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Corona-Schutzimpfung
08:24 · 13. September 2021

Trypanophobie: Wie Sie mit der Angst vor Spritzen umgehen können

Viele Menschen würden sich gern gegen das Coronavirus impfen lassen – doch ihre große Angst vor Spritzen hindert sie daran. Wie man diese Phobie in den Griff bekommt und so doch eine Corona-Schutzimpfung erhalten kann, erläutert der Psychologe und Experte für Angststörungen Prof. Borwin Bandelow im Interview.

Hilfe bei der Angst vor Spritzen

Die Trypanophobie, wie die Spritzenangst in der Fachsprache heißt, ist eine Untergruppe der Blut- und Verletzungsphobien. Für Betroffene kostet jede Impfung oder Blutentnahme große Überwindung. Die gute Nachricht: Sie sind nicht allein, denn bei Spritzenangst, oder auch der Angst vor Nadeln, handelt es sich zwar um eine spezifische Phobie, die aber vergleichsweise häufig vorkommt – und es gibt mögliche Behandlungen. Wie es gelingen kann, diese Furcht zu überwinden, erfahren Sie im Gespräch mit Herrn Prof. Borwin Bandelow.

Herr Professor Bandelow, woher kommt die Angst vor Spritzen eigentlich?

Die Blut- und Verletzungsphobien, zu der ja auch die Trypanophobie zählt, gibt es schon sehr lange. Ihr Ursprung liegt in der Urzeit. Damals galt: Tiere und Menschen, die sich zu oft verletzt haben, sind eher gestorben – bei diesen Ängsten handelte es sich also um ganz natürliche Schutzfunktionen.

Was können Betroffene tun?

Da gibt es mehrere Möglichkeiten. Viele versuchen zunächst einmal, ihre Angst selbst zu bekämpfen. Es geht ja nur um einen kleinen Piks, der nach einem Augenblick schon vorbei ist. Ich habe selbst lange geimpft und meinen Patientinnen und Patienten immer empfohlen, an etwas anderes zu denken, zum Beispiel an eine schöne Sonneninsel. Die allermeisten haben dann nicht einmal etwas gemerkt. Manche Menschen haben auch Angst, dass sie während der Spritze in Ohnmacht fallen könnten, aber darauf sind die Impfärztinnen und -ärzte natürlich vorbereitet. Am besten spricht man vorher mit ihnen über die Angst, dann können sie entsprechende Maßnahmen ergreifen – zum Beispiel die Person auf einer Liege liegend impfen. Eine gute Idee ist auch, zur Beruhigung eine Begleitperson mitzunehmen.

Was kann man tun, wenn man seine Angst trotzdem nicht in den Griff bekommt?

In schlimmeren Fällen kann man sich an einen Psychologen oder Psychiater wenden und eine Spritzenphobie mit einer Verhaltenstherapie behandeln. Hier gibt es sogar schon Methoden, bei denen Virtual Reality eingesetzt und eine Spritze imitiert wird. Rund 90 Prozent aller Betroffenen, die sich in Behandlung begeben, leiden hinterher nicht mehr an Spritzenphobie. Hat man nicht die Zeit für eine Therapie, etwa weil der Impftermin naht, kann man sich von seiner Ärztin oder seinem Arzt auch ein Beruhigungsmittel verschreiben lassen. Das nimmt man dann etwa zwanzig Minuten vor der Spritze ein.

Wie kann man Verwandten oder Freundinnen und Freunden helfen, die an Trypanophobie leiden?

Wenn man Angehörige mit Spritzenphobie hat, sollte man versuchen, sie behutsam darauf hinzuweisen, dass die Corona-Schutzimpfung wirklich wichtig ist. Trotz Spritzenangst sollte man sich auf jeden Fall gegen COVID-19 impfen lassen, denn diese Krankheit stellt tatsächlich eine große Gefahr für die Gesundheit dar. Der Piks, den die Impfung mit sich bringt, steht in keinem Verhältnis zu den Risiken, die eine COVID-19-Erkrankung mit sich bringt.

Wie kann man mit weiteren Ängsten rund um die Corona-Schutzimpfung umgehen?

Manche fürchten sich vor unmittelbaren Nebenwirkungen, die auftreten können, wie leichtes Fieber oder Schüttelfrost. Andere haben Angst vor Impfschäden, aber diese sind extrem selten. Im Gegensatz dazu muss man sich vergegenwärtigen, dass von 50 Personen, die an COVID-19 erkranken, im Schnitt eine sterben wird. Es wäre also eine völlig falsche Risikoabwägung, aus Angst vor Nebenwirkungen, auf die Impfung zu verzichten.

Das Gespräch mit Herrn Prof. Bandelow als Video sehen Sie hier:

Wissenschaft im Fokus: Prof. Borwin Bandelow spricht über Trypanophobie

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