltag senken den Blutdruck und den Cholesterinspiegel, verhindern Übergewicht und beugen Zuckerkrankheit, Herzinfarkt und Schlaganfällen vor.

Nicht zuletzt macht Bewegung Spaß und bietet Erfolgserlebnisse. Sie beugt depressiven Stimmungen vor und fördert das psychische Wohlbefinden.

Fit durch die Pandemie 

Es geht bei regelmäßiger Bewegung nicht um Höchstleistungen. Wer sich dreimal pro Woche mindestens eine halbe Stunde bewegt, hat schon viel geleistet. Tanzen, Schwimmen oder Fahrradfahren, Qigong, Nordic Walking oder Pilates – für jeden lässt sich ein geeignetes Bewegungsangebot finden, das auf die persönliche Leistungsfähigkeit abgestimmt ist. Eine Ärztin oder ein Arzt kann helfen, etwas Passendes auszuwählen. Es ist auch nie zu spät, neu mit einer Sportart anzufangen. Viele Gemeinden, Volkshochschulen und Vereine bieten altersgerechte Bewegungs- und Sportangebote an. Das Training in der Gruppe macht Spaß, motiviert und bietet die Gelegenheit, soziale Kontakte zu pflegen. 

Da die Coronavirus-Pandemie noch andauert, achten Sie jedoch auf die AHA-Formel: Abstand wahren, Hygieneregeln beachten und – da, wo es eng wird, z. B. auf dem Weg ins Sportstudio – Alltagsmasken tragen. Falls Sporthalle, Studio oder ähnliche Räume nicht besucht werden können, gibt es einige Möglichkeiten, regelmäßige Bewegung kontaktarm zuhause in den eigenen Alltag zu integrieren. Dabei ist regelmäßiges Lüften der Innenräume jetzt noch wichtiger geworden, um das Infektionsrisiko durch Aerosole zu verringern.

Teamgeist zeigen, gemeinsam trainieren

Die Aktion „TEAMGEIST für Menschen mit Demenz“ des Bundesministeriums für Gesundheit präsentiert eine Serie von Bewegungsvideos, mit denen ältere Menschen und ihre Angehörigen gemeinsam sportliche Aktivitäten durchführen können. Angeleitet werden die Übungen von Martina Voss-Tecklenburg, der Trainerin der deutschen Fußballnationalmannschaft der Frauen, die sich seit 2019 als Demenzbotschafterin engagiert. Zusammen mit Ihrem an Demenz erkrankten Angehörigen können Sie trainieren und dadurch einen unterstützenden „Teamgeist“ schaffen, der für gute Laune sorgt.

Geschult werden Kraft, Balance und Koordination. Die Trainingsvideos sind hier verfügbar. Zu jeder einzelnen Übung gibt es eine Anleitung, die neben den Videos steht und als PDF-Datei heruntergeladen werden kann. Ausgedruckt ist die Anleitung immer griffbereit für das nächste Training. Zusätzlich können Sie einen Trainingsplan ausdrucken, um regelmäßig an die Übungen zu denken. In dieser Übersicht können Sie Ihre Übungseinheiten notieren. 

Älter werden in Balance

Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet seit 2014 das bundesweite Präventionsprogramm „Älter werden in Balance“ an. Zielsetzung des Präventionsprogramms ist es, durch körperliche Aktivität und Bewegung die Gesundheit und Lebensqualität älterer Menschen in Deutschland zu fördern und Pflegebedürftigkeit so weit wie möglich hinauszuschieben. Im Kern besteht „Älter werden in Balance“ aus zwei lebensweltbezogenen Interventionen: dem AlltagsTrainingsProgramm (ATP) für die Zielgruppe der ab 60-Jährigen und dem Lübecker Modell Bewegungswelten (LMB), welches sich an Bewohnerinnen und Bewohner in ambulanten und stationären Einrichtungen richtet. Die Website www.aelter-werden-in-balance.de bietet gezielte Informationsangebote zur Verbesserung des individuellen Gesundheitswissens älterer Menschen und motiviert mit leicht umzusetzenden Anregungen zu mehr Bewegungsaktivität im Alltag. 

Bei der BZgA können Sie sich kostenlos das Karten-Set „Bewegung aktiv“ mit 25 Bewegungsübungen bestellen. Die BZgA bietet zudem Publikationen mit Anregungen, wie Sie Ihren Alltag in Bewegung gestalten können und wie Menschen mit Bewegungseinschränkungen fit und eigenständig bleiben. Oder trainieren Sie mit der Anleitung „Gleichgewicht und Kraft –Das Übungsprogramm – Fit und beweglich im Alter“. Auf der Website www.bewegung-bei-demenz.de finden Sie Informationen rund um das körperliche Training bei Demenz und ein Heimtrainingsprogramm für Einsteiger, Fortgeschrittene und Profis.