Bundesministerium für Gesundheit
Corona-Schutzimpfung
13:11 · 25. November 2021

Schwangerschaft in Zeiten der Corona-Pandemie: Wie kann ich mein Baby und mich schützen?

Auch werdende Mütter sollten sich und ihr Ungeborenes vor dem Coronavirus schützen. Was Sie in der Schwangerschaft beachten sollten und warum die Ständige Impfkommission (STIKO) auch Schwangeren und Stillenden sowie Frauen mit Kinderwunsch die Corona-Schutzimpfung empfiehlt, erfahren Sie hier.

Aktuelles zur Corona-Schutzimpfung für Schwangere.

Die persönliche Gesundheit und die des ungeborenen Kindes ist werdenden Müttern in der Schwangerschaft ein besonderes Anliegen. In Zeiten der Pandemie kommen Sorgen vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus hinzu. Die Corona-Schutzimpfung bietet auch für Schwangere den besten und sichersten Schutz vor einer Erkrankung an COVID-19. Zudem ist es wichtig, die empfohlenen Verhaltensregeln sowie die AHA+L-Formel einzuhalten. Auch nahe Kontaktpersonen (ab 12 Jahren) der Schwangeren sollten sich impfen lassen. Besteht der Verdacht auf eine Corona-Infektion, besprechen Sie das weitere Vorgehen am besten telefonisch mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Was werdende Eltern außerdem wissen und beachten sollten, lesen Sie in diesem Artikel.

Ungeimpfte Schwangere haben ein erhöhtes Risiko für einen schweren COVID-19-Verlauf

Eine Schwangerschaft ist aufgrund der damit einhergehenden körperlichen Veränderungen belastend für den Körper und stellt daher einen relevanten Risikofaktor für schwere COVID-19-Verläufe dar. Dieses erhöhte Risiko besteht für alle Schwangeren, nicht nur für diejenigen mit Vorerkrankungen beziehungsweise vorbestehenden Risikofaktoren wie Adipositas, chronischem Bluthochdruck oder Diabetes. Das Risiko nimmt außerdem mit steigendem Alter weiter zu. Aktuelle Studiendaten deuten darauf hin, dass eine Infektion mit dem Coronavirus bei Schwangeren häufiger schwer verläuft als bei anderen Infizierten. An COVID-19 erkrankte Schwangere müssen mit höherer Wahrscheinlichkeit im Krankenhaus intensivmedizinisch behandelt werden. Etwa eine von zehn schwangeren Frauen, die mit COVID-19-Symptomen aufgenommen wird, benötigt eine intensivmedizinische Behandlung. Insbesondere die Virusvariante Delta stellt ein erhöhtes Risiko für ungeimpfte Schwangere dar.

Wolfgang Heinrich, Gynäkologe und Leiter der Geburtsklinik der Berliner Charité, erzählt aus dem Klinikalltag:

„Was wir zunehmend haben, sind lebensbedrohlich kranke Schwangere, die ihre Kinder verlieren oder Frühgeburten haben – und Frauen, die dauerhaft beeinträchtigt sein werden, wenn sie überleben. Wer während der Schwangerschaft erkrankt, hat (…) ein 50-fach höheres Sterberisiko vor der Geburt, währenddessen und im Wochenbett.“

Kann sich das Neugeborene mit COVID-19 anstecken? 

Aufgrund der Datenlage können zurzeit noch keine abschließenden Aussagen über die Auswirkung einer Infektion auf das ungeborene Kind gemacht werden. Insgesamt scheint eine Übertragung einer mütterlichen SARS-CoV-2-Infektion auf das Neugeborene jedoch selten zu sein und beim Neugeborenen auch nur in seltenen Fällen Symptome auszulösen. Grundsätzlich kann aber eine Infektion, zum Beispiel mit hohem Fieber bei der schwangeren Person während des ersten Drittels der Schwangerschaft (auch Trimenon genannt) das Risiko von Komplikationen und Fehlbildungen erhöhen. Einige Studienergebnisse zeigen zudem, dass insbesondere schwer an COVID-19 erkrankte Schwangere häufiger Frühgeburten hatten und die Neugeborenen öfter auf einer Intensivstation für Früh- und Neugeborene betreut werden mussten.

Totgeburten oder Todesfälle sind bei Neugeborenen bislang wenig beschrieben, allerdings zeigen einzelne Studien im Fall einer schweren COVID-19-Erkrankung der Mutter ein erhöhtes Risiko, dass das Baby tot zur Welt kommt.

Sollte ich mich gegen COVID-19 impfen lassen, wenn ich schwanger bin?

Wichtig: Um schon vor Eintritt der Schwangerschaft vor einer schweren COVID-19-Erkrankung geschützt zu sein, sollten sich Frauen mit konkretem Kinderwunsch umgehend impfen lassen. So besteht ein Schutz schon von den ersten Schwangerschaftswochen an.

Denn nach eingehender Beratung und Bewertung der vorhandenen Datenlage empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) Frauen erst ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel (auch: zweites Trimenon), sich mit zwei Dosen des mRNA-Impfstoffs Comirnaty® von BioNTech/Pfizer im Abstand von drei bis sechs Wochen gegen COVID-19 impfen zu lassen. Grund für diese Impfempfehlung sind die beschrieben Risiken für einen schweren Verlauf von COVID-19 bei Schwangeren sowie eine deutlich verbesserte Datenlage, die bisher kein gehäuftes Auftreten von schweren unerwünschten Nebenwirkungen nach der Corona-Schutzimpfung bei Schwangeren zeigt. Die bis dato vorliegenden Daten zur Sicherheit zeigen kein gehäuftes Auftreten von Tot- oder Frühgeburten.

Warum empfiehlt die STIKO für Schwangere nur noch den Impfstoff Comirnaty® von BioNTech/Pfizer?

Die STIKO nimmt kontinuierlich eine Bewertung des Nutzens und des Risikos der COVID-19-Impfung auf Basis der verfügbaren Daten sowohl für die Allgemeinbevölkerung als auch für spezielle Zielgruppen vor. Sobald neue Erkenntnisse mit Einfluss auf diese Empfehlung bekannt werden, aktualisiert die STIKO ihre Impfempfehlung. Neue Sicherheitsdaten haben gezeigt, dass bei jungen Menschen nach Impfungen mit dem Impfstoff Spikevax® von Moderna häufiger seltene Nebenwirkungen, wie Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen (Myo- und Perikarditiden) beobachtet wurden als nach der Impfung mit BioNTech/Pfizer. 

Aufgrund dieser neuen Datenlage hat die STIKO ihre Empfehlung zur COVID-19-Impfung mit Spikevax® und Comirnaty® aktualisiert und empfiehlt, nur noch Personen ab 30 Jahren damit zu impfen. Zwar liegen für Schwangere keine vergleichenden Daten für Comirnaty® und Spikevax® vor, dennoch soll laut STIKO auch eine Impfung von Schwangeren (ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel) unabhängig vom Alter vorsorglich nur mit Comirnaty® von BioNTech/Pfizer erfolgen.

Wichtig ist dabei, dass der Impfstoff Spikevax® (Vaccine Moderna) für Personen ab 30 Jahren weiterhin ein wichtiges, sicheres und wirksames Element der Impfkampagne bleibt – insbesondere auch für die notwendigen Auffrischungsimpfungen. Die Aktualisierung der COVID-19-Impfempfehlung zu diesem Punkt finden Sie hier.

Sollte ich mich gegen COVID-19 impfen lassen, wenn ich schwanger werden möchte?

Frauen mit Kinderwunsch wird von der STIKO eindringlich empfohlen, sich vor Eintritt der Schwangerschaft – entsprechend der allgemeinen Impfempfehlung für alle Personen ab 12 Jahren – impfen zu lassen. Damit besteht der bestmögliche Schutz für die Schwangere und ihr Kind bereits ab dem ersten Schwangerschaftsdrittel. Laut Paul-Ehrlich-Institut „ist im Rahmen einer Arzneimittelzulassung die bestmögliche Sicherheit für den Ausschluss von Schäden an Fortpflanzungsorganen und von einer Beeinträchtigung der Fortpflanzung beim Menschen gewährleistet.“ Hier finden Sie ausführliche Informationen zum Thema COVID-19-Impfung und Unfruchtbarkeit.

Sollte ich mich als Stillende gegen COVID-19 impfen lassen?

Die STIKO empfiehlt ungeimpften Stillenden die Impfung mit dem mRNA-Impfstoff Comirnaty® von BioNTech/Pfizer.
Auch verschiedene Fachverbände sprechen sich in einem gemeinsamen Positionspapier für ein Impfangebot für Stillende aus. Eine Stillpause nach der Impfung ist beim mRNA-Impfstoff Comirnaty® von BioNTech/Pfizer nicht nötig. In diesem Artikel finden Sie ausführliche Informationen zur Corona-Schutzimpfung für stillende Frauen. Sprechen Sie mit Ihrer Gynäkologin oder Ihrem Gynäkologen beziehungsweise Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt und wägen Sie gemeinsam Nutzen und Risiken einer möglichen Impfung ab.

Im folgenden Video klärt Frau Dr. Röbl-Mathieu, Frauenärztin und STIKO-Mitglied darüber auf, was es zu den Gerüchten zur COVID-19-Impfung rund um Kinderwunsch, Schwangerschaft und Stillzeit zu wissen gibt und beantwortet häufig gestellte Fragen:

Frau Dr. Röbl-Mathieu, COVID-19-Impfung in der Schwangerschaft, Stillzeit und bei Kinderwunsch - was gibt es neues?

Die Impfempfehlung basiert auf einer systematischen Aufarbeitung der nach und nach verfügbar gewordenen Daten zum Risiko von schweren COVID-19-Verläufen in der Schwangerschaft sowie zur Effektivität und Sicherheit einer COVID-19-Impfung bei Schwangeren und Stillenden.

Gut zu wissen: Der Einsatz und die Sicherheit der Corona-Schutzimpfung werden fortlaufend und inzwischen auch bei Schwangeren untersucht. Eine weltweite Studie des Unternehmens BioNTech/Pfizer mit 4.000 Schwangeren hat bereits begonnen, Ergebnisse werden für August 2022 erwartet. Die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe e. V. (DGGG) hat sich gemeinsam mit anderen Fachgesellschaften bereits im Mai 2021 in einer aktualisieren Nutzen-Risiko-Bewertung für eine priorisierte COVID-19-Impfung von schwangeren Frauen mit einem mRNA-Impfstoff ausgesprochen. Die DGGG begrüßt die Entscheidung der STIKO:

„Die Empfehlung ist komplett in unserem Sinne – die wissenschaftliche Begründung sehr faktengesättigt, zumal auch bisher unveröffentlichte Daten des RKI eingegangen sind. Nun können Frauenärztinnen und Frauenärzte ihre Patientinnen über die Vorteile des Impfschutzes beraten und eine Immunisierung gegen COVID-19 vollumfänglich sachlich fundiert empfehlen“, so Prof. Dr. Ekkehard Schleußner, Leiter der Autorengruppe für die Impfempfehlungen der Gynäkologischen Fachverbände.

Sollte ich mich vor einer Impfung ärztlich beraten lassen?

Eine Impfung ist immer eine individuelle Entscheidung, die Sie am besten gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt treffen. Deshalb sollten sich werdende Mütter und insbesondere Schwangere mit Vorerkrankungen (siehe oben) oder mit einem erhöhten Expositionsrisiko ausführlich ärztlich beraten lassen und gemeinsam über den Nutzen und das Risiko einer Impfung ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel sprechen. Gut zu wissen: Auch wenn Hebammen in der Schwangerschaft und danach wichtige Bezugspersonen sind – sie sind nicht qualifiziert, Impfberatungen durchzuführen und dürfen dies auch nicht. Diese Aufklärung und Beratung ist Ärztinnen und Ärzten vorbehalten.  

Wichtig ist auch: War zu dem Zeitpunkt der Impfung noch nicht bekannt, dass eine Schwangerschaft besteht, ist dies keinesfalls eine Indikation für einen Schwangerschaftsabbruch

Seit Beginn der Pandemie wird empfohlen, dass sich auch Personen, die engen Kontakt mit schwangeren Frauen haben, gegen COVID-19 impfen lassen, um nicht nur sich, sondern auch die Schwangere und das Baby vor einer Infektion mit dem Coronavirus zu schützen.

Beeinträchtigt die Impfung die Fruchtbarkeit?

Es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass Frauen durch die Impfung unfruchtbar werden könnten. In Sozialen Medien kursierte das Gerücht, die Corona-Schutzimpfung könne unfruchtbar machen, weil sich das Spike-Protein des Coronavirus und ein Protein mit dem Namen Syncytin-1, das für die Bildung der Plazenta verantwortlich ist, ähneln. Daraus wird fälschlicherweise geschlussfolgert, dass die nach der Impfung im Körper gebildeten Antikörper die Bildung einer Plazenta beeinträchtigten. Das ist falsch und kann ausgeschlossen werden. Zudem zeigen sich bei Frauen, die an COVID-19 erkrankt waren, auch keine Hinweise auf Unfruchtbarkeit nach einer COVID-19-Erkrankung. Es sind auch keine erhöhten Zahlen an Fehlgeburten oder Komplikationen nach einer COVID-19-Erkrankung und der damit verbundenen Bildung von Antikörpern bekannt. In diesem
Artikel
 finden Sie ausführliche Informationen zum Thema Unfruchtbarkeit und COVID-19-Impfung.

Erhöht die COVID-19-Impfung das Risiko einer Fehlgeburt?

Eine US-amerikanische Studie untersuchte die Sicherheit der mRNA-Impfstoffe von BioNTech/Pfizer oder Moderna für schwangere Frauen. Die Studie zeigt, dass das Risiko einer Fehlgeburt durch die COVID-19-Impfung nicht erhöht wird. Fehlgeburten kamen bei geimpften Schwangeren genauso häufig vor, wie bei nicht geimpften vor der Pandemie. In der Regel enden etwa zehn bis 15 Prozent aller Schwangerschaften in einer Fehlgeburt. Häufig passiert dies in den ersten zwölf Wochen einer Schwangerschaft und bleibt unbemerkt. Unter den Studienteilnehmerinnen hatten 13,9 Prozent (115 von 827 Frauen) eine Fehlgeburt. Diese Rate liegt im Normalbereich.

Weitere Informationen finden Sie auf der Website des Robert Koch-Instituts.

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